Die HHL wurde im April 1898 als private Handelshochschule auf Initiative der Leipziger Industrie- und Handelskammer und des Deutschen Verbands für das kaufmännische Unterrichtswesen nach den Ideen des Pioniers des Handelshochschulgedankens, Gustav von Mevissen, gegründet.[3] Nach mehreren Umzügen hatte sie seit 1910 ihren Sitz in dem von Fritz Schumacher entworfenen Gebäude in der Ritterstraße (heute Geschwister-Scholl-Haus). 1946 wurde sie als Fakultät in die Universität Leipzig eingegliedert, erhielt 1969 jedoch als Nachfolgerin der geschlossenen Hochschule für Binnenhandel zumindest Teilautonomie zurück.
In den Studienprogrammen wird meist auf Englisch unterrichtet.[4]
Mit dem konsekutiven Masterstudiengang haben Bachelor- oder Diplom-Absolventen (Universität, Fachhochschule oder Berufsakademie) die Möglichkeit, in einem englischsprachigen Studienprogramm den Master of Science in Management (M.Sc.) zu erwerben:
Vollzeit Master in Management (21 bis 24 Monate)
Teilzeit Master in Management (24 bis 30 Monate)
Vollzeit Master in Management | Finance (21 bis 24 Monate)
Teilzeit Master in Management | Finance (24 bis 30 Monate)
Vollzeit Master in Entrepreneurship(21 bis 24 Monate)
Mit dem konsekutiven MBA-Studium haben Bachelor- oder Diplom-Absolventen (Universität, Fachhochschule oder Berufsakademie) die Möglichkeit, in einem englischsprachigen Studienprogramm den Master of Business Administration zu erwerben:
Vollzeit MBA (15 bis 21 Monate)
Teilzeit MBA (27 bis 33 Monate)
Vollzeit MBA | Finance (15 bis 21 Monate)
Das auf drei Jahre ausgelegte Promotionsstudium der HHL richtet sich an Kandidaten mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Hochschulabschluss.
Grafik des 2022 erweiterten Leipziger Führungsmodells
Das Leipziger Führungsmodell (LFM, englisch: Leipzig Leadership Model) ist ein 2016[18] an der HHL entwickeltes Rahmenkonzept guter Führung. Das LFM verknüpft anhand seiner vier Dimensionen (Purpose, Unternehmergeist, Effektivität und Verantwortung) Sinn- und Wertfragen mit den strategisch-operativen Aufgaben unternehmerischer Tätigkeit.[19] 2022 wurde eine erweiterte Version veröffentlicht.[20]
2023 wurde ein psychometrisches Verfahren (Leipzig Leadership Profile) zur Erfassung individueller Führungsorientierungen in den vier Modelldimensionen publiziert.[21] Dieses findet in den Studienprogrammen und im Kompetenz-Coaching Neue Leipziger Talente Anwendung.[22]
Der HHL Digital Space stellt eine Plattform zur Förderung digitaler Geschäftsmodelle dar.[23] Ziel ist unter anderem, neue Geschäftsideen zu unterstützen und Gründer zu befähigen. Dabei bildet ein speziell entwickeltes Inkubationsprogramm den Kern des HHL Digital Space. Das Programm unterstützt Gründer in der Frühphase ihrer Unternehmensentwicklung mit Hilfe von Experten aus dem HHL-Netzwerk und durch die Expertise etablierter Unternehmen. Das Inkubationsprogramm richtet sich an alle Gründungswilligen mit einem digitalen Geschäftsmodell. Begleitet wird das Programm durch Rahmenveranstaltungen wie Founder Talks, einem Market Day und einem abschließenden Launch Day. Über die Gründerförderung hinaus verfolgt der HHL Digital Space das Ziel, bestehende Unternehmen bei der digitalen Transformation zu unterstützen – insbesondere bei der Entwicklung neuer Technologien und Geschäftsmodelle.
Seit dem 24. März 2023 hat der HHL Digital Space einen zweiten Standort am Innovation Campus Görlitz zur Unterstützung des Strukturwandels, insbesondere durch Neugründungen und Weiterentwicklung von etablierten Unternehmen in der Region Lausitz.[24]
Die HHL Gründerinnen-Initiative ist ein sechsmonatiges Programm,[25] das potenzielle Gründerinnen (vorzugsweise aus dem MINT-Bereich) auf ihrem Weg in die Selbständigkeit unterstützt. In Workshops und Seminaren mit Expertinnen können die Teilnehmerinnen Geschäftsideen entwickeln, Geschäftsfragen aus der Sicht von Frauen diskutieren und ihr Geschäftsnetzwerk erweitern. Die HHL Gründerinnen-Initiative wird kofinanziert von der Europäischen Union und mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Die HHL Gründerinnen-Initiative ist Teil des „Gründungsnetzwerks Leipzig“, in dem die Gründungs- und Transfereinrichtungen der Leipziger Hochschulen und Forschungseinrichtungen kooperieren.
Das HHL-Businessplan-Seminar und der HHL-Business-Plan-Award
Im Rahmen des HHL-Businessplan-Seminars entwickeln die Teilnehmer zusammen mit einem Studententeam der HHL einen professionellen Businessplan für ihre Ideen und stellen diesen zum Abschluss einer Jury aus Investoren und Unternehmern vor. Das gibt den Teilnehmern die Gelegenheit, Feedback zu ihren Geschäftsideen zu erhalten und an von dem Management-Wissen der HHL-Studenten zu profitieren. Der Gewinner des Businessplan-Seminars erhält den HHL-Businessplan-Award. Ermöglicht wird das Seminar durch die Unterstützung und Förderung der Leipziger Stiftung für Technologie und Innovationstransfer. Der Fokus der Stiftung liegt auf der Förderung des Transfers wissenschaftlicher Erkenntnisse für die wirtschaftliche Entwicklung der Leipziger Region.
Kontroverse um Steuerfinanzierung und Zweckentfremdung von Mitteln
Kritisiert wird, dass die privatwirtschaftlich betriebene Hochschule immer wieder durch das Land Sachsen und damit durch Steuergelder mitfinanziert wird.
Im Juni 2014 berichtete das Magazin Der Spiegel von „handfesten Problemen“ des Geschäftsmodells der Hochschule. Der Sächsische Landesrechnungshof gehe in seinem aktuellen Jahresbericht davon aus, dass die HHL inzwischen direkt und indirekt stark von Staatsgeld abhängig sei. So residiere die HHL nach Angaben des Rechnungshofes etwa mietfrei in Gebäuden des Landes Sachsen. Dies verursache Kosten in Höhe von 343.000 Euro im Jahr, nach einer geplanten Erweiterung wären es ab 2017 sogar 620.000 Euro. Des Weiteren wird der Vorwurf erhoben, die Hochschule habe Gelder zweckentfremdet. So sollen in den Jahren 2011 und 2012 Steuergelder in Höhe von insgesamt 1,4 Mio. Euro als Zuwendungen geflossen sein, wobei die HHL große Teile des Geldes nicht für den eigentlichen Zweck verwendet haben soll.[26][27]
Bereits 1994 wurde der Hochschule vom Land Sachsen ein zinsloses Darlehen in Höhe von 25 Mio. DM gegeben, welches eigentlich spätestens im Jahr 2014 zurückgezahlt werden sollte. Doch der „Schutzschirm für alle Fälle musste längst bis 2020 verlängert“ werden, so der Spiegel. Von 2006 bis 2012 sollen demnach Defizite in Höhe von insgesamt fast 6 Millionen Euro über das Darlehen ausgeglichen worden sein. Auch im Jahr 2013 erzielte die HHL einen Verlust.
Hans Göschel: Die Handelshochschule in Leipzig.[35] 1. Auflage. 2008. Herausgeber: Die Geschäftsleitung der Handelshochschule Leipzig gGmbH. ISBN 978-3-00-024357-8
Akira Hayashima: Das Leipziger Experiment. Die erste Generation der Diplom-Kaufleute, Diplom-Handelslehrer und Bücherrevisoren an der Handelshochschule Leipzig 1898–1921.Nishinomiya: Kwansei Gakuin University 2001.
100 Jahre Handelshochschule Leipzig 1898–1998. Festschrift anlässlich des 100-jährigen Gründungsjubiläums der Handelshochschule Leipzig am 25. April 1998; Herausgeber: Handelshochschule Leipzig.
↑Kirchgeorg, M., Meynhardt, T., Pinkwart, A., Suchanek, A., & Zülch, H. (2019). Das Leipziger Führungsmodell: führen und beitragen. BoD–Books on Demand
↑Meynhardt, T., Kirchgeorg, M., Pinkwart, A., Suchanek, A., & Zülch, H. (2022). Führen in der Krise: Herausforderungen an das Leipziger Führungsmodell. S. 174, BoD–Books on Demand
↑Meynhardt, T., Steuber, J., & Feser, M. (2023). The Leipzig Leadership Model: Measuring leadership orientations. Current Psychology, 1-20