Im Februar 2020 vereinbarten der taiwanesische Elektronikkonzern Foxconn und der einheimische Automobilhersteller Yulon Motor die Gründung eines Joint Venture. Foxconn war zuvor in der Automobilindustrie vor allem als Komponentenlieferant und Investor tätig gewesen und beabsichtigte nun, selbst in die Fahrzeugentwicklung und -produktion einzusteigen.[3] Ziel des neuen Unternehmens war die Entwicklung von Elektrofahrzeugen.[4]
Das erste Produkt der Zusammenarbeit war die offene Elektrofahrzeugplattform MIH („Mobility in Harmony“), die im Oktober 2020 auf dem jährlich veranstalteten Hon Hai Technology Day (HHTD) vorgestellt wurde.[5] MIH ist eine offene Software- und Hardwareplattform für die Entwicklung batterieelektrischer Fahrzeuge. Nach Angaben des Foxconn-Vorsitzenden Liu Yangwei ermöglicht die Softwareplattform, Funktionen und Eigenschaften eines Fahrzeugs nach dessen Auslieferung durch Softwareaktualisierungen zu verändern und zu verbessern.[6]
Foxtron wurde im November 2020 als gemeinsames Unternehmen gegründet.[7] Das Unternehmen verfolgt ein Outsourcing-Modell, das als „Commissioned Design and Manufacturing Service“ beziehungsweise „Contract Design and Manufacturing Service“ (CDMS) bezeichnet wird. Dabei übernimmt Foxtron die technische Konstruktion und Gestaltung der Fahrzeuge, die Verwaltung der Komponentenlieferketten sowie die Produktionssteuerung, während die eigentliche Fertigung durch ein anderes Unternehmen erfolgt. Der jeweilige Automobilhersteller ist anschließend im Wesentlichen für Vermarktung und Kundendienst verantwortlich.[8]
Im Februar 2021 wurde bekannt, dass das erste Elektrofahrzeug des Gemeinschaftsunternehmens ein Linienbus sein sollte.[9] Mitte Oktober 2021 wurde die Marke Foxtron während des folgenden HHTD in Taipeh offiziell vorgestellt. Das Unternehmen kündigte an, ab 2023 eine Modellpalette aus Elektroautos und Elektrobussen in Thailand herstellen zu wollen.[10] Auf dem HHTD 2021 zeigte Foxtron drei Elektrofahrzeugprototypen: das als Crossover ausgelegte Model C, den Bus Model T und die Oberklasselimousine Model E, deren Gestaltung vom italienischen Designstudio Pininfarina stammte.[11][12][13]
Der Beginn der Erprobung des Busses Model T war für 2022 vorgesehen.[14] Die ersten Busse wurden im März und Oktober 2022 an Verkehrsbetriebe in den südtaiwanischen Städten Kaohsiung und Tainan ausgeliefert.[15] Ein weiteres Fahrzeug wurde nach Bali gebracht und diente dort im November 2022 dem Transport von Teilnehmern des G20-Gipfels.[16]
Im Mai 2022 erwarb Foxconn von Lordstown Motors das frühere Automobilwerk Lordstown Assembly in Lordstown im US-Bundesstaat Ohio. Foxconn sollte dort die Montage des Elektro-Pick-ups Lordstown Endurance übernehmen. Zugleich vereinbarten die Unternehmen die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zur Entwicklung von Fahrzeugen auf Grundlage der MIH-Plattform.[17]
Auf dem HHTD 2022 stellte Foxtron zwei weitere Konzeptfahrzeuge vor: den preisgünstigen, ebenfalls von Pininfarina gestalteten Stadtwagen Model B[18] sowie den Pick-up Model V. Daneben wurde die Serienversion des im Vorjahr gezeigten Model C präsentiert. Das Fahrzeug wird seit 2023 von Yulons Tochtergesellschaft Luxgen unter der Bezeichnung n7 in Taiwan produziert und vermarktet.[19] Nach Darstellung von Foxtron war das Fahrzeug im Rahmen des CDMS-Modells als Model C von Foxtron entwickelt worden. Yulon übernahm die Herstellung in seinem Werk im Landkreis Miaoli, während Foxtron die Fahrzeuge an Luxgen auslieferte.[8]
Ed Hightower, der damalige Geschäftsführer von Lordstown Motors, reiste 2022 nach Taiwan, um mit der Foxtron-Führung über eine Produktion eines mittelgroßen SUV im Werk Lordstown zu verhandeln. Nach Angaben eines späteren Berichts kam jedoch kein Treffen zustande, sodass Hightower nach zwei Wochen in die Vereinigten Staaten zurückkehrte.[20] 2025 verkaufte Foxconn schließlich die Lordstown Assembly an das Unternehmen Softbank.[21]
Im November 2022 begann Foxtron mit dem Bau eines neuen Werks in Thailand, das zur Produktion von Elektrofahrzeugen auf Grundlage der MIH-Plattform vorgesehen war.[22] In den Geschäftsjahren 2021 und 2022 verzeichnete das Unternehmen Verluste.[23]
Beim HHTD im Oktober 2023 traten Liu Yangwei und der Vorstandsvorsitzende des Halbleiterunternehmens Nvidia, Jensen Huang, gemeinsam mit der Serienversion des Model B auf. Die Unternehmen kündigten sogenannte „KI-Fabriken“ an, die unter anderem Software für autonomes Fahren entwickeln sollten.[24][25] Außerdem wurde der elektrische Lieferwagen Model N vorgestellt.[26][27]
Am 20. November 2023 ging Foxtron an die Börse. Die Aktien werden an der Taiwan Stock Exchange gehandelt. Am ersten Handelstag sank ihr Kurs um neun Prozent. Als Ursache galten unter anderem Sorgen über eine Abschwächung der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen.[28] Im Februar 2024 zeigte Foxtron die Serienversion des Model B erstmals einem europäischen Publikum. An der Präsentation nahmen auch Vertreter des für das Fahrzeugdesign verantwortlichen Studios Pininfarina teil.[29]
Auf dem HHTD 2024 stellte Foxtron die Fahrzeuge Model D und Model U vor. Beim Model D handelt es sich um ein von Pininfarina gestaltetes Mehrzweckfahrzeug, das Foxtron als „Lifestyle Multipurpose Utility Vehicle“ bezeichnete. Das Model U ist ein aus dem Model T abgeleiteter mittelgroßer Bus, der für schmale Straßen und längere Strecken ausgelegt wurde.[30]
Im Dezember 2025 vereinbarte Foxtron die Übernahme des taiwanesischen Automobilherstellers Luxgen, einer Tochtergesellschaft von Yulon, für 787,6 Millionen NT$. Die Transaktion stand unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die taiwanische Fair Trade Commission. Zum Zeitpunkt der Ankündigung war der Abschluss für das erste Quartal 2026 vorgesehen.[31]