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Ghulam Azam

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ghulam Azam (2009)

Ghulam Azam (bengalisch গোলাম আযম; * 7. November 1922; † 23. Oktober 2014) war ein bangladeschischer islamistischer Politiker und langjähriger Führungsfunktionär der Jamaat-e-Islami.[1] Er wurde 2013 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Krieg von 1971 zu 90 Jahren Haft verurteilt; das gegen das Urteil laufende Berufungsverfahren endete 2014 durch seinen Tod in Haft.[2][1]

Nach einem Madrasa-Besuch erwarb er 1950 einen Masterabschluss an der Universität Dhaka, lehrte von 1950 bis 1955 Politikwissenschaft am Carmichael College in Rangpur und trat 1954 der Jamaat-e-Islami bei.[1] Von 1957 bis 1960 war er Parteisekretär, 1969 wurde er Amir der Jamaat-e-Islami in Ostpakistan.[1] Am 22. November 1971 ging er nach Pakistan, organisierte anschließend das Purbo Pakistan Punoruddhar Committee, betrieb von London aus mit dem Blatt Shonar Bangla Agitation gegen den neuen Staat und verlor 1973 die bangladeschische Staatsbürgerschaft.[3][1] Am 11. August 1978 kehrte er mit pakistanischem Pass nach Bangladesch zurück, blieb nach Ablauf seines Visums im Land, wurde am 19. Dezember 1991 zum Amir der Jamaat in Bangladesch erklärt, erhielt 1994 seine Staatsbürgerschaft per Gerichtsbeschluss zurück und gab das höchste Parteiamt 2000 ab.[3][1]

Azam gehörte zu den wichtigsten Gegnern der bangladeschischen Unabhängigkeit von 1971; nach späterer gerichtlicher Würdigung war er für Verschwörung, Anstiftung, Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Unterstützung von Gewaltverbrechen im Krieg verantwortlich.[2][1] Das Tribunal erklärte seine Taten für todesstrafenwürdig, verhängte wegen seines hohen Alters und seines Gesundheitszustands jedoch eine 90-jährige Freiheitsstrafe.[2][4] Seine politische Rehabilitierung löste Anfang der 1990er-Jahre Massenproteste aus; 1992 veranstaltete ein von Jahanara Imam mitgetragenes öffentliches „Volkstribunal“ in Dhaka einen symbolischen Prozess gegen ihn.[5][1] Er wurde am 11. Januar 2012 festgenommen und starb am 23. Oktober 2014 in der Bangabandhu Sheikh Mujib Medical University in Dhaka, nachdem er künstlich am Leben gehalten worden war.[6][4][1] Zwei Tage später wurde er nach dem Totengebet in der Baitul-Mokarram-Moschee im Familiengrab in Moghbazar beigesetzt; die Beisetzung wurde von Protesten begleitet.[7][8]

Commons: Ghulam Azam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Ghulam Azam dies in prison. In: The Daily Star. 23. Oktober 2014, abgerufen am 16. April 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 Kriegsverbrecher-Urteil in Bangladesch: 90 Jahre für 91-jährigen Islamisten. In: taz.de. 15. Juli 2013, abgerufen am 16. April 2026.
  3. 1 2 পাকিস্তানি পাসপোর্ট নিয়ে ফেরেন গোলাম আযম. In: bangla.bdnews24.com. 15. Juli 2013, abgerufen am 16. April 2026 (bengalisch).
  4. 1 2 গোলাম আযম মারা গেছেন. In: Prothom Alo. 23. Oktober 2014, abgerufen am 16. April 2026 (bengalisch).
  5. Bangladesch diskutiert über seine Geschichte. In: taz.de. 27. März 1992, abgerufen am 16. April 2026.
  6. Ghulam Azam dies. In: bdnews24.com. 24. Oktober 2014, abgerufen am 16. April 2026 (englisch).
  7. Ghulam Azam buried. In: The Daily Star. 25. Oktober 2014, abgerufen am 16. April 2026 (englisch).
  8. গোলাম আযমের দাফন, জানাজার সময় প্রতিবাদ. In: Prothom Alo. 25. Oktober 2014, abgerufen am 16. April 2026 (bengalisch).