Hacking the Spaces
Hacking the Spaces ist ein 2009 veröffentlichter Essay bzw. ein kritisches Pamphlet von Johannes Grenzfurthner und Frank Apunkt Schneider über Geschichte, Politik und Institutionalisierung von Hackerspaces und Hacklabs. Der Text wurde von der österreichischen Kunst- und Theoriegruppe monochrom veröffentlicht und untersucht Hackerspaces als soziale und technische Infrastrukturen. Dabei kritisieren die Autoren eine Verschiebung von gegenkulturellen, mikropolitischen und oppositionellen Traditionen hin zu einer stärker kommerzialisierten Geek- und Makerkultur.[1]
Der Text wurde in wissenschaftlichen Arbeiten zu Hackerspaces, Maker-Kultur, FabLabs, offenen Technologiegemeinschaften und Design Justice rezipiert, insbesondere im Zusammenhang mit Debatten über die Entpolitisierung von Hackerkultur, neoliberale Stadt- und Kreativwirtschaftspolitik sowie Fragen von Geschlecht, Ethnizität und Ausschluss in Hacker- und Maker-Communities.[2][3][4]
Hintergrund und Veröffentlichung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hacking the Spaces erschien 2009 online bei monochrom mit dem Untertitel „A critical acclaim of what was, is and could be a hackerspace (or hacklab, for that matter)“.[1] Der Text entstand in einer Phase, in der Hackerspaces, Makerspaces, FabLabs und andere gemeinschaftlich genutzte Werkstätten für Computertechnik, Elektronik, digitale Fabrikation und technisches Experimentieren international stark an Sichtbarkeit gewannen.
Der Essay ordnet Hackerspaces in eine längere gegenkulturelle Geschichte gemeinsamer Räume, alternativer Infrastrukturen und kollektiver Arbeits- und Lebensformen ein. Er verbindet die Geschichte von Hackerspaces mit älteren Formen sozialer und technischer Experimente, darunter Hacklabs, besetzte Häuser und politisch ausgerichtete Medien- und Technologieräume.[1]
Inhalt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Grenzfurthner und Schneider argumentieren, Hackerspaces seien nicht nur neutrale Werkstätten oder technische Clubs, sondern soziale Räume, die durch Klasse, Geschlecht, Ethnizität, subkulturelle Codes und politische Ökonomie geprägt seien.[1]
Der Text kritisiert eine Entwicklung von oppositionellen Hackertraditionen hin zu stärker domestizierten Formen von Geekkultur und technischem Hobbyismus. In dieser Perspektive laufen Hackerspaces Gefahr, mit unternehmerischer Selbstoptimierung, der Ideologie der „creative class“ und urbaner Innovationspolitik kompatibel zu werden, statt an Dissens, Illegalität, Improvisation und politische Kritik anzuschließen.[2]
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kritik an Ausschlussmechanismen innerhalb von Hacker- und Maker-Communities. Grenzfurthner und Schneider sprechen in diesem Zusammenhang von „white male nerd dominance“ in Hackerspaces und fordern eine breitere, nicht-repressive Einbeziehung gesellschaftlich marginalisierter Gruppen.[1] Die Formulierung wurde später in Arbeiten zur Maker-Kultur im Bildungsbereich als Teil einer Kritik an Demografie und kulturellen Codes von Hacker-, Tüftler- und Robotik-Communities aufgegriffen.[4]
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sasha Costanza-Chock behandelt Hacking the Spaces in Design Justice: Community-Led Practices to Build the Worlds We Need im Zusammenhang mit der Geschichte von Hacklabs, Hackerspaces, FabLabs, Hackathons und anderen „design sites“. Costanza-Chock diskutiert den Text als Teil einer breiteren Analyse der Transformation politisierter Hacklabs und Hackerspaces, die mit sozialen Bewegungen verbunden waren, hin zu Orten, die zunehmend von Start-up-Kultur, neoliberalen Vorstellungen individueller technischer Meisterschaft und kommunaler Innovationspolitik geprägt sind.[2]
Christina Dunbar-Hester behandelt den Text in Hacking Diversity: The Politics of Inclusion in Open Technology Cultures. In ihrer Darstellung der Konferenz Hackers on Planet Earth von 2012 beschreibt sie ein Panel mit dem Titel „Hacking the Spaces“, das sich ausdrücklich auf das Pamphlet von 2009 bezog und dessen Argumente mit Debatten über Diversität, Inklusion, Gegenkultur, Punk, Squatting, Do-it-yourself-Praktiken und die politische Geschichte von Hackerspaces verband.[3][5] Ein zeitgenössischer Kommentar im Guardian berichtete ebenfalls über das Panel und ordnete es in eine breitere Debatte über Geschlecht und Teilhabe in Hackspaces und der Informatik ein.[6]
Der Text wurde auch in Debatten über die politische Ausrichtung von Hacklabs und Hackerspaces aufgegriffen. Maxigas verweist auf Grenzfurthner und Schneider im Rahmen einer breiteren Diskussion über das politische Potenzial solcher Räume.[7]
Alex Megelas zitiert Hacking the Spaces in einem Text über Hackerspaces und soziale Bewegungen als Argument für eine stärkere Verbindung von Hacker-Communities mit gesellschaftlichem Wandel. Er beschreibt das Pamphlet als Kritik an der Selbstzufriedenheit und weitgehend homogenen Zusammensetzung von Hackerkultur sowie als Forderung nach einem stärker politisierten Verständnis von Hackerspaces.[8]
Auch in Arbeiten zu Bildung und Making wurde der Text rezipiert. Erica Rosenfeld Halverson und Kimberly M. Sheridan zitieren Grenzfurthner und Schneiders Formulierung „white male nerd dominance“ in ihrer Diskussion von Kritik an der Maker-Bewegung im Bildungsbereich.[4] Der bei Studio XX veröffentlichte Text „Hacking with Care“ zitiert dieselbe Passage im Rahmen einer Diskussion über Ausschluss, Sorge, Politik und Wohlbefinden in hacktivistischen Zusammenhängen.[9]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hacking the Spaces bei monochrom
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 Johannes Grenzfurthner; Frank Apunkt Schneider: Hacking the Spaces. In: monochrom. 2009, abgerufen am 31. Mai 2026.
- 1 2 3 Sasha Costanza-Chock: Design Justice: Community-Led Practices to Build the Worlds We Need. MIT Press, Cambridge, Massachusetts 2020, ISBN 978-0-262-04345-8, Design Sites: Hackerspaces, Fablabs, Hackathons, and DiscoTechs (mit.edu [abgerufen am 31. Mai 2026]).
- 1 2 Christina Dunbar-Hester: Hacking Diversity: The Politics of Inclusion in Open Technology Cultures. Princeton University Press, Princeton 2020, ISBN 978-0-691-18207-0, S. 59–62.
- 1 2 3 Erica Rosenfeld Halverson; Kimberly M. Sheridan: The Maker Movement in Education. In: Harvard Educational Review. Band 84, Nr. 4, 2014, S. 495–504, doi:10.17763/haer.84.4.34j1g68140382063.
- ↑ HOPE Number Nine: Hacking the Spaces. In: YouTube. Hackers on Planet Earth, 2012, abgerufen am 31. Mai 2026.
- ↑ Wendy M. Grossman: Computer science: still a male domain? In: The Guardian. 18. Juli 2012, abgerufen am 31. Mai 2026.
- ↑ Maxigas: Tracing the Genealogies of Hacklabs and Hackerspaces. In: P2P Foundation Wiki. 28. Dezember 2014, abgerufen am 31. Mai 2026.
- ↑ Alex Megelas: Movement Hacking: Hackerspaces and Social Movements. In: e-artexte. Abgerufen am 31. Mai 2026.
- ↑ Hacking with Care: Attention, bien-être et politique de l'ordinaire dans le milieu hacktiviste. In: .dpi. Studio XX, abgerufen am 31. Mai 2026.