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Geisterschule

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(Weitergeleitet von Ghost School)
Film
Titel Geisterschule
Originaltitel Ghost School
Produktionsland Pakistan, Deutschland, Saudi-Arabien
Originalsprache Urdu
Erscheinungsjahr 2025
Länge 88 Minuten
Stab
Regie Seemab Gul
Drehbuch Seemab Gul
Produktion Seemab Gul
Musik Anna Bauer
Kamera Zamarin Wahdat
Schnitt Raluca Petre
Besetzung
  • Nazualiya Arsalan: Rabia
  • Samina Seher: Mutter
  • Adnan Shah Tipu: Schulleiter
  • Vajdaan Shah: Pferde-Kutscher
  • Muhammad Zaman: Lehrer

Geisterschule (Originaltitel: Ghost School) ist ein pakistanisch-deutsch-saudi-arabischer Spielfilm für Kinder unter der Regie von Seemab Gul aus dem Jahr 2025. Weltpremiere hatte der Film am 8. September 2025 auf dem Toronto Film Festival, am 14. Februar 2026 soll er auf der Berlinale seine europäische Premiere in der Sektion Generation feiern.

Schon in den ersten Filmszenen sind die Themen Schule, Geister und soziale Ungleichheit präsent: Die 10-jährige Pakistani Rabia ist sehr aufgeweckt und interessiert am Lernen. Sie sieht von ihrem Haus aus, wie ein Esel von einem Kutscher geschlagen wird. Auf ihre Frage nach dem Grund erklärt ihr die Mutter, der Esel habe seine Hausaufgaben in der Eselschule nicht gemacht. Bei Spiel mit ihren jüngeren Geschwistern wickelt Rabia sich in einen Vorhang, spielt einen Geist und erschreckt so die anderen. Rabias Mutter stellt fest, dass die Schuluniform ihrer Tochter zu kurz ist; und da sie kein Geld für neue Schulkleidung hat, trennt sie den Saum auf, kann das Kleidungsstück aber nicht mehr bügeln: Sie muss sich schnell auf den Weg zu ihrer Arbeitsstelle im Haus einer wohlhabenden Familie machen.

Als Rabia ihre Schule betreten will, steht vor dem Tor eine Wache: Die Schule ist geschlossen, da nun auch der letzte Lehrer die Schule verlassen habe; der Wachposten hat angeblich gehört, dieser Lehrer sei von Geistern besessen. Die Kinder greifen das Gerücht auf. Rabias Schulkamerad Ali sagt, die Geister hätten die Schule übernommen. Sein Vater würde ihn in eine andere Schule im nächsten Dorf bringen; doch die sei nur für Jungen. Ali malt diese Schule mit viel Phantasie aus, man würde dort zur Schule reiten, die Pferde könnten fliegen… doch Rabia ist sich sicher: „Unsere Schule wird wieder öffnen.“ Am Haus des Lehrers erfährt Rabia, dass der Lehrer Fieber und keinen Appetit hat; seine Frau und er sind auf dem Weg ins nächste Dorf, wo ein Krankenhaus ist. Doch er werde das Dorf ohnehin verlassen; sein Vorgesetzter habe ihm nicht etwa die verdiente Gehaltserhöhung gegeben, sondern für eine Vertragsverlängerung Bestechungsgeld verlangt. Als er sich geweigert habe zu zahlen, habe der Direktor – ein Großgrundbesitzer – das Gerücht in die Welt gesetzt, der Lehrer sei besessen. Angst sei ein Symptom des Unwissens. Rabia solle sich in der Schule selbst davon überzeugen, dass dort keine Geister seien. Der Begriff Geisterschule ist dabei doppeldeutig: Er bezeichnet nicht nur eine möglicherweise von Geistern besetzte Schule, sondern auch ein dauerhaft leerstehendes Schulgebäude.

Rabia sucht nun den Großgrundbesitzer zu Hause auf. Sie sagt ihm, dass der Lehrer das Dorf verlassen werde und fragt, ob und wann ein neuer Lehrer komme. Die Lehrerauswahl falle nicht in seine Zuständigkeit, erklärt der Direktor, sondern in die des Distriktkommissars. Außerdem vertrete er die Meinung, dass Bildung keineswegs allen zustehe; wenn alle gebildet wären, würde niemand mehr die Arbeiten wie Fischen etc. erledigen. Rabia hat zwar nicht erreicht, was sie wollte, doch der Fund eines Hufeisens am Brunnen lässt sie auf Glück hoffen.

Darstellung eines Buraq. Senegal, 1975

Auf ihrem Weg zum Distriktkommissar kommt Rabia zu ihrem Onkel am anderen Ende des Dorfes. Sie formuliert ihre Sehnsucht danach, die Situation zu verändern und berichtet auch von Alis Behauptung, er werde demnächst auf einem Pferd zur Schule fliegen; der Onkel bezeichnet das als Lüge. Er bezahlt den Kutscher einer Pferderikscha dafür, das Mädchen nach Hause zu bringen. Auf Rabias Frage, ob Pferde denn fliegen könnten, antwortet dieser: „Nur Buraq, manchmal.“ Sie überredet den Kutscher, sie zum Distriktkommissar zu bringen. Er erzählt ihr, dass Politiker viel versprächen und Reiche ihre Kinder in Privatschulen schicken würden, sodass das Interesse an einem guten öffentlichen Schulsystem gering sei. Seine Lehrer sei fast nie anwesend gewesen, habe die Kinder geschlagen und seien bald wieder weg gewesen oder krank geworden. Auch habe es keine Bücher gegeben. Die Rikscha setzt Rabia vor dem Haus des stellvertretenden Distriktkommissars ab. Ein Wächter teilt den Wartenden mit, sie sollten am nächsten Tag ab 9 Uhr wiederkommen, heute sei keine Sprechzeit mehr. Von einer alten Frau erfährt Rabia, dass im Nachbardorf mit dem Bau einer Klinik begonnen worden sei; doch die Arbeiter seien krank geworden, und schon bald sei die Baustelle verlassen gewesen. Zufällig kommt die Chefin von Rabias Mutter vorbei und nimmt sie im Auto mit. Während der Fahrt sprechen die beiden über Rabias Schule. Die Chefin bezeichnet die Geschichte von der verhexten Schule als Aberglauben; vielmehr sei hier Korruption im Spiel, das Personal existiere nur auf dem Papier und Korrupte würden sich mit dem Geld die Taschen füllen. Sie fragt Rabia, ob sie nicht mit ihr in die Stadt gehen und dort eine Schule besuchen wolle; sie könne ihr im Haushalt helfen. Daraufhin will Rabia schnell aussteigen; die Chefin drückt dem Mädchen noch Geld für eine neue Schuluniform in die Hand.

Rabia bewegt sich durch das verlassene Schulgebäude und erschrickt immer wieder, weil der Wind Türen schlagen lässt und Tauben auffliegen. Doch Geister begegnen ihr nicht. An die Tafel schreibt sie: „Ghost School“, erzählt einer imaginären Klasse die Geschichte der Schule und schließt mit dem Satz, dass man alles hinterfragen müsse, damit einen niemand zum Narren halten könne. An der Moschee erzählt sie jungen Männern, dass die Schule nicht verhext sei und sie nur zu feige dazu seien, sich selbst davon zu überzeugen. Bei einem Einkauf auf dem Markt spricht sie mit einem Verkäufer, der nach der 5. Klasse von der Schule abgegangen war – Bildung hat keinen hohen Stellenwert bei den unteren Schichten. Zu Hause weint Rabia, weil sie nicht alleine weiterlernen kann und es für sie keine Schule zu geben scheint. Am Abend ziehen die Jugendlichen aus der Moschee zur Schule, um mit Masken und Fackeln die Schule auszuräuchern und die Geister zu vertreiben. Die Versammlung eskaliert, die jungen Männer schlagen alles kurz und klein und verbrennen die Schulbücher. Doch Rabia gibt nicht auf. Sie wandert durch die nun wieder leere Schule und singt die Schulhymne, die jeden Morgen vor der Schule angestimmt wurde; „Möge sich mein Wunsch erfüllen“ kommt darin vor.

Rabias Mutter hat inzwischen von ihrer Chefin von dem Plan erfahren, dass diese Rabia mit nach Karatschi nehmen wolle. Sie versucht, mit Rabia darüber zu sprechen. Kurz darauf sagt sie der Chefin ab; Rabia sei traumatisiert und würde nicht mehr sprechen. Die Meinung der Mutter ist: Das Mädchen solle lieber ungebildet bleiben als eine gebildete Dienerin zu werden – die Reichen würden die Kinder der Armen „kaufen“, könnten aber nicht einmal ihr Bett selbst machen. In der nächsten Szene schneidet Rabias Mutter ihrer Tochter die Haare. Eine neue, andere Schuluniform weist darauf hin, dass Rabia tatsächlich die Schule wechseln wird. Als sie in der neuen Uniform dasteht, taucht an der Stelle des Eselkarrens aus der ersten Szene ein geflügeltes Pferd auf: Rabias Wunsch geht in Erfüllung, sie kann wieder eine Schule besuchen. Und ihr Versuch, die Schließung ihrer Schule rückgängig zu machen, hat sie erleben lassen, welchen Stellenwert Bildung in unterschiedlichen Gesellschaftsschichten hat.

Seemab Gul, 2025

Regie führte Seemab Gul, von der auch das Drehbuch stammt. Die Kameraführung lag in den Händen von Zamarin Wahdat, die Musik komponierte Anna Bauer und für den Filmschnitt war Raluca Petre verantwortlich. Für das Sound Design war Andrej Bako zuständig.

In wichtigen Rollen sind Nazualiya Arsalan (Rabia), Samina Seher (Mutter), Adnan Shah Tipu (Schulleiter), Vajdaan Shah (Pferde-Kutscher) und Muhammad Zaman (Lehrer) zu sehen.

Produktion und Förderungen

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Produziert wurde der Film von Seemab Gul. Er ist ihr Debütfilm. Die Produktionsfirma war Cinelava, Karachi.

Gul arbeitete 2022 an einem Filmprojekt mit dem Titel Haven Of Hope. Es wurde von La Fabrique Cinéma de l'Institut français für ein Programm ausgewählt, in dessen Rahmen Filmschaffende bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes mit französischen Filmproduzenten in Kontakt kommen.[1] Als Haven of Hope sich aus mehreren Gründen verzögerte, begann sie zunächst auf eigene Kosten mit der Arbeit an dem Spielfilmprojekt, aus dem später Ghost School wurde.[2] Die Idee entstand, als sie 2022 für Greenpeace International über die Flut berichtete und viel in Pakistan unterwegs war. Als sie dort im Inneren von Belutschistan und Sindh und im südlichen Punjab sogenannte Geisterschulen und sogar sogenannte Geisterkrankenhäuser sah, wurde ihr das Problem bewusst.[2] Der Begriff bezeichnet leer stehende Schulen und andere öffentliche Gebäude, die nicht mehr als solche genutzt oder nicht einmal fertig gebaut wurden. Gründe hierfür sind Korruption und die Machtansprüche lokaler Großgrundbesitzer.[3] Nach Schätzungen, so Gul, gebe es allein in Pakisten etwa 1500 sogenannte Geisterschulen, was bedeute, dass über 22 Millionen Kinder nicht zur Schule gehen könnten.[2] Besonders liege ihr die Bildung von Mädchen am Herzen, so Gul; In Pakistan habe nur etwa die Hälfte von ihnen das Lesen und Schreiben gelernt.[4]

Das Committee Director’s Cut der MOIN Film Förderung Hamburg Schleswig-Holstein unterstützte das Projekt im Juni 2025 mit 25.000 Euro für die Fertigstellung.[5] Vom Red Sea Fund kamen Fördergelder für die Postproduktion.[6]

Dreharbeiten und Veröffentlichung

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Die Dreharbeiten fanden in Karatschi statt.[3] Weltpremiere hatte der Film am 8. September 2025 auf dem Toronto Film Festival, er lief auch auf dem Red Sea International Film Festival. Am 14. Februar 2026 soll er auf der Berlinale seine europäische Premiere in der Sektion Generation feiern.[7] Der Weltvertrieb liegt in den Händen von Premium Films, Paris.[8]

Emma Badame von der Alliance of Women Film Journalists lobte die Kameraführung und die dem Thema angemessene Geschwindigkeit des Films. Er zeige die gesellschaftliche Abwertung von Kindern und sei eine zugleich harte und zarte Coming-of-Age Geschichte mit einer eindrucksvollen Hauptfigur, die trotz aller Widerstände die Hoffnung nicht verliere.[9] Kyle Flynn meinte, der Film sei in seinen ruhigen Momenten am schönsten. Zwar hätte er ein weniger eindeutiges Ende vorgezogen, aber durch das eindrucksvolle Spiel der Hauptdarstellerin und das gesellschaftliche Gewicht der angesprochenen Themen werde der Film in Erinnerung bleiben.[10]

Auszeichnungen und Nominierungen

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Einzelnachweise

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  1. Khadija Muzaffar: 'Haven Of Hope': How A Pakistani Film Project About Three Abandoned Women Made Waves At Cannes Festival. In: www.thefridaytimes.com. 29. Mai 2022, abgerufen am 8. Februar 2026 (englisch).
  2. a b c Kelly Loubandha: In conversation with Seemab Gul on her debut feature Ghost School. In: Antler River Media Co-op. 29. September 2025, abgerufen am 9. Februar 2026 (amerikanisches Englisch).
  3. a b Mehak Kapoor: Exclusive: Director Seemab Gul On ‘Ghost School’ - A Pakistani Tale Of Childhood & Corruption. In: ANOKHI LIFE. 26. September 2025, abgerufen am 8. Februar 2026 (englisch).
  4. Seemab Gul on her debut feature Ghost School: ‘I wanted to highlight the issue of girls’ education in Pakistan’. In: The Indian Express. 19. September 2025, abgerufen am 9. Februar 2026 (englisch).
  5. Funding decision of 18.06.2025. In: www.moin-filmfoerderung.de. 18. Juni 2025, abgerufen am 9. Februar 2026 (englisch).
  6. Red Sea Fund Unveils Winners Of The First Cycle Of Post-production Grants For 2025. In: https://redseafilmfest.com/. 25. Juni 2025, abgerufen am 9. Februar 2026 (englisch).
  7. Ghost School. In: tiff.net. 2025, abgerufen am 8. Februar 2026 (englisch).
  8. Ghost School | Geisterschule | Berlinale. In: www.berlinale.de. 2026, abgerufen am 8. Februar 2026.
  9. Emma Badame: GHOST SCHOOL (TIFF 2025) – Review by Emma Badame – ALLIANCE OF WOMEN FILM JOURNALISTS. In: https://awfj.org/. 8. September 2025, abgerufen am 9. Februar 2026 (amerikanisches Englisch).
  10. Kyle Flynn: [TIFF 50] Ghost School Review – A Heartfelt Debut. In: https://fromthefourthrow.com/. 14. September 2025, abgerufen am 9. Februar 2026 (englisch).