Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen
| Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen Food and Agriculture Organization of the United Nations | |||
|---|---|---|---|
FAO-Hauptgebäude in Rom | |||
| Organisationsart | Sonderorganisation | ||
| Kürzel | FAO | ||
| Leitung | (seit 1. August 2019) | ||
| Gegründet | 16. Oktober 1945 in Québec, | ||
| Hauptsitz | Rom, | ||
| Oberorganisation | |||
| www.fao.org | |||
| Nr. | Direktor | Land | Amtszeit |
|---|---|---|---|
| 1 | John Boyd Orr | Oktober 1945 – April 1948 | |
| 2 | Norris E. Dodd | April 1948 – Dezember 1953 | |
| 3 | Philip Vincent Cardon | Januar 1954 – April 1956 | |
| 4 | Herbert Broadley | geschäftsführend April 1956 – November 1956 | |
| 5 | Binay Ranjan Sen | November 1956 – Dezember 1967 | |
| 6 | Addeke Hendrik Boerma | Januar 1968 – Dezember 1975 | |
| 7 | Edouard Saouma | Januar 1976 – Dezember 1993 | |
| 8 | Jacques Diouf | Januar 1994 – Dezember 2011 | |
| 9 | José Graziano da Silva | Januar 2012 – Juli 2019 | |
| 10 | Qu Dongyu | seit August 2019 |
Büros und Beschäftigte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Außer dem Hauptsitz in Italien ist die FAO in weiteren 130 Ländern vertreten.[4] Im Jahr 1980 hatte die Organisation 7.500 ständig Bedienstete, von denen rund die Hälfte in Rom arbeitete.[6] Am 1. April 2011 beschäftigte die FAO 3.691 Festangestellte.[4]
Programme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit ihrer Kampagne Edible Insects zielt die FAO darauf, in tropischen und subtropischen Regionen Insekten als Lebensmittel zu etablieren und eine entomophagische Ernährung zu fördern, um den Mangel an tierischem Eiweiß zu beheben. Zudem biete die Insektenzucht wirtschaftliche Chancen für die einheimische Bevölkerung, da sie in kleinem Rahmen ohne viel technischen Aufwand betrieben werden kann. Die Produkte lassen sich auf den lokalen Märkten verkaufen und verschaffen den Kleinzüchtern eine wichtige Einkommensquelle.[7]
Das Programm Globally Important Agricultural Heritage Systems (GIAHS bzw. SIPAM) wurde 2002 auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg gegründet.[8] Die übergeordneten Ziele sind die Identifizierung und der Schutz global wichtiger Systeme des landwirtschaftlichen Kulturerbes.[9] 2005 erfolgte der erste Eintrag in die Liste. Derzeit (Stand: August 2024) umfasst sie insgesamt 86 Systeme in 26 Ländern; weitere 10 Systeme aus 6 verschiedenen Ländern sind nominiert.[10]
Finanzierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Organisation hat erstens einen ordentlichen Haushalt aus Geldern der Mitgliedsstaaten, darüber hinaus auch noch einen beträchtlichen außerordentlichen Haushalt aus Geldern v. a. der UN.
Den ordentlichen Haushalt finanzieren die Mitgliedsstaaten je nach der Größe ihres Sozialprodukts. Im Gründungsjahr der FAO, 1945, betrug er 2 Millionen Dollar, 1978 überstieg er bereits 200 Millionen Dollar.[11]
Das Jahresbudget der FAO 2018–19 betrug 2,6 Mrd. US-Dollar. 39 % stammten aus regulären Beiträgen, 61 % waren freiwillige Beiträge von Mitgliedsländern und anderen Organisationen.[12]
Kritik an der FAO
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ernährungsexperten von Entwicklungsorganisationen wie Brot für die Welt, GRAIN und FIAN beklagten 2013/2014, dass die Berichte der FAO über die Erfolge bei der Bekämpfung des Hungers teilweise auf unrealistischen Statistiken beruhten. Beispielsweise würde der für manche Berechnungen zugrundegelegte Bedarf an Nahrungsenergie zu niedrig angesetzt, regionale Erfolge in der Bereitstellung von Lebensmitteln (China und Vietnam) würden verdecken, dass in vielen Ländern keine wesentlichen Fortschritte zu verzeichnen seien, und auch schwere, aber nur temporär bestehende Versorgungskrisen würden nicht angemessen berücksichtigt.[13] Auch würden durch die FAO, entgegen ihren Bekenntnissen zur Förderung von Familienbetrieben, auch industriell geführte Großbetriebe mit entsprechenden sozialen und ökologischen Verwerfungen gefördert.[14]
Unter der Amtszeit des Chinesen Qu Dongyu seit 2019 soll die FAO einseitig auf die Interessen des Staates ausgerichtet worden sein. Es gehe dabei um Lieferungen von in Europa verbotener Pestizide, die mehrheitlich von dem chinesischen Agrochemiekonzern Syngenta stammen sollen, UN-Projekte im Einklang mit Chinas "Neuer Seidenstraße" sowie fragwürdige Investitionsvorhaben.[15]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Willi Albers (Hrsg.): Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft, (HdWW), 1980, Band 2, (Stichwort „FAO“, S. 600–608)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website der FAO (arabisch, chinesisch, englisch, französisch, spanisch, russisch)
- Faostat Offizielle Statistiken (FAO)
- e-Agriculture
- FAO Major Fishing Areas Übersichtskarte und weiterführende Informationen zu ausgewiesenen Fanggebieten (FAO, englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Qu Dongyu of China elected FAO Director-General – Succeeds José Graziano da Silva. ( vom 16. August 2019 im Internet Archive) Abgerufen am 20. Dezember 2023. (englisch)
- ↑ Willi Albers (Hrsg.): Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft (HdWW), 1980, Band 2, S. 601 (Stichwort: FAO).
- ↑ Corinne A. Pernet und Amalia Ribi Forclaz: Revisiting the Food and Agriculture Organization (FAO): International Histories of Agriculture, Nutrition,and Development. In: tandfonline.com. International History Review, 8. Juni 2018, abgerufen am 24. Juni 2018 (englisch).
- 1 2 3 Eigendarstellung auf der Homepage der FAO.
- ↑ Willi Albers (Hrsg.): Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft, (HdWW), 1980, Band 2, S. 601 (Stichwort: FAO).
- ↑ Willi Albers (Hrsg.): Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft, (HdWW), 1980, Band 2, S. 602 (Stichwort: FAO).
- ↑ (E-Book) Probier mal, was da krabbelt – Der praktische Insekten Food Ratgeber ( vom 6. Oktober 2014 im Internet Archive) Autoren: Desirée Bea Cimbollek, Ralf Krause, Thomas S. Linke; Berlin 2014.
- ↑ Chronology of Development of the GIAHS Programme (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2024. Suche im Internet Archive ) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) auf der Webpräsenz des GIAHS-Programms der FAO, abgerufen am 15. Juni 2024
- ↑ Goal and objectives auf der Webpräsenz des GIAHS-Programms der FAO, abgerufen am 15. Juni 2024
- ↑ Agricultural heritage around the world auf der Webpräsenz des GIAHS-Programms der FAO, abgerufen am 15. Juni 2024
- ↑ Willi Albers (Hrsg.): Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft, (HdWW), 1980, Band 2, S. 602 (Stichwort: FAO).
- ↑ Office of Strategy, Programme and Budget (OSP). In: fao.org. FAO, abgerufen am 20. Dezember 2023 (englisch).
- ↑ Tobias Schwab: Hunger-Problem schöngerechnet. In: fr.de. 14. Oktober 2013, abgerufen am 28. Juni 2023.
- ↑ FAO-Konzept der Familienlandwirtschaft erntet Kritik. In: weltagrarbericht.de. 10. November 2014, abgerufen am 28. Juni 2023.
- ↑ Arne Meyer-Fünffinger, Alexander Nabert, Lucas Grothe, Andreas Rummel, Judith Brosel, Florian Barth: Wie China die FAO instrumentalisiert. In: Tagesschau.de. Archiviert vom am 30. Juni 2023; abgerufen am 3. Juli 2023.