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Hadrianis

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Die Hadrianis (altgriechisch Ἀδριανίς Hadrianís) war eine 126/127 n. Chr. eingerichtete Phyle im antiken Athen. Sie war die letzte von insgesamt fünf nachkleisthenischen Phylen der Stadt. Innerhalb der nun 13 Phylen nahm sie die 7. Stelle ein.

Hadrian, römischer Kaisers seit 117, erreichte im Rahmen seiner ersten großen Reise von 121 bis 125 im Jahr 124 Athen, wo er das ganze Jahr verbrachte. Bereits vor Antritt seiner Herrschaft hatte er die Stadt besucht und sein ausgeprägter Philhellenismus trug ihm den Namen Graeculus („Griechlein“) ein. Der Stadt gegenüber erwies sich der Kaiser als besonders freigiebig. Die Stadt dankte es ihm unter anderem mit der Einführung einer neuen Ära im Jahr 124.[1] Als besondere Ehrung wurde Hadrian im Jahr 126/127 seitens der Stadt mit der Gründung einer nach ihm benannten Phyle bedacht: der Hadrianis.[2] Als eponymer Heros dieser Phyle genoss er göttliche Verehrung.

Wie sich die Gründung der Hadrianis auf die Gesamtorganisation der Phylen und Demen auswirkte ist weitgehend unbekannt. Zusammengesetzt wurde die Phyle allem Anschein nach dadurch, dass jede der bestehenden zwölf Phylen einen Demos abgeben musste. Hinzu kam ab dem Jahr 130 der neu gegründete Demos Antinoeis, benannt nach Antinoos, dem Günstling und vermutlich Geliebten des Kaisers. Bereits zuvor gab es mit Demen Berenikidai und Apollonieis Neugründungen bei Einrichtung neuer Phylen, in diesen Fällen der Ptolemais und der Attalis. Folgende Demen wurden der Hadrianis zugewiesen:[3]

Demos Ursprüngliche Phyle Lage Bouleuten (alt)
Pambotadai Erechtheis Küste (2)
Phegaia Aigeis Küste (4?)
Oa Pandionis Binnenland (4)
Skambonidai Leontis Stadt (4)
Aphidna Ptolemais Binnenland (16)
Eitea Akamantis Binnenland (2?)
Thria Oineis Küste (8?)
Daidalidai Kekropis Stadt (1?)
Elaious Hippothontis Küste (1?)
Trikorynthos Aiantis Küste (6)
Besa Antiochis Küste (2?)
Oinoe Attalis Küste (6)
Antinoeis neu - -

Die erhaltenen Bouleutenlisten der Kaiserzeit ergeben für die einzelnen Demen kein einheitliches Bild zur Anzahl der gestellten Bouleuten für die Ratsversammlung Athens, die Boule.

Die Neuorganisation der Phylen wirkte sich abermals auf das Monument der Phylenheroen auf der Agora von Athen aus. Nachdem das Monument in der Vergangenheit bereits mehrfach Veränderungen erfahren hatte, um statt den ursprünglich zehn Statuen der Phylenheroen mal 12, mal 13, mal 11 Statuen Platz zu bieten, mussten nun wieder 13 Statuen untergebracht werden. Diesmal wurde das Monument aufwendiger umgestaltet. Statt der alten Kalksteinpfosten, die dem Peribolos des Monuments zur Abzäunung dienten, wurden nun solche aus Marmor gesetzt. Der Zaun insgesamt wurde verlängert, das Monument nach Süden erweitert. Die Statue des Hadrian wurde auf einer separaten Basis neben dem 12-Figuren-Monument des Jahres 200 v. Chr. aufgestellt. Die Basisgröße legt nahe, dass Hadrians Statue signifikant größer als die anderen Statuen war. Größe und Position unterstrichen die besondere Wertschätzung, die die Athener dem Kaiser entgegenbrachten. Bei seiner Aufzählung der Phylenheroen betont Pausanias, dass die Statue Hadrians zu seiner Zeit errichtet wurde.[4] Einer Umgestaltung hätte man eigentlich auch das analoge Monument aus der Hand des Phidias in Delphi unterwerfen müssen,[5] das allerdings laut Pausanias nicht um eine Statue des Hadrian erweitert worden war. Bereits im Fall des Attalos I. war auf eine Erweiterung des delphischen Monuments verzichtet worden, nachdem man die Attalis eingerichtet hatte.[6]

Die Einrichtung der Hadrianis war der letzte Eingriff in das Phylensystem Athens.

  1. Michael Zahrnt: Hadrian. In: Manfred Clauss (Hrsg.): Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian. 4., aktualisierte Auflage. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60911-4, S. 124–136, hier S. 130; Hartwin Brandt: Die Kaiserzeit. Römische Geschichte von Octavian bis Diocletian. 31 v. Chr.–284 n. Chr. (= Handbuch der Altertumswissenschaft. III.11). C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77502-4, S. 350.
  2. Zur Datierung siehe James A. Notopoulos: The Date of the Creation of Hadrianis. In: Transactions and Proceedings of the American Philological Association. Band 77, 1946, S. 53–56; John S. Traill: The Political Organization of Attica: A Study of the Demes, Trittyes, and Phylai, and Their Representation in the Athenian Council (= Hesperia Supplements. Band 14). American School of Classical Studies at Athens, Princeton [NJ] 1975, S. xvi; mit Datierung in das Jahr 127/128 Hans Lohmann: Hadrianis. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 5, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01475-4, Sp. 56 (Digitalisat).
  3. John S. Traill: The Political Organization of Attica: A Study of the Demes, Trittyes, and Phylai, and Their Representation in the Athenian Council (= Hesperia Supplements. Band 14). American School of Classical Studies at Athens, Princeton [NJ] 1975, Tabelle 15.
  4. Pausanias 1,5,5.
  5. Peter Funke: Wendezeit und Zeitenwende. Athens Aufbruch zur Demokratie. In: Dietrich Papenfuß, Volker M. Strocka (Hrsg.): Gab es das griechische Wunder? Griechenland zwischen dem Ende des 6. und der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Philipp von Zabern, Mainz 2001, S. 1–20, hier S. 8–10. 14 f. (Digitalisat).
  6. Pausanias 10,10,2.