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Fred Shuttlesworth

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(2002)

Fred Lee Shuttlesworth (* 18. März 1922 in Mount Meigs, Montgomery County, Alabama, als Freddie Lee Robinson; † 5. Oktober 2011 Birmingham (Alabama)) war ein US-amerikanischer Baptistenpastor und Bürgerrechtler. Bekannt ist er als einer der Anführer der Birmingham Campaign.

Fred Shuttlesworth war das uneheliche Kind von Vetter Greene und Alberta Robinson und wuchs in Oxmoor, einer ländlichen Gemeinde im Norden Birminghams, unter der autoritären Obhut seiner Mutter und seinem Stiefvater William Nathan Shuttlesworth auf. 1940 wurde er mit 18 Jahren für Schwarzbrennerei verhaftet und wurde zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Ein Jahr später heiratete er Ruby Keeler, mit der er vier Kinder hatte. Sie ließen sich 1970 scheiden. 2007 heiratete er Sephira Ann Bailey.

Shuttlesworth konvertierte 1944 als junger Erwachsener vom Methodismus zum Baptismus und entschied sich, Pastor zu werden. Er studierte, erhielt 1951 seinen Bachelor of Arts von der Selma University und 1952 seinen Bachelor of Science vom Alabama State College, an der er Ralph Abernathy kennenlernte. Nachdem er eine Zeit lang in Selma gepredigt hatte, wurde er im März 1953 Pastor der Bethel Baptist Church in Birmingham. Veranlasst vom Urteil des Obersten Gerichtshofs im Fall Brown v. Board of Education, dass die Rassentrennung nach dem Grundsatz separate but equal verfassungswidrig sei, fing er dort an, sich für die Bürgerrechtsbewegung zu engagieren. Seine erste Aktion war eine Petition für die Einstellung schwarzer Polizisten, für die er tausende Unterschriften sammelte, die von der Stadtverwaltung allerdings wegen der aufgeheizten Stimmung nach dem Lynchmord an Emmett Till abgelehnt wurde.

Nichtsdestotrotz wurde Shuttlesworth so zu einer beliebten Figur unter den Bürgerrechtlern Birminghams und wenig später der Vorsitzende des dortigen Zweigs der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP). Als diese 1956 von der Regierung des Bundesstaats Alabama verboten wurde, gründete er mit verschiedenen Mitstreitern die Alabama Christian Movement for Human Rights (ACMHR). Ihr Ziel war es, durch gewaltlosen Protest und Zivilen Ungehorsam gegen die rassistischen Jim-Crow-Gesetze vorzugehen. In den folgenden Jahren forderten sie unter anderem die Abschaffung der Rassentrennung im Öffentlichen Personennahverkehr, in Schulen und in Stadtparks. Außerdem unterstützte die ACMHR weitere Bürgerrechtsproteste wie den Busboykott von Montgomery, den Schulbesuch der Little Rock Nine und die Freedom Rides. Darüber hinaus gründete er 1957 mit Martin Luther King und Ralph Abernathy die Southern Christian Leadership Conference (SCLC), die bald zu einer der wichtigsten Bürgerrechtsorganisationen des Landes wurde. Shuttleworths Arbeit machte ihn zu einer Zielscheibe für Terrororganisationen wie den Ku-Klux-Klan der mehrere Mordaufschläge auf ihn unternahm, von dem er eines im Dezember 1956 nur knapp überlebte. Der Polizeichef Birminghams Bull Connor, der sich im Wahlkampf der Aufrechterhaltung der Rassentrennung verpflichtet hatte, ließ ihn mehrfach verhaften. Shuttleworths aggressive Art wurde allerdings auch von gebildeteren, wohlhabenderen Schwarzen kritisiert, die ihn als arroganten Selbstdarsteller wahrnahmen. 1961 wurde Shuttlesworth Pastor einer Kirche in Cincinnati, Ohio, blieb jedoch weiter an der Bürgerrechtsbewegung in Birmingham aktiv.

1963 beschloss er mit King, Birmingham zum Schauplatz einer gemeinsamen, größeren Kampagne der SCLC und ACMHR zu machen. Diese von ihm und King angeführte Birmingham Campaign begann im April 1963 und erregte landesweites Aufsehen, auch wegen des brutalen Vorgehens der Polizei unter Bull Connor, der Angriffe auf friedliche Demonstranten anordnete und unter Anderen Shuttlesworth, Abernathy und King verhaften ließ. Im Gefängnis verfasste King das Letter from a Birmingham Jail, das als eines der wichtigsten Schriftstücke der Bürgerrechtsbewegung. Ihren Höhepunkt erreichte die Kampagne im Mai mit dem „Kinderkreuzzug“ (englisch children’s crusade), einem Protestzug tausender Kinder, denen die Polizei Birminghams mit Polizeihunden, Wasserwerfern und massenhaften Verhaftungen entgegnete. Sie endete am 10. Mai, als Geschäfte sich bereit erklärten, die Rassentrennung abzuschaffen und ihre Türen schwarzen Kunden zu öffnen. Die Bilder dieses Protests waren für die amerikanische Öffentlichkeit ein Schock. Präsident John F. Kennedy verkündete kurz darauf seine Unterstützung für die Bürgerrechtler und leitete einen Gesetzesentwurf im Kongress ein, der schließlich im historischen Civil Rights Act of 1964 mündete. Birmingham gilt daher auch als einer der wichtigsten Protestaktionen der Bürgerrechtsbewegung.

Shuttlesworth war auch an weiteren Protesten der Bürgerrechtsbewegung wie dem Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit und den Märschen von Selma nach Montgomery 1965 beteiligt. Später galt sein besonderer Einsatz der Überwindung von Obdachlosigkeit. Nach seiner Pensionierung kehrte er 2007 nach Birmingham zurück. Er verstarb 2011.

Shuttlesworth wurde 2001 von Präsident Bill Clinton mit der Presidential Citizens Medal ausgezeichnet. Außerdem wurde 2008 der Flughafen Birminghams nach ihm benannt.

Biographien
  • Andrew M. Manis: A Fire You Can't Put Out: The Civil Rights Life of Birmingham's Reverend Fred Shuttlesworth. Tuscaloosa, Alabama: University of Alabama Press, 1999. ISBN 0-8173-0968-3.
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