Gerry Lopez
Gerry Lopez (* 7. November 1948 in Honolulu, Hawaii) ist ein US-amerikanischer Profisurfer, auch bekannt als „Mr. Pipeline“, Surfboard-Shaper, Journalist und Filmschauspieler.[1][2]
Jugend
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gerry Lopez wurde in Honolulu auf Hawaii geboren. Sein Vater war deutsch-kubanischer Abstammung und seine Mutter Japanerin.[3] Er wuchs in East Honolulu auf und besuchte dort die Punahou School, eine Privatschule zur Vorbereitung auf das College.[1] Er surfte häufig an den weniger bekannten Riffen um Aina Haina im Osten von Waikiki unterhalb des Diamond Head als auch an den bekannteren Surfspots im Großraum Honolulu.[4]
Lopez nahm als Teenager regelmäßig an Wettkämpfen teil. Im Alter von 14 Jahren gewann Lopez den Junioren-Surfmeistertitel des Bundesstaates Hawaii bei den Hawaii State Championships von 1963.[3] Ab 1966 ging er auf ein Community College in Kalifornien und war zum ersten Mal von zu Hause weg.[3] Nach seiner Rückkehr 1967 wurde er zielstrebiger und surfte von da an regelmäßig mit seinem Surffreund Reno Abellira in Ala Moana, um seinen lässigen Stil und seine bis dahin bereits meisterhaften Fähigkeiten beim Tube Riding bzw. beim Surfen im Wellentunnel noch weiter zu verfeinern.[5]
Karriere
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Im Jahr 1969 nahm er als 20-jähriger erstmals an den US-Surfmeisterschaften der US Open of Surfing in Huntington Beach, Kalifornien teil und erreichte das Finale.[6][7] Insgesamt war er zweimal Finalist der US Open of Surfing (1969 und 1970) und dreimal Finalist der Landesmeisterschaften von Hawaii, den Hawaii State Championships (1968, 1969 und 1972).[6]
Lopez und seine Freunde begannen immer häufiger an die North Shore von Oʻahu zu fahren, um den Profi-Surfern Butch Van Artsdalen und Jock Sutherland dabei zuzusehen, wie diese den Wellentunnel der Banzai Pipeline bezwangen.[8] Zu dieser Zeit waren die gängigen Longboards für diese große Welle nicht wendig genug und Lopez begann ein eigenes Surfboard zu kreieren, indem er sein bestehendes Longboard in eine Shortboard umarbeitete.[3][9] Das neue, deutlich kürzere Surfbrett sorgte umgehend für großes Aufsehen in der Surfszene und Lopez war damit beim Surfen in der Pipeline so erfolgreich, dass er fortan „Mr. Pipeline“ genannt wurde.[3]
Sein Erfolg führte zu einem Job als Surfboard-Shaper bei Surf Line Hawaii, dem größten Surfboard-Hersteller der damaligen Zeit.[3] Nachdem in das Design der Surfbretter zunehmend „Down Railer“ (abfallende Kanten) und „Rocker“ (gekrümmtes Seitenprofil) integriert wurden, ließen sich das fast senkrechte Einfahren in die Röhre der Pipeline nun deutlich besser überstehen. Nicht lange danach stieg das Leistungsniveau an der Banzai Pipeline sprunghaft an, angeführt von Lopez. Er war damit maßgeblich an der Shortboard-Revolution Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre beteiligt.[10]
Lopez spielte eine wichtige Rolle in der kommerziellen Surfboard-Industrie.[3] Während seiner Anstellung als Shaper bei Surf Line Hawaii lernte er Jack Shipley kennen, mit dem er 1970 einen eigenen Laden eröffnete, um seine selbst kreierten Surfbretter zu verkaufen.[3] Im Jahr 1971 gründeten sie die Firma Lightning Bolt, die zur bekanntesten Surfbrett-Marke in der Geschichte des Surfsports wurde.[11] Das ikonische Flash-Logo der Firma zeigt einen minimalistischen, dynamischen Blitz, den Gerry Lopez ursprünglich selbst gezeichnet und auf Surfboards mit Resin-Farben frei Hand aufgetragen hatte.[3][12] 1974 kam Francis „Duke“ Boyd dazu, der Lightning Bolt in einen millionenschweren multinationalen Konzern umgestaltete.[6][13] Lightning Bolt war die erste Firma, die ihre Teamfahrer mit kostenlosen Surfbrettern sponserten – unter anderem, weil viele der Fahrer sich diese nicht leisten konnten.[3]
Lopez gewann in den Jahren 1972 und 1973 die Pipeline Masters und galt derzeit als der beste Tuberider der Welt.[14][15] Der Wettbewerb trug bis zum Tod von Andy Irons im Jahr 2010 den Spitznamen „Gerry Lopez Pipeline Masters“.
Lopez wurde im Jahr 1999 von der Surf Industries Manufacturing Association (SIMA) zum „Waterman of the Year“ gekürt.[6] Im Jahr 2000 erhielt er einen Eintrag in den Surfing Walk of Fame in Huntington Beach, Kalifornien in der Kategorie Surf-Pioniere.[16] Im Jahr 2004 wurde er in die Surfers Hall of Fame aufgenommen.
Lopez ist Markenbotschafter für den Bekleidungshersteller Patagonia und von Rainbow Sandals mit dessen Firmengründer und Surffreund Jay Longley er eng befreundet ist.[3][9]
Stil
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gerry Lopez ist bekannt für seinen sehr eleganten und präzisen Stil, der ihm in den 70er Jahren den Spitznamen „Mr. Pipeline“ einbrachte.[17][3] Ein frühes Vorbild war der seinerzeit sehr bekannte Hawaiianer Paul Strauch, den Lopez bis heute als „den stilvollsten Surfer aller Zeiten“ bezeichnet.[18][9] Lopez gilt als Stylemaster und ist einer der bekanntesten Goofy-Foot-Surfer der Welt.[17]
Film und Fernsehen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lopez ist unter anderem als Schauspieler in mehreren Spielfilmen des Filmregisseurs und ehemaligen Surfers John Milius zu sehen, so beispielsweise in Tag der Entscheidung (1978), in Farewell to the King (1998) und in Conan der Barbar (1982) neben Arnold Schwarzenegger sowie in der Fortsetzung Conan Unchained: The Making of Conan (2000) des Regisseurs Laurent Bouzereau.[19]
Zudem ist er in unzähligen Surffilmen und Dokumentarfilmen über den Surfsport zu sehen, darunter Five Summer Stories (1972), Morning of the Earth (1972), Super Session (1975), Tales From The Tube (1975), In Search of Tubular Swells (1976), Storm Riders (1982), Speed (1984), North Shore – Die Wellenreiter von Hawaii (1987), The Endless Summer II (1994), Baywatch – Die Rettungsschwimmer von Malibu (Folge 130/131: Hawaii kann auch ganz anders sein) (1995), Step into Liquid (2003), Riding Giants (2004), A Brokedown Melody (2004), Sprout (2004), Pipeline Masters (2006), Chasing the Lotus (2006), A Life Outside (2014), Take Every Wave: The Life of Laird Hamilton (2017), The Longest Wave (2019) und The Yin & Yang of Gerry Lopez (2022) über das Leben von Gerry Lopez.[3][19]
Lopez und dessen Surffreund Jock Sutherland treten außerdem auf YouTube in der von Patagonia gesponserten Serie „Talkin’ Pipe“ auf, in der sie ihre aufregenden und manchmal auch humorvollen ersten Erlebnisse in der Pipeline schildern. Die Aufnahmen entstanden im November 2007 bei einer Patagonia-Veranstaltung in Cardiff-by-the-Sea bei Encinitas in Kalifornien.[20]
Buchveröffentlichungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 2008 veröffentlichte Lopez das Buch Surf Is Where You Find It: The Wisdom of the Waves.[21] Darin präsentiert Lopez eine Sammlung von Geschichten über atemberaubende Wellen, epische Wipeouts und prägende Menschen, die ihm im Laufe seines Lebens auf dem Wasser begegnet sind. Die mittlerweile dritte Ausgabe des Buchs erschien am 17. Mai 2022 bei Patagonia unter der ISBN 978-1-938340-94-9.[22][23]
Privatleben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit Anfang der 1990er Jahre lebt Gerry Lopez mit seiner Frau Toni und ihrem gemeinsamen Sohn Alex in Bend, Oregon.[21][24] Für Lopez und seinen Sohn ist hier das Snowboarden zu einer Leidenschaft geworden.[9] Zudem hat Lopez sein handwerkliches Geschick als Surfboard-Shaper in den Bau von Snowboards einfließen lassen.[25] Gemeinsam mit seinem Sohn betreibt er auch weiterhin den Gerry Lopez Surfboard-Shop und stellt Surfbretter her, die nach wie vor sehr gefragt sind.[26]
Seit dem Jahr 1968 praktiziert Lopez Yoga im Sivananda-Stil. Ihm waren Themen wie Bewegungsabläufe, Atmung, Entspannung, gesunde Ernährung, positive Gedanken und Meditation wichtig und diese fand er im Yoga wieder.[17] Der Yoga-Lifestyle ergänzte seinen Surf-Lifestyle und für Lopez war es in spiritueller Hinsicht wie Yin und Yang.[17]
Gerry Lopez hat einen jüngeren Bruder namens Victor und eine Schwester namens Lola.[3]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website
- World Surf League Biografie
- Gerry Lopez bei IMDb
- Dokumentation: Gerry Lopez & The Pipeline (1990) auf surfline.com, abgerufen am 16. August 2026. (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Gerry Lopez Biography and Photos auf surfline.com, abgerufen am 11. August 2026. (englisch)
- ↑ Legendary surfer Gerry Lopez talks Oregon, river surfing and Duke auf adventuresportsnetwork.com, abgerufen am 11. August 2026. (englisch)
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Dokumentation: The Yin & Yang of Gerry Lopez (2022) auf YouTube
- ↑ 'Mr Pipeline' Gerry Lopez is no one-trick pony auf abc.net.au, abgerufen am 16. August 2026. (englisch)
- ↑ Gerry Lopez – Surfboard Shaper: Biografie auf Shaper Made, abgerufen am 16. August 2026. (englisch)
- 1 2 3 4 Gerry Lopez: 51 fascinating facts about Mr. Pipeline auf Surfer Today, abgerufen am 17. August 2026. (englisch)
- ↑ 1969 US championship surfers Surfers Stoke auf Facebook, abgerufen am 16. August 2026. (englisch)
- ↑ Which Ski Resort is the Surfiest? "Mr. Pipeline", Gerry Lopez, Votes for Mt. Bachelor auf snowbrains.com, abgerufen am 17. August 2026. (englisch)
- 1 2 3 4 Interview: Gerry Lopez von Glenn Sakamoto, in Liquid Salt Surfing Magazine, abgerufen am 25. August 2026. (englisch)
- ↑ Mr. Pipeline auf Surf Tech Europe, abgerufen am 27. August 2026. (englisch).
- ↑ Lightning Bolt – A pure Source, since 1971 auf Lightning Bolt, abgerufen am 27. August 2026. (englisch)
- ↑ Lightning Bolt – Heritage auf Lightning Bolt, abgerufen am 27. August 2026. (englisch)
- ↑ Encyclopedia of Surfing – Francis „Duke“ Boyd abgerufen am 25. August 2026. (englisch)
- ↑ Encyclopedia of Surfing – Pipeline Masters 1972 abgerufen am 25. August 2026. (englisch)
- ↑ Encyclopedia of Surfing – Pipeline Masters 1973 abgerufen am 25. August 2026. (englisch)
- ↑ Surfing Walk of Fame - Surf-Pioneer, Offizielle Website (englisch).
- 1 2 3 4 Gerry Lopez: Im Interview mit Mr. Pipeline auf SurfersMag.com, abgerufen am 16. August 2026. (englisch)
- ↑ Hawaiian Style Master Paul Strauch auf surfer.com, abgerufen am 16. August 2026. (englisch)
- 1 2 Gerry Lopez bei IMDb
- ↑ Gerry Lopez and Jock Sutherland – Talkin’ Pipe auf Patagonia, abgerufen am 17. August 2026. (englisch)
- 1 2 Gerry Lopez: Surfing legend lives the good life in Bend auf Oregon Live, abgerufen am 16. August 2026. (englisch)
- ↑ Surf Is Where You Find It: The Wisdom of the Waves von Gerry Lopez, auf Patagonia.com, abgerufen am 16. August 2026. (englisch)
- ↑ Gerry Lopez: Surf Is Where You Find It: The Wisdom of the Waves. 3. Auflage. Patagonia, 2022, ISBN 978-1-93834094-9, S. 416.
- ↑ Surfing still shapes the life of a landlocked Gerry Lopez auf Los Angeles Times, abgerufen am 16. August 2026. (englisch)
- ↑ Riding vintage snowboards with Gerry Lopez surf music 160, Old Skool Snowboarders auf Facebook, abgerufen am 16. August 2026. (englisch)
- ↑ Gerry Lopez Surfboards auf gerrylopezsurfboards.com, abgerufen am 16. August 2026. (englisch)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lopez, Gerry |
| ALTERNATIVNAMEN | Lopez, Gerald Ken (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Surfsportler |
| GEBURTSDATUM | 7. November 1948 |
| GEBURTSORT | Honolulu, Hawaii, Vereinigte Staaten |