Gebr. Hirschfeld

Gebr. Hirschfeld ist der Name einer Damenbekleidungsfirma in Hamburg, die von 1893 bis 1938 bestand.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bis 1938
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Isidor Hirschfeld (geb. am 2. Januar 1868 in Kasparus, einem Dorf im Kreis Preußisch Stargard im Regierungsbezirk Danzig in Westpreußen, gest. am 15. Mai 1937 in Hamburg)[1] und sein Bruder Joseph gründeten die Firma am 14. August 1893.[2] Später traten zwei weitere Hirschfeld-Brüder, Benno und Walter, in die Firma ein. Johannes Grotjan errichtete 1906 ihr Modehaus am Neuen Wall in Hamburg. Filialen gab es in Lübeck, Bremen, Leipzig und Hannover,[1] außerdem in Chemnitz.[2]
Wie viele andere jüdische Geschäfte wurde auch das Hamburger Modehaus am Neuen Wall in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 verwüstet. Kurz danach wurde das Unternehmen zwangsenteignet und an den Hamburger Geschäftsmann Franz Fahning verkauft (siehe auch „Arisierung“).[3] Fahning war bis dahin 1. Prokurist im Haus Hirschfeld gewesen und hatte darum aufgrund seiner Stellung und der Kundschaft in Hamburgs Nobelmeile Kenntnis vom Kaufpreis des Unternehmens, wobei ihm seine NSDAP-Mitgliedschaft nützlich war.
Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Benno Hirschfeld im KZ Buchenwald ermordet, sein Sohn Kurt-Manfred im KZ Neuengamme erschlagen.
Nach 1945
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Eigentum dem überlebenden Sohn von Benno Hirschfeld, Hans Simon Hirschfeld, zurückgegeben, während Franz Fahning das Geschäft weiterführen durfte. Für das entzogene Grundstück musste die Familie Hirschfeld Lastenausgleich zahlen, da das Finanzamt argumentierte: „Ein entzogenes Grundstück wird behandelt, als ob es nie entzogen worden wäre.“
1956 kaufte Fahning von den im Ausland überlebenden Hirschfelds 50 % der Immobilie zurück und betrieb das Geschäft bis 1991 weiter. Fahning beantragte 1991 die Zwangsversteigerung zum Zwecke der Auseinandersetzung der Grundstücksgemeinschaft mit Familie Hirschfeld. Die Zwangsversteigerung des Modehauses erfolgte durch das Hamburger Auktionshaus Arthur Landjunk, das bis 1942 im Auftrag der Hamburger Finanzdirektion die Versteigerung des Eigentums direkt in den sog. „entjudeten Wohnungen“ vornahm.
Fahning verkaufte während dieser Zeit seinen Anteil an den Immobilien-Kaufmann Jürgen Schneider. Die niederländische Beright BV erhielt den Zuschlag für das ganze Objekt. Kurz nach der Versteigerung wurde bekannt, dass das niederländische Unternehmen zu Schneiders Firmenimperium gehörte.
Gedenken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für Benno und Kurt Manfred Hirschfeld wurden Stolpersteine am Neuen Wall 19 verlegt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Isidor Hirschfeld: Tagebuch, Manuskript; Auszug in: Monika Richarz (Hrsg.): Jüdisches Leben in Deutschland, Band 2: Selbstzeugnisse zur Sozialgeschichte im Kaiserreich. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, ISBN 3-421-01842-1, S. 243–250.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Geschichte des Brandenburgerhauses in Hamburg mit einer Biografie Isidor Hirschfelds
- Arisierte Geschäfte Neuer Wall, Hamburg (englisch)
- Stolpersteine Hamburg für Benno und Kurt Manfred Hirschfeld
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Björn Eggert: Benno Hirschfeld, stolpersteine-hamburg.de, abgerufen am 30. Dezember 2025.
- ↑ a b Brandenburger Haus – Der Bauherr, abgerufen am 30. Dezember 2025.
- ↑ Der Raubzug der Nationalsozialisten am Neuen Wall. In: Hamburger Abendblatt vom 17./18. April 2025.