Da bei natürlichen Fraipontiten allerdings stets ein geringer Anteil des Zinks sowie des Siliciums diadoch durch Aluminium ersetzt (substituiert) ist, wird dies durch entsprechend ergänzte Klammerwerte verdeutlicht. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Zink und Aluminium sowie Silicium und Aluminium können sich dabei in der Formel jeweils gegenseitig vertreten, stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.
Fraipontit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und findet sich allgemein in faserigen bis porzellanähnlichen oder schuppigen Massen, die sich talkartig anfühlen und auf den Oberflächen einen seidenähnlichen Glanz zeigen. Das Mineral ist durchscheinend bis undurchsichtig und von gelblichweißer bis bläulicher Farbe. Seine Strichfarbe ist dagegen weiß bis blassgrün.
Das Typmaterial des Minerals (Holotyp, HT) wird in der Mineralogischen Sammlung der Universität Lüttich (ULG) unter der Sammlungs-Nr. 13727 aufbewahrt.[9]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Fraipontit die System- und Mineralnummer 71.01.02c.04. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Schichten von sechsgliedrigen Ringen mit 1:1-Lagen“ in der „Serpentingruppe (Amesit-Untergruppe)“, in der auch Amesit, Berthierin, Brindleyit, Kellyit, Manandonit und Cronstedtit eingeordnet sind.
Als seltene Mineralbildung konnte Fraipontit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 60 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2022).[11] Außer an seiner Typlokalität, dem ehemaligen Zink-Bergwerk Vieille Montagne bei Kelmis (ehemals Altenberg), trat das Mineral in Belgien nur noch in der ehemaligen Blei-Zink-Grube Bleyberg und in der Umgebung von Moresnet in der heutigen Gemeinde Plombières (Wallonische Region) auf.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist die Grube Stefanie am Bleiberger Erzberg nahe der Kärntner Stadt Villach. Mit der Mine des Moulins bei Saint-Luc VS im Kanton Wallis ist auch in der Schweiz bisher nur ein Fundort bekannt.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Chile, Frankreich, Griechenland, Italien, Kasachstan, Kuba, Marokko, Mexiko, Namibia, Peru, Portugal, Rumänien, Russland, Spanien, Turkmenistan, im Vereinigten Königreich (England, Wales) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Arizona, Kalifornien, Nevada, New Jersey, New Mexico).[12]
G. Cesàro:Sur la fraipontite, silicate basique hydraté de zinc et d´aluminum. In: Annales de la Société Géologique de Belgique. Band50, 1927, S.B106–B110 (französisch, rruff.info[PDF; 825kB; abgerufen am 20.Juni 2022]).
Michael Fleischer, Joseph Anthony Mandarino:New mineral names. New data. In: American Mineralogist. Band62, 1977, S.173–176 (englisch, rruff.info[PDF; 430kB]).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.677 (englisch).
123456789
Fraipontite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 75kB; abgerufen am 16.Juni 2022]).
123André-Mathieu Fransolet, Pol Bourguignon:Données nouvelles sur la fraipontite de Moresnet (Belguique). In: Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Band98, Nr.4, 1975, S.235–244, doi:10.3406/bulmi.1975.6994 (französisch, persee.fr[PDF; 1,7MB; abgerufen am 20.Juni 2022]).
123456Fraipontite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 21.Juni 2022(englisch).
↑G. Cesàro:Sur la fraipontite, silicate basique hydraté de zinc et d´aluminum. In: Annales de la Société Géologique de Belgique. Band50, 1927, S.B106–B110 (französisch, rruff.info[PDF; 825kB; abgerufen am 20.Juni 2022]).