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Kellen-Bilch

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Kellen-Bilch

Kellen-Bilch (Graphiurus kelleni)

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Bilche (Gliridae)
Unterfamilie: Graphiurinae
Gattung: Afrikanische Bilche (Graphiurus)
Art: Kellen-Bilch
Wissenschaftlicher Name
Graphiurus kelleni
(Reuvens, 1890)

Der Kellen-Bilch (Graphiurus kelleni), auch Kellens Bilch genannt, ist ein Nagetier aus der Familie der Bilche, das in Afrika weit verbreitet ist.

Die Art ist nach Pieter J. van der Kellen benannt, der am Naturhistorischen Museum in Leiden angestellt war.[1]

Die Nager erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 7,5 bis 9,2 Zentimeter und haben einen 5,4 bis 8,1 Zentimeter langen Schwanz. Die Schwanz hat damit eine durchschnittliche Länge von 82 % der Kopf-Rumpf-Länge. Die Hinterfußlänge beträgt 1,53 bis 1,65 Zentimeter und die Ohren sind 1,4 bis 1,6 Zentimeter lang. Kellens Bilch ist damit kleiner als andere Afrikanische Bilche, die sympatrisch vorkommen. Auf dem Rücken ist das Fell hell- bis mittelbraun, beige oder grau, manchmal mit einem goldenen oder rötlichen Einschlag. Bei einigen Exemplaren zeigt sich eine dunkle Mittellinie. Der Bauch ist weißlich oder cremefarben. Die Haare des Bauchfells haben eine graue Basis. Rücken- und Bauchfell sind farblich klar voneinander abgegrenzt. Die Farbe des Kopfes entspricht der des Rückenfells, die Schnauze ist hin und wieder heller. Ein heller, weißer oder cremefarbener Streifen verläuft von den Wangen bis zu den Schultern. Die Augen der nachtaktiven Tiere sind relativ groß. Bei den meisten Exemplaren sind sie von einem dicken, dunklen Fellstreifen umgeben, der sich von den Augen bis zur Schnauze erstreckt. Die mittelgroßen bis großen Ohren sind braun. Hinter den Ohren befinden sich normalerweise cremefarbene oder weiße Flecken. Die Hinterpfoten sind weiß, mit oder ohne einem dunklen Mittelstreifen. Die Oberseite des Schwanzes ist in der Regel ebenso wie der Rücken gefärbt. Die Schwanzseiten, die Unterseite und die Spitze sind oft weiß. Der Schädel ist kurz und breit. Weibchen haben vier Zitzen. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 70.[2]

Das Verbreitungsgebiet in Afrika

Das Verbreitungsgebiet von Kellens Bilch erstreckt sich über große Teile Afrikas, zeigt aber große Lücken. Populationen der Art gibt es in Senegal, Gambia, Guinea-Bissau, Mali, Burkina Faso, in der Elfenbeinküste, in Ghana, Togo, Benin, Niger, Nigeria, Kamerun, Sudan, Südsudan, Äthiopien, Somalia, Kenia, Uganda, in der DR Kongo, Tansania, Angola, Sambia, Malawi, Mosambik und Simbabwe. Er kommt in Waldsavannen, in felsigen Gebieten, Sekundärwäldern und in der Nähe menschlicher Siedlungen vom Meeresspiegel bis in Höhen von mindestens 1.525 Metern vor. Wahrscheinlich sind die Tiere nachtaktive Einzelgänger und Allesfresser. Überwiegend leben sie auf Bäumen. Den Tag verbringen sie in Nestern aus Blättern und Gras in Baumhöhlen oder in Spalten unter loser Rinde. Teilweise werden auch verlassene Vogelnester, darunter die von Webervögeln oder die Lehmnestern von Schwalben, oder unbesetzte Bienenstöcke genutzt. Zur Verständigung verfügt der Kellen-Bilch über ein Repertoire von mindestens 4 bis 6 verschiedenen Lauten, die als Zwitschern, Zirpen, Keckern und Klicken beschrieben werden. Im gesamten Verbreitungsgebiet der Art wurden Jungtiere und säugende Weibchen während der meisten Monate des Jahres gesichtet. Es liegen jedoch nicht genügend Daten vor, um Rückschlüsse auf eine bestimmte Fortpflanzungszeit zu ziehen. Die Wurfgröße beträgt 2 bis 4 Jungtiere.[2]

Der Kellen-Bilch wurde 1890 durch den niederländischen Zoologen Caspar Louis Reuvens unter der Bezeichnung Eliomys kelleni erstmals wissenschaftlich beschrieben.[3] Die Terra typica liegt bei Moçâmedes im südlichen Angola. Es existieren zahlreiche Beschreibungen, die heute als Synonyme gelten.[2] Die Gattung der Afrikanischen Bilche (Graphiurus), zu der Kellen-Bilch heute gehört, besteht aus 15 Arten. Durch DNA-Vergleiche wurden jedoch 24 verschiedene monophyletische Linien gefunden, die als eigenständige taxonomische Einheiten dargestellt werden müssten.[4] Einige Populationen des Kellen-Bilchs sind wahrscheinlich eigenständige Arten.[2]

Da Kellens Bilch in Afrika weit verbreitet ist und die Nager wahrscheinlich sehr zahlreich sind, beurteilt die IUCN den Bestand der Art als ungefährdet.[5] Es liegen keine Schätzungen zur Populationsdichte vor. In den meisten Regionen ihres Verbreitungsgebietes sind sie selten, in anderen, wie Zentralangola und Nordwest-Sambia, sind sie jedoch häufig.[2]

Wikispecies: Kellen-Bilch – Artenverzeichnis
Commons: Kellen-Bilch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Beolens, Watkins & Grayson: The Eponym Dictionary of Mammals. JHU Press, 2009, S. 221 (The Eponym Dictionary of Mammals).
  2. 1 2 3 4 5 Don E. Wilson, Thomas E. Lacher, Jr & Russell A. Mittermeier, 2016, Gliridae, S. 838–889 in Handbook of the Mammals of the World: Lagomorphs and Rodents 1. (HMW, Band 6) Lynx Edicions, Barcelona 2016, S. 843. (Graphiurus kelleni)
  3. Caspar Louis Reuvens (1890) Die Myoxidae oder Schlaefer. Ein Beitrag zur Osteologie und Systematik der Nagethiere. P.W.M. Trap, Leiden, 80 S.
  4. Kenneth Otieno Onditi, Terrence C. Demos, Julian C. Kerbis Peterhans, Violaine Nicolas, Ondřej Mikula, Anna Bryjová, Amétépé Hounmavo, Ara Monadjem, Josef Bryja: Diversification and biogeographic history of African dormice (genus Graphiurus) revealed by ultraconserved elements and mitochondrial data. Molecular Phylogenetics and Evolution, Januar 2026, doi: 10.1016/j.ympev.2026.108549
  5. Graphiurus kelleni in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2016. Eingestellt von: Cassola, F., 2016. Abgerufen am 1. Mai 2026.