Fleurop
| Fleurop AG
| |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 17. September 1908 |
| Sitz | Berlin |
| Leitung | Stefan Gegg |
| Mitarbeiterzahl | 126 (2021)[1] |
| Umsatz | 111,6 Mio. Euro (2021)[1] |
| Branche | Dienstleistung |
| Website | www.fleurop.de |
| Stand: 31. Dezember 2021 | |
Die Fleurop AG ist eine Aktiengesellschaft und ein Dienstleistungsunternehmen zur überörtlichen Vermittlung von Blumen, Blumensträußen und Blumenarrangements mit Sitz in Berlin. Die Aktionäre der Fleurop AG sind ausschließlich Partnerfloristen, die ein Blumenfachgeschäft führen und den Fleurop-Service anbieten.
Die deutsche Fleurop ist Teil des weltweit größten Blumenvermittlungssystems „Fleurop Interflora“, das mit unterschiedlichen Landesvertretungen in mehr als 150 Ländern tätig ist.[2]
Unternehmensgeschichte
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Gründungszeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Max Hübner (1866–1940),[3] Inhaber eines Blumenladens in Berlin-Kreuzberg, bemerkte im Jahr 1908, dass einige seiner Kunden gerne Blumen an weiter entfernt lebende Menschen schicken wollten, sie allerdings zu befürchten hatten, dass die Blumen nach einer längeren Reise nicht mehr frisch ankommen würden. Er kam auf die Idee, dass sich Blumenläden gegenseitig in einem Netzwerk Aufträge vermitteln könnten. So gründete er die „Blumenspenden-Vermittlungsvereinigung“ (BVV) und übernahm am 17. September 1908 seinen ersten Auftrag über dieses System. Noch im selben Jahr traten 98 Läden dem System bei.[2]
Bildung internationaler Netzwerke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1910 wurde in den USA die mit der deutschen BVV vergleichbare Florists' Transworld Delivery Association gegründet.[4] Albert Pochelon, der Gründer der Association aus Detroit, und Max Hübner hatten früh miteinander Kontakt. Die Zusammenarbeit zwischen der amerikanischen und deutschen Blumenspende-Vermittlung zu einer interkontinentalen Organisation wurde durch den Ersten Weltkrieg einstweilen unterbunden.[5]
In Großbritannien entwickelte sich ab 1920 ein Netzwerk, das mit dem amerikanischen Netzwerk zusammenarbeitete.[4] 1927 kam es zur Gründung des auf dem gesamten europäischen Kontinent operierenden Fleurop-Interflora-Netzwerkes mit Max Hübner als erstem Präsidenten.[6]
1931 gründete sich als Nachfolger der BVV die Deutsche Fleurop[7] als Verein mit 3.500 Mitgliedern.
1933 bis 1945
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Nationalsozialismus war die Deutsche Fleurop einigen Veränderungen unterworfen. Max Hübner musste, weil er nicht in die NSDAP eintrat, sämtliche Ämter niederlegen. Auch wurde der Geschäftsverkehr mit anderen Ländern untersagt.[2] Im Dritten Reich wurden sämtliche Handwerksverbände, darunter auch der für Floristen, aufgelöst. Der Vorsitzende der auf Befehl der Nationalsozialisten gegründeten Fachgruppe Zierpflanzenverteiler wurde gleichzeitig auch Vorstandsmitglied der gleichgeschalteten Deutschen Fleurop.[7] 1937 wurde die Deutsche Fleurop in eine GmbH umgewandelt. Kurz darauf, 1939, wurden schon Aufträge im Wert von umgerechnet 40 Millionen Euro abgewickelt.
In der Zeit des Nationalsozialismus liefen die Geschäfte der Fleurop zunächst störungsfrei weiter, wobei jedes Mitglied der Fleurop zugleich auch Mitglied der nach dem Führerprinzip organisierten Fachgruppe Blumen sein musste. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges entstand jedoch ein Mangel an Arbeitskräften. Neben der verstärkten Arbeit von Frauen wurden in der Floristik, darunter auch bei Fleurop-zugehörigen Blumengeschäften und Gärtnereien, Zwangsarbeiter beschäftigt.[8] Beispielsweise arbeitete auch die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano in einem Gärtnereibetrieb, der Fleurop-Mitglied war.[9]
Nachkriegszeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf internationaler Ebene fusionierten nach Ende des Zweiten Weltkrieges, 1946, Fleurop Interflora, Interflora British Unit und die Florists' Transworld Delivery Association zur weltweit operierenden Interflora Inc.[10][3] Zur Vereinfachung der Verrechnung wurde eine künstliche Währung eingeführt, der sogenannte „Fleurin“ auf Basis des Schweizer Franken.[11] Seit der Euroeinführung wurde diese „künstliche Währung“ jenem angeglichen.
Die deutsche Fleurop schloss sich erst 1949 der Interflora an. In der Nachkriegszeit wuchs die deutsche Fleurop schnell und erzielte etwa 1952 ein Umsatzplus von 40 Prozent.[2] 1958 wurde die neugebaute Firmenzentrale in Berlin-Lichterfelde eröffnet, die immer noch von Fleurop genutzt wird (Stand 2025).[12]
Seit den 1990er-Jahren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits in den 1990er-Jahren begann Fleurop, neben dem klassischen Telefonanruf auch Bestellungen über die Internetseite anzubieten. 2001 ermöglichte Fleurop erstmals Bestellungen über das Handy via WAP.[13][14] 2003 wurde die deutsche Fleurop in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, deren Anteilseigner einzig die beteiligten Blumenläden sind.[10]
Um dem Fachkräftemangel in der Floristikbranche entgegenzuwirken, bietet Fleurop unter anderem Projekttage an Berufsschulen, die Fleurop-Akademie und Stipendien an.[15] Seit 2012 veranstaltet Fleurop gemeinsam mit dem Fachverband Deutscher Floristen die zweijährlich stattfindende Deutsche Meisterschaft der Floristik, bei der Floristen in Landesentscheiden und schließlich einem Bundesentscheid gegeneinander antreten.[16][7]
2017 übernahm die Fleurop AG das Berliner Start-up-Unternehmen Bloomy Days, nachdem dieses in die Insolvenz geraten war.[17]
Unternehmensstruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fleurop AG in Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Hauptsitz der für Deutschland zuständigen Fleurop AG ist in Berlin. Vorstand ist seit 2008 Stefan Gegg.[18][19] Stand 2021 arbeiteten bei der Fleurop AG im Schnitt 126 Mitarbeiter.[1]
Als Aktiengesellschaft mit genossenschaftlicher Ausrichtung gehören die Aktien der Fleurop AG jeweils den einzelnen Floristen, die Teil des Floristen-Netzwerkes von Fleurop sind. Insgesamt bestand in Deutschland dieses Netzwerk Stand 2019 aus rund 5.000 Floristen.[20][14] Pro Blumensendung geht eine Provision an die Fleurop AG, welche ihre Kosten finanziert.[21] Aufgrund ihrer Non-Profit-Ausrichtung reinvestiert die AG alle Gewinne.[10]
International
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Fleurop Interflora Global Flower Services funktioniert als weltweit agierende Organisation. Sie ist heute in 150 Ländern mit jeweils rechtlich eigenständigen Landesabteilungen vertreten.[2]
Neben der Fleurop AG bestehen im deutschsprachigen Raum die österreichische Fleurop-Interflora Austria GmbH mit Sitz in Wien[22] und die schweizerische Fleurop-Interflora (Schweiz) AG mit Sitz in Wangen bei Dübendorf.[23] Die Fleurop-Interflora Global Flower Services AG, welche die kontinentaleuropäischen Landesabteilungen zusammenfasst, hat ihren Sitz im schweizerischen Zürich.[24]
Weltweit werden von den mehr als 50.000 Fleurop-Partnerfloristen jährlich über 25 Millionen Blumenaufträge ausgeführt. Allein in Deutschland hat der Blumenversender über 5.500 Fleurop-Partner (Stand 2025).[25]
Funktionsweise des Fleurop-Systems
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Die Blumen und Sträuße werden nicht physisch von einem zentralen Netzwerk versandt, sondern lediglich Aufträge in einem deutschlandweiten (und bei internationalen Aufträgen auch weltweiten) Netzwerk von Floristen ausgetauscht. Erst in einem an das System angeschlossenen Blumengeschäft am Ort des Empfängers werden die gewünschten Aufträge frisch zusammengestellt.[26][27] Die Aufträge können bei vormittäglicher Bestellung in der Regel noch am selben Tag beim Empfänger abgeliefert werden.[28] Das Fleurop-System stützt sich ausschließlich auf von Fleurop geprüfte Blumenfachgeschäfte. Fleurop organisiert die finanzielle Abwicklung zwischen den beteiligten Betrieben. Bestellungen können persönlich in einem angeschlossenen Geschäft, online, telefonisch oder per Fax aufgegeben werden.
Bis zum Jahr 2015 wurden Fleurop-Blumensendungen ausschließlich persönlich per Boten von Blumengeschäften ausgeliefert. Dies gilt weiterhin für einen Großteil des Sortiments. Seitdem hat das Unternehmen zudem für einen Teil seines Sortiments einen Blumenversand im Karton per DHL eingeführt.[29]
Bewertungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein Test von Rosensträußen durch die Stiftung Warentest, veröffentlicht im Februar 2007, kürte Fleurop als einzigen Anbieter mit der Note sehr gut, stellte jedoch (wie allerdings bei allen Anbietern) Rückstände von Pflanzenschutzmitteln fest.[30]
In einer Verbraucherstudie über die Qualität und die Preise von Blumenversendern im März 2016, die von der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) in Kooperation mit dem Fernsehsender N24 durchgeführt wurde, erreichte Fleurop im Gesamtranking den dritten Platz. In der Teilkategorie Blumenqualität kam Fleurop auf den ersten Platz.[31]
2025 wurden Fleurop und weitere Blumenversender einem Test durch das Kaufkompass-Portal der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unterzogen. Fleurop erhielt hierbei eine Empfehlung und wurde u. a. für die Auswahl und die Übersichtlichkeit der Webseite gelobt.[32]
Nachhaltigkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fleurop engagiert sich in Zusammenarbeit mit der Stiftung Myclimate für den Klimaschutz. Durch die Kooperation will das Unternehmen die CO2-Emissionen, die durch die Produktion und den Transport von Schnittblumen entstehen, mit der Beteiligung an Klimaprojekten ausgleichen.[33]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website von Fleurop Deutschland
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Krajewski, Markus: (Un-)Vermittelte Anfänge. Eine kurze Geschichte der weltweiten Blumengrüße, in: Aage Hansen-Löwe, Annegret Heitmann und Inka Mülder-Bach (Hrsg.), Ankünfte. An der Epochenschwelle um 1900, Wilhelm Fink Verlag, München 2009, S. 249–265. ISBN 978-3770547814.
- Krajewski, Markus: Der Nomos der Blume. Über den telegraphierten Blumengruß, in: Christoph Neubert und Gabriele Schabacher (Hrsg.), Verkehrsgeschichte und Kulturwissenschaft. Analysen an der Schnittstelle von Technik, Kultur und Medien, transcript Verlag, Bielefeld 2013, S. 249–270. ISBN 978-3837610925.
- Wendler, Frank: 100 Jahre Fleurop. Nicolai, Berlin 2008, ISBN 978-3894794477.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c Fleurop AG, Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2021 bis zum 31.12.2021, veröffentlicht im Unternehmensregister am 21. Februar 2023, abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ a b c d e Leonard Scharfenberg: Start-up aus der Kaiserzeit: Wie ein Kreuzberger Florist Fleurop erfand und seine Branche revolutionierte. In: Tagesspiegel. Abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ a b Hans-Henning Zabel: Hübner, Max. In: Deutsche Biographie. Abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ a b Tom May: Calling's new identity for Interflora repositions it as a youthful brand. In: Creativeboom. 4. März 2024, abgerufen am 9. Juli 2025 (englisch).
- ↑ Markus Krajewski: Der Nomos der Blume. Über den telegraphierten Blumengruß, in: Christoph Neubert und Gabriele Schabacher (Hrsg.), Verkehrsgeschichte und Kulturwissenschaft. Analysen an der Schnittstelle von Technik, Kultur und Medien, transcript Verlag, Bielefeld 2013, S. 249–270.
- ↑ Konrad Mrusek: Fleurop: Hundert Jahre Blumengrüße aus Berlin. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 1. April 2008, abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ a b c Unternehmensgeschichte von Fleurop entdecken. In: Fleurop. Abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ Frank Wendler: 100 Jahre Fleurop. Nicolai, Berlin 2008. Drittes Kapitel.
- ↑ Esther Bejarano (1924–2021). In: Rosa-Luxemburg-Stiftung. 17. Juli 2021, abgerufen am 9. Juli 2025 (englisch).
- ↑ a b c Sebastian Heise: „Fleurin“ als eigene Währung. In: Focus Online. 31. März 2008, abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ Hugh Aldersey-Williams: The blooming single currency. In: The Independent. 21. Januar 1996, abgerufen am 9. Juli 2025 (englisch).
- ↑ Frank Wendler: 100 Jahre Fleurop. Nicolai, Berlin 2008. Fünftes Kapitel.
- ↑ Fleurop verschickt immer mehr Blumen ins Ausland. Versand über Internet und Handy möglich/Umsatz verdoppelt. In: Tagesspiegel. 14. Juni 2001, S. 21.
- ↑ a b Steffen Fründt: Fleurop-Chef Stefan Gegg: „Von Blumen habe ich keine Ahnung“. In: Die Welt. 18. Dezember 2018, abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ Hannes Ewert: Usedom: Karlshagenerin gewinnt deutsche Meisterschaft der Floristen-Azubis. In: Ostsee-Zeitung. 23. August 2025, abgerufen am 28. August 2025.
- ↑ 16./17. August 2024: Deutsche Meisterschaft der Floristik. In: Gabot. 3. April 2024, abgerufen am 28. August 2025 (deutsch).
- ↑ Georg Räth: Fleurop übernimmt Marke von Bloomy Days. In: Business Insider. 2. Oktober 2017, abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ Fleurop–Chef Stefan Gegg: Wie Fleurop die Welt mit Blumen erobert. In: Berliner Zeitung. 26. Februar 2014, abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ Fleurop: Generationswechsel an der Spitze. In: Gabot. 6. August 2008, abgerufen am 28. August 2025.
- ↑ Fleurop feiert 111. Jubiläum. In: Marketing-Börse. 3. September 2019, abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ Weniger Aufträge für Fleurop-Versand. In: Stuttgarter Zeitung. 20. August 2011, S. 13.
- ↑ Impressum. In: Fleurop.at. Abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ Impressum. In: Fleurop.ch. Abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ Vorstand der Fleurop AG ist neuer Präsident des europäischen Fleurop-Interflora Verbandes. In: openPR. 12. Juni 2013, abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ Unternehmensprofil. In: Unternehmensdarstellung Fleurop zum Klimaschutz. Abgerufen am 19. Februar 2015.
- ↑ 100. Geburtstag: Fleurop setzt künftig auf mehr als nur Blumen. In: Die Welt. Abgerufen am 10. Juli 2025.
- ↑ Stefan Bottler: Fleurop und der Spaß der Floristen am Freude machen. In: Werben & Verkaufen. 10. Februar 2023, abgerufen am 10. Juli 2025.
- ↑ Felix Holtermann: Liebesgrüße aus Berlin: Der weltweite Blumenversand Fleurop wird 100 Jahre alt. In: Stuttgarter Zeitung. 23. August 2008, S. 17.
- ↑ Gerhard Hegmann: Fleurop testet den Blumenversand per Post. In: Die Welt. 1. November 2015, abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ Schnittrosen-Test der Stiftung Warentest. In: test.de. 9. Februar 2007, abgerufen am 9. Juli 2025.
- ↑ Blumenversender: Test von Preisen, Qualität und Service, März 2016. In: Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV). Abgerufen am 30. Dezember 2017.
- ↑ Tina Pötzsch: Der beste Blumenversand: Test 08/2025. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 16. Juni 2025, abgerufen am 28. August 2025.
- ↑ „Blumengrüße von Fleurop für energieeffiziente Öfen in Kenia“. In: Fleurop. Archiviert vom am 19. Februar 2015; abgerufen am 19. Februar 2015.
