Gargždaianhörenⓘ/? (deutschGarsden, russischГоржды(Gorschdy) bis 1917, jiddischגורזדgorzd) ist eine Stadt im Westen Litauens in unmittelbarer Nachbarschaft der Großstadt Klaipėda (Memel) und hat daher entgegen dem Trend bei kleineren Städten wachsende Einwohnerzahlen. Es hat den Status eines Stadtamtes (miesto seniūnija) in der Rajongemeinde Klaipėda.
Gargždai liegt etwa 18 Kilometer östlich von Klaipėda an der als Autobahn ausgebauten Fernstraße Magistralinis kelias A1 von Klaipėda nach Kaunas und Vilnius. Durch den Ort fließt die Minija (Minge).
Garsden liegt fast unmittelbar an der alten ostpreußisch-litauischen Grenze, die früher ebenso die ostpreußisch-russische Grenze war; das erste ostpreußische Dorf an der Grenze bei Garsden war Laugallen (heute litauisch Laugaliai).
Der Ort wurde erstmals 1253 als Garisda erwähnt. Die litauische Ortschaft kam im Rahmen der Ersten Polnischen Teilung 1772 zu Russland. Das Stadtrecht wurde 1792 verliehen. Im März 1831 wurde auch Garsden Schauplatz des sich gegen die russische Herrschaft richtenden Novemberaufstands.[1]
Im Juni 1940 wurde die Stadt von der Roten Armee besetzt, von 1941 bis 1944 war sie von der Wehrmacht besetzt.
In Gargždai wurde das erste Holocaust-Verbrechen im Machtbereich der Sowjetunion verübt. Am 24. Juni 1941 erschossen hier deutsche Polizeieinheiten 200 männliche jüdische Einwohner und eine Frau.[2] Diese Tat war auch Gegenstand des Ulmer Einsatzgruppen-Prozesses. Ende August/Anfang September 1941 wurden dann die bis dahin gefangen gehaltenen jüdischen Frauen und Kinder des Ortes durch litauische Hilfspolizisten erschossen.[3]
Die moderne katholische Kirche des Heiligen Erzengels Michael mit einem 53 Meter hohem Turm wurde von 1990 bis 1992 erbaut, Architekt Vladas Lučinskas. Vom Vorgängerbau erhalten ist der historische Glockenturm aus Felssteinmauerwerk.
Die Kapelle auf dem Kirchhof von Gargždai wurde von 1840 bis 1841 im klassizistischen Stil als Mausoleum für die damaligen Kirchenpatrone, dem deutschbaltischen Adelsgeschlecht Rönne, errichtet.
↑Polnischer Insurrectionskrieg 1831, Lexikoneintrag in: Pierer’s Universal-Lexikon, Band 13, Altenburg 1861, S. 286–301 (Zeno.org).
↑Norman Ridley: The horror of Himmler’s death squads. The Einsatzgruppen and the Holocaust in the Baltics. Frontline Books, Barnsley 2024, ISBN 978-1-03-610670-6, S. 92.