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Gabriel Revel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Gabriel Revel: Porträt des Bildhauers François Girardon, 1683. Louvre, Paris[1]

Gabriel Revel (getauft am 11. Mai 1643 in Château-Thierry; † 8. Juli 1712 in Dijon) war ein französischer Maler. Er arbeitete vor allem als Porträt- und Historienmaler und war Schüler sowie Mitarbeiter von Charles Le Brun. 1683 wurde er Mitglied der Académie royale de peinture et de sculpture. Einen wesentlichen Teil seiner späteren Tätigkeit entfaltete er in Dijon, wo er sich nach 1690 dauerhaft niederließ. Sein Sohn Jean Revel war ebenfalls Maler und Zeichner.[2][3]

Gabriel Revel wurde in Château-Thierry geboren und am 11. Mai 1643 getauft. Er stammte aus einer Familie, in der auch das Maler- und Glasmalerhandwerk ausgeübt wurde. Über seine Jugend und seine erste Ausbildung sind nur wenige Einzelheiten bekannt. Nach der Forschung Dominique Brêmes kam Revel vermutlich durch den ebenfalls aus Château-Thierry stammenden Jean de La Fontaine mit Charles Le Brun in Verbindung. Diese Verbindung wird mit Le Bruns Tätigkeit in Vaux-le-Vicomte in den Jahren 1657 bis 1661 in Zusammenhang gebracht. Revel wurde anschließend in Paris Schüler Le Bruns. Die Datierung des Beginns seiner Ausbildung wird in der Forschung um 1658/60 angesetzt. In den folgenden Jahrzehnten arbeitete er im Umkreis Le Bruns an königlichen Aufträgen.[2][3]

Zu den frühen dokumentierten Tätigkeiten Gabriel Revels gehört seine Beteiligung an der Ausstattung des französischen Kriegsschiffs Soleil Royal. Gemeinsam mit François Verdier, Claude Audran II und François Bonnemer arbeitete er an den dekorativen Gemälden des Schiffes. Das Schiff wurde 1668 bis 1670 in Brest gebaut und 1671 ausgerüstet.[2]

Gabriel Revel gehörte in den 1670er und 1680er Jahren zum Mitarbeiterkreis Le Bruns bei königlichen Dekorationsaufträgen. Dazu zählen Arbeiten im Zusammenhang mit den Schlossanlagen von Versailles und mit der Manufacture royale des meubles de la Couronne. Aufgrund des kollaborativen Charakters dieser Unternehmungen ist eine eindeutige Zuschreibung einzelner Arbeiten vielfach nicht möglich. Die Forschung weist zudem darauf hin, dass Revels Name in den einschlägigen Rechnungen der Bâtiments du roi nicht erscheint. Für die Jahre 1672 bis 1675 wird ein Aufenthalt in Rom vermutet, der allerdings nicht in gleicher Weise dokumentiert ist wie seine übrigen Stationen. 1676 hielt sich Revel in Dijon auf. 1677 ist seine Anwesenheit wieder in Paris belegt.[2]

Gabriel Revel: Porträt der Familie Le Moine, 1683. Musée Jean de La Fontaine, Château-Thierry

Neben seiner Tätigkeit im Umfeld Le Bruns übernahm Gabriel Revel eigene Aufträge. Zu seinen frühen selbstständigen Arbeiten gehören zwei Gemälde für den Chor der Kirche Saint-Crépin in Château-Thierry. Die Kirche wurde im Jahr 1678 nach einem Umbau geweiht. Die beiden Gemälde stellen die Krönung der heiligen Märtyrer Crispinus und Crispinianus sowie eine Engelserscheinung bei zwei Heiligen dar. Die Werke befinden sich heute im Musée Jean de La Fontaine in Château-Thierry; die für Saint-Crépin bestimmten Gemälde wurden restauriert und sollen an ihren ursprünglichen Standort zurückkehren. Revel wurde 1683 Mitglied der Académie royale de peinture et de sculpture. Als Aufnahmestücke dienten die Porträts der Bildhauer François Girardon und Michel Anguier. Das Porträt Girardons, 1683 entstanden, befindet sich heute im Schloss Versailles und gehört zu den dokumentierten Hauptwerken des Künstlers. Das Porträt von Michel Anguier ist nicht erhalten beziehungsweise heute nicht lokalisiert.[2]

Während der 1680er Jahre intensivierten sich Revels Beziehungen zu Dijon und zum Burgund. So schuf er 1688 den allegorischen Deckenschmuck der Chambre des requêtes des Parlaments von Burgund (Parlement de Dijon bzw. Parlement de Bourgogne). Der Raum ist heute Teil des Justizpalasts von Dijon und wird als Bibliothek der Magistratur genutzt. Der erhaltene Deckenschmuck enthält unter anderem allegorische Darstellungen der Gerechtigkeit, der Klugheit, der Weisheit, der Erkenntnis, der öffentlichen Gewalt, des öffentlichen Glücks und der Eintracht.[2]

Nach dem Tod Le Bruns im Jahr 1690 ließ sich Revel dauerhaft in Dijon nieder. Dort konnte er seine Tätigkeit als Porträt- und Historienmaler weiter ausbauen. Er erhielt zahlreiche Aufträge aus dem Kreis der örtlichen politischen und gesellschaftlichen Eliten sowie von Kirchen und Ordensgemeinschaften. Gabriel Revel starb am 8. Juli 1712 in Dijon.[2]

Gabriel Revel: Judith mit dem Haupt des Holofernes (mutmaßliches Porträt der Marquise de Montespan) 1688. Privatsammlung, Paris

Gabriel Revel war ein Porträt- und Historienmaler. Von seinen Werken haben sich Porträts, religiöse Historienbilder, allegorische Darstellungen sowie Arbeiten im Zusammenhang mit großformatigen dekorativen Projekten erhalten. Dominique Brême hat in seiner Forschung einen Bestand von mehr als hundert Gemälden zusammengetragen, die mit Revel in Verbindung gebracht werden. Einen bedeutenden Teil von Revels Werk bilden Porträts. Zu den dokumentierten Bildnissen gehören das 1683 entstandene Porträt des François Girardon in Versailles sowie das 1696 geschaffene Porträt des Pierre Palliot im Musée des Beaux-Arts de Dijon. Weitere erhaltene bzw. überlieferte Porträts zeigen den Bildhauer Jean Dubois und Mitglieder des burgundischen Bürgertums. Revel arbeitete auch als Porträtist für Angehörige der politischen und juristischen Eliten Dijons. Das 1683 entstandene Gemälde Réunion de portraits – Départ pour un bal masqué, das auch als Porträt der Familie Le Moine bezeichnet wird, befindet sich im Musée Jean de La Fontaine in Château-Thierry.[2]

Nach seiner zunehmenden Tätigkeit in Burgund schuf Revel zahlreiche religiöse Historienbilder für Kirchen und Klöster in Dijon und Umgebung. Dazu gehören die Bekehrung des heiligen Augustinus von 1687 für das Ursulinenkloster in Dijon sowie die Darstellungen der heiligen Anna und des heiligen Joachim von 1689 für die Kapelle des ehemaligen Cordeliersklosters. Für die Kirche Notre-Dame in Dijon schuf er im Jahr 1696 eine Verkündigung Mariä. Weitere Arbeiten wurden für die Kirche Saint-Jean, das Lazaristenkloster und das ehemalige Collège des Godrans ausgeführt. Zu den überlieferten religiösen Kompositionen gehören eine Auferweckung des Lazarus aus dem Jahr 1700 und eine Darstellung der Totenerweckung eines Jünglings durch den heiligen Franz Xaver. Ein weiteres Werk Revels ist das Baptême du Christ, eine Kopie nach Antoine Coypel. Das Gemälde befindet sich im Musée des Beaux-Arts de Dijon.[2][4]

Mehrere Werke Revels stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit druckgrafischen bzw. malerischen Vorlagen. Dazu gehören Kompositionen nach Charles Le Brun, Raffael und Nicolas Poussin. In der Forschung behandelt wird unter anderem eine Darstellung Christi am Kreuz, umgeben von Engeln, die ursprünglich für die Kathedrale Saint-Bénigne in Dijon bestimmt war. Ebenfalls nach einem Kompositionsschema Poussins entstand eine Darstellung der Letzten Ölung, die sich heute ebenfalls im Musée des Beaux-Arts de Dijon befindet.[2]

  • Dominique Brême: Gabriel Revel (1643–1712), un peintre de Château-Thierry au temps de Louis XIV. In: Mémoires de la Fédération des sociétés d'histoire et d'archéologie de l'Aisne. Bd. XXVII, 1982, S. 13–26.
  • Dominique Brême: La peinture en Bourgogne au XVIIe siècle: Gabriel Revel (1643–1712) et la diffusion de l'art officiel. In: Mémoires de l'Académie des sciences, arts et belles-lettres de Dijon. Bd. CXXV, 1983, S. 91–104.
  • Dominique Brême: Gabriel Revel (1643–1712), quelques problèmes d’esthétique, d’iconographie et de style. In: Mémoires de la Fédération des sociétés d'histoire et d'archéologie de l'Aisne. Bd. XLIII, 1998, S. 59–92.
  • Dominique Brême: Gabriel Revel: collaborateur champenois de Le Brun à Versailles. In: Bulletin du Centre de recherche du château de Versailles, Nr. 9, 2015.
  • Claire Constans: Musée national du château de Versailles. Catalogue des peintures. Paris: Réunion des musées nationaux, 1980, S. 112, Nr. 3825.
  • Thierry Bajou: La Peinture à Versailles. XVIIe siècle. Paris, 1998, S. 200–201.
  • Visages du Grand Siècle. Le portrait français sous le règne de Louis XIV, 1660–1715. Ausstellungskatalog, Nantes/Toulouse, 1997. Paris: Somogy, 1997.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 11: Pinchon – Rouck. Paris, 2006.
  • Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009.
Commons: Gabriel Revel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Gabriel Revel, France: François Girardon (1628-1715), sculpteur. 1683, abgerufen am 16. August 2026.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. 2009.
  3. 1 2 Brice Leibundgut: Revoir Gabriel Revel (1643-1712) – Communication par Dominique Brême. In: Société de l’Histoire de l’Art Français (SHAF). 8. April 2024, abgerufen am 16. August 2026 (französisch).
  4. ↑ Le Baptême du Christ (Copie d'après Antoine Coypel) - POP. Abgerufen am 16. August 2026.