Felix Gall übte von Kindheit an verschiedene Sportarten wie Klettern, Tennis, Skifahren und Taekwondo aus. Durch Schulkameraden, die Triathlon betrieben, kam er zum Radsport.[1]
2015 wurde Gall österreichischer Junioren-Meister im Straßenrennen. Im Herbst des Jahres startete er bei den Straßenweltmeisterschaften im US-amerikanischenRichmond und gewann den Titel des Junioren-Weltmeisters im Straßenrennen. Nach seiner Rückkehr aus den USA wurde er in seinem Heimatort von rund 1000 Menschen empfangen. Er erhielt ein Radsport-Stipendium, einen Führerscheinkurs sowie ein neues Rennrad.[2]
2016 gewann Felix Gall den Junioren-Wettbewerb Trofeo Dorigo Porte, im Jahr darauf erhielt er einen Vertrag beim Development Team Sunweb. 2018 wurde er österreichischer U23-Meister im Straßenrennen. Im März 2019 errang er seinen ersten Erfolg bei einem Elite-Rennen, als er die zweite Etappe und die Gesamtwertung der Istrian Spring Trophy gewann.
Nach drei Jahren im Nachwuchsteam rückte Gall 2020 in den WorldTour-Kader des Team Sunweb auf, das ab 2021 als Team DSM antrat. 2021 gab er bekannt, im kommenden Jahr zum französischen Team zu wechseln, das damals als AG2R Citroën Team antrat.[3]
Eigentlich hätte sein Vertrag bei DSM noch ein weiteres Jahr laufen sollen, nachdem es aber immer wieder zu Spannungen zwischen unterschiedlichen Fahrern und der Teamleitung gekommen war, löste Gall seinen Vertrag bereits mit Ende 2021 auf.[4] Gall erklärte zu seinem Wechsel, dass er nach fünf Jahren in derselben Teamstruktur eine neue Herausforderung gesucht habe. Sein ursprünglich bis Ende 2022 laufender Vertrag war bereits im Juni 2021 in Absprache mit DSM vorzeitig aufgelöst worden.[5]
2022 erreichte Gall mit dem AG2R Citroën Team den sechsten Platz in der Gesamtwertung der Tour of the Alps. Beim Giro d’Italia 2022 bestritt er anschließend seine erste Grand Tour und belegte den 50. Platz der Gesamtwertung.
2023: Durchbruch bei Tour de Suisse und Tour de France
In der Saison 2023 erzielte er zunächst bei der Tour de Suisse mit dem Gewinn der vierten Etappe seinen ersten Sieg auf der UCI WorldTour und eroberte damit auch für einen Tag das Gelbe Trikot des Gesamtführenden.[6] Die Rundfahrt beendete er auf dem achten Platz der Gesamtwertung.
Bei der Tour de France gewann er aus einer größeren Ausreißergruppe heraus die als Königsetappe bezeichnete 17. Etappe.[7] In der Gesamtwertung belegte er Rang acht, Platz zwei in der Bergwertung sowie Platz drei in der Nachwuchswertung. Er gewann bei dieser Tour auch die Sonderwertung Souvenir Henri Desgrange.
Mit Beginn der Saison 2024 wurde Decathlon neuer Namenspartner der Mannschaft, die fortan als Decathlon AG2R La Mondiale Team antrat. Im März verlängerte Gall seinen Vertrag um ein weiteres Jahr bis Ende 2026.[8]
Im Jahr 2024 fuhr Felix Gall in die Top 10 von Paris–Nizza und der Tour de Suisse, blieb bei der Tour de France als 14. der Gesamtwertung hinter seinen Leistungen des Vorjahres zurück. Bei der Vuelta a España ging er gemeinsam mit Ben O’Connor als Co-Leader an den Start, der die Rundfahrt als Zweiter auf dem Podium beendete. Felix Gall belegte den 29. Rang.
Nach dem Wechsel von Ben O’Connor zu der australischen Jayco AlUla-Mannschaft stieg Felix Gall 2025 zum alleinigen Kapitän bei den großen Landesrundfahrten auf.
Nach einem verhaltenen Saisonbeginn wurde Gall bei der Tour of the Alps 2025 auf der ersten Etappe Zweiter, erreichte am Ende aber nur den fünften Gesamtrang.[9]
Bei der Tour de Suisse 2025 etablierte er sich erneut unter den besten Rundfahrern. Vor dem abschließenden Bergzeitfahren lag er auf Rang fünf der Gesamtwertung.[10] Im abschließenden Zeitfahren wurde er Zweiter und verbesserte sich damit auf den vierten Platz der Gesamtwertung.
Bei der Tour de France ging Gall als alleiniger Kapitän seiner Mannschaft an den Start. Auf den Bergetappen hielt er sich über die drei Wochen in der Spitzengruppe der Klassementfahrer. Auf der 19. Etappe nach La Plagne überholte er in der Gesamtwertung noch Primož Roglič und rückte auf Rang fünf vor.[11] Diesen Platz verteidigte er bis Paris. Mit Rang fünf fuhr er das beste Resultat eines Österreichers bei der Tour de France seit Peter Luttenberger im Jahr 1996 ein.[12][13]
Danach fuhr er als Gesamtachter auch bei der Vuelta a España in die Top 10.[14] Damit beendete er beide von ihm 2025 bestrittenen Grand Tours unter den ersten zehn der Gesamtwertung.
2026: Zweiter des Giro d’Italia, Sieger der Burgos-Rundfahrt, Dritter bei der Vuelta a España
Wie im Vorjahr begann Gall seine Saison bei der UAE Tour. Auf der Bergankunft am Jebel Hafeet wurde er Dritter und beendete die Rundfahrt auf dem fünften Gesamtrang.[16] Bei der Katalonien-Rundfahrt 2026 wurde er auf der fünften Etappe zur Bergankunft am Coll de Pal hinter Jonas Vingegaard Zweiter und rückte zwischenzeitlich ebenfalls auf den zweiten Gesamtrang vor.[17] Am Ende belegte Gall den sechsten Platz der Gesamtwertung.[18]
Im Mai 2026 fixierte der 28-Jährige beim 109. Giro d’Italia den zweiten Rang im Gesamtklassement hinter Jonas Vingegaard und schrieb damit österreichische Radsportgeschichte: Gall ist der erste Österreicher, der im Giro in der Gesamtwertung auf dem Podest steht.[19] Bei einer Grand Tour – also Giro, Tour de France oder Vuelta – hatte es bisher nur Adolf Christian am Ende aufs Podest geschafft. Er war 1957 Gesamtdritter bei der Tour de France.
Gall lag beim Giro ab der 16. Etappe auf dem zweiten Gesamtrang und brachte diesen bis zum Ende der Rundfahrt ins Ziel. Insgesamt wurde er auf fünf Etappen – der 7., 9., 14., 16. und 20. Etappe – jeweils Zweiter.[20] In der Endabrechnung lag er 5:22 Minuten hinter Vingegaard und 1:03 Minuten vor dem drittplatzierten Jai Hindley.[21]
Im August gewann Gall die dritte Etappe der Burgos-Rundfahrt nach einer Attacke am Puerto del Escudo und übernahm damit die Gesamtführung. Es war sein erster Sieg seit der Königsetappe der Tour de France im Juli 2023.[22] Auf der abschließenden Bergankunft zu den Lagunas de Neila verteidigte er die Führung und gewann die Rundfahrt fünf Sekunden vor Oscar Onley. Es war sein erster Gesamtsieg bei einer Rundfahrt der UCI ProSeries.[23]
Bei der anschließenden Vuelta a España fuhr Gall erneut um die Gesamtwertung. Im Verlauf der zweiten Woche rückte er zeitweise auf den zweiten Gesamtrang vor, ehe er diesen nach dem Einzelzeitfahren der 18. Etappe an Primož Roglič verlor.[24] Auf der abschließenden schweren Bergetappe verteidigte er seinen Podestplatz gegen Richard Carapaz und beendete die Rundfahrt schließlich als Dritter der Gesamtwertung.[25] Damit war Gall 2026 der einzige Fahrer, der bei zwei der drei Grand Tours auf dem Gesamtpodium stand und der erste österreichische Fahrer dem das innerhalb einer Saison jemals gelang.