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Hermann Krupp

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Hermann Krupp (Aufnahme o. J.)

Hermann Krupp (* 15. Februar 1814 in Essen; † 25. Juli 1879 in Berndorf, Niederösterreich) war ein österreichischer Unternehmer aus der Familie Krupp. Er gilt als der Begründer des österreichischen Zweiges der Krupp-Dynastie.

Hermann Krupp wurde als drittes Kind und zweiter Sohn von Friedrich Krupp und seiner Frau Therese geborene Wilhelmi geboren. Während seiner Schulzeit am Königlichen Gymnasium am Burgplatz in Essen starb sein Vater. Hermann Krupp absolvierte ab 1828 in Solingen eine Lehre in einem Eisenhandel. Während seiner freien Zeit und danach arbeitete er im väterlichen Betrieb an der Seite seines Bruders Alfred Krupp. Dabei zeigte sich sein kaufmännisches und technisches Verständnis, wobei er seinen Bruder in dessen Abwesenheit vertrat. Ab 1835 tätigte Hermann Geschäftsreisen auch im Ausland, beispielsweise in die Schweiz, nach Frankreich und nach England, um kruppsche Erzeugnisse zu verkaufen, aber auch um sich über andere Verfahren und Erzeugnisse zu informieren.[1]

Nach der Gründung der Berndorfer Metallwarenfabrik im Jahr 1943 durch seinen Bruder Alfred wurde Hermann im September 1844 als technischer Leiter in Berndorf eingesetzt. 1847 lernte er Marie Baum kennen, die Tochter des Wiener Kaufmanns Daniel Baum und seiner Frau Maria geborene Faber. Baum war, wie sein Partner Alexander von Schoeller früher ebenso von Hannover nach Wien gekommen. Noch 1847 heiratete Hermann Krupp seine Verlobte Marie Baum im Stephansdom in Wien. Danach gingen sie auf eine zweimonatige Hochzeitsreise nach Paris.[1] Sie lebten im Sommer in einer Wohnung auf dem Betriebsgelände der Berndorfer Metallwarenfabrik, während die Familie im Winterhalbjahr in Wien in der Wollzeile, vis à vis der Stadtniederlassung der Metallwarenfabrik wohnte. Im Revolutionsjahr 1848 ging der kruppsche Anteil der Berndorfer Metallwarenfabrik auf Hermann Krupp über. Neben Schoeller trat er am 1. Januar 1849 als Gesellschafter ein.[1]

Hermann Krupp war evangelisch, seine Frau Marie katholisch. Der konfessionellen Mischehe entsprechend wurden auch die Kinder unterschiedlich getauft. Zur Nachkommenschaft zählten fünf Söhne, darunter der Industrielle Arthur Krupp, und zwei Töchter.[1]

Das Krupp-Mausoleum in Berndorf

Hermann Krupp war sehr engagiert im Beruf und hatte immer ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern, die ebenso loyal zu ihm standen. Daher hatte – im Gegensatz zu den Werken in Essen – die Revolution im Jahr 1848 keine negativen Auswirkungen auf die Berndorfer Fabrik, es kam zu keinen Arbeitsniederlegungen (Streiks). Die Auswirkungen in Essen führten dazu, dass Therese Krupp als Eigentümerin das Werk in Essen an Alfred verkaufte, der sich nun aus dem Berndorfer Unternehmen zurückzog, während Hermann im Gegenzug auf sein Erbteil an den Essener Werken verzichtete.

Obwohl die Brüder Alfred und Hermann sehr unterschiedliche Charaktere waren, hatten sie immer ein gutes familiäres Verhältnis. Die Gewinne in Berndorf erlaubten auch Darlehen an den Bruder in Essen, durch diese Beteiligungen erhoffte Hermann sich einen Wiedereintritt in das Essener Unternehmen. Erst seine Beteiligung am Stahlwerk von Alexander von Schoeller (den heutigen Schoeller-Bleckmann Stahlwerken in Ternitz) trübte das Verhältnis, da Alfred es als Affront empfand, dass sich Hermann an einem konkurrierenden Stahlwerk beteiligte. Diese Beteiligung wurde erst von Hermanns Sohn Arthur im Jahr 1883 von Schoeller zurückgekauft.

Ein weiterer persönlicher Schlag für Hermann Krupp als Deutschen in Österreich war der Ausbruch des Preußisch-Österreichischen Krieges 1866.

Das Hermann-Krupp-Denkmal am Fuße des Guglzipf

Im Jahr 1876 fuhr Krupp zur Weltausstellung nach Philadelphia und machte außerdem zahlreiche Firmenbesuche in den Vereinigten Staaten um neue Ideen für die Nickel- und Besteckherstellung mit nach Hause zu nehmen. Während dieser Reise, die ihn sehr strapazierte, erlitt er einen Ohnmachtsanfall, der auf Herzschwäche zurückgeführt wurde. In der Folge wurde er gesundheitlich zunehmend schwächer. Zuerst wollte er seinen Sohn Karl als seinen Nachfolger in der Berndorfer Fabrik einsetzen. Nachdem dieser aber nicht seinen Erwartungen entsprach, übergab er das Unternehmen, das für ihn sein Lebenswerk darstellte, an seinen Sohn Arthur. 1879 stiftete Hermann Krupp den Platz zu einem Ortsfriedhof in Berndorf, der in seiner Gegenwart am 25. Mai des Jahres eingeweiht wurde. Dort bestimmte er auch die Stätte für ein kruppsches Familiengrab. Etwa zwei Monate später starb Hermann Krupp, der die Berndorfer Metallwarenfabrik 35 Jahre geleitet und zu großem Aufstreben gebracht hatte. Weitere drei Wochen später folgte ihm seine gesundheitlich lange schwer angeschlagene Ehefrau Marie.[1] Er wurde 1884 in einem durch den Architekten Viktor Rumpelmayer errichteten Mausoleum in Berndorf bestattet.

1910 ließ Arthur Krupp ein Hermann-Krupp-Denkmal am Fuße des Guglzipfs, des Hausbergs von Berndorf, zu Ehren des Vaters errichten. Sein Standort wurde so gewählt, dass es dem von 1892 bis 1895 errichteten und nach dem Zweiten Weltkrieg zerstörten Herrenschloß „Am Brand“ jenseits der Triesting gegenüberliegt und sowohl von der Stadt als auch der Fabrik aus gesehen werden kann. Das denkmalgeschützte Ehrenmal besteht aus einem runden, zierlichen ionischen Säulentempel mit acht Säulen aus französischem Sandstein und einer kleinen Kupferkuppel. In seiner Mitte erhebt sich die in Bronze ausgeführte Büste Hermann Krupps, die der Bildhauer Ruß entworfen und der Gussmeister Zehle in der Berndorfer Metallwarenfabrik gegossen hat. Die Steinmetzarbeiten besorgte die k. k. Hof-Steinmetz-Firma Franz Grein aus Graz. Das Denkmal wurde am 25. Juli 1910 feierlich enthüllt.[2]

  • Hillbrand: Krupp Hermann. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969, S. 304 f. (Direktlinks auf S. 304, S. 305).
  • Hans Jaeger: Krupp, Hermann. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 13. Duncker & Humblot, Berlin 1982, ISBN 3-428-00194-X, S. 145–146 (deutsche-biographie.de).
  • Franz Maria Feldhaus: Krupp, Hermann. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 55, Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S. 539 f.
  • Rita Hanss, Karl-Heinz Daniel (Fotogr.): Das Erbe der „Löffeltanndler“. Hermann und Arthur Krupp schrieben im niederösterreichischen Berndorf ein wichtiges Kapitel Bau- und Sozialgeschichte. In: Kultur & Technik. Jahrgang 22 (1998), Heft 3, ZDB-ID 161328-5, S. 47–50.
  • Dietmar Lautscham: Arthur, der österreichische Krupp. Arthur Krupp (1856–1938), ein Großindustrieller dynastischer Prägung, einer der letzten Feudalherrn (sic) des Privatkapitals, ein genialer Mäzen, der Schöpfer der Arbeiterstadt Berndorf. Kral, Berndorf 2005, ISBN 3-902447-12-5.
  • Erwin Schilder: Berndorf – Vergangenheit und Gegenwart. Stadtgemeinde, Berndorf 1975, OBV.

Einzelnachweise

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  1. a b c d e Hermann Krupp und sein Schaffen. In: Essener Volkszeitung vom 17. Januar 1939
  2. Schilder: Berndorf, S. 287.
Commons: Hermann Krupp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien