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Hatton Bank

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Hatton Bank auf dem Rockall-Plateau.

Die Hatton Bank (auch Hatton-Bank) ist ein ausgedehntes untermeerisches Plateau im nordöstlichen Atlantik, rund 500 km westlich von Schottland und nordwestlich von Irland. Sie bildet zusammen mit der südöstlich gelegenen Rockall Bank und der nördlich anschließenden George Bligh Bank das Rockall-Plateau – eine der markantesten bathymetrischen Erhebungen des nordostatlantischen Meeresbodens. Die Hatton Bank erstreckt sich über etwa 600 km in Nordost-Südwest-Richtung; mit einer Fläche von über 1,5 Millionen Hektar[1] ist sie eine gewaltige, unterseeische Erhebung, deren imposante Dimensionen erst durch moderne Kartierungstechniken vollständig erfasst wurden. Sie liegt in Wassertiefen von rund 500 m auf dem Scheitel bis etwa 2800 m an den Flanken.[2] Sie ist von den nächsten Landmassen durch den Rockallgraben im Südosten und das Hatton-Rockall-Becken im Osten getrennt; im Westen fällt ihr Hang steil in das rund 3000 m tiefe Islandbecken ab.

Die Hatton Bank ist ein Fragment des nordatlantischen Kontinentalrands, dessen Grundgebirge überwiegend aus frühproterozoischen metamorphen Gesteinen (Gneise und Granulite) der Rockall-Bank/Islay-Terrane besteht, die dem laurentischen Grundgebirge der Britischen Inseln und Grönlands zugeordnet werden. Im Gegensatz zur Rockall Bank, wo das Grundgebirge auf dem Meeresboden aufgeschlossen ist, liegt es unter der Hatton Bank in erheblich größerer Tiefe unter einer mächtigen Sediment- und Vulkanitbedeckung.[2]

Während der Öffnung des nordöstlichen Atlantiks im Paläozän und frühen Eozän (~56–52 Ma) war die Hatton Bank vulkanisch aktiv: Ausgedehnte Flutbasaltdecken und pyroklastische Ablagerungen, die mit dem nordatlantischen Vulkanismus (North Atlantic Igneous Province, NAIP) in Verbindung stehen, überlagern das Grundgebirge und sind in seismischen Profilen als markante, seewärts einfallende Reflektoren (seaward-dipping reflectors, SDR) erkennbar. Diese SDR-Sequenzen dokumentieren den Übergang von kontinentaler Dehnung zu ozeanischer Spreizung und machen den westlichen Hatton-Rand zu einem klassischen Beispiel eines vulkanischen Riftrands (volcanic rifted margin) – im Gegensatz zu den magmaarmen Rifträndern der Labradorsee und der Iberischen Marge.[2]

Die Hatton Bank liegt im Einflussbereich mehrerer wichtiger Wassermassen und Strömungen des subpolaren Nordatlantiks. Der Nordatlantikstrom überquert das Rockall-Plateau und transportiert warmes, salzreiches Wasser nordostwärts in Richtung der Nordischen Meere. An der Westflanke der Hatton Bank fließt Island-Schottland-Overflow-Wasser (ISOW) als tiefer Bodenstrom südwestwärts; die Wechselwirkung dieses Bodenstroms mit der Topographie der Bank hat zur Bildung des Hatton-Drifts geführt – eines großen Konturitdriftkörpers auf dem westlichen Hang der Bank in Tiefen von rund 600 bis 2000 m. Hochauflösende bathymetrische Daten zeigen auf der Westflanke ein komplexes Mosaik aus Konturitkanälen, Sedimentwellenfeldern und Rutschungsflächen, die durch die Interaktion der Bodenströmung mit dem felsigen Relief der Bank geformt werden.[3]

In den intermediären Tiefen (rund 1500–2000 m) liegt die Grenze zwischen Labradorseewasser (LSW) und dem darunterliegenden Lower Deep Water (LDW, einem AABW-Derivat), die sich morphologisch in einem Übergang von erosiven (Bankscheitel) zu depositionalen Formen (Hatton-Drift) auf dem Westhang widerspiegelt.[3]

Messungen im Rahmen des Overturning in the Subpolar North Atlantic Program (OSNAP) identifizierten zwei quasi-permanente, nordwärts fließende Arme des NAC:[4]

1. Der Hatton Bank Jet ist der kräftigere der beiden. Mit einer mittleren Transportrate von 6,3 Millionen Kubikmeter pro Sekunde (6,3 Sverdrup, Sv) fließt er über die östliche Flanke des Islandbeckens.

2. Der Rockall Bank Jet hingegen ist mit einer Transportrate von nur 1,5 Sv deutlich schwächer und strömt weiter östlich über das Hatton-Rockall-Becken.

Gemeinsam transportieren diese beiden Jets 43 Prozent des gesamten NAC-Oberflächenwassertransports.[4] Ein dritter, östlicher Arm zweigt am Eingang des Rockall-Trogs scharf nach Nordwesten ab und umschifft den südwestlichen Rand der Hatton Bank. Dieser Zweig transportiert eine markante Zunge salzreichen Oberflächenwassers (Eastern North Atlantic Water, ENAW), das die gesamte Hatton Bank großflächig überdeckt.[5]

Die Wechselwirkung dieser starken Tiefenströmungen mit der komplexen Topografie der Bank hat den Meeresboden über Jahrmillionen hinweg förmlich modelliert. Da die Bank mehr als 360 Kilometer von der nächsten Landmasse entfernt liegt, ist sie von jeder größeren Sedimentzufuhr vom Festland abgeschnitten. Die gewaltigen Wassermassen hinterließen hier ihre eigene geologische Signatur. Eine detaillierte Multibeam-Echolot-Studie der westlichen Flanke der Bank[3] offenbarte eine hochvariable Landschaft, die direkt durch die Dynamik dieser Strömungen kontrolliert wird. Man findet dort beispielsweise tiefe Rinnen und Kanäle (moats, furrows), riesige Wanderdünen aus Sediment (sediment waves) sowie scharfe Abbruchkanten. Ein bemerkenswertes Ergebnis dieser Studie ist die Erkenntnis, dass die heutige Morphologie zwei Hauptbereiche aufweist: einen Nichtablagerungsbereich auf dem Gipfel der Bank, wo der harte, vulkanische Fels offen zutage liegt, und einen Ablagerungsbereich am tieferen Hang, den Hatton-Drift.[3]

Ökologie und Schutz

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Die Hatton Bank beherbergt auf ihrem flachen Scheitel und an ihren Hängen ökologisch bedeutsame Lebensgemeinschaften. Auf den felsigen Hartsubstraten des Bankscheitels finden sich Bestände von Tiefseekorallen und Schwammgemeinschaften, darunter Tiefseeschwamm-Aggregationen (deep-sea sponge aggregations), die als OSPAR-geschützter Habitattyp (threatened and/or declining habitat) gelten. Das Hatton-Rockall Basin MPA – ein Meeresschutzgebiet im tiefen Becken östlich der Bank – wurde von der britischen Regierung unter anderem zum Schutz dieser Schwammgemeinschaften und der Tiefseeschlammhabitate ausgewiesen. Auf dem Bankscheitel selbst wird seit langem Grundschleppnetzfischerei auf Tiefseefischarten betrieben, was zu Konflikten zwischen Fischerei und Naturschutzinteressen führt.

Einzelnachweise

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  1. Hatton Bank MPA JNCC-Website, abgerufen am 29. Mai 2026.
  2. 1 2 3 Ken Hitchen (2004): The geology of the UK Hatton-Rockall margin. In: Marine and Petroleum Geology. Band 21 (2004), Ausgabe 8, S. 993–1012. DOI:10.1016/j.marpetgeo.2004.05.004.
  3. 1 2 3 4 Miriam Sayago-Gil, David Long, Kenneth Hitchen, Víctor Díaz-del-Río, Luis Miguel Fernández-Salas, Pablo Durán-Muñoz (2010): Evidence for current-controlled morphology along the western slope of Hatton Bank (Rockall Plateau, NE Atlantic Ocean).’In: Geo-Marine Letters, Band 30 (2010), S. 99–111. DOI:10.1007/s00367-009-0163-5
  4. 1 2 L. Houpert, M. E. Inall, E. Dumont, S. Gary, C. Johnson, M. Porter, W. E. Johns, S. A. Cunningham (2018): Structure and Transport of the North Atlantic Current in the Eastern Subpolar Gyre from Sustained Glider Observations. In: Journal of Geophysical Research: Oceans, Band 123, Ausgabe 8, S. 6019–6038. DOI:10.1029/2018JC014162.
  5. R. T. Pollard, J F. Read, N. P. Holliday, H. Leach (2004): Water masses and circulation pathways through the Iceland Basin during Vivaldi 1996. In: Journal of Geophysical Research, Band 109, Ausgabe C4, C04004. DOI:10.1029/2003JC002067.