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Goderdsi Urgebadse

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Foto von Goderdsi Urgebadse

Sankt Gabriel, geboren als Goderdsi Wasiliewitsch Urgebadse (georgisch გოდერძი ურგებაძე; * 26. August 1929 in Tiflis, Georgische SSR; † 2. November 1995 in Mzcheta, Georgien), war ein georgisch-orthodoxer Mönch, der für sein monastisches Leben und seine Frömmigkeit verehrt wurde und während der Sowjetära unter Verfolgung zu leiden hatte. Gabriels Grab in Mzcheta zieht heute eine große Zahl von Pilgern an. Die georgisch-orthodoxe Kirche hat ihn am 20. Dezember 2012 offiziell als Heiliger Vater St. Gabriel, Bekenner und Narr in Christo heiliggesprochen.

Gabriel wurde mit dem Namen Goderdsi als drittes Kind seiner Eltern Wasiliy und Barbara Urgebadse in Tiflis geboren. Als Säugling wurde er in der Kathedrale der heiligen Märtyrerin Barbara, im Bezirk von Nawtlugi, getauft. Sein Vater starb 1931 unter ungeklärten Umständen, als Georgien von stalinistischen Repressalien überzogen und die Religion verfolgt wurde. Zu Ehren seines Vaters nannte man ihn darauf „Wasiko“.

Mit sechs Jahren ging er zur Schule und lernte sehr schnell Lesen, Schreiben und Rechnen. Seine atheistische Mutter erzog ihn unreligiös. Mit dem Christentum konfrontiert wurde Goderdsi erstmals mit 7 Jahren, was ihn fundamental geprägt haben soll. Urgebadse wurde seitdem zu einem tiefreligiösen Menschen. So baute er als Kind gerne aus Steinen kleine Kirchengebäude nach. Er vermied zudem oft Spiele mit Gleichaltrigen und zog Einsamkeit und Stille vor. Darüber hinaus soll er von frühem Alter aus sehr barmherzig und mitleidsvoll gewesen sein, auch gegenüber Tieren: Er war dafür bekannt, dass er sich am liebsten mit Vögeln beschäftigte und dass Vögel auch keine Scheu vor ihm hatten. Er wehrte sich stark dagegen, dass bei ihm Zuhause Mäuse mit Mausefallen bekämpft würden, sodass er Mäuse im Haus mit Käfigen lebendig fing, um sie dann draußen wieder freizulassen.[1]

Das Kloster Samtawro

Noch im Alter von zwölf Jahren soll Goderdsi Erscheinungen eines Kreuzes und von Dämonen gehabt haben, was seine Religiosität stärkte. Seine Mutter hielt seine Frömmigkeit anfangs für eine vorübergehende Phase. Als Goderdsi jedoch mit 12 Jahren nur strenggläubiger wurde, Gottesdienste besuchte, sein Erspartes für Ikonen und ein Evangeliar ausgab und große teile seiner Freizeit der Religion widmete, kam es zu heftigen familiären Konflikten. Seien Mutter verbot ihm dabei seine Religionsauslebung und warf bei einem Streit sein Evangeliar in die Toilette. Goderdsi floh in der darauffolgenden Nacht in das Frauenkloster in Samtawro und entschied sich Mönch zu werden. Da das Frauenkloster keinen Männern eine bleibende Unterkunft anbieten durfte, wurde er nach kurzer Zeit nach Svetizkhoveli weitergeschickt. Da er jedoch noch minderjährig war, konnte er dort nicht aufgenommen werden, worauf er ins Kloster Schio-Mgwime ging. Diese schickten in wieder zum Zedazenskiy Kloster. Die Mönche dort gewannen den Jungen lieb und richteten ihm in der Nähe des Klosters eine geheime Unterkunft ein, wo er mehrere Wochen leben konnte. Wegen der strengen Kontrolle durch Gesetzesvollstrecker wurde Goderdsi dann ins Betania-Kloster geschickt, wo er jedoch abgelehnt wurde. Details aus Wasikos Leben und sein genauer Aufenthaltsort nach seiner Abreise vom Betania-Kloster sind unbekannt. Er soll darauf bei einer Wahrsagerin in Tiflis Unterkunft bekommen haben, wo ihn schließlich seine Mutter wiederfand. Goderdsi kehrte nach Hause zurück und durfte seien Religion frei ausleben. Er besuchte danach monatlich das Kloster Betania.

Sein Nachbar soll ihn zudem gesehen haben, wie er die Ruine der durch die Sozialisten zerstörten Kathedrale des Heiligen Georg aufräumte und mit den Worten „Im Namen Christi“ schwere Trümmer heben konnte, was den Nachbarn wieder zur christlichen Lebensweise ermutigte. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 ereilte den noch zwölfjährigen Urgebadse der Ruf eines Hellsehers, als Gläubige sich bei ihm nach dem Wohlergehen ihrer Nahestehenden im Militärdienst erkundigten. Durch die Bewahrheitung seiner Worte und seiner christlichen Predigt soll er bei vielen den Glauben gefestigt haben. Auch verhielt er sich teils merkwürdig: So soll er sich am belebtesten Ort seines Stadtteils mitten auf einen Müllhaufen gesetzt und laut gesprochen haben: „Wasiko, vergiss nicht, dass du Müll bist und habe keine Hochachtung vor dir selbst“, was zu Konflikten mit seiner Familie führte.

Mit sechzehn Jahren pilgerte Goderdsi zu Fuß zum Martkopi-Kloster. Ebenfalls soll er als Jugendlicher die durch Bauarbeiten freigelegten Gebeine der gefallenen Soldaten der Demokratischen Republik Georgien aufgesammelt und bestattet haben, nachdem der ihnen gewidmete Friedhof vom sowjetischen Regime mit einem Bulldozer beseitigt wurde. Auch kam er noch als Schüler in Besitz von Ikonen, vor denen er dann viel betete. In seinem Evangeliar soll er täglich gelesen haben.[1]

Junge Erwachsenenjahre

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1949 wurde Goderdsi zum Militärdienst einberufen, welchen er bei den Grenztruppen der UdSSR in Batumi leistete. Bei der Armee hielt er die Fastenzeiten ein und besuchte heimlich Gottesdienste. Nach seinem Militärdienst kehrte er an seinen Heimatort zurück. Er wurde darauf in die Gesundheitsvorsorgestelle einberufen und verhört: Er wurde dabei (unter anderem wegen seiner Visionen aus der Kindheit) als psychisch krank erklärt und bekam darauf eine Behindertenrente. Er besuchte regelmäßig die Gottesdienste der Sioni-Kathedrale. Bald wurde der georgisch-orthodoxe Katholikos-Patriarch Melchizedek III. auf ihn aufmerksam und stellte ihn zuerst als Wächter und dann als Psalmenleser in der Kathedrale ein.[1]

Monastisches Leben

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1955 wurde er zum Diakon geweiht und empfing kurz darauf im Kutaissi-Motsameta-Kloster die Mönchsweihe an, wobei er auf eigenen Wunsch den Ordensnamen Gabriel bekam. Drei Tage später wurde er in der Kathedrale der Heiligen Peter und Paul zum Hieromonachos ernannt und in Sioni in Dienst gestellt. 1960 wechselte er dann ins Betania-Kloster, welches er schon als Kind regelmäßig besucht hatte. 1962 wurde das Betania-Kloster vom Sowjet-Regime zwangsweise aufgelöst. Gabriel musste darauf wieder nach Tiflisi auf seinen Hof zurückkehren. In Tiflisi führte er dann die Gottesdienste bis 1965.[1]

Der 1. Mai 1965

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Aufnahme von Goderdsi Urgebadse (vor 1995)

Am 1. Mai 1965 wurde er in ganz Georgien bekannt, als er während einer Parade zum Internationalen Tag der Arbeit in der Innenstadt von Tiflis ein Transparent mit der Darstellung von Wladimir Lenin in Brand setzte und die Menge ermahnte, keine Götzenverehrung in Gestalt von Menschenverehrung zu betreiben und zum christlichen Glauben zurückzukehren. In Reaktion darauf soll er von der wütenden Menge fast zu Tode geprügelt worden sein und 17 Knochenbrüche erlitten haben. Er wurde danach vom KGB verhört, gefoltert und in einer Isolationszelle inhaftiert. Nachdem der Vorfall auch von europäischen und amerikanischen Medien große Aufmerksamkeit bekommen hatte, entging Gabriel einem Todesurteil und wurde stattdessen in eine psychiatrische Klinik für eine „Zwangsbehandlung“ eingewiesen. Die Diagnose lautete: „psychopatische Persönlichkeit, neigt zu psychotischen Schizophrenie- artigen Zusammenbrüchen.“ Gabriel wurde schließlich Ende November 1965 wieder entlassen. Die Durchführung von Gottesdiensten wurde ihm verboten und er wurde nach dem Vorfall noch mehrmals zum KGB bestellt, wo er dann einmal so geschlagen wurde, dass seine Familie ihn abholen musste.[1]

1971 wurde er zum Abt des Frauenklosters in Samtavro und des Priesterseminars ernannt. Gabriel verbrachte einen Großteil seines späteren Lebens im Nonnenkloster der Heiligen Nino, das dem Samtawro-Kloster in der alten Stadt Mzcheta nördlich von Tiflis angeschlossen ist. Er lebte in Askese und wurde von Pilgern aufgesucht. Urgebadse starb 1995 und wurde auf dem Samtarowo-Kirchhof beigesetzt.

Heiligsprechung und Verehrung

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Exhumierung der Gebeine (2014)

Die orthodoxen Christen glauben, dass Gabriel Heilkräfte und Hellsichtigkeit besaß, und seinem Grab werden Wunder zugeschrieben.[2] Sein Grab wurde zu einer Pilgerstätte und 2012 erkannte ihn die georgisch-orthodoxe Kirche offiziell als Heiligen an. Im Januar 2014 verbreitete sich das Gerücht, Gabriel habe bei einer angeblichen Erscheinung einer Nonne in Mzcheta versprochen, dass denjenigen, die sein Grab kurz vor Weihnachten besuchen, am 7. Januar zwei Wünsche erfüllt werden. Dies löste mehrere Massenversammlungen in Samtarowo aus. Der Inhalt der Gerüchte wurden später dementiert.[3][4]

Reliquienschrein des Heiligen Gabriel

Die Reliquien Gabriels wurden am 22. Februar 2014 exhumiert und in einer speziellen Krypta des Klosters Samtarowo beigesetzt. Vor der Beisetzung wurde sein Leichnam in vier großen orthodoxen Kathedralen Georgiens gezeigt, was Tausende von Gläubigen aus dem ganzen Land anlockte.[5]

Commons: Goderdsi Urgebadse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b c d e Der Heilige Gabriel (Urgebadze): Der Heilige Gabriel (Urgebadze). Abgerufen am 26. Dezember 2025.
  2. Agenda.ge - Pilgrims seek miracles at opening of saint's tomb. 20. März 2015, archiviert vom Original am 20. März 2015; abgerufen am 9. März 2025.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/agenda.ge
  3. Georgia: Pilgrims seek wish fulfilment at monk's tomb. In: BBC News. 7. Januar 2014 (bbc.com [abgerufen am 9. März 2025]).
  4. Jimsher Rekhviashvili: Reports Of Holy Vision Sparks Mass Pilgrimage In Georgia. In: Radio Free Europe/Radio Liberty. 7. Januar 2014 (rferl.org [abgerufen am 9. März 2025]).
  5. Agenda.ge - Pilgrims seek miracles at opening of saint's tomb. 20. März 2015, archiviert vom Original am 20. März 2015; abgerufen am 9. März 2025.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/agenda.ge