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Fritz Bleyl

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Fritz Bleyl (vollständiger Name: Hilmar Friedrich Wilhelm Bleyl; * 8. Oktober 1880 in Zwickau; † 19. August 1966 in Bad Iburg) war ein deutscher Architekt und Maler des Expressionismus.

Fritz Bleyl war der Sohn von Alma Fanny Falck (* 27. August 1855 in Bockwa; † 5. Januar 1922 in Eckersbach) und ihres Ehemanns, des Kaufmanns Hilmar Heinrich Bleyl (* 8. November 1854 in Eibenstock; † 21. Januar 1916 ebenda)[1]. Er besuchte zwischen 1887 und 1890 die Bürgerschule und das Progymnasium in Stollberg im Erzgebirge, seinem Wohnort seit dem 3. Lebensjahr. 1891 bis 1901 war er Schüler des Realgymnasiums in Zwickau. Sein Vater hatte dort inzwischen eine Stelle als Buchhalter angetreten. Im Jahr 1901 trat Fritz Bleyl dem Gabelsberger Stenografenverein Realgymnasium Zwickau bei. Sein Abitur machte er an Ostern des gleichen Jahres[2] und erhielt dabei eine Auszeichnung im Fach Zeichnen.[3]

Bleyl begann im April 1901 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Dresden. Bereits im ersten Semester freundete er sich dort mit Ernst Ludwig Kirchner an. Erich Heckel lernte er 1903 über Kirchner kennen. Über Heckel stieß Karl Schmidt-Rottluff (damals Karl Schmidt) zur Gruppe.[2]

Ab den ersten Semesterferien nahm Bleyl an Zeichenexkursionen teil, bei denen Aquarelle und Zeichnungen bei den Professoren Weichardt und Hartung entstanden. Der Freundeskreis der vier Architekturstudenten Bleyl, Kirchner, Heckel und Schmidt nahm außerdem autodidaktische Studien auf.[3] Mit dem Holzschnitt Elbkahn sowie vier weiteren Holzschnitten war Bleyl im Juli 1905 auf der Ausstellung des Sächsischen Kunstvereins vertreten. Kirchner und Bleyl schlossen ihr Studium 1905 mit der Diplomarbeit ab. Damit endete für Bleyl die finanzielle Unterstützung durch seinen Onkel Arthur Bleyl, der kaufmännischer Direktor des Bergwerks Oelsnitz war. Anfangs hatte ihn auch seine Großmutter mütterlicherseits Christiane Friederike Kästner (1826–1902)[1] zur Hälfte unterstützt. Zur Sicherung seines Lebensunterhalts arbeitete Fritz Bleyl zunächst im Bereich Grafik und Kunstgewerbe und bemühte sich um eine Stelle als Lehrer im Bereich des Kunstgewerbes. Für die Dritte Deutsche Kunstgewerbe-Ausstellungin Dresden fertigte er die Exponatbeschriftungen.[2]

Ernst Ludwig Kirchner: Künstlergruppe Brücke, Aktive Mitglieder 1907 - Die Liste enthält einen Fehler. Lambertus Zijl schloss sich der Gruppe nie an.

Am 7. Juni 1905 gründeten Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl die Künstlergruppe „Brücke“. Bleyl, der sich nie mit Ölmalerei beschäftigte, arbeitete vorwiegend mit Holzschnitten, Aquarell- und Tuschepinsel. Bleyls Werke der Brückezeit waren vom Pointillismus inspiriert.[4]

Im Herbst 1906 trat Bleyl eine Stelle als Lehrer an der privaten Bauschule Freiberg und der Kunstgewerblichen Tischlerfachschule an (beide Thielestraße 9).[5] Bis zum 30. September 1910 unterrichtete er dort Freihandzeichnen und Ornamententwerfen.[3]

An Weihnachten 1906 verlobte er sich mit Gertrud Charlotte Tannert (* 8. November 1882; † 18. Juni 1970 in Bad Iburg)[1], die er bereits seit längerem aus Zwickau kannte und mit der er heimlich verlobt war.[3] Erste, selbstgezeichnete Postkarten von ihm an sie datieren aus dem Jahr 1889.[2] Die Familie Tannert war ebenfalls nach Dresden gezogen. An Ostern 1907 sowie in den darauf folgenden Sonnerferien hielt er sich in Dresden bei Gertrud Tannert auf. Die Hochzeit des Paares fand am 14. August 1907 in Zwickau statt. Anschließend verbrachten sie die Hochzeitsreise in Bahra.[3] 1907 wurde die Tochter Gertrud geboren, die nicht überlebte.[1]

Bleyl schied 1907 aus der Künstlergruppe Brücke aus[4] und ließ sich 1909 in Freiberg nieder, wo der Sohn Wolfgang (* 25. Juni 1910; † 1991)[1] geboren wurde.[2] In den Jahren 1910 bis 1912 wirkte er im Büro des Dresdner Architekten Ernst Kühn und anschließend bis 1914 in ähnlicher Funktion in als Architekt im Landbüro Korff in Laage.[3] Der Sohn Falk (* 9. August 1914; † 20. Juni 1973 in Meppen)[1] kam in Laage zur Welt.[2] 1916 beendete Bleyl seine 1915 begonnene Promotion mit Auszeichnung[2][6] bei Cornelius Gurlitt in Dresden. Der Titel seiner Arbeit lautete: „Baulich und volkstümlich Beachtenswertes aus dem Kulturgebiete des Silberbergbaus zu Freiberg, Schneeberg und Johanngeorgenstadt im sächsischen Erzgebirge“. Er wurde danach als Probelehrer an der Baugewerbeschule Berlin-Neukölln angestellt.[2] Seinen Kriegsdienst verbrachte er nach zweimonatigen Fronteinsatz vom 12. Oktober bis 22. Dezember 2016 im damaligen Sensburg dann in den Jahren von 1916 bis 1918 als Leiter der Kriegsbeschädigten-Werkstätten im Reservelazarett Görden.[3]

Nach Kriegsende 1919 avancierte er zum Oberlehrer und dann zum Studienrat an der Berlin-Neuköllner Baugewerkschule, 1940 zum Baurat an der staatlichen Bauschule Berlin.[7] Er wohnt von 1933 bis 1937 mit seiner Familie in Spandau und danach in Nikolassee.[2] Die jährlichen Sommersemesterferien in den 1920er und 1930er Jahre nutzte Bleyl, um in Deutschland, Italien, in der Schweiz, in Böhmen und im Riesengebirge zu zeichnen.[3]

Nach der Entlassung aus dem Lehramt[2] und Beschlagnahme seiner Wohnung 1945 durch die Amerikaner siedelte Bleyl nach Calbe um. In den Jahren 1946 bis 1948 lebte er bei seinem Bruder Herbert Bleyl in Zwickau. 1948 siedelte er zu seinem Sohn Wolfgang in die Nähe von Köln über. Er lebte zuerst in einem Altersheim in Knechtsteden im Rheinland. 1951[8] oder 1952 ging er für fünf Jahre nach Schlebusch bei Leverkusen. 1959 ließ sich Bleyl in Lugano nieder. Er starb mit 85 Jahren in Bad Iburg.[3]

Ein Teil seines schriftlichen Nachlasses befindet sich im Deutschen Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.

Ausstellungen (Auswahl)

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  • 1954: Zwickau, Städtisches Museum („Künstler aus Zwickau“)[9]

Postume Einzelausstellungen

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  • 2023: Berlin, Brücke-Museum: 1905: Fritz Bleyl und der Beginn der Brücke[13]
  • 2023: Kunstsammlungen Zwickau: 1905: Fritz Bleyl und der Beginn der Brücke[14]
  • Magdalena M. Moeller (Hrsg.): Fritz Bleyl 1880-1966, Archivheft Bd. 18, Brücke Museum Berlin, 1993.
  • Hermann Gerlinger, Heinz Spielmann (Hrsg.): Fritz Bleyl und die frühen Jahre der „Brücke“, Brücke-Almanach 1999, Ausstellungskatalog, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schleswig, 1999; Städtisches Museum, Zwickau, 2000, Schleswig 1999.
  • Magdalena M. Moeller (Hrsg.): Fritz Bleyl. Gründungsmitglied der „Brücke“, Ausstellungskatalog, Brücke-Museum Berlin und die Autoren, 2009, Hirmer Verlag, München, 2009, ISBN 978-3-7774-2341-8
Commons: Fritz Bleyl – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. a b c d e f Ancestry.de, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  2. a b c d e f g h i j Fritz Bleyl 1880-1966. In: Magdalena M. Moeller (Hrsg.): Archivheft, Brücke Museum Berlin. Band 18. Berlin 1993, S. 227.
  3. a b c d e f g h i Hermann Gerlinger, Heinz Spielmann: Fritz Bleyl und die frühen Jahre der „Brücke“, Brücke-Almanach 1999. Schleswig 1999, S. 54.
  4. a b Ulrike Borowczyk: Fritz Bleyl, der große Unbekannte der „Brücke“-Künstler. In: Berliner Morgenpost. 1. März 2023, abgerufen am 3. März 2023.
  5. Hilmar Friedrich Wilhelm Bleyl. In: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, 92. Heft 2003 (21. Heft Neue Serie) Berühmte Freiberger Ausgewählte Biographien bekannter und verdienstvoller Persönlichkeiten Teil 4: Persönlichkeiten aus den Jahrzehnten ab 1876. Freiberger Altertumsverein e.V., S. 50–52, 2003, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  6. Fritz Bleyl: Baulich und volkskundlich Beachtenswertes aus dem Kulturgebiete des Silberbergbaues zu Freiberg, Schneeberg und Johanngeorgenstadt im sächsischen Erzgebirge. Landesverein Sächsischer Heimatschutz, zugl. Diss., Dresden 1917
  7. Biografie von Fritz Bleyl (1880-1966) - Sächsische Biografie | ISGV e.V. Abgerufen am 16. Oktober 2025.
  8. Magdalena M. Moeller: Fritz Bleyl. Gründungsmitglied der „Brücke“. Hrsg.: Brücke-Museum Berlin und die Autoren. Hirmer Verlag, München 2009, S. 43.
  9. SLUB Dresden: Künstler aus Zwickau. Abgerufen am 21. Juni 2023.
  10. a b Fritz Bleyl : 1880 - 1966 ; Mitbegründer der Künstlergruppe "Brücke" ; Städtisches Museum Zwickau, 7. November 1993 - 9. Januar 1994 ; Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, 12. Februar 1994 - 10. April 1994. Abgerufen am 15. Oktober 2025.
  11. a b Fritz Bleyl und die frühen Jahre der "Brücke" : [zur gleichnamigen Ausstellung vom 25.7. bis 31.10.1999 im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum und vom 16.1. bis 19.3.2000 im Städtischen Museum Zwickau]. In: deutsche-digitale-bibliothek.de. 1999, abgerufen am 15. Oktober 2025.
  12. Fritz Bleyl : Gründungsmitglied der "Brücke" ; [anlässlich der Ausstellung "Fritz Bleyl - Gründungsmitglied der Brücke", im Brücke-Museum Berlin, 10. Oktober 2009 bis 25. April 2010]. In: deutsche-digitale-bibliothek.de. 2009, abgerufen am 15. Oktober 2025.
  13. Ulrike Borowczyk: Fritz Bleyl, der große Unbekannte der „Brücke“-Künstler. 1. März 2023, abgerufen am 21. Juni 2023.
  14. 1905: Fritz Bleyl und der Beginn der Brücke. Abgerufen am 23. Juli 2025.