Formicait kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt tafelige Kristalle bis etwa 30 µm Größe. Das Mineral ist durchscheinend und von weißer bis blassblauer Farbe.
Der Name Formicait geht zurück auf das lateinische Wort formica für Ameise zurück. Der gleiche Wortstamm finden sich auch in seiner chemischen Bezeichnung Calciumformiat, der es als Salz der Ameisensäure (lat. acidum formicum) kennzeichnet.
Erstmals entdeckt wurde Formicait in der Bor-Lagerstätte „Solongo“ auf dem zum Baikal-Graben gehörenden Witimplateau in der russischen Republik Burjatien. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch N. W. Tschukanow, Swetlana Wjatscheslawowna Malinko, A. Je. Lissizyn, W. T. Dubintschuk, O. W. Kusmina und A. Je. Sadow (russischН. В. Чуканов, С. В. Малинко, А. Е. Лисицын, В. Т. Дубинчук, О. В. Кузьмина, А. Е. Задов). Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1998 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummere der IMA: 1998-030), die den Formicait als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde im Folgejahr im russischen Fachmagazin Записки Всероссийского Минералогического Общества (Transkription: Sapiski Wserossijskogo Mineralogitscheskogo Obschtschestwa). Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Formicait lautet „Fmc“.[2]
Da der Formicait erst 1998 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Formicait noch nicht aufgeführt.
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Formicait ebenfalls in die Abteilung „Salze von organischen Säuren“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der salzbildenden Säure. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Acetate“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 10.AA.05 bildet.[9]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Formicait die System- und Mineralnummer 50.02.06.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Organische Minerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Salze organischer Säuren (Mellitate, Citrate, Cyanate und Acetate)“ in der Gruppe „Formicait-Reihe“, in der auch Dashkovait eingeordnet ist.
Formicait kristallisiert tetragonal in der RaumgruppeP41212(Raumgruppen-Nr. 92)Vorlage:Raumgruppe/92 mit den Gitterparameterna=6,770Å und c=9,463Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle. Gut ausgeprägte, tafelförmige Kristalle sind selten. Meistens kommt es als kleine kugelförmige Aggregate vor. Alle bisher gefundenen Proben waren mikroskopisch klein.
Formicait ist leicht wasserlöslich und daher nicht beständig. Die hygroskopischen Kristalle können an der Luft bei zu hoher Feuchtigkeit zerfließen.
Formicait zeigt bei Bestrahlung mit kurzwelligem UV-Licht eine blau-weiße Fluoreszenz.
Bei Formicait handelt es sich chemisch gesehen um das Calciumsalz der Ameisensäure. Auch wenn es sich bei Formicait um das Salz einer organischen Säure handelt, ist seine Entstehung nicht notwendigerweise an biologische Organismen gebunden. Die Bildung von Calciumformiat kann durch rein anorganische Verbindungen erfolgen (siehe Darstellung von Calciumformiat).
Formicait wurde bisher nur in borhaltigen Skarnen in Sibirien nachgewiesen. Hier kommt es überwiegend als dünne, grauweiße Adern vor, wo es vermutlich hydrothermal abgeschieden wurde. Als Begleitminerale treten unter anderem Calcit, Lizardit, Frolovit und die verschiedenen Hydroborite auf.
Neben seiner Typlokalität „Solongo“-Lagerstätte auf dem Witimplateau konnte das Mineral bisher (Stand: 2012) nur noch in der ebenfalls in Ostsibirien liegenden „Titovskoe“-Lagerstätte in der Tas-Khayakhtakh-Gebirgskette in der Republik Sacha (Jakutien) sowie in der „Novofrolovskoye“-Bor-Kupfer-Lagerstätte bei Krasnoturjinsk in der Oblast Swerdlowsk gefunden werden.[10]
Auch wenn es viele Verwendungen für Calciumformiat gibt, so sind diese, aufgrund der extremen Seltenheit von Formicait für das Mineral nur hypothetisch.
Н. В. Чуканов, С. В. Малинко, А. Е. Лисицын, В. Т. Дубинчук, О. В. Кузьмина, А. Е. Задов:Формикаит Ca(HCO2)2 – Новый минерал. In: Записки Всероссийского Минералогического Общества (ЗВМО). Band128, Nr.2, 1999, S.43–47 (russisch, rruff.info[PDF; 284kB; abgerufen am 4.Oktober 2025] englische Übersetzung: N. V. Chukanov, S. V. Malinko, A. E. Lisitsyn, V. T. Dubinchuk, O. V. Kuz’mina, A. E. Zadov: Formicaite Ca(HCO2)2, a new mineral. In: Zapiski Vserossiskogo Mineralogicheskogo Obshchetstva.).
Takuya Echigo, Mitsuyoshi Kimata:Crystal chemistry and genesis of organic minerals: A review of oxalate and polycyclic aromatic hydrocarbon minerals. In: The Canadian Mineralogist. Band48, 2010, S.1329–1358 (englisch, rruff.info[PDF; 1,8MB; abgerufen am 4.Oktober 2025]).
John Leslie Jambor, Nikolai N. Pertsev, Andrew C. Roberts:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band85, 2000, S.1321–1325 (englisch, rruff.info[PDF; 82kB; abgerufen am 4.Oktober 2025]).
Igor V. Pekov:New minerals from former Soviet Union countries, 1998-2006: new minerals approved by the IMA commission on new minerals and mineral names. In: Mineralogical Almanac. Band11, 2007, S.9–51 (englisch, rruff.info[PDF; 4,0MB; abgerufen am 4.Oktober 2025]).
Oscar Enrique Piro, Enrique José Baran:Crystal chemistry of organic minerals – salts of organic acids: the synthetic approach. In: Crystallography Reviews. Band24, 2018, S.149–175, doi:10.1080/0889311X.2018.1445239 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Formicaite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF]).
123Formicaite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 4.Oktober 2025(englisch).