Feuerbach am Feuerbach nördlich von Stuttgart und Cannstatt auf einer Karte vom Ende des 19.JahrhundertsLithografien von Feuerbach auf einer Postkarte aus dem Jahr 1896Bezirksrathaus Feuerbach
Der Lemberg ist eine 384 Meter hohe Anhöhe zwischen den Stuttgarter Stadtbezirken Weilimdorf und Feuerbach. Dort gibt es auch einen kleinen alten Steinbruch, im Volksmund „Kotzenloch“ genannt.[1]
Im Hochmittelalter war Feuerbach im Besitz der Grafen von Calw. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Codex Hirsaugiensis um das Jahr 1075, damals unter dem Namen Biberbach.[2][3] Das Kloster Hirsau bekam vom Grafen von Calw die halbe Kirche und die Hofsiedlung Botnang geschenkt.[4][3]
Eine Kopialüberlieferung aus dem 16. Jahrhundert erwähnt den Ort um 1150 als Buwirbach. 1229 Furbach, um 1276 Vurbach oder Fiwerbach, 1477 Fuerbach, 1673 Feyerbach und ab 1851 Feuerbach.[5][6] Ende des 12. Jahrhunderts gelangte Feuerbach in den Besitz der Pfalzgrafen von Tübingen. Ab dem frühen 13. Jahrhundert lag über dem Dorf die Burg Frauenberg, die aber bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts abgetragen war. Im 15. Jahrhundert erwarben die Grafen von Württemberg nach und nach sämtliche Herrschaftsrechte über Feuerbach. Der Ort wurde dem Amt Stuttgart unterstellt.
In den Jahren 1593 bis 1643 wurde das zunächst rund 800 Einwohner zählende Dorf durch Ausbrüche der Pest, jahrelang ausfallende Traubenernten und Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg letztlich völlig entvölkert.[7]
Von 1719 bis 1736 war Feuerbach vorübergehend dem Amt Cannstatt zugeordnet, blieb dann aber beim Amtsoberamt Stuttgart. Zu Zeiten des Königreichs Württemberg hatte Feuerbach weiterhin überwiegend ländlichen Charakter, bis um das Jahr 1860. Neben der normalen Landwirtschaft gab es noch den Weinbau auf 140 Hektar (heute noch 15ha) und am Killesberg gab es Steinbrüche. Überreste davon sind dort heute noch zu sehen.
Im Jahr 1848 wurde der erste Eisenbahntunnel zwischen Stuttgart und Feuerbach eingeweiht. Mit der im selben Jahr vorgenommenen Eröffnung der Zentralbahn und des Bahnhofs durch die Württembergischen Staatseisenbahnen begann eine schnelle industrielle Entwicklung. Zum größten Feuerbacher Unternehmen wurde die ab 1910 gebaute Elektrotechnische Fabrik Robert Bosch (von 1917 bis 1937 AG), die heute als Robert Bosch GmbH weltweit bekannt ist. In den 1920er Jahren war Feuerbach aufgrund seiner Einnahmen an Gewerbesteuer die wohlhabendste Gemeinde Württembergs.[8]
Im Jahr 1904 entdeckte Stadtpfarrer Richard Kallee im Gräberfeld an der Schlosserstraße mehrere alamannischeSandsteingräber,[9] deren Erforschung er sich bis an sein Lebensende durch Ausgrabungen von über 100 Gräbern widmete, aus denen insgesamt 760 Fundstücke geborgen wurden.[10] Am 4. November 1926 wurde unter seiner Direktion das Feuerbacher Heimatmuseum eingeweiht, dessen wichtigste Funde inzwischen im Foyer des Feuerbacher Bezirksrathauses ausgestellt werden. Im Jahr 1971 stieß man etwas oberhalb der Feuerbacher Heide bei Erdarbeiten auf Mauerreste der ehemaligen Burg Frauenberg. Die Grundmauern des ehemaligen Bergfrieds wurden freigelegt.
Von 1901 bis 1933 war Wilhelm Geiger Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister von Feuerbach. Am 15.März 1907 wurde die Gemeinde zur Stadt erhoben.[11] 1929 schlossen sich Feuerbach und Weil im Dorf freiwillig zusammen. Am 1.Mai 1933 wurde die Stadt Feuerbach mit Weil im Dorf zwangsweise nach Stuttgart eingemeindet und als „Stadtteil Feuerbach“ geführt. Einige zentrale Straßen und Plätze in Feuerbach bekamen zu Ehren Adolf Hitlers neue Namen mit Bezug auf Österreich, die sie wie der Wiener Platz, die Grazer Straße oder die Burgenlandstraße noch heute tragen. Nur die Ostmarkstraße wurde wieder umbenannt.[12]
Bei der Einteilung der Stadt Stuttgart in Stadtbezirke im Jahr 1956 wurde der Stadtteil Feuerbach zum Stadtbezirk Feuerbach erklärt, und bei der Neugliederung der Stuttgarter Stadtteile zum 1.Januar 2001 wurde Feuerbach in folgende Stadtteile gegliedert
1864 kam als erstes Industrieunternehmen die „Chininfabrik Jobst“ nach Feuerbach und begründete hier die deutsche chemische Industrie.
1871 wurde von dem Mechaniker und Faktura-Bücherfabrikanten Louis Leitz die Werkstätte zur Herstellung von Metallteilen für Ordnungsmittel gegründet. Bekannt wurde die Firma Leitz durch die Erfindung des Leitzordners.
1910 verlegte Robert Bosch sein Unternehmen von Stuttgart nach Feuerbach. Die Robert Bosch GmbH hat ihren Sitz inzwischen in Gerlingen, aber ihr Stammwerk weiterhin in Feuerbach.
Feuerbach liegt an den Bundesstraßen 10 (Karlsruhe – Stuttgart – Ulm), 27 (Heilbronn – Stuttgart – Tübingen) und 295 (Calw – Stuttgart) und es besteht über die B295 eine Verbindung zur A81 (Würzburg – Heilbronn – Stuttgart – Gottmadingen (bei Singen)) und weiterhin eine Verbindung zur A8 (Karlsruhe – Pforzheim – Stuttgart – Ulm – München). Das Zentrum von Feuerbach wird durch einen 1995 fertiggestellten 1200 Meter langen Straßentunnel der B 295 vom Durchgangsverkehr entlastet.
Der Stadtbezirk wird von den S-Bahn-LinienS4 (Backnang – Marbach – Stuttgart), S5 (Bietigheim – Stuttgart), S6 (Weil der Stadt – Leonberg – Stuttgart) und der Expresslinie S62 (Weil der Stadt – Leonberg – Stuttgart Feuerbach) erschlossen, die den Bahnhof Stuttgart-Feuerbach an der Frankenbahn bedienen. Zusätzlich verkehrt im Stadtgebiet die 1909 eröffnete und früher weit verzweigte Industriebahn Feuerbach, die jedoch seit 2012 nur noch einige wenige Anschlüsse an der Wernerstraße bedient.
Von Bad Cannstatt kommend über den Pragsattel und durch ganz Feuerbach hindurch nach Weilimdorf verläuft die Hauptradroute (HRR) 6[15]. Die beschilderte Route gehört auch zum Radnetz Baden-Württemberg[16]. Sie führt durch die Burgenlandstraße, in welcher 2024 teilweise eine vorfahrtberechtigte Fahrradstraße eingerichtet wurde. In anderen Bereichen kann die Route aber nicht als fertiggestellt betrachtet werden; an der Siemensstraße und Tunnelstraße verläuft sie nur auf Gehwegen, auf denen das Radfahren erlaubt wurde. Im westlichen Teil führt sie auf einem gemeinsamen Geh- und Radweg entlang der Stadtbahn. Als „Zielnetz“ soll die Route aber durch die Weilimdorfer Straße verlaufen. Längerfristig ist an der Strecke von Stuttgart-Mitte über Weilimdorf nach Ditzingen eine Radschnellverbindung vorgesehen; anstelle über den Pragsattel soll sie dann durch den Pragtunnel der Bahn verlaufen, wenn dort durch Stuttgart 21 Gleise frei werden.[15]
Die HRR 5 soll künftig vom Stadtzentrum kommend vom Pragsattel durch das Feuerbacher Gewerbegebiet nach Zuffenhausen durchgängig an der Heilbronner Straße verlaufen. Sie ist ebenfalls eine Route aus dem Radnetz Baden-Württemberg. Da das „Zielnetz“ insbesondere in Zuffenhausen noch nicht durchgängig gut geeignet ist, ist im nördlichen Teil aktuell noch als „Startnetz“ eine Route an der Krailenshalde ausgeschildert. Auch an der HRR 5 ist längerfristig eine Radschnellverbindung vorgesehen.
Außerdem sind in Feuerbach zwei Hauptradrouten zweiter Ordnung geplant, die noch nicht ausgeschildert sind:
Die HRR 21 soll durch das ganze Feuerbacher Tal führen. Sie verläuft von Botnang kommend auf einem Waldweg (Lina-Hähnle-Weg) zu den Ziegelwiesen, am Feuerbach entlang zur Helmstettstraße und über innerörtliche Straßen zum Bahnhof. Weiter verläuft sie über die Kruppstraße, an deren Ende die Heilbronner Straße gequert werden muss. Entlang der Krailenshalde führt die weiter nach Zuffenhausen.
Die HRR 22 soll vom Hegelplatz in Stuttgart-Mitte über den Killesberg in Stuttgart-Nord zum Feuerbacher Bahnhof und weiter über die Wernerstraße in den westlichen Teil Zuffenhausens führen.
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Auf dem Friedhof in der Feuerbacher-Tal-Straße erinnert ein Gedenkstein an namentlich genannte Widerstandskämpfer und Opfer des NS-Regimes aus unterschiedlichen politischen Gruppierungen.[29]
Am Bahnhof Feuerbach befindet sich ein Tiefbunker mit Ausstellung und Inventar aus der Zeit des Kalten Krieges.
Nicht weit davon entfernt am Wiener Platz steht ein auffälliger Hochbunker, der letzte von ehemals vier Winkeltürmen in Stuttgart. In ihm befindet sich eine Ausstellung über den Luftschutz von 1933 bis 1945. Beide Bunker stehen unter Denkmalschutz und werden vom Verein Schutzbauten Stuttgart e.V. betreut, die in diesen Bauwerken regelmäßig Führungen veranstalten.
Stuttgarter Bezirksvorsteher leiten das Bezirksamt und sind Vorsitzende des Bezirksbeirats.
Bis Dezember 2021 war Andrea Klöber über 13 Jahre lang Bezirksvorsteherin von Feuerbach.[32]
Am 1. Februar 2022 wurde Johannes Heberle hauptamtlicher Bezirksvorsteher von Feuerbach. Er wurde im Oktober 2021 mit 51Ja-Stimmen, bei einer Nein-Stimme und drei Enthaltungen, vom Stuttgarter Gemeinderat gewählt. In der vorausgehenden, nicht-öffentlichen Sitzung des Bezirksbeirats sprach sich das Gremium einstimmig für Heberle aus.[33]
Johannes Heberle wurde am 24. Juni 1995 geboren und studierte an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg den Bachelorstudiengang Public Management. Anschließend war er beim Landesamt für Verfassungsschutz und als Leiter der Bußgeld- und Ortspolizeibehörde der Stadt Göppingen tätig.[34] Zudem studierte er berufsbegleitend im Masterstudiengang Public Management ebenfalls an der Hochschule in Ludwigsburg.[35][36]
Im März 2025 trat Heberle ein neues Amt als Erster Bürgermeister von Göppingen an.[37]
Dem Bezirksbeirat Feuerbach gehören auf Grund der Einwohnerzahl des Stadtbezirks 16 ordentliche und ebenso viele stellvertretende Mitglieder an. Seit der letzten Kommunalwahl 2024 gilt die nebenstehende Sitzverteilung.[39]
Zudem gibt es seit Beginn 2018 ein Jugendratsgremium mit 13 Mitgliedern und weiteren Stellvertretern. Im Jahr 2020 fand die letzte Jugendratswahl statt.[40] Der Jugendrat trifft sich einmal im Monat zu öffentlichen Sitzungen.[41]
Blasonierung: „In schräggeteiltem Schild oben in Rot ein natürlicher Biber, einen schrägen natürlichen Ast benagend, unten in Silber ein schwarzes Zahnrad mit blauem Zahnkranz.“
Wappenbegründung: Das älteste bekannte Siegel von Feuerbach stammt aus dem Jahr 1720 und zeigt ein Feuer auf einer Krone als redendes Element. Feuerbach erhielt 1907 die Stadtrechte und ein neues Wappen wurde notwendig. Ein ehemaliger Name der seit 1229 bekannten Stadt war Biberbach. Die neuen Wappen zeigen daher in der oberen linken Ecke einen schrägen Biber. Der Schild selbst ist nach dem Wappen der Herren von Frauenberg gegliedert, die sich nach der Burg in der Gemeinde benannt hatten. Der untere rechte Teil zeigt ein Rad als Symbol für die Industrie in der Stadt.
Der bald nach Amerika ausgewanderte Maler Karl Albert Buehr (1866–1952) wurde hier geboren.
Feuerbach war zudem Geburts- und Wohnort des Pianisten Werner Haas (1931–1976), der auf dem Friedhof Feuerbach beerdigt ist. Auch die Filmschauspielerin Corry Bell (1904–1985) stammte aus Feuerbach.
Bis ins 19. Jahrhundert war Feuerbach eine fast rein evangelische Stadt. Im Jahr 1850 waren von den 2815 Einwohnern 2808 evangelisch und 7 katholisch (siehe Amtsoberamt Stuttgart).
Feuerbach. In: Karl Eduard Paulus (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Stuttgart, Amt (=Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886. Band28). J. B. Müller, Stuttgart 1851, S.151–157 (Volltext[Wikisource]).
Oswald Hesse: Geschichte von Feuerbach. Selbstverlag der Stadtgemeinde Feuerbach, Feuerbach 1909
Otto Häussler: Die Industrialisierung der Stadt Feuerbach. (= Tübinger wirtschaftswissenschaftliche Abhandlungen, H. 18). Kohlhammer, Stuttgart 1932
Jürgen Hagel: Vom Weinbaudorf zum Industriestandort. Die Entwicklung Feuerbachs von 1850 bis zum Ersten Weltkrieg. (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart, Band 53). Klett-Cotta, Stuttgart 1991, ISBN 3-608-91348-3
Rita Müller: Von der Wiege zur Bahre. Weibliche und männliche Lebensläufe im 19. und frühen 20. Jahrhundert am Beispiel Stuttgart-Feuerbach (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart, Band 85). Hohenheim-Verlag, Stuttgart und Leipzig 2000, ISBN 3-89850-966-4
↑Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 89