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Filip Leu

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Filip Leu auf der «Gods of Ink» Tattoo Convention, 2024

Filip Leu (* 1967 in Paris) ist ein Schweizer Tätowierkünstler und Maler, der in der Fachliteratur und der internationalen Tätowierszene als einflussreicher Vertreter großflächiger Tätowierungen im japanischen Stil sowie als stilprägender Akteur der zeitgenössischen Körperkunst gilt.[1]

Filip Leu auf der Tattoo Expo, 1993

Leu wuchs zunächst in Paris auf. Er ist ein Enkel der Schweizer Künstlerin Eva Aeppli und ihres ersten Ehemanns, des Architekten Hans «Johnny» Felix Leu.[2] Seine Eltern Felix Leu (alias Don Feliz, 1945–2002) und Loretta (* 1945) waren reisende Künstler. Bis 1978 reisten und lebten sie in Amerika, Europa, Nordafrika, Indien und Nepal. Sie bekamen vier Kinder, die alle unterwegs geboren wurden.[3] Sie lernten die Tätowier-Kunst und bestritten damit schliesslich ihren Lebensunterhalt. Mit seinen Eltern begann auch Filip schon in jungen Jahren zu tätowieren. Die Familie hatte sich in Goa niedergelassen, und Filip zeichnete für die Kunden seiner Eltern Tätowiermotive.[4] Als Leu 14 Jahre alt war, lernte er die damals 13-jährige Titine Kesselring kennen, die er 1990 heiratete. Sie ist die Tochter von Françoise und Rolf Kesselring (Schriftsteller, Journalist, Redaktor und Gründer der Untergrundbibliothek «La Marge» im Jahr 1971).[5] Das Paar lebt in Bullet, einem Ort mit ca. 650 Einwohnern in der Nähe von Sainte-Croix VD. Ab seiner Volljährigkeit reiste Leu nach Japan und in die USA, um einige der bekannteren Tätowierer der Zeit zu treffen. Er vervollständigte seine Ausbildung u. a. bei Horiyoshi III in Tokio, arbeitete für Ed Hardy in dessen Realistic Tattoo Studio in San Francisco und erlernte bei Paul Rogers die Herstellung von Tätowiermaschinen.

Felix Leu gilt in der internationalen Tätowierszene als einflussreicher Pionier, dessen grafischer Stil nachfolgenden Tätowierern als Orientierung diente.[6] Filip Leu trat 1986 in das familieneigene Studio in Lausanne ein und entwickelte dort seinen eigenen Stil, der traditionelle japanische Korpuskunst (Irezumi) mit westlichen Einflüssen verbindet.[7] Nach dem Tod von Felix Leu im Jahr 2002 wird das Studio von Loretta Leu weitergeführt; die Familie präsentiert ihre künstlerischen Arbeiten häufig in gemeinsamen Ausstellungen.[8]

Ausstellungen (Auswahl)

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  • Filip Leu präsentierte von Mai 2014 bis Oktober 2015 ein Werk in der Ausstellung «Tatoueurs, tatoués» im Musée du quai Branly.[9]
  • Für die Ausgabe 23 des Magazins HEY! modern art & pop culture schuf Leu eine exklusive Serie von 16 Gemälden, von denen 8 in der Ausstellung HEY! modern art & pop culture – Act III im Museum der Halle Saint Pierre von Oktober 2015 bis März 2016 präsentiert wurden.[10]
  • Vom 3. März 2021 bis 31. Oktober 2021 war im Museum Tinguely die Ausstellung Art Leu Family. Caresser la peau du ciel zu sehen.[11]
  • Vom 8. Februar bis 2. Juni 2024 wurden in der Tattoo-Ausstellung im Caixa Forum in Palma Exponate von Leu gezeigt.[12]

Rezensionen und wissenschaftliche Einordnung

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«Filip Leu und seine Familie gelten in der Szene als Legenden. Filip hat als Kind gelernt zu tätowieren und heute eine Kunden-Warteliste von mehreren Jahren. Er ist das Idol von vielen Tätowierern.»

– Bettina Bestgen, SRF, 2017

Das Tätowier Magazin betitelte Leu als «einen der größten Tätowierer unserer Zeit», den «ein unverwechselbarer Stil, übermenschliche Geduld und ein irrwitziges Arbeitstempo» auszeichnen.[13]

In kulturwissenschaftlichen Untersuchungen wird Leus Werk im Kontext der musealen Vermittlung zeitgenössischer Tätowierkunst rezipiert.[14]

  • Guido Costa, Henk Schiffmacher, Miki Vialetto (Autoren), Fabio Paleari (Fotograf): The Filip Leu Family’s Family Iron Tattoo. Trolley, London 2003, ISBN 0-9542648-0-0.
  • The Great Books On The Art Of Tattooing – Filip Leu. Mosher Tattoo Books, 2014.
  • Clinton Sanders, D. Angus Vail: Customizing the Body: The Art and Culture of Tattooing. Temple University Press, 2008, ISBN 1-59213-889-6, S. 111–117.
  • Margo DeMello: Inked: Tattoos and Body Art around the World. ABC-CLIO 2014, ISBN 1-61069-076-1, S. 264.
  • Susanna Kumschick: Tattoos zeigen. Darstellungsformen von Tätowierungen in der kuratorischen Theorie und Praxis. Transcript, 2021, ISBN 978-3-8376-6075-3, S. 89.
  • François Chauvin: Mondial du Tatouage. Hachette Pratique, 2018, ISBN 978-2-01-625602-2, S. 81.
  • Andres Pardey, Reinhard Bek, Jean Tinguely: Museum Tinguely Basel, die Sammlung. 2012, ISBN 978-3-86828-339-6.
  • TATTOO-HISTORY No.1 -Tattoo-Artists go Public-. IKARUS GmbH, Wedemark 2025. ISBN 978-3-911819-00-8.(deutsch/englisch)
  • 2022: Scab Vendor: The Life and Times of Jonathan Shaw
  • 2013: Tattoos: Tous tatoués
  • 2013: Tattoo Nation
  • 2008: Tattooed
Commons: Filip Leu – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. ↑ Bettina Bestgen: Filip Leu: Exklusives Portrait des weltbekannten Tätowierers. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), 5. Januar 2017, abgerufen am 10. Juni 2026.
  2. ↑ Maria Smolenicka: Aeppli, Eva. In: Sikart
  3. ↑ Christoph Dieffenbacher: Tattoos, Technik, Trash: Die Welt der Künstlerfamilie Leu. In: bz – Zeitung für die Region Basel. 5. März 2021.
  4. ↑ Bettina Bestgen: Filip Leu: Exklusives Portrait des weltbekannten Tätowierers. Radio SRF 3, 5. Januar 2017.
  5. ↑ Défenseur de la liberté d’expression, l’éditeur et écrivain Rolf Kesselring est décédé. In: RTS info. 4. August 2022.
  6. ↑ Bettina Bestgen: Kennst du diese Familie nicht, hast du keine Ahnung von Tattoos. Radio SRF 3, 5. Januar 2017.
  7. ↑ Titine K-Leu and Filip Leu's original artworks. ArtJaws, abgerufen am 20. Juni 2026.
  8. ↑ Valeska Stach: Die magische Welt der Künstlerfamilie Leu. Basler Zeitung, 6. März 2021, abgerufen am 20. Juni 2026.
  9. ↑ Stéphany Gardier: Tous tatoués. In: Le Temps. 11. Juni 2014 (französisch); Zitat: Jérôme Pierrat: «Tatouages» hors série Découvertes, Éd. Gallimard.
  10. ↑ Tattoo Art Collection: Leu Filip. ArtJaws.
  11. ↑ Ausstellung Museum Tinguely Art: Leu Family. Caresser la peau du ciel. In: museenbasel.ch.
  12. ↑ Tattoo-Ausstellung im Caixa Forum in Palma. In: Mallorca Magazin. 2024, abgerufen am 22. April 2024.
  13. ↑ Melanie Haack: Prägende Künstler. In: Die Welt. 13. Dezember 2010.
  14. ↑ Susanna Kumschick: Tattoos zeigen. Darstellungsformen von Tätowierungen in der kuratorischen Theorie und Praxis. Transcript, Bielefeld 2021, ISBN 978-3-8376-6075-3, S. 89.