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Geschichte Athens

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Die Akropolis in Athen

Die Geschichte Athens, der heutigen griechischen Hauptstadt, reicht etwa 7500 Jahre zurück – also bis in die Jungsteinzeit. Genauere Details sind aber erst ab etwa 1600 v. Chr. bekannt, als auf der Akropolis (= hohe Stadt) ein mykenischer Palast errichtet wurde. Athen liegt auf der Halbinsel Attika.

Athen war eine der mächtigsten Poleis des antiken Griechenland und der große Gegenspieler Spartas im Peloponnesischen Krieg. Athen war – mit der Verfassung des Solon vor allem seit der Reform des Kleisthenes von Athen – die erste Demokratie in der Geschichte (Attische Demokratie). Im 5. Jahrhundert v. Chr. kontrollierte Athen gemeinsam mit dem Attischen Seebund als Hegemon zeitweise einen Großteil der Ägäis. Ihre endgültige Blüte erlebte die attische Demokratie im 4. Jahrhundert v. Chr., als die Zeit der größten Machtentfaltung Athens bereits vorbei war. Mit den Schulen des Platon und Aristoteles bildete Athen ein bedeutendes philosophisches Zentrum und blieb dies bis in die ausgehende Spätantike.

Die Herkunft des Stadtnamens

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Die Herkunft des Namens Athen (in klassischem Griechisch Ἀθῆναι, Athênai; heute Αθήνα, Athína) ist bislang nicht geklärt. Ob die Stadt nach ihrer Schutzgöttin Athene benannt ist oder umgekehrt, ist unklar. Ursprünglich scheint die Singular-Form Ἀθήνη (Athḗnē) gewesen zu sein.[1] In klassischer Zeit kommt dann, analog anderen Städtenamen wie Thêbai (Θῆβαι) und Mykênai (Μυκῆναι), der Plural Athênai in Gebrauch. Die ältesten schriftlichen Belege für die spätere Stadtgöttin entstammen dem mykenischen Griechisch einiger Linear-B-Tafeln aus dem kretischen Knossos, wo unter anderem eine A-ta-na po-ti-ni-ja (= Athana potniya, entweder „Herrin Athana“ oder „Herrin Athens“) angesprochen wird.[2]

Schon in der Antike finden sich verschiedene, wohl zum Teil paretymologische Deutungen des als Ursprung der Benennung angesehenen Theonyms wie in den platonischen Dialogen Kratylos und Timaios, wo der Göttername bald von einer fiktiven Form Ἀθεονόα (Atheonóa) und von den Begriffen θεός (theós „Gott“) und νοῦς (noûs „Geist“) abgeleitet,[3] bald mit der ägyptischen Göttin Neith in Zusammenhang gebracht wird.[4]

Während die neuere Sprachwissenschaft meistenteils von einem nicht-indogermanischen Ursprung des Namens ausgeht,[5] wurde in der Mythenforschung der Charakter der Göttin als Himmels- oder Sonnentochter nahegelegt und damit mindestens eine Assoziation mit dem indogermanischen Pantheon postuliert.[6]

Vor- und Frühgeschichte

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Erste Anzeichen einer Siedlung auf der Akropolis in Athen stammen aus der Jungsteinzeit (ca. 5000–3000 v. Chr.). Auch aus der griechischen Bronzezeit (Helladikum) (ca. 3000–1050 v. Chr.) finden sich Spuren. Während des Späthelladikums wurde im 14. Jahrhundert v. Chr. auf der Akropolis ein mykenischer Königspalast und in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts v. Chr.[7] eine Wehrmauer errichtet.

Die mykenische Akropolis (Königsburg) Athens blieb – anders als die der meisten übrigen bisher bekannten mykenischen Palastzentren Griechenlands, wie etwa Pylos oder Mykene – möglicherweise von den Zerstörungen kurz nach 1200 v. Chr. (Zusammenbruch der Bronzezeit) verschont. Es wurden zwar Brandspuren an der Wehrmauer entdeckt, jedoch sind diese nicht datierbar. Zumindest blieb die Stadt auch im 12. Jahrhundert v. Chr. (während des Späthelladikums III C) offenbar ohne Unterbrechung besiedelt, wie unter anderem Grabungen an Randbereichen der Akropolis ergaben.[8]

Die Bewohner Attikas betonten später stets ihre alte ionische Tradition, und dass diese keine dorischen Elemente aufwies. Dennoch hinterließen die Umwälzungen um und nach 1200 v. Chr. auch in Athen ihre Spuren, dessen Einfluss im Dunklen Zeitalter der nächsten Jahrhunderte eher gering blieb. In der submykenischen und protogeometrischen Zeit (ca. 1050–900 v. Chr.) lässt sich für die Stadt ein gewisser wirtschaftlicher Niedergang feststellen.

Geometrische und archaische Zeit

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Weinkanne aus der spätgeometrischen Zeit, um 750 v. Chr., heute im Louvre.

Die Geometrische Zeit (900–700 v. Chr.) und die folgende Archaische Zeit (700–500 v. Chr.) bedeutete für Athen einen gewissen Wiederaufstieg. Bis zum 8. Jahrhundert hatte sich die Stadt wieder stabilisiert und ihre zentrale Position in der griechischen Welt gefestigt; die Festung auf der Akropolis und der Zugang zum Meer boten der Stadt einen großen Vorteil über mögliche Rivalen wie Theben und Sparta.

Durch die zentrale Lage und die rege Teilnahme am Seehandel über seinen Hafen Piräus gewann Athen bald an Wohlstand, an dem allerdings nicht alle Athener in gleicher Weise partizipierten. Aus der Vereinigung des Umlandes (Attika) zu einer Polis ergaben sich soziale Spannungen. Sollte es ein Königtum gegeben haben, so rückte es unterdessen zunehmend in den Hintergrund und verschwand schließlich; letzter König soll der sagenhafte Kodros gewesen sein. Angeblich seit 682 v. Chr. wurden die Stadtoberhäupter (Archonten) jeweils nur noch für ein Jahr bestimmt. Gerichtsverhandlungen wurden bereits seit Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. auf dem Areopag durchgeführt.

Schematische Darstellung der politischen Ordnung Attikas nach Solon

Die Spannungen innerhalb der Aristokratie Athens nahmen weiter zu, wie der versuchte Staatsstreich des Kylon um 632 v. Chr. zeigt, der wohl eine Tyrannis errichten wollte. Die Notwendigkeit einer politischen Neuordnung wurde drängender. Zunächst versuchte Drakon mit sprichwörtlich gewordenen „drakonischen Strafen“ die Ordnung zu garantieren, indem er erstmals die allgemein geltenden Strafen aufschrieb und öffentlich ausstellte. Dadurch sollten Willkürurteile und Blutrache verhindert werden. Die Konflikte zwischen Adligen, die sich um Anhänger in den Unterschichten bemühten, ebbten aber nicht ab; eine Stasis drohte. Wohl bald nach Drakon sorgte Solon durch Reformen und Gesetzgebung in der Krise der Polis für einen Ausgleich der Interessen zwischen adligen Landeignern und verarmten Bürgern, die teils in Schuldsklaverei lebten. Die Athener wurden in vier Klassen eingeteilt, von denen nur die oberste zu politischen Ämtern zugelassen war. Zugleich wurden aber Schuldsklaverei und übergroßer Landbesitz abgeschafft und freier Handel gefördert. In der Volksversammlung hatten Bürger aller Klassen Stimmrecht, ein erstes demokratisches Element in der Entwicklung Athens.

Doch zunächst scheiterte Solons Befriedungsversuch, da die Machtkämpfe im Adel andauerten. Wohl im Jahr 561 v. Chr. kam es mit der Machtübernahme des Peisistratos zur Tyrannis, der Herrschaft eines Einzelnen, die nach seinem Tod im Jahre 527 v. Chr. von seinen Söhnen, Hippias und Hipparchos, fortgesetzt wurde. Die Tyrannis in Athen endete 510 mit der Ermordung des einen und der Vertreibung des anderen der Brüder. Eine wichtige Rolle spielte dabei eine spartanische Intervention.

515 v. Chr. begann der Bau des größten Tempels des griechischen Festlands, des Olympieion, der jedoch mit dem Ende der Tyrannis und der folgenden Entmachtung des Adels eingestellt wurde, um erst 174 v. Chr. durch König Antiochos IV. wieder aufgenommen und etwa 640 Jahre nach Baubeginn unter Kaiser Hadrian endgültig fertiggestellt zu werden.

Klassische Zeit

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Die Reformen des Kleisthenes

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Nach der Beseitigung der Tyrannis im Jahre 510 v. Chr. kam es zu einem langsamen Demokratisierungsprozess, der wesentlich durch den Politiker Kleisthenes mitbestimmt wurde.

Aufgrund der Größe Attikas befanden sich einige Regionen in recht großer Entfernung zum eigentlichen Zentrum des Gebietes – Athen – und waren somit vom politischen Geschehen isoliert. Kleisthenes’ Ziel jedoch war es, die gesamte attische Bevölkerung in die Politik einzubinden und ihr somit eine Zugehörigkeit zum Gemeinwesen zu vermitteln. Hierzu teilte er die attische Bevölkerung in 139 Demen ein. Diese hatten in etwa die Größe eines Dorfes und verwalteten sich selbst auf der Basis der Gleichberechtigung. Sie bildeten die kleinsten Einheiten des neuen Phylensystems. Attika wurde hierbei in drei Regionen unterteilt. Die Stadt Athen selbst bis zur Küste, das Binnenland und das restliche Küstengebiet. Jede Region bestand des Weiteren aus je zehn zusammenhängenden Abteilungen. Diese insgesamt 30 Abteilungen wurden wiederum zu zehn Phylen zusammengefügt, wobei jeder Phyle eine Abteilung aus der Stadt, eine der Küste und eine aus dem Binnenland angehörte. (Daher der Name Trittyes (Drittelbezirke) für die Abteilungen.) Einer Phyle gehörten zirka 3500 Bürger an.

Da nun in jeder Phyle alle drei Regionen vertreten waren, bildete sie quasi einen „Querschnitt“ durch die gesamte attische Bevölkerung. Eine Bevorzugung der Stadtbevölkerung wurde somit vermieden. Stattdessen ermöglichte diese Neuordnung eine institutionelle und gesellschaftliche Integration sowohl des Zentrums als auch der Peripherie: Das Ziel der Reform war die Präsenz der gesamten Bürgerschaft und ihre Beteiligung an der Politik und die Kooperation zwischen den Bevölkerungsgruppen, also eine politische Zusammenarbeit der Phylen: Jede Phyle entsandte 50 Vertreter in die Boule (Ratsversammlung), die den Rat der Fünfhundert bildeten. (Diese Vertreter wurden ausgelost, da vor allem der Zufall der Wille der Götter war.) Der Willen der Bevölkerung sollte auf diese Weise in Athen gegenwärtig gemacht werden.

Ein weiterer Meilenstein zur Demokratie und zur Vermeidung einer erneuten Tyrannis war die Einführung des Scherbengerichts.

Durchsetzung der Demokratie

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Ab 462 v. Chr. nutzte Ephialtes die Abwesenheit des führenden Aristokraten Kimon und den korruptionsbedingten Ansehensverlust des Areopags, um weitere Reformen durchzuführen. Der Areopag wurde entmachtet und auf die Funktion eines Gerichtshofs für Mordfälle an athenischen Bürgern beschränkt.[9] Alle anderen politischen Funktionen wurden zwischen der Volksversammlung, dem Rat der 500 und dem obersten Volksgericht aufgeteilt. Somit übte die Gesamtheit der Bürger Athens die volle Gesetzgebungs-, Regierungs-, Kontroll- und Gerichtsgewalt aus. Die Volksversammlungen waren der eigentliche Ort politischer Debatten. Für die Ämter, die durch Los zugeteilt wurden, galt das Prinzip der Rotation. Nur solche Funktionen, die hochspezialisierte Kenntnisse und konkrete Erfahrungen erforderten, wurden durch Wahl vergeben. Nach dem Tod von Ephialtes baute der Politiker Perikles die Demokratie institutionell weiter aus: Er führte Tagegelder für die Teilnahme an politischen Versammlungen ein sowie Diäten für die Übernahme von Ämtern, sodass sich alle Bürger unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation politisch engagieren konnten.[10]

Die Attische Demokratie trug, wie der Historiker Thukydides dem Perikles in dessen Gefallenenrede in den Mund legt, einen bedeutenden Teil zur Macht und zum wirtschaftlichen Wohlstand der Stadt bei.[11] „Die Verfassung, nach der wir leben, vergleicht sich mit keiner der fremden. Mit Namen heißt sie, weil der Staat nicht auf wenige Bürger, sondern auf eine größere Zahl gestellt ist, Volksherrschaft. […] Sondern frei leben wir miteinander im Staat …“[12]

Um 500 v. Chr. bestimmten die Perserkriege das Stadtleben, nachdem sich Athen auf der Seite der Rebellen während des Ionischen Aufstands gegen das Perserreich gestellt hatte. Daraufhin versuchten die persischen Großkönige Dareios I. und Xerxes I. im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. in den Kriegen vergeblich, Griechenland ihrem Reich anzugliedern. Wichtige Ereignisse waren dabei:

Blüte Athens im 5. Jahrhundert v. Chr.

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Nach den Perserkriegen gelang es den Athenern, ihre Macht auch auf andere Städte auszuweiten und den Attischen Seebund zu gründen (477 v. Chr.). Mit Hilfe des Seebundes errichtete Athen eine Hegemonie über weite Teile Griechenlands und Kleinasiens: Der Seebund selbst entwickelte sich zum attischen Reich und Athen zur stärksten Seemacht.

Die antike Stadt Athen; untergelegt das neuzeitliche Straßennetz (Peter Wilhelm Forchhammer, 1841)

Das 5. Jahrhundert v. Chr. war auch vom kulturellen Standpunkt die Blütezeit Athens: Wer als Philosoph, Schriftsteller, Mathematiker oder Künstler etwas auf sich hielt, wohnte in Athen. Gute Beispiele sind die auch heute noch bekannten Schriftsteller Aischylos, Aristophanes, Euripides und Sophokles, die Historiker Herodot, Thukydides, der Philosoph Sokrates, der Dichter Simonides und der Bildhauer Phidias. Athen hatte zirka 40.000 Einwohner (ganz Attika zirka 300.000 Einwohner) und erstreckte sich auf einem etwa 2 × 2 km großen Gebiet rund um die Akropolis. Der Hauptplatz, die Agora, befand sich in der Nähe des heutigen Monastirakiplatzes. Südlich davon befand sich die Pnyx, auf der die Volksversammlungen abgehalten wurden. Wichtige Tempel der Stadt waren unter anderem die Athena-Heiligtümer und das Erechtheion auf der Akropolis sowie der Tempel des Hephaistos.

Die Athenische Bevölkerung bestand jedoch größtenteils nicht aus Vollbürgern, sondern Sklaven oder Fremden (Metöken), die praktisch keine Rechte hatten. Der zu dieser Zeit einflussreichste Politiker der Stadt war Perikles, der die von den Persern zerstörten Denkmäler auf der Akropolis neu errichten ließ und die Stadt, wie er sagte, zur „Schule Griechenlands“ machte. Unter Perikles wurde denn auch die Attische Demokratie zu ihrem Höhepunkt geführt.

Athener Tetradrachme um 449 v. Chr.

Doch Athens Regierungspolitik wurde mit der Zeit nicht mehr von allen Mitgliedern des Attischen Seebunds unterstützt. Die Differenzen mit Korinth (und indirekt mit Sparta) führten schließlich zum Peloponnesischen Krieg gegen den so genannten Peloponnesischen Bund, der von Sparta angeführt wurde. Perikles’ Strategie, sich der überlegenen spartanischen Armee nicht in offenem Kampf zu stellen und dafür mit der Flotte zu operieren, hatte keinen nachhaltigen Erfolg.

Hinzu kam, dass von 430 v. Chr. bis 426 v. Chr. ein Drittel der Einwohner der Stadt an einer Epidemie starben (siehe Attische Seuche). DNA-Untersuchungen, die griechische Forscher der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen 2006 an Skeletten aus dieser Zeit vornahmen, legen nahe, dass es sich dabei um Typhus handelte, nicht um die Pest, wie vorher angenommen wurde.[14] Allerdings wurden diese Befunde kurz darauf wieder in Zweifel gezogen.[15] Auch Perikles starb 429 v. Chr. an den Folgen dieser Epidemie.

Im Jahre 421 v. Chr. kam es zum Nikiasfrieden, der allerdings nicht lange währte: Sparta ging gegen Argos vor, während Athen sich dem langsam auflösenden Seebund zuwandte. 415 v. Chr. unternahmen die Athener, unter Einfluss des Alkibiades, die sogenannte Sizilienexpedition, die 413 v. Chr. für Athen in einem Desaster endete. Das Perserreich intervenierte zu Gunsten Spartas und trotz einiger Siege unterlagen die Athener 405 v. Chr. in der Schlacht bei Aigospotamoi. Der Krieg endete schließlich 404 v. Chr. mit einer vollständigen Niederlage Athens.

Athen musste den Seebund auflösen und wurde zeitweise von einer Oligarchie, der sogenannten Herrschaft der Dreißig, regiert, bevor 403 v. Chr. wieder eine gemäßigte Demokratie eingerichtet werden konnte.

Nicht wenigen Althistorikern und gesellschaftsgeschichtlichen Interpreten gelten Athen und Sparta nach dem Vorbild der Gefallenenrede des Perikles als klassisches Beispiel für zwei wettstreitende Kulturen mit gegensätzlichen Merkmalen – etwa Karl Popper[16] und Marshall Sahlins[17] : gewissermaßen als „Antitypen“, wie Sahlins es ausdrückt. Athen als kosmopolitisch, kaufmännisch, verschwenderisch, demokratisch, städtisch und weltoffen – Sparta hingegen als fremdenfeindlich, autark, genügsam, oligarchisch und verschlossen.[18] David Graeber und David Wengrow sehen darin ein historisches Beispiel für ihre Auslegung des Begriffes Schismogenese, die sie als Tendenz menschlicher Gruppen, sich voneinander durch bewusst gewählte, gegensätzliche Verhaltensweisen (→ Distinktion) voneinander abzugrenzen definieren.[17] Gängige Erklärungen sehen den Kulturwandel hingegen als Folge jeweils eigenständiger Voraussetzungen und Entwicklungsbedingungen der beiden Stadtstaaten.

Athen im 4. Jahrhundert v. Chr.

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Im 4. Jahrhundert v. Chr. brachten die Philosophen Platon und Aristoteles die Philosophie zur Blüte; an Thukydides schloss der Historiker Xenophon an.

Während das demokratische Athen im 4. Jahrhundert v. Chr. lange Zeit als Epoche des „Niedergangs“ und des „Rückzugs ins Private“ galt, hat sich das Bild in der Forschung seit den 1980er Jahren allmählich gewandelt. Die demokratischen Institutionen – nicht mit Beamten und Spezialisten, sondern mit jährlich ausgelosten Bürgern besetzt – arbeiteten weiter, von einer Politikverdrossenheit der Bürger ist nichts überliefert. Für das politische Engagement spricht auch die ständige architektonische Erweiterung der Pnyx, wo die Volksversammlung, das zentrale Gremium der demokratischen Entscheidungen, zusammentrat. Kein Politiker – auch nicht der einflussreiche Makedonengegner Demosthenes – hat eine ähnlich dominante Stellung erlangen können, wie Perikles sie im 5. Jahrhundert einnahm.

In den Jahrzehnten nach dem Peloponnesischen Krieg gewannen die Athener durch geschickte Schaukelpolitik zwischen Persien sowie den rivalisierenden griechischen Mächten Sparta und Theben ihre Handlungsfreiheit Stück für Stück zurück. 377 v. Chr. gelang ihnen die Gründung des attischen Seebundes. In den permanenten Kriegen um die Vorherrschaft in Griechenland setzte sich Athen zeitweise für einen Allgemeinen Frieden zwischen den Poleis ein.

Seit den 350er Jahren v. Chr. trat Athen der aufstrebenden Macht Makedonien unter dessen König Philipp II. entgegen. Auf Betreiben des Demosthenes kam ein anti-makedonisches Bündnis fast aller griechischen Städte zustande, dessen Heer 338 v. Chr. jedoch in der Schlacht von Chaironeia von den Makedonen besiegt wurde. Im folgenden Jahr sah sich Athen genötigt, dem von Philipp II. dominierten Korinthischen Bund beizutreten.

Hellenistische Zeit (338–86 v. Chr.)

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Demosthenes, Athener Politiker und berühmtester Redner der Antike (Philippika), versuchte in einer Allianz mit Theben sich gegen die makedonische Großmacht unter Philipp II. zu wehren. Athen verlor jedoch seine Unabhängigkeit 338 v. Chr. in der Schlacht von Chaironeia. Philipp und nach ihm sein Sohn Alexander der Große achteten trotzdem die große Tradition Athens. Ein Versuch, 322, nach dem Tod Alexanders, im sogenannten Lamischen Krieg die makedonische Herrschaft abzuschütteln, scheiterte. Athen musste seine Demokratie einschränken und eine makedonische Garnison erdulden. Von 317 bis 307 v. Chr. herrschte Demetrios von Phaleron, ein Schüler des Aristoteles, als von den Makedonen unterstützter Verwalter. Nach der Vertreibung des Demetrios von Phaleron mit Hilfe von Demetrios I. Poliorketes kehrte Athen noch einmal zur radikalen Demokratie zurück und verteidigte sich bis 262 v. Chr. erfolgreich gegen die makedonischen Eroberungsversuche.

Nach der Niederlage im Chremonideischen Krieg war die Stadt bis 229 v. Chr. makedonisch, danach wurde Athen wieder eine freie Stadt. Antigonos Doson, der neue makedonische König, akzeptierte die Unabhängigkeit Athens. Die Athener Volksversammlung beschloss, in Zukunft strikt neutral zu bleiben, um keinen der Diadochen zu verärgern. Gleichwohl blieb die Souveränität der Stadt bedroht, und so bemühte sich Athen in den folgenden Jahrzehnten, durch eine Vielzahl von Ehrungen sowohl die makedonischen Könige als auch Seleukiden und Ptolemäer auf seine Seite zu bringen. Kulturell und wirtschaftlich blieb Athen während des gesamten Hellenismus bedeutend. So war Athen ein wichtiges politisches Aktionsfeld der Diadochen und ihrer Nachfolgestaaten, die sich mit zahlreichen Stiftungen (zum Beispiel die Stoa des Attalos) um die Gunst der griechischen Öffentlichkeit bemühten.

In den makedonisch-römischen Kriegen, den Auseinandersetzungen Makedoniens mit dem Römischen Reich, stand Athen auf der Seite Roms. Spätestens seit 146 v. Chr. stand die Stadt, die schon seit 229 v. Chr. als „Freund“ Roms galt, wie das restliche Griechenland faktisch unter römischer Hegemonie. Da man die Römer früh unterstützt hatte, wurde Athen zunächst aber gefördert und erlebte ab 166 v. Chr. eine ökonomische Blüte, insbesondere durch den dank römischer Privilegien lukrativen Handel, der über Delos abgewickelt wurde. Dabei profitierte Athen stark vom florierenden Sklavenhandel, der in Delos stattfand. Der wachsende Reichtum der Kaufleute ging allerdings auf Kosten der einfachen Bürger, deren Einkommen durch die Konkurrenz der Sklavenarbeit sank. Dadurch wuchs die Unzufriedenheit, es kam zu Machtkämpfen und einer wachsenden Rivalität zwischen Aufsteigern und verschuldeten Bürgern.

Römische Zeit (86 v. Chr.–582 n. Chr.)

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Athenisches Gebiet (dunkelrot markiert) um die Zeit von Kaiser Augustus

Das Blatt wendete sich, als die Athener ebenso wie mehrere andere Poleis 88 v. Chr. beschlossen, König Mithridates VI. im Krieg gegen Rom zu unterstützen. Man versuchte, sich von der Dominanz der reichen griechischen „Romfreunde“ in der Stadt zu befreien Daher wählte man den Philosophen Aristion zum Strategen und hielt weiter zu Mithridates als auf Delos Tausende wohlhabende Athener von Mithridates umgebracht oder versklavt wurden. Mit dem Geld aus Delos, das Mithridates nach Athen geschickt hatte, warben die Athener Söldner für den Kampf gegen Rom an.

Doch der römische Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten: Im Jahr 86 v. Chr. kam es zur Eroberung Athens durch die Truppen des römischen Feldherrn Sulla und zur gründlichen Plünderung der Stadt. Die „langen Mauern“ zum Hafen wurden geschliffen, außerdem führte Sulla ein Zensussystem ein, das es nur noch wohlhabenden Bürgern erlaubte sich für politische Ämter wählen zu lassen. Die Volksversammlung blieb allerdings bestehen und Athen behielt seinen Ruf als intellektuelles Zentrum sowie den Status als „freie Stadt“. Auch könnten die Zerstörungen in der Stadt durch Sullas Truppen weniger verheerend gewesen sein, als in der Forschung meist angenommen wurde.[19] Mit der wirtschaftlichen Blüte durch den Sklavenhandel war es allerdings vorbei, da Delos seine Rolle als zentralem Handelshafen verloren hatte. Auch in den römischen Bürgerkriegen zwischen Caesar und Pompeius, zwischen den Caesarmördern und den Caesarianern sowie zwischen Octavian und Marcus Antonius stand Athen jeweils auf der Seite der schließlichen Verlierer, wurde aber nicht dauerhaft bestraft.

Das Hadrianstor in der Nähe des Olympieions markiert den Eingang zur Hadriansstadt.

Im Jahr 27 v. Chr. gingen die Römer von der indirekten zur direkten Herrschaft über und richteten die Provinz Achaea ein, deren Hauptstadt aber nicht Athen, sondern Korinth wurde. Doch auch in der Zeit des römischen Kaiserreiches blieb die Stadt ein Zentrum kulturellen Lebens und hatte den Status einer freien Stadt. Der Apostel Paulus von Tarsus besuchte auf seiner zweiten Reise auch Athen (Apostelgeschichte 17,15–17,34) und predigte mit sehr mäßigem Erfolg auf der Agora und dem Areopag (49 n. Chr.). Viele Mitglieder der römischen Oberschicht gingen eine Weile nach Athen, um dort philosophische Studien zu betreiben. Reiche Römer agierten als Wohltäter der Stadt, und die Kaiser folgten ihrem Beispiel: Schon während der Herrschaft des ersten Kaisers Augustus entstand die Römische Agora. Kaiser Hadrian (117 bis 138 n. Chr.), ein persönlicher Freund des Herodes Atticus, hielt sich dann mehrfach in Athen auf. Der Philhellene und Kunstliebhaber stiftete Athen mehrere große Bauwerke: Er ließ die Hadriansstadt (heute ist vor allem noch das Hadrianstor erhalten) und die Hadriansbibliothek bauen sowie den gewaltigen, schon in archaischer Zeit begonnenen Tempel des olympischen Zeus (das Olympieion) vollenden. In römischer Zeit entstand auch das Odeon des Herodes Atticus am Fuß der Akropolis. Die Stadt erreichte nun den Höhepunkt ihrer urbanen Entwicklung. Von der Antoninischen Pest scheint Athen um 170 allerdings recht schwer getroffen worden zu sein, so dass Kaiser Mark Aurel der Stadt diverse Erleichterungen gewährte.

In der Zeit der Reichskrise des 3. Jahrhunderts wurde Athen 267 dann von Herulern erobert, nachdem die Verteidigungsanlagen seit deren Zerstörung durch Sulla mangels externer Bedrohungen vernachlässigt und in der Not nur unzulänglich restauriert worden waren. Die Stadt konnte sich aber von den Zerstörungen noch einmal weitgehend erholen und blieb in der Spätantike ein bedeutendes geistiges Zentrum, insbesondere für den Neuplatonismus. Doch seit 380, als unter Theodosius I. das Christentum faktisch römische Staatsreligion wurde, und mehr noch nach 391, als alle heidnischen Kulthandlungen verboten wurden, ging auch die Bedeutung als Bildungszentrum mehr und mehr verloren. 397 plünderten gotische Krieger Attika, aber nicht Athen. Der oströmische Kaiser Justinian schließlich schloss 529 die neuplatonischen Philosophenschulen in der Stadt, die nicht ohne Grund als Hort des Heidentums galten. Die letzten athenischen Philosophen suchten zunächst Zuflucht im Sassanidenreich, kehrten aber 532 ins Imperium Romanum zurück. Die Schließung der platonischen Akademie wird oft als Anfang vom Ende des antiken Athen angesehen. Um das Jahr 582 schließlich markierten schwere Zerstörungen durch awarische und slawische Krieger dann den Abschluss der antiken Stadtgeschichte.

Sehenswürdigkeiten aus der Antike

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Tempel des Hephaistos

Athen ist nicht zuletzt wegen der Sehenswürdigkeiten aus der Antike ein wichtiges touristisches Ziel. Neben der Akropolis mit Parthenon und Erechtheion gehören die griechische und die römische Agora mit dem Tempel des Hephaistos und dem Turm der Winde zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten. Weitere Zeugnisse der Antike sind der Areopag, die Pnyx, sowie der Zeustempel. Am Kap Sounion befindet sich der Poseidontempel, ein weiterer Tempel auf der Insel Ägina. Bedeutende Exponate befinden sich im Archäologischen Nationalmuseum.

Byzantinische Zeit (582–1453)

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Mosaike im Kloster Daphni aus dem 10. Jahrhundert

Im späten 6. Jahrhundert, vermutlich um 582, wurde Athen durch slawische und awarische Angreifer im Rahmen der slawischen Landnahme stark zerstört. Damit war das Ende der antiken Phase der Stadt eingeleitet, die wie der größte Teil Griechenlands zeitweilig der kaiserlichen Kontrolle entglitt.
Das Stadtgebiet schrumpfte vermutlich auf ein kleines Gebiet am Fuß der Akropolis, das bereits in der Spätantike eine eigene Befestigung hatte, in die mutmaßlich die Überreste der Hadriansbibliothek und des Herodes-Atticus-Theaters integriert waren. Bischofssitz blieb Athen. Im Jahr 797 wurde die gebürtige Athenerin Irene erste alleinregierende Kaiserin des byzantinischen Reichs.

Nach dem Vierten Kreuzzug 1204 wurde Athen ein fränkisches Herzogtum unter der Lehnshoheit des Königs von Thessaloniki. Die Stadt gelangte nie wieder unter byzantinische Herrschaft.

Osmanische Zeit (1453–1832)

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Moscheebau an der Hadriansbibliothek

Im Jahre 1456 eroberte Sultan Mehmed II. Athen [Setines]. Er verlieh ihr gewisse Privilegien, wie etwa eine Selbstverwaltung der christlichen Bevölkerung. Auch blieb Athen Bischofssitz. Innerhalb des Osmanischen Reiches hatte Athen eine Sonderstellung, weil es durch einen Voyvoda regiert wurde, der dem Kızlar Ağası unterstellt war und nicht wie das übrige Mittelgriechenland zum Sandschak Eğriboz (das heutige Chalkida) gehörte, der seinerseits wieder dem Eyâlet Cezâyir-i Bahr-i Sefîd, der Provinz des Kapudan Pascha, angehörte.[20]

Im Großen Türkenkrieg gegen das Osmanische Reich wurde 1687 bei der Belagerung Athens durch die Venezianer der Parthenon-Tempel auf der Akropolis von einer Kugel getroffen. Das dort von den Osmanen gelagerte Schwarzpulver explodierte; Teile des Tempels wurden dadurch zerstört. Nach der Rückeroberung durch die Osmanen erholt sich Athen wieder und war mit 10.000 bis 12.000 Einwohnern eine der größeren Städte im südlichen Balkan.

Im griechischen Unabhängigkeitskampf gelang es den Einheimischen im Jahre 1822, die Akropolis zu besetzen und damit Athen den Türken abzunehmen. Vier Jahre lang hielt sich eine griechische Besatzung in der Stadt, dann kam es 1826 zur Belagerung durch osmanische Streitkräfte unter Reschid Pascha. Am 5. Juni 1827 kapitulierte die Besatzung gegen die Bedingung freien Abzugs. Türkische Truppen besetzten Athen noch einmal bis März 1833.

Neugriechische Zeit

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Von der Unabhängigkeit zu den Olympischen Spielen (1832–1896)

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Athen im Jahr 1868

1931 begannen Stamatios Kleanthis und Eduard Schaubert, beide Schüler von Karl Friedrich Schinkel, mit der systematischen Vermessung des Geländes der Stadt Athen. Ihr städtebaulicher Entwurf hatte die mögliche Ansiedlung der Hauptstadt des neuen griechischen Staates in Athen zum Ziel. Sie erhielten im Mai 1832 den Auftrag, den neuen Stadtplan Athens auszuarbeiten, der im Juli 1833 von der Regentschaft genehmigt wurde. Das Gesamtprojekt zielte darauf ab, alle Funktionen einer Hauptstadt sowie eine Bevölkerung von voraussichtlich bis zu 40.000 Einwohnern zu beherbergen. Um Flächen für den Bau öffentlicher Gebäude, die Gestaltung der Parks und des Straßennetzes sowie für archäologische Ausgrabungen zu erhalten, sollten entsprechende Grundstücke enteignet werden. Dies führte zu einer Protestwelle, die 1834 ein Ende der Umsetzung zur Folge hatte. Nun wurde der bayerische Architekt Leo von Klenze mit der Stadtplanung beauftragt. Dieser schränkte die zu bebauende Fläche deutlich ein. Klenze wollte das Schloss und das adminstrative Zentrum Athens auf der Anhöhe bei Keramikos ansiedeln. Da es finanziell nicht möglich war, seine Pläne so umzusetzen, wurden Verkleinerungen des archäologischen Areals beschlossen. Letztendlich erhielt das Schloss, heutiger Sitz des griechischen Parlaments, seinen Platz zwischen dem Lykabettus-Hügel und der Akropolis.[21]

Einem Zeitzeugen zufolge gab es 1833 nur noch um die 300 Häuser in Athen, während es vor den Unabhängigkeitskriegen um die 3000 Häuser waren.[22] Die Einwohnerzahl der neuen Hauptstadt betrug 1834 etwa 12.000 Personen, sie verdoppelte sich in zehn Jahren. 40.000 Einwohner hatte Athen jedoch erst in den 1860er Jahren und 100.000 erst Ende der 1880er Jahre. Das langsame Wachstum wird auch dadurch erklärt, dass Athen vorwiegend administratives und weniger industrielles Zentrum des Landes wurde.[21]

Im Jahre 1834 wurde die Hauptstadt von Nauplion nach Athen, der damals größten Stadt Festlandgriechenlands,[22] verlegt. Die ungefähr 7000 Einwohner der Stadt lebten in unmittelbarer Nachbarschaft der Akropolis.[23] Der erste griechische König Otto I. ließ Athen ausbauen. Hans Christian Andersen bescheinigte Athen bei seinem Besuch 1840 : „Der am dichtesten bewohnte Teil Athens erstreckt sich gegen die Akropolis hinauf; ringsum ist die Stadt noch im Bau. Athen ist eine Stadt, die schon in den wenigen Tagen, welche der Fremde hier verbringt, zu wachsen scheint.“[24] Dabei legte Otto besonderen Wert auf den Erhalt archäologischer Stätten.[21] 1837 gründete er die Athener Universität, die erste Universität Griechenlands und des Balkans.[25] Er gab auch zahlreiche andere klassizistische Bauten in Auftrag, darunter die Athener Trilogie.[26] Nach der Revolution des 3. September 1843 akzeptierte er alle Forderungen und erließ (,was eine der Forderungen war,) 1844 eine Verfassung.[27]

Josef von Ow schrieb 1854 in seinen Memoiren: „Die Gesellschaft von Athen ist eine Musterkarte aller Nationen Europas“;[28] er schilderte, wie Italiener, Franzosen, Deutsche und Engländer sich in Athen niederließen und Unternehmen gründeten wie etwa 1864 die Brauerei Fix.[29] Im Jahre 1862 endete die Herrschaft Ottos I. und das Haus Wittelsbach musste Athen verlassen.[30] 1863–1913 wurde Georg I. aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderhurg-Glücksburg König von Griechenland.[31]

Um 1860 entstanden auch außerhalb großer Hotels elegante Cafés und Restaurants, die von einer neuen Mittelschicht, Studenten und Touristen frequentiert wurden. Einfache Tavernen und Kaufmannsläden blieben die Treffpunkte der Unterschicht. Um 1890 verschwand die soziale Trennung in der Öffentlichkeit wieder.[32]

Im Jahre 1869 wurde die erste Dampfeisenbahnstrecke Griechenlands eröffnet, die Athen mit dem Hafen Piräus verband, diese wurde ab 1904 elektrifiziert und etappenweise zur U-Bahn Athen ausgebaut. 1882 wurde die Pferdebahn in Betrieb genommen, aus der 1908 die elektrische Straßenbahn Athens hervorging. 1877 erweiterte eine französische Gesellschaft die seit 1859 bestehende Gasanstalt und führte die Straßenbeleuchtung ein. Elektrizität wurde ebenfalls noch vor der Jahrhundertwende eingeführt.[33] Seit 1856 gab es Bestrebungen, eine große staatliche Bühne zu gründen. Im Jahre 1880 wurde schließlich das Nationaltheater eröffnet. 1878 wurde die Athener Markthalle eingeweiht, im selben Jahr ließ sich Heinrich Schliemann ein repräsentatives Wohnhaus von Ernst Ziller bauen, das er Palast von Ilion nannte und heute das numismatische Museum beherbergt. Um 1880 überschritt die Einwohnerzahl des Stadtgebiets die 100.000.[33]

Von den Olympischen Spielen bis zu den Balkankriegen (1896–1912)

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Fechtwettkämpfe der Olympischen Spiele 1896 im Zappeion

Im Jahre 1896 fanden in Athen die ersten modernen Olympischen Sommerspiele statt, inzwischen beherbergte die Stadt 140.000 Einwohner und hatte sich grundsätzlich gewandelt. Sie zeichnete sich durch große neoklassizistische Gebäude und bemerkenswerte archäologische Stätten aus. Darüber hinaus war sie zum wirtschaftlichen, kulturellen und intellektuellen Zentrum des Landes avanciert.[21] Nach wie vor gab es aber unweit der Boulevards Stadiou und Panepistimiou auch bescheidene Hütten am schlammigen Ufer des Ilisos.[34]

Die Stadt Athen ging lange nicht über die heutige Altstadt hinaus, beispielsweise befand sich der Strefi-Hügel bis Beginn des 20. Jahrhunderts am Stadtrand und im heute dicht besiedelten Kypseli gab es nur einige Bauernhöfe.[21]

1889 öffnete das von Ernst Ziller fertiggestellte Archäologische Nationalmuseum seine Pforten für die Öffentlichkeit und zeigte in seiner Dauerausstellung Teile der heutigen Sammlung prähistorischer Altertümer und der Skulpturensammlung.[35]

1906 fand als Jubiläumsveranstaltung die Zwischenolympiade statt, der viele olympische Riten zu verdanken sind. Ein Jahr später lebten bereits 250.000 Einwohner in Athen.[36] Im Jahre 1908 wurde das Telefonnetz errichtet.[33] Eine beliebte Unterhaltung waren öffentliche Platzkonzerte, die beispielsweise im Park des Zappeion oder vor dem Schloss abgehalten wurden. Direkt am Zappeion existierte seit der Jahrhundertwende auch ein beliebtes Ausflugslokal, das bald auch Konzerte veranstaltete die später unter der Leitung des Komponisten Manolis Kalomiris standen. Eine Besonderheit war, dass erstmals auch Frauen in der Veranstaltung mitwirkten, bisher war das nur bei expliziten Frauenrollen an Bühnen der Fall. In der Nähe des Zappeion entstand die Oase, das erste Athener Varieté, sowie seit der Zwischenkriegszeit das Lokal die Kühe, welches mitten in der Stadt einen Bauernhof mit Stall inszenierte und frische Kuhmilch bot. Allgemein unterschied man in Athen zwischen Café Aman, Lokalen die Wasserpfeifen darreichten und bei denen Wahrsager und Scharlatane auftraten, sowie Café chantant den Varietés.[37] Das Athener Nachtleben brachte der Stadt den Ruf ein, das Paris des östlichen Mittelmeers zu sein.[38]

Von den Balkankriegen bis zum Zweiten Weltkrieg (1912–1940)

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Griechische und armenische Flüchtlinge aus der Türkei, 1923
Herbert von Karajan im Odeon des Herodes Atticus, 1939
Wehrmachtspanzer am Thesion, 1943

In zwei Balkankriegen 1912/1913 wurde das Osmanische Reich aus Südosteuropa bis in die heutigen Grenzen der Türkei zurückgedrängt und musste große Gebiete an die Nachbarländer abtreten. Im Juni 1917 trat Griechenland unter dem Einfluss von Eleftherios Venizelos in den Ersten Weltkrieg ein. Zuvor hatten die Alliierten Athen sowie fast alle strategisch wichtigen Landesteile besetzt.

Die Zwischenkriegszeit war durch eine große Instabilität geprägt: Nach der verlorenen Schlacht von Dumlupınar im August 1922 musste sich Griechenland aus Anatolien zurückziehen. Am 9. September 1922 begingen türkische Truppen in Izmir ein Massaker (Kleinasiatische Katastrophe), zerstörten große Teile der Stadt und betrieben eine ethnische Säuberung. Am 11. September musste König Konstantin I. wegen eines Militärputschs ins Exil gehen. Georg II. wurde König, verließ Griechenland aber im Dezember 1923. Er kehrte 1935 zurück.

Nach Athen kamen zwischen 1919 und 1922 ungefähr 350.000 Flüchtlinge aus Kleinasien und ließen sich dort neben den 453.000 Hauptstadteinwohnern nieder. Der Staat wies den Flüchtlingen Grundstücke am Stadtrand zu, dadurch entstanden Barackensiedlungen. Es wurden auch staatliche Flüchtlingsunterkünfte errichtet. Als Beispiel dafür gilt der noch heute existierende Zeilenbau aus dem Jahr 1933 in der Leoforos Alexandras.[39]

Das Stadtschloss wurde, als der König dort nicht mehr lebte, zeitweise zum Durchgangsheim.[40] Die zahlreichen Arbeitskräfte förderten die Industrialisierung der Stadt und gründeten häufig selbst kleine Betriebe.

Ab 1935 regierte ein autoritäres Regime unter General Ioannis Metaxas. 1936 wurde das Kriegsrecht durchgesetzt und so gelang es dem General, ohne eine breite Mehrheit in der Bevölkerung hinter sich zu haben, an der Regierung bleiben. König Georg II. hatte ihm erlaubt, das Parlament bis auf unbestimmte Zeit aufzulösen. Es etablierte sich eine Diktatur ohne eine rechtsgerichtete Massenbewegung. Der Diktator starb kurz vor dem Einmarsch der Deutschen.[41]

Das kulturelle Leben Athens war bis in die frühen 1920er Jahre durch den Nachholbedarf seit der Staatsgründung geprägt. Musik, Literatur, Kunst und Architektur erlebten eine Blüte und ließen die Stadt zu einer Metropole der Avantgarde werden. Künstler und Dirigenten wie Egon Petri, Camille Saint-Saëns, Artur Rubinstein, Jacques Thibaud besuchten mehrfach Athen, um sich inspirieren zu lassen.[42] Felix Petyrek ließ sich permanent in Athen nieder und arbeitete am Athener Konservatorium. Die Akademie von Athen wurde 1926 offiziell als Institution gegründet. 1933 fand der Weltkongress der Architekten statt, die Charta von Athen wurde zu einem Manifest der Moderne. 1938 debütierte die 15-jährige Maria Callas an der Athener Oper. Die Impulse jener Zeit in Athen werden heute als Generation der 30er Jahre bezeichnet.

Besatzung Athens (1941–1944)

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Ende 1940 wehrten die griechischen Streitkräfte einen italienischen Angriff auf Griechenland ab.[43] Am 6. April 1941 begann die Wehrmacht den Balkanfeldzug und damit die Invasion Griechenlands. Die griechische Regierung flüchtete auf dem Panzerkreuzer Georgios Averoff nach Alexandria. Am 23. April kapitulierte Griechenland; Athen wurde am Morgen des 27. April kampflos von Truppen der 6. Panzer-Division besetzt.[44] Am 31. Mai 1941 riss Manolis Glezos als Zeichen des Widerstands die Hakenkreuzfahne von der Akropolis.[45] Das ganze Land wurde von den Achsenmächten in Besatzungszonen eingeteilt, für alle Zonen behielt sich das Dritte Reich die wirtschaftliche Ausbeutung vor und gründete die DEGRIGES, um Sach- und Vermögenswerte aus dem Land zu ziehen. Es wurden so große Mengen an Lebensmitteln, Transportmitteln, Rohstoffvorräten sowie Industrieprodukten eingezogen, dass die Menschen teilweise ihre Arbeit verloren und die Brotration drastisch gesenkt werden musste. Vom Hunger waren besonders die ärmeren Stadtviertel Athens betroffen.[46] Zum Überleben waren die Athener bereits ab 1942 auf den Schwarzmarkt angewiesen. Die große Hungersnot infolge der Ausplünderung durch die Besatzungsmacht traf die städtische Bevölkerung besonders hart: Im Winter 1941/1942 und 1942/1943 starben im Athener Ballungsgebiet über 100.000 Menschen den Hungertod. Um ihre Sorgen zu vergessen, strömten viele Menschen in die Theater und Kinos und spielten Roulette auf offener Straße oder in kleinen griechischen Cafés, da die bekannten Nachtclubs den deutschen Offizieren vorbehalten waren. Im Laufe der Besatzungsjahre wurden zahlreiche Wände und Denkmäler mit Slogans des Widerstands versehen.[47]

Als 1944 die Deportation der Juden anstand, ordnete der Athener Erzbischof Damaskinos an, dass sämtliche Mönchsklöster und Nonnenklöster in Athen und der Provinz jeden Juden aufnehmen sollten, der um Schutz bitte.[48] Er ordnete auch die Ausstellung von rückdatierten Taufbescheinigungen für Juden an. Da griechische Ausweise und Pässe die Religionszugehörigkeit angaben, ließ der Polizeipräsident Angelos Evert für 1200 Juden neue Dokumente ausstellen, die sie als Christen auswiesen. Rund 1800 von 3500 Juden in Athen konnten vor einer Deportation gerettet werden. Dabei geholfen hatte auch die griechische Volksbefreiungsarmee (EAM), indem sie dem Oberrabbiner Athens die Flucht ermöglichte, nachdem die deutschen Behörden ihn dazu aufgefordert hatten, eine Liste seiner Gemeinde abzugeben. Ohne die genauen Daten verzögerte sich die Registrierung der jüdischen Bevölkerung und so gab es Zeit zur Flucht in Bergdörfer.[49]

Am 13. Oktober 1944 rückten Einheiten der British Army in Athen ein; kurz danach kehrte die Exilregierung nach Faliron zurück. Davor hatten Einheiten der ELAS erfolgreich verhindert, dass das deutsche Militär die Elektrizitätswerke von Keratsini vor ihrem Abzug aus Griechenland sprengten.[50]

Vom Bürgerkrieg bis zum Ende der Junta (1944–1974)

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Der Omonia-Platz in den frühen 1960er Jahren, im Hintergrund die Kaffeerösterei Bravo
  • 1944–1949 Der Griechische Bürgerkrieg erschüttert auch die Hauptstadt. Am 3. Dezember 1944 werden bei einer Massendemonstration der EAM auf dem Syntagma-Platz 15 Demonstranten von der Polizei erschossen. ELAS-Einheiten greifen Polizeistationen an und liefern sich Straßenkämpfe mit britischen Streitkräften.
  • Eines der wichtigsten Spätwerke Walter Gropius’ (1883–1969) steht in Athen: die von 1956 bis 1961 erbaute amerikanische Botschaft.

Bis in die 1960er Jahre kam eine zweite Einwanderungswelle nach Athen. Ursache war die durch Weltkrieg und Bürgerkrieg verschuldete Rückständigkeit auf dem Land. Mangelnde Infrastruktur verzögerte die Dezentralisierung der Industrie. Bis in die 1970er Jahre wurde der Stadtrand von Athen von Industriebetrieben geprägt, die zur Luftverschmutzung beitrugen.

Von 1967 bis 1974 herrschte die griechische Militärdiktatur (Junta), am 17. November 1973 wurde der Aufstand am Polytechnio Athen blutig niedergeschlagen. In der Nacht zum 24. Juli 1974 landete Konstantinos Karamanlis in Athen, wurde von einer jubelnden Bevölkerung begrüßt und noch in der Nacht als Premierminister vereidigt. Das Militärregime war zusammengebrochen.

Von der Wiederherstellung der Demokratie bis zu den Olympischen Spielen (1974–2004)

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Wand an der U-Bahn-Station Syntagma

Im Jahre 1979 wurde im Zappeion der Beitritt Griechenlands zur damaligen EWG unterzeichnet.[51]

Der nach dem Niedergang der Militärdiktatur eintretende Aufschwung ließ die Zahl der Autos ansteigen; Staus und die Luftverschmutzung nahmen zu. Als erste Maßnahme wurde der „Daktylios“ (Δακτύλιος, Ring) eingeführt, in dem an alternierend nur Autos mit geraden oder ungeraden Ziffern am Kennzeichenende im Stadtzentrum verkehren durften. Später wurde die Maßnahme bis auf den Juli und August für alle Wochentage im Jahr übernommen. Ausgenommen sind heute schadstoffarme Autos, Fahrzeuge mit Hybridantrieb und elektrischem Antrieb (Stand 2026).[52] Zur Unterstützung der öffentlichen Verkehrsmittel wurden außerdem Busspuren eingeführt.[53]

Das rasche Wachstum Athens hatte lange Zeit zu einer Vernachlässigung der Infrastruktur geführt, die vor allem in den 1990er Jahren nachgeholt wurde. Als Impuls galt die Bewerbung Athens 1990 für die Olympischen Spiele 1996. Wenngleich die Bewerbung mit dem 2. Platz faktisch scheiterte, so war der öffentliche Diskurs um die Lebensqualität der Stadt angestoßen. Der Städteplaner und Architekt Antonis Tritsis wurde mit Unterstützung beider großer Volksparteien zum Bürgermeister gewählt. Im Jahre 1991 wurde die Konzerthalle Megaro Mousikis fertiggestellt, 1994 wurde die große Kläranlage Psyttalia auf der gleichnamigen Insel in Betrieb genommen. Etwa zur gleichen Zeit begann der Bau der U-Bahn-Linien 2 und 3. 1997 fanden die Leichtathletik-Weltmeisterschaften statt, die wesentliche Erkenntnisse über die späteren Olympischen Spiele gab.

Staatlich und kommunal finanziert, wurde vor allem der Schienenverkehr modernisiert und erweitert (Metro Athen, Straßenbahn Athen und Proastiakos), privat sind die Athener Stadtautobahn sowie der neue Athener Flughafen entstanden. Alle Arbeiten wurden durch akribisch ausgeführte archäologische Ausgrabungen verzögert (für deren Aussetzung oder Verkürzung sich keine Sympathien in der Bevölkerung finden würden). Selbst der weit auswärts gelegene Flughafen war betroffen, wo sich von antiken Zeugnissen bis hin zu frühchristlichen Gräbern Relikte fanden. Die kleine mittelalterliche Kirche St. Peter und St. Paul wurde auf Schienen auf ein anderes Grundstück versetzt.

Der zentrale Abschnitt der U-Bahn vom Syntagma-Platz nach Monastiraki blieb jahrelang wegen Grabungen unvollendet, auch die Streckenführung mit der bereits ausgehobenen Station Keramikos musste aufgrund eines wichtigen Ausgrabungsfeldes verlegt werden, eine neue Station wurde etwa 1000 m weiter nördlich neu gebaut. Die Ausbeute an Fundstücken ist groß und wurde in der Ausstellung „die Stadt unter der Stadt“ gezeigt. Der U-Bahn-Bau gilt als größte innerstädtische archäologische Kampagne des europäischen Kontinents. 2003 wurde erneut ein europäischer Beitrittsvertrag unterzeichnet, diesmal auf der antiken Agora der Beitritt der zehn osteuropäischen Länder zur EU.

Nach den Olympische Spiele (ab 2004)

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Velodrom am OAKA-Sportkomplex

Die geänderten Sicherheitsbestimmungen nach dem 11. September 2001 sowie neue Anforderungen des IOC hatten zu Verzögerungen in den Vorbereitungen geführt. Detaillierte Schilderungen des Planungskomitees um den Stand der Bauten gingen in zahlreichen Pressemeldungen unter, die eine fristgerechte Durchführung der Spiele für unmöglich hielten. Die Schmutzkampagne war schließlich der hohe Preis für die anspruchsvollen Bauten des Star-Architekten Santiago Calatrava.

Die nacholympische Nutzung der Bauten, etwa das frühere Flughafengelände und spätere Sportfeld in Hellenikon oder die Anlagen in Faliro, setzen weitere bauliche Impulse. Die zusätzlichen Mauteinnahmen aus der Ringautobahn sollen in den Bau einer neuen U-Bahn-Linie 4 fließen. Die Annahme einer Schenkung einer neuen Oper und einer neuen Nationalbibliothek auf dem Brachgelände der früheren Rennbahn durch die Stavros-Niarchos-Foundation musste verschoben werden, da der griechische Staat wegen neuer Sparmaßnahmen nicht für den Unterhalt sorgen kann. Im Jahre 2009 wurde nach dem „größten Umzug in der Geschichte Athens“ das neue Akropolismuseum eingeweiht.

Seit der Jahrtausendwende ist Athen vermehrt ein Ziel von Emigranten. Stammten die Einwanderer seit den 1990er Jahren vor allem aus Nachbarländern, so kommen die Immigranten nun vermehrt aus Asien und Afrika. Es entstanden beispielsweise eine Chinatown und ein orientalisches Viertel. Gleichzeitig nahm auch, begünstigt durch die lange Küstenlinie und die wenig gesicherte Grenze zur Türkei, eine durch Schlepperbanden organisierte Wirtschaftsemigration nach Athen zu, die die ohnehin schwierige wirtschaftliche Situation der Stadt und des Staates überfordert.

Nachdem 2005 Elena Paparizou den Eurovision Song Contest gewonnen hatte, fand die Veranstaltung am 18. Mai (Halbfinale) und am 20. Mai 2006 der Eurovision Song Contest 2006 in der Olympic Indoor Hall statt.

Nachdem ein 15-Jähriger in Athen von einem Polizisten durch einen Schuss getötet worden war, kam es am 6. Dezember 2008 in Athen und später auch in anderen Städten Griechenlands zu gewaltsamen Ausschreitungen, die bis zum 31. Dezember andauerten. Die Todesumstände des Jugendlichen sind umstritten. Gegen den Polizisten, der den tödlichen Schuss abgab, wurde im Juni 2009 Anklage wegen Mordes erhoben. Als Mittäter ist ein weiterer zur Tatzeit anwesender Polizist angeklagt.[54]

Nach der erneuten Machtübernahme der Taliban in Afghanistan richteten 25 ehemalige weibliche Parlamentsabgeordnete, die nach Griechenland geflohen waren, in Athen ein Exilparlament ein.[55]

Überblicke

Vor- und Frühgeschichte bis zur archaischen Zeit

  • Eirini M. Dimitriadou: Early Athens. Settlements and cemeteries in the Submycenaean, Geometric, and Archaic periods (= Monumenta archaeologica. Band 42). UCLA Cotsen Institute of Archaeology Press, Los Angeles 2019, ISBN 978-1-938770-15-9.
  • Robin Osborne: Athens and Attica (= The Oxford history of the archaic Greek world. Band 2). Oxford University Press, Oxford/New York 2023, ISBN 978-0-19-764442-3 (siehe die Rezension von Maximilian Rönnberg in Bryn Mawr Classical Review 2024.09.41).
  • Maximilian Rönnberg: Athen und Attika vom 11. bis zum frühen 6. Jh. v. Chr. Siedlungsgeschichte, politische Institutionalisierungs- und gesellschaftliche Formierungsprozesse (= Tübinger archäologische Forschungen. Band 33). Verlag Marie Leidorf, Rahden (Westfalen) 2021, ISBN 978-3-89646-864-2.
  • Karl-Wilhelm Welwei: Athen. Vom neolithischen Siedlungsplatz zur archaischen Großpolis. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992, ISBN 3-534-07541-2.

Klassische Zeit

Hellenistische, römische und byzantinische Zeit

  • Metropolen der Antike - Athen. TV-Dokumentation. ZDFinfo, abgerufen am 23. April 2026 (Synchronfassung ZDF 2024. Ein Film von Fabrice Hourlier und Stéphanie Hauville. Unter Mitwirkung von Patrice Brun, Panayotis Tournikitos und John McKesson. 45 min).
Commons: Geschichte Athens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Vgl. Homer, Odyssee 7,80.
  2. KN V 52, Text 208, in: Michael Ventris und John Chadwick: Documents in Mycenaean Greek. Zweite Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 1973; vgl. den Eintrag a-ta-na, unter palaeolexicon.com, abgerufen am 6. Oktober 2016.
  3. Platon, Kratylos, 407b.
  4. Platon, Timaios, 21e.
  5. Günther Neumann: Der lydische Name der Athena. Neulesung der lydischen Inschrift Nr. 40. In: Kadmos. Band 6, 1967; Robert S. P. Beekes: Etymological Dictionary of Greek. Brill, Leiden 2009, S. 29.
  6. Miriam Robbins Dexter: Proto-Indo-European Sun Maidens and Gods of the Moon. In: Mankind Quarterly. Band 25, Nummer 1–2, 1984, S. 137–144; vgl. den Rekurs auf die Beinamen Τριτογένεια, Tritogéneia, und Διός θυγάτηρ, Diós thygátēr „Zeustochter“, bei Michael Janda: Elysion. Entstehung und Entwicklung der griechischen Religion. Innsbruck 2005, S. 293f.
  7. Sigrid Deger-Jalkotzy: Die Erforschung des Zusammenbruchs der sogenannten mykenischen Kultur und der sogenannten Dunklen Jahrhunderte. In: Joachim Latacz (Hrsg.): Zweihundert Jahre Homer-Forschung (= Colloquium Rauricum. Band 2). 1991, S. 139; Penelope A. Mountjoy: Mycenaean Pottery. An Introduction. 2. Auflage. Oxford University Press, Oxford 2001 (1. Auflage 1993), S. 130 f.
  8. Einen knappen Überblick zu den Befunden aus mykenischer Zeit, insbesondere für die Zeit um und nach 1200 v. Chr. bietet Penelope A. Mountjoy: Mycenaean Pottery. An Introduction. 2. Auflage. Oxford University School of Archaeology, 2001, ISBN 0-947816-36-4, S. 130–134 (mit weiterführenden Literaturangaben).
  9. Jochen Martin: Von Kleisthenes zu Ephialtes. Zur Entstehung der athenischen Demokratie. in Chiron. Mitteilungen der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des Deutschen Archäologischen Instituts, 4, 1974. S. 29 f.
  10. Rainer Mausfeld: Hybris und Nemesis. Wie uns die Entzivilisierung von Macht in den Abgrund führt – Einsichten aus 5000 Jahren. Westend Verlag 2023. S. 193–199.
  11. Übersicht über die perikleische Verfassung: inka.de
  12. Thukydides, Der peloponnesische Krieg 2,37.
  13. Das unsichtbare Athen – Geheimnisvolle Unterwelt. Ein Film von Andrew Thompson und Michael Scott, eine Produktion der BBC Studios (The Documentary Unit Scotland 2018). Deutsche Bearbeitung artaudio Köln, Synchronfassung ZDF/ZDFinfo 2018 (Informationen bei www.fernsehserien.de).
  14. Scienceticker (Memento vom 19. Mai 2009 im Internet Archive)
  15. B. Shapiro, A. Rambaut, M. Gilbert, No proof that typhoid caused the Plague of Athens (a reply to Papagrigorakis et al.), in: International Journal of Infectious Diseases 10 (4), 2006, S. 334 f.; Antwort darauf: ebd., S. 335 f.
  16. Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Teil 1: Der Zauber Platons (= Uni-Taschenbücher, Bd. 472), 6. Auflage, Tübingen 1980, S. 137, 248–251 u. 345, Anm. 16, ISBN 3-7720-1274-4.
  17. 1 2 David Graeber, David Wengrow: Anfänge. Eine neue Geschichte der Menschheit. Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm, Henning Dedekind und Andreas Thomsen, 4. Auflage, Klett-Cotta, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-608-98508-5, S. 202–203.
  18. Graeber und Wengrow: The Dawn of Everything, engl. Originalausgabe (PDF, abgerufen am 14. August 2024, PDF-S. 188).
  19. Caterina Parigi: Athen und die Plünderung durch Sulla: Archäologische und topographische Überlegungen. In: Johannes Fouquet u. a. (Hrsg.): Argonautica. Festschrift für Reinhard Stupperich (= Boreas. Beiheft 12). Scriptorium, Marsberg/Padberg 2017, S. 158–174.
  20. Andreas Birken: Die Provinzen des Osmanischen Reiches. 1. Auflage. Reichert Verlag, Wiesbaden: 1976, ISBN 978-3-920153-56-8, S. 101
  21. 1 2 3 4 5 Σχεδιάζοντας την Αθήνα τον 19ο αιώνα. In: Athens Social Atlas. Abgerufen am 5. Mai 2026 (griechisch).
  22. 1 2 DIGITAL EDITION - Athens in the 19th century: From regional town of the Ottoman Empire to capital of the Kingdom of Greece. Abgerufen am 5. Mai 2026.
  23. Philip Chrysopoulos: September 8, 1834: Athens Becomes Capital of Greece. 18. September 2025, abgerufen am 5. Mai 2026 (englisch).
  24. Hans Christian Andersen: Ankunft in Athen, in „Europa erlesen – Athen“, herausgegeben von Penelope Messidi und Alfred J. Noll, Wieser Verlag, Klagenfurt 2008, S. 138.
  25. Ιστορία και Προοπτικές. Abgerufen am 13. Mai 2026 (griechisch).
  26. Portal Königreich Bayern: Ereignisse. Abgerufen am 13. Mai 2026.
  27. Bayerischer Rundfunk: Otto von Griechenland : Das Thema. 17. Dezember 2019 (br.de [abgerufen am 13. Mai 2026]).
  28. Josef von Ow: Aufzeichnungen eines Junkers am Hofe zu Athen. Band 1, S. 75 (online).
  29. Josef von Ow: Aufzeichnungen eines Junkers am Hofe zu Athen. Band 1, S. 71.
  30. Portal Königreich Bayern: Ereignisse. Abgerufen am 11. Mai 2026.
  31. Georg I. (Georgios I.). Abgerufen am 11. Mai 2026.
  32. Harald Heppner: Hauptstädte in Südosteuropa: Geschichte, Funktion, nationale Symbolkraft, S. 131.
  33. 1 2 3 Harald Heppner: Hauptstädte in Südosteuropa: Geschichte, Funktion, nationale Symbolkraft, S. 122.
  34. Τι γινόταν τέτοιες μέρες στην Αθήνα του 1896;. 9. April 2024, abgerufen am 13. Mai 2026 (griechisch).
  35. Ιστορία του Μουσείου. In: Eθνικό Αρχαιολογικό Μουσείο. Abgerufen am 13. Mai 2026 (griechisch).
  36. The Public Private House. Modern Athens and Its Polykatoikias, Zürich 2018, ISBN 978-3-03860-084-8, S. 31.
  37. Harald Heppner: Hauptstädte in Südosteuropa: Geschichte, Funktion, nationale Symbolkraft, S. 134.
  38. Paul Hellander: Griechenland, S. 99.
  39. The Public House. Modern Athens and Its Polykatoikias, Zürich 2018, ISBN 978-3-03860-084-8, S. 35.
  40. Vouli ton Ellinon - Istoria Ktiriou. Abgerufen am 19. Mai 2026 (griechisch).
  41. Mark Mazower: Griechenland unter Hitler: Leben während der deutschen Besatzung 1941–1944, Fischer Verlag, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-10-002507-4, S. 37.
  42. Maria Helfgott, Eike Rathgeber, Nikolaus Urbanek: Wiener Musikgeschichte: Annäherungen, Analysen, Ausblicke. S. 551.
  43. Ανάλυση της στρατηγικής των Ιταλών στον Ελληνοϊταλικό πόλεμο (1940-41) βάσει των στρατηγικών αναλυτών Σουν Τσου, Κλαούζεβιτς, Ζομινί και Φούλερ. In: ΑΡΓΟΛΙΚΗ ΑΡΧΕΙΑΚΗ ΒΙΒΛΙΟΘΗΚΗ ΙΣΤΟΡΙΑΣ ΚΑΙ ΠΟΛΙΤΙΣΜΟΥ. 27. Oktober 2020, abgerufen am 30. Mai 2026 (griechisch).
  44. Mark Mazower: Inside Hitler’s Greece: The Experience of Occupation, 1941–1944. Yale University Press, 2011 (ISBN 978-0-300-08923-3), S. 4 f.
  45. Griechenlands jüngste Geschichte: Der Mann, der die Hakenkreuzflagge stahl. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 30. Mai 2026]).
  46. Mark Mazower: Griechenland unter Hitler: Das Leben während der deutschen Besatzung 1941–1944, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-10-002507-4, S. 48–60.
  47. Mark Mazower: Griechenland unter Hitler: Das Leben während der deutschen Besatzung 1941–1944, Fischer Verlag, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-10-002507-4, S. 122–126.
  48. Der Spiegel 46/1982, Rezension von: Martin Gilbert: Endlösung. Die Vertreibung und Vernichtung der Juden. Ein Atlas (Rowohlt 1982).
  49. Mark Mazower: Griechenland unter Hitler: Das Leben während der deutschen Besatzung 1941–1944, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-10-002507-4, S. 297.
  50. Αρχική. Abgerufen am 31. Mai 2026 (griechisch).
  51. Η Ελλάδα στην ΕΕ - Αντιπροσωπεία της Ευρωπαϊκής Επιτροπής στην Ελλάδα. Abgerufen am 30. Mai 2026 (griechisch).
  52. Newsroom: Δακτύλιος: Πώς καθιερώθηκε ο περιορισμός στην κυκλοφορία οχημάτων στο κέντρο της Αθήνας. 24. September 2018, abgerufen am 30. Mai 2026 (griechisch).
  53. Λεωφορειολωρίδες – ΟΑΣΑ. Abgerufen am 30. Mai 2026 (griechisch).
  54. Mordanklage gegen Polizisten, der 15-Jährigen erschoss von (red) auf derstandard.at, abgerufen am 28. Dezember 2009.
  55. Katrin Kuntz: Afghanistan: Politikerinnen aus Kabul und ihr Exilparlament in Athen. spiegel.de, 8. Februar 2022, abgerufen am 18. September 2025.