Zum Inhalt springen

Hellmut Wollenweber

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Hellmut Ernst Eugen Wollenweber (* 26. März 1903 in Bonn; † 1976) war ein deutscher Agrar- und Wirtschaftswissenschaftler.

Hellmut Wollenwebers Eltern waren der Bonner Arzt und Sanitätsrat Dr. med. Max Wollenweber und dessen Frau Anita geb. Spangenberg.[1.1][2]

Wissenschaftliche Vita

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wollenweber studierte von 1922 bis 1925 in Bonn, München, Berlin Landwirtschaft und Volkswirtschaft sowie später in Königsberg und Rostock Rechtswissenschaft und Landwirtschaft. Einer Tätigkeit beim Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk schloss sich im März 1927 die erste Promotion (Dr. agr.) an. Der Titel seiner an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Bonn-Poppelsdorf eingereichten Dissertationsschrift lautete: Aufgabe und Tätigkeit des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk. Nach einer „praktischen Betätigung im ostpreussischen Siedlungswerk“ (bis 1928) wurde Wollenweber 1929 an der Universität Rostock zum Dr. rer. pol promoviert, wo er sich ein Jahr später auch für das gesamte Gebiet der Wirtschaftswissenschaften habilitierte.[2]

Nach Ulrich Planck wurde Wollenweber vor allem durch Johann Heinrich von Thünen, Theodor Brinkmann, Eugen Rosenstock-Huessy und Friedrich von Gottl-Ottlilienfeld beeinflusst. Nach Planck wurde Wollenweber Assistent von Hans-Jürgen Seraphim in Rostock. Ulrich Planck zu dieser Zeit:

„Unter dem Aspekt der Siedlung widmeten sich 1930-33 Hans-Jürgen Seraphim und dessen Mitarbeiter Hellmut Wollenweber, Norbert Ley und der Soziologe Hans Weigmann dem Landarbeiterproblem, wobei allerdings – wie bei der Landarbeiterforschung unter Richard Ehrenberg – der einzelne Betrieb und die einzelne Familie Forschungsgegenstand waren und nicht das soziale System des Dorfes.“[3]

Die Rockefeller Foundation (RF) ermöglichte Wollenweber ab der zweiten Jahreshälfte 1933 – trotz seiner erkennbaren Nähe zur NSDAP, aber wegen seiner wissenschaftlichen Qualitäten – einen einjährigen Forschungsaufenthalt in den USA. Als Forschungsthema gab er „economics of land settlement“ in Kanada und den USA an.[1.2] Judith Syga-Dubois urteilt dazu: „Während die RF wissenschaftliche Ergebnisse seiner Stipendienzeit nicht erkennen konnte, hatte der Amerikaaufenthalt für die Festigung Wollenwebers persönlicher Überzeugungen eine große Bedeutung.“[1.3]

In der zweiten Jahreshälfte 1934 kehrte Wollenweber auf seine Assistentenstelle in Rostock zurück, wo er im Sommersemester 1935 auch den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre vertrat. Noch 1935 wechselte er als Privatdozent an die Wirtschaftshochschule Berlin und an die Universität Berlin, wo er im Dezember 1935 einen Lehrauftrag für Volkswirtschaft erhielt.[2] Mit Wirkung vom 1. April 1937 wurde er zum beamteten außerordentlichen Professor für Volkswirtschaft in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Berliner Universität ernannt. Bereits seit Sommersemester 1936 übte er daneben auch einen Lehrauftrag für Volkswirtschaftslehre und Landwirtschaftspolitik in der Landwirtschaftlich-Tierärztlichen Fakultät aus.[4] Seit 1936 war er Leiter der Hochschularbeitsgemeinschaft für Raumforschung an der Wirtschaftshochschule.[5] Wollenweber war seit 1. August 1935 Mitglied der NSDAP.[2]

Von 1942 bis 1945 lehrte Wollenweber als ordentlicher Professor an der Universität Graz (siehe auch Stella Seeberg). Nach dem Zweiten Weltkrieg unterrichtete Wollenweber an der Bauernhochschule in Fredeburg. 1950 wurde er zum außerordentlichen Professor der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn ernannt.[1.4] 1962–1968 war er Professor für ländliche Soziologie und Agrargeschichte in Bonn. Gründungsmitglied der Bonner Forschungsgesellschaft für Agrarsoziologie und Agrarpolitik e.V.

  • Aufgabe und Tätigkeit des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk. Diss., Bonn 1927.
  • Ländliche Siedlung und Bevölkerung. Ein siedlungsstatistischer Baustein zur Klärung der Frage nach der Siedlungs-Auswirkung, Parey, Berlin 1931.
  • Siedlungsträger und optimaler Siedlungseffekt. Eine statistische Analyse der Voraussetzungen optimaler Viehhaltung in Siedlungsgebieten, Parey, Berlin 1932.
  • mit Hans-Jürgen Seraphim: Siedlungstempo und Siedlungserfolg. Ergebnisse einer Studienreise durch Lettland, Parey, Berlin 1933.
  • Wirtschaft und Persönlichkeit im deutschen Lebenskampf, Junker u. Dünnhaupt, Berlin 1943.
  • (mit Ferdie Deering): USDA: das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten von Nordamerika; der Manager der amerikanischen Landwirtschaft. Stuttgart: Ulmer, 1945
  • mit Ulrich Planck: Die Lebenslage der westdeutschen Land-Jugend, 2 Bde., Juventa, München 1956.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Judith Syga-Dubois: Wissenschaftliche Philanthropie und transatlantischer Austausch: Die sozialwissenschaftlichen Förderprogramme der Rockefeller Stiftungen in Deutschland. Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar 2019. ISBN 978-3-412-51486-0.
    1. S. 426.
    2. S. 619f.
    3. S. 622.
    4. S. 652.
  2. 1 2 3 4 Bundesarchiv Berlin, R 4901/13281.
  3. Ulrich Planck: Dorfforschung im Deutschen Reich und in der Bundesrepublik Deutschland. In: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 22, Nr. 2, 1974, S. 151.
  4. Chronik der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, April 1936/März 1937, bearbeitet von Walter Wienert, Berlin o. J., S. 16, 20.
  5. Hansjörg Gutberger: Raumentwicklung, Bevölkerung und soziale Integration. Forschung für Raumplanung und Raumordnungspolitik 1930-1960. Springer VS, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-15129-4, S. 335–338 (hier: S. 337).