Hauerit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entwickelt vorwiegend isometrische, oktaedrischeKristalle sowie andere kubische Kombinationen, kommt aber auch in Form kugeliger Mineral-Aggregate vor. Das Mineral ist undurchsichtig, in dünnen Schichten jedoch schwach durchscheinend. Die Oberflächen der rötlichbraunen bis bräunlichschwarzen Kristalle zeigen in frischem Zustand zunächst einem metallischen bis diamantähnlichen, blendeartigen[8]Glanz, laufen allerdings durch Verwitterung allmählich an und werden matt.
Auf der Versammlung der Freunde der Naturwissenschaften im November 1846 berichtete Franz Ritter von Hauer in Vertretung des erkrankten Wilhelm Ritter von Haidinger von der Entdeckung einer neuen Mineralart, für die Haidinger den Namen Hauerit vorgeschlagen hatte. Die für eine vollständige Analyse benötigten Mineralproben wurden vom Kaiserlich-königlichen Hofconcipisten Berghofer zur Verfügung gestellt und stammten aus einem Schwefelbergwerk bei Kalinka, einem Ortsteil von Vígľašská Huta-Kalinka in der Mittelslowakei.[9]
Den Namen Hauerit wählte Haidinger zum einen in Anerkennung um die Verdienste des österreichischen Geologen und Paläontologen Joseph Ritter von Hauer und zum anderen zu Ehren von dessen Sohn Franz für dessen Mithilfe bei der Identifikation des neuen Minerals.[9]
Da der Hauerit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Hauerit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Hauerit lautet „Hr“.[1]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hauerit in die Abteilung „Metallsulfide mit M:S≤1:2“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M:S=1:2, mit Fe, Co, Ni, PGE usw.“ zu finden ist. Hier bildet es zusammen mit Aurostibit, Cattierit, Dzharkenit, Erlichmanit, Fukuchilit, Gaotaiit, Geversit, Insizwait, Kruťait, Laurit, Penroseit, Pyrit, Sperrylith, Trogtalit, Vaesit und Villamanínit die „Pyritgruppe“ mit der Systemnummer 2.EB.05a.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Hauerit die System- und Mineralnummer 02.12.01.09. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:2“ in der „Pyritgruppe (Isometrisch: Pa3)“, in der auch Pyrit, Vaesit, Cattierit, Penroseit, Trogtalit, Villamanínit, Fukuchilit, Kruťait, Laurit, Aurostibit, Krutovit, Sperrylith, Geversit, Insizwait, Erlichmanit, Dzharkenit, Gaotaiit und Mayingit eingeordnet sind.
Die idealisierte (theoretische) Zusammensetzung von Hauerit (MnS2) besteht aus 46,14% Mangan (Mn) und 53,86% Schwefel (S).[5] In Mineralproben aus der Schwefelgrube Destricella bei Raddusa in der italienischen Region Sizilien konnten allerdings auch Spuren von Eisen und Siliciumdioxid nachgewiesen werden.[6]
Mit einer Mohshärte von 4 gehört Hauerit zu den mittelharten Mineralen und lässt sich wie das gleich harte Referenzmineral Fluorit leicht mit einem Taschenmesser ritzen. Auffällig an Hauerit ist seine leichte Spaltbarkeit nach dem Würfel {100}. Auf mechanische Belastung reagiert er spröde und bricht mit unregelmäßigen bis schwach muscheligen Bruchflächen.
In einer Glasröhre vor dem Lötrohr erhitzt, verflüchtigt sich viel Schwefel und hinterlässt einen grünen Rückstand, der in Säuren löslich ist und dabei Schwefelwasserstoff bildet. Das Erhitzen zusammen mit Soda auf einem Platinblech erzeugt eine Manganreaktion.[9]
Hauerit ist im Allgemeinen undurchsichtig (opak) und von dunkel rötlichbrauner bis bräunlichschwarzer Farbe. Die Strichfarbe des Minerals ist von ähnlicher bräunlichroter Farbe. In dünnsten Spaltblättchen ist Hauerit bräunlichrot durchscheinend,[9] was innerhalb der Pyrit-Reihe eine sehr ungewöhnliche Eigenschaft ist.[12] Polierte Flächen erscheinen grauweiß mit sehr hellbrauner Tönung mit roten Innenreflexionen.[6]
Als seltene Mineralbildung konnte Hauerit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 30 Fundorte dokumentiert sind (Stand: 2024).[14] Seine Typlokalität Kalinka, in der bis zu 2,5cm große Kristalle und Aggregate entdeckt wurden,[15] ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in der Slowakei, da sich ein weiterer Fund in Banská Štiavnica (deutsch Schemnitz) als falsch erwies.
Bekannt aufgrund von außergewöhnlichen Haueritfunden ist vor allem die bereits erwähnte Schwefelgrube Destricella bei Raddusa in Italien, wo gut entwickelte Kristalle von bis zu 5cm Durchmesser zutage traten. Immerhin bis zu 1,5 große Kristalle fanden sich in verschiedenen Gruben nahe Tarnobrzeg in Polen.[15]
Der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland ist die ehemalige Absetzerhalde des Tagebaus Lichtenberg der Uran-Lagerstätte bei Ronneburg in Thüringen.
W. Haidinger:Hauerit. In: Berichte Über die Mittheilungen von Freunden der Naturwissenschaften in Wien. Band7, November 1846, S.2–3 (rruff.info[PDF; 461kB; abgerufen am 2.Juli 2024]).
T. Chattopadhyay, H. G. von Schnering, R. F. D. Stansfield, G. J. McIntyre:X-ray and neutron diffraction study of the crystal structure of MnS2. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band199, 1992, S.13–24 (englisch).
Hauerite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 2.Juli 2024(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.103 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456789101112
Hauerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 50kB; abgerufen am 2.Juli 2024]).
12Hauerite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 2.Juli 2024(englisch).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.320.
1234W. Haidinger:Hauerit. In: Berichte Über die Mittheilungen von Freunden der Naturwissenschaften in Wien. Band7, November 1846, S.2–3 (rruff.info[PDF; 461kB; abgerufen am 2.Juli 2024]).