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Helke Misselwitz

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Helke Misselwitz (2009)

Helke Misselwitz (* 18. Juli 1947 in Planitz bei Zwickau) ist eine deutsche Filmregisseurin. Sie war Professorin an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg und ist eine der wichtigsten ostdeutschen Dokumentarfilmer. Am bekanntesten wurde ihr Dokumentarfilm Winter adé (1988) über Frauen in der DDR und der Spielfilm Engelchen (1997).

Helke Misselwitz war die Tochter eines Ingenieurs für Ökonomie und einer Handelskauffrau.[1] Sie besuchte die Grundschule und die EOS in Zwickau und beendete 1965 die Berufsausbildung mit Abitur zur Möbeltischlerin. Seit 1966 absolvierte sie eine Ausbildung zur Physiotherapeutin an der Fachschule der Medizinischen Akademie in Erfurt.

Seit 1969 war Helke Misselwitz zunächst als Rezitatorin und Moderatorin beim Deutschen Fernsehfunk (später Fernsehen der DDR) tätig, seit 1972 als freischaffende Regieassistentin. 1973 erhielt sie eine Festanstellung und moderierte seit 1976 eine neue Jugendbildungssendung Dreieck.[2] 1978 wurde sie zum Regiestudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg delegiert. Zu ihren Jahrgangsmitstudenten gehörten Thomas Heise und Petra Tschörtner, die später auch bekanntere Dokumentarfilmer wurden. Während dieser Zeit heiratete sie. 1982 erhielt sie ihr Diplom.

Danach war Helke Misselwitz seit 1983 als freie Regisseurin in Berlin tätig. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich dabei auch als Abräumerin in einer Bahnhofsgaststätte und als Aufsichtskraft in der Galerie Sophienstraße 8. In dieser Zeit gehörte sie zum Freundeskreis der bekannten Dokumentarfilmer Jürgen Böttcher und Volker Koepp. Von 1985 bis 1988 war Helke Misselwitz Meisterschülerin bei dem anerkannten Heiner Carow (Legende von Paul und Paula) an der Akademie der Künste. In dieser Zeit drehte sie ihren wichtigsten Dokumentarfilm Winter adé über Frauen in der DDR. Seit 1989 war sie festangestellt beim DEFA-Studio für Dokumentarfilme.

1990 gründete sie mit Thomas Wilkening eine der ersten privaten ostdeutschen Filmgesellschaften. Seit 1991 war sie auch Mitglied der Akademie der Künste Berlin (West), seit 1995 in der vereinigten Akademie der Künste Berlin. Von 1997 bis 2014 war Helke Misselwitz Professorin für Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam Babelsberg.

Anlässlich des 75. Geburtstags der Regisseurin erschien 2022 ein Großteil ihrer DEFA-Dokumentarfilme in der Edition Winter adé und andere Klassiker von Helke Misselwitz bei Absolut Medien auf DVD.

Jahr Titel Filmart Länge in Min. Bemerkungen
1976–
1978
DreieckJugendsendungBildungsmagazin für Jugendliche beim DDR-Fernsehen, seit 1978 als Jugendklub TV 2, 7 Folgen[3]
1979WinterbilderDokumentarfilm10Hochschule für Film und Fernsehen
1979VersteckenSpielfilmübung10HFF
1980Ein LebenFilmübung, Dokumentarfilm31HFF, Auszeichnungen auf zwei Festivals, wird auch in der Gegenwart noch gezeigt
1982Haus. Frauen. – Eine CollageSpielfilmcollage15HFF, Auszeichnung
1982Die fidele BäckerinSpielfilm55Diplomfilm HFF, über eine angepasste Frau in der NS-Zeit
1983Haus4Beitrag zur DEFA-Kinobox
1983/
1984
Stilleben – Eine Reise zu den Dingen31
1983/
1984
Aktfotografie – z.B. Gundula SchulzeDokumentarfilm12über Fotografin Gundula Schulze
1983/1988Marx-FamilieDokumentarfilm6auch Drehbuch
1984Tango4Beitrag zur DEFA Kinobox
1985Tango-Traum20
198535 Fotos. Familienalbum einer jungen Frau4Beitrag zur DEFA-Kinobox Nr. 39/1985
1986/
1988
Winter adé Dokumentarfilm115Porträts, Interviews und Reflexionen über Frauen in der DDR, ausgezeichnet, ihr wichtigster Dokumentarfilm
1988?Dokumentarfilm7für DEFA-Kinobox, Nr. 61
1989Wer fürchtet sich vorm schwarzen MannDokumentarfilm52über Kohlenträger in Berlin-Prenzlauer Berg, Preis
1990Die vier TugendenFernsehfilm
1990Was hast'n gemacht, gestern?10für Kultursendung Aspekte
1990Räume12für Sendung Nova, mit Petra Tschörtner
1990/
1991
SperrmüllDokumentarfilm80über eine Band in den Jahren 1989/1990
1991Sassnitz8für ARD-Sendung Der erste Sommer
1992HerzsprungSpielfilm88auch Drehbuch, Lobende Erwähnung, 2024 auf Berlinale gezeigt
1993Schönes Fräulein, darf ich’s wagenDokumentarfilmauch Drehbuch
1994/
1995
Leben – Ein TraumDokumentarvideo
1995Träumeauch Drehbuch
1996Meine Liebe, Deine LiebeDokumentarfilm87auch Drehbuch
1996EngelchenSpielfilm90auch Drehbuch, mehrere Preise, ihr erfolgreichster Spielfilm
1997Das 7. Jahr – Ansichten zur Lage der NationFernsehfilm, mit zwei weiteren Regisseuren
1997Oskar, Karli und der Herr mit ZigarreDokumentarfilm31für ORB
2001Fremde OderDokumentarfilm93auch Produktion, Drehbuch, mit Kamermann Thomas Plenert
2004Quartier der IllusionenDokumentarfilm61für RBB
2019Helga Paris, FotografinDokumentarfilmüber bekannte ostdeutsche Fotografin
2021Die Frau des DichtersDokumentarfilm94auch Produktion und Drehbuch, über türkische Künstlerin

Weitere Tätigkeiten

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Helke Misselwitz wirkte in einigen weiteren Filmen mit, darunter einigen ihrer Studierenden

Darstellerin
  • 1990 Biologie!
  • 2003/2005 KussKuss
  • 2018/2023 Die Tagebücher von Adam und Eva
Sprecherin
  • 1992 Am Öwknick
  • 1994 Segeln nach Uist
Dramaturgiementorin
  • 2005 Der Bootgott vom Seesportclub – Die 100 ME
  • 2005/2006 Pingpong
Publikation
  • Das Frauenbild im faschistischen deutschen Film. Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg, 1982, Diplomarbeit
Hörspielsprecherin
  • 1984: Thomas Heise: Schweigendes Dorf, Rundfunk der DDR, als Bürgermeisterin
Stern auf dem Boulevard der Stars auf dem Potsdamer Platz in Berlin

Helke Misselwitz erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen.[4]

Auszeichnungen von Filmen

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  • 1997 Lebuser Sommerfilm, Łagów, Bronzene Traube, für Engelchen[5]

Persönliche Ehrungen

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Werkschauen (Auswahl)

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  • 2012 Film Festival Cottbus, Retrospektive "Helke Misselwitz – Werk und Wirkung", mit 15 Filmen[9]
  • 2017 Filmmuseum Potsdam, umfangreiche Werkschau
  • 2021 Mar del Plata Film Festival, Argentinien, Retrospektive[10]
  • 2021 Film Anthology Archives, New York, erste Retrospektive in den USA[11]
  • 2023 Play Doc Festival, Tui, erste Retrospektive in Spanien[12][13]

Helke Misselwitz gilt als die bedeutendste ostdeutsche Dokumentarfilmerin der Wende- und Nachwendezeit neben Volker Koepp, sie wurde auch öfter als eine der wichtigsten Filmemacher der letzten DEFA-Generation bezeichnet.[14]

Zu ihrem 65. Geburtstag würdigten sie die Potsdamer Neuesten Nachrichten

„Offen geht sie auf Menschen und Themen zu, tolerant und mit ehrlichem Interesse. Sie sucht keine Problemfelder, sondern entdeckt das Außergewöhnliche im Alltäglichen und findet so ihre Geschichten. Dabei gilt ihr besonderes Augenmerk dem „Nicht-Beachteten“: Menschen am Rande der Gesellschaft, verborgene Sehnsüchte und Befindlichkeiten, Authentizität und Wahrhaftigkeit jenseits des Offensichtlichen, der einfachen Zusammenhänge und fern offiziöser Lesart oder Schubladendenken. Viele eindrucksvolle Filme sind auf diese Weise entstanden, bewegende fiktionale und dokumentarische Porträts von Menschen, aber auch von Orten, die das Spektrum des Lebens sensibel und doch unsentimental, differenziert und ungefiltert offenbaren.“[15]

Und das Filmmuseum Potsdam lobte sie anlässlich einer Werkschau zum 70. Geburtstag

„Neugierig wendet sich die Regisseurin (...) den Menschen zu, nimmt gerne Frauen in den Fokus und entlockt all ihren Protagonist/-innen aufschlussreiche Lebensdetails. Oft kreisen die Gespräche um Geschichte und Heimat.“[16]

  • Manfred Mayer, Ulrike Bresch: Ansprüche haben und erfüllen. Porträt der Regiestudentin Helke Hoffmann, Hochschule für Film und Fernsehen, Potsdam-Babelsberg. In: Forum. 1981, Nr. 2, S. 15.
  • Leonore Brandt: Ich hab dein Herz gesehen, wie es nackt im Glas erzitterte. Die Regisseurin Helke Misselwitz. In: Sonntag. 1986, Nr. 25, S. 5.
  • Ralf Schenk: Toleranz und Zärtlichkeit. Die Regisseurin Helke Misselwitz. In: Filmdienst. 1996 (Text), mit Angaben zu den meisten Filmen
  • Daniele Sannwald, Christina Tilmann (Hrsg.): Die Frauen von Babelsberg. Edition Ebersbach, 2019, Kapitel Helke Misselwitz. Die Neugierige (hhprinzler.de, Text)
  • Claus Löser: Helke Misselwitz – fortgeschrittene biografische Spur ... In: Cornelia Klauß, Ralf Schenk (Hrsg.): Sie. Regisseurinnen der DEFA. Bertz + Fischer, Berlin 2019, S. 227–233.
  • Ralf Forster: Auf den Sputen individueller Geschichte. Drei Studentenfilme von Helke Misselwitz. In: Filmblatt. Band 69, Nr. 1, 2019, S. 30–39 (PDF)
  • Reinhild Steingröver: Last Features. East German Cinema's Lost Generation. New York 2014, S. 139–171. Flight into Reality. The Cinema of Helke Misselwitz books.google.de

Einzelnachweise

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  1. Elke Schieber: Misselwitz, Helke. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4 (bundesstiftung-aufarbeitung.de)., mit biographischen Details
  2. Ralf Forster, Auf den Sputen individueller Geschichte. Drei Studentenfilme von Helke Misselwitz. In: Filmblatt. Band 69, Nr. 1, 2019, S. 30–39, hier S. 31 (ÜDF); einige Details der Jahre 1969 bis 1978 waren in den biographischen Punlikationen zu Helke Misselwitz bisher nicht bekannt (außer Regieassistentin)
  3. Ralf Forster, Auf den Sputen individueller Geschichte. Drei Studentenfilme von Helke Misselwitz. In: Filmblatt. Band 69, Nr. 1, 2019, S. 30–39, hier S. 31; auch Dreieck Fernsehen der DDR, mit allgemeinen Angaben (kurz)
  4. Helke Misselwitz Akademie der Künste Berlin
  5. Helmut Höge, Seen und gesehen werden, in taz vom 10. Juli 1997 Text
  6. Neue Zeit vom 21. November 1989, S. 4.
  7. Verdienstorden des Landes Berlin für Helke Misselwitz IDW online, mit Laudatio des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit
  8. Helke Misselwitz mit Preis der Deutschen Filmkritik 2016 ausgezeichnet Filmportal, die mit ihren Filmen die deutsche Geschichte neu perspektiviert (Zitat aus Filmportal)
  9. Retrospektive Helke Misdelwitz Niederlausitz aktuell, mit ausführlicher Würdigung der Filme
  10. Helke Misselwitz Umass (englisch), mit DEFA-Angaben, direkt im Anschluss nach New York
  11. Everyday's Poetry. The Films of Helke Misselwitz Anthology Film Archives (englisch)
  12. Die Kunst zuzuhören. Über Filme von Helke Misselwitz Goethe-Institut, 2023.
  13. Helke Misselwitz. First Spanish Retrospective Play Doc (englisch)
  14. Verdienstorden des Landes Berlin IDW online, 2009: mit Laudatio des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit, der diese Formulierung verwendet, ebenso Tagesspiegel vom 18. Juli 2012 und Potsdamer Neueste Nachrichten
  15. Das Besondere im Alltäglichen. Regisseurin Helke Misselwitz wird heute 65. In: Tagesspiegel. 18. Juli 2012 Text, mit Herkunftsangabe PNN, also von den Potsdamer Neuesten Nachrichten übernommen, in Potsdam-Babelsberg war sie in dieser Zeit Professorin für Regie
  16. Werkschau Helke Misselwitz zum 70. Geburtstag Filmmuseum Potsdam, 2017.