Yasutoshi Yoshida gründete Government Alpha 1992 mit der Idee Musik im Stil der Gruppen Einstürzende Neubauten oder Missing Foundation zu spielen. Das Projekt benannte er nach dem Godard-FilmLemmy Caution gegen Alpha 60. Sein Eintauchen in die Noisemusik vollzog Yoshida Schrittweise. Nachdem er erste Demos produziert hatte um Mitglieder für seine geplante Band zu akquirieren, wies ihn jemand darauf hin, dass seine Demos als Noisemusik zu kategorisieren seien. Mit diesem Bewusstsein entdeckte Yoshida Interpreten wie Whitehouse, SPK und Nurse With Wound. Fasziniert von diesen und ähnlichen Gruppen begann er, sich intensiver mit der Szene auseinanderzusetzen und entdeckte eine einfache Zugänglichkeit zur Noisemusik, was ihn dazu brachte, selbst in diesem Genre aktiv zu werden. Mit diesem Impuls produzierte er anfänglich konventionellen Post-Industrial ohne die später bestimmenden Einflüsse des Harsh Noise. Interpreten wie Hijokaidan oder Incapacitants erschienen ihm eher fremd und unverständlich. Das traditionellere Frühwerk kompilierte er später in dem Boxset Resolution Of Remembrance von Pica Disk. Der Wendepunkt hin zum Harsh Noise kam, als er die Gelegenheit hatte, einen Auftritt der Gruppe Incapacitants zu besuchen. Die Kraft der Performance inspirierte ihn, Musik zu schaffen, die noch intensiver war als das, was er zuvor gemacht hatte. Es dauerte mehrere Jahre, bis er einen eigenen Stil entwickelte, der später als typisch für Government Alpha bekannt wurde und Einfluss auf Genre wie Harsh Noise Wall nahm. Seither veröffentlichte Government Alpha eine große Anzahl unterschiedlicher Tonträger. Ein Großteil erschien auf seinem eigenen Label Xerxes.[1]
Das japanische Noise-Projekt ist für seine extremen und abrasiven Klänge bekannt. Die Musik ist geprägt von harschen, dissonanten Geräuschen, die oft in Form von akustischen Rückkopplungen, Zischgen, Rauschen und weiteren Krach-Elementen präsentiert werden. Die Kompositionen sind minimalistisch und bestehen aus repetitiven, zerstörerischen Klangstrukturen, die sich schnell verändern und eine chaotische Atmosphäre schaffen.[2] Damit gilt Government Alpha als wichtiger Interpret des Japanoise und wird gelegentlich als Vorreiter des Harsh Noise Wall gehandelt.
Als Grundlage für seine Musik nutzt Yoshida eine Reihe unterschiedlicher Geräte. Als „Basisequipment“ führt er „Boss HM-3,FZ-2, DOD Buzz Box, Death Metal, Ibanez WH10 , LAL Cyber Psychic, Korg Kaoss Pad KP3 und ein Mikrophon“ an. Weitere Geräte wie ein MFB Kraftzwerg, ein iPad oder unterschiedliche Pedale kommen noch hinzu.[1]
Yoshida räumt ein, dass sich die Musik des Projektes generell einem Harsh Noise / Harsh Noise Wall zuordnen lassen solle. Dies sei die einzig dauerhafte Entscheidung hinsichtlich einer Idee zum Projekt. Ansonsten versuche er mit Government Alpha Klänge zu erzeugen, die er selbst suche, aber nicht bei anderen Interpreten entdecken konnte. Entsprechend folgt Government Alpha auch keinem inhaltlichen Konzept. Es gibt keinen thematischen Zusammenhang und keine wiederkehrenden lyrischen Themen. In einigen Veröffentlichungen nutzte Yoshida unbestimmte englische Texte. Zu späteren Veröffentlichungen und Auftritten blieb er mit programmatischen Schreiausbrüchen aktiv, allerdings ohne eine artikulierte Sprache zu nutzen. Die menschliche Stimme schaffe auch ohne lyrischen Bezug einen emotionalen Kontaktpunkt.[1]
„Ich hab keine besonderen Themen oder Motive in der Musik, das würde dem Sound nur Grenzen setzen.“
Dem Einfluss des Duos Incapacitants entsprechend sind auch die Auftritte von Government Alpha von spielerischer und physischer Präsenz geprägt.[1] Auftritte in absoluter Dunkelheit zählen ebenso in das Repertoire des Projektes wie solche bei denen Yoshida seine Verzerrer und Modulatoren beschädigt.[3] So beschreibt David Novak in seiner Genrechronik einen Government-Alpha-Auftritt in Rhode Island, bei welchem Yoshida sein laufendes Equipment zügig verknüpfte, eine Stange emporklomm, mit den Füßen voraus auf seinen eigenen Aufbau sprang, wobei die Verbindungen gekappt wurden, um den Vorgang anschließend mehrmals zu wiederholen.[4]
↑d foist:The Horror! The Horror! Leeds Termite Club and British Noise History. In: Jennifer Wallis (Hrsg.): Fight Your Own War. Power Electronics and Noise Culture. Headpress, 2016, ISBN 978-1-909394-40-7, S.93-111, 99.
↑David Novak:Japanoise: Music at the Edge of Circulation (Sign, Storage, Transmission). Duke University Press, 2013, ISBN 978-0-8223-5379-9, S.161.