Seit 1975 ist das Unternehmen im Alleinbesitz der Familie Endress.[27][37] 1977 wurde am Hauptsitz in Reinach die Endress+Hauser Flowtec AG gegründet, ein Kompetenzzentrum für den Geschäftsbereich Durchfluss.[14] Zu den ersten Produkten gehörten magnetisch-induktive Durchflussmessgeräte.[38]
1979 trat Klaus Endress (* 1948), der Sohn des Gründers, in das Unternehmen ein.[39]
1995 übernahm Klaus Endress die Leitung des Konzerns von seinem Vater und Unternehmensgründer Georg Endress.[29]
1997 wurde die Innovative Sensors Inc. (ISI), ein Hersteller von Sensoren für die Wasseranalyse, übernommen. Vor der Übernahme hatte Endress+Hauser bereits über 19 Jahre mit ISI zusammengearbeitet.[31][40]
Zu Beginn der 2000er Jahre wurden vor allem die Produktionsstätten in Deutschland und der Schweiz ausgebaut, insbesondere die Standorte Reinach, Cernay und Maulburg.[41][38] Auch mehrere deutsche Unternehmen wurden übernommen, darunter die Exner Anlagebau GmbH & Co. KG aus Neuss[42] und die Dr. Staiger Mohilo Analysenmesstechnik GmbH & Co.[43]
Zudem erfolgte im Jahr 2000 die Expansion nach Indien, mit einer Produktionsstätte der Flowtec in Aurangabad.[44] Weiterhin wurden 2001 Anteile an dem amerikanischen Analysenmesstechnikunternehmen Wedgewood Technology Inc. erworben.[45] An der finnischen Satron Instruments, einem Hersteller von Messgeräten und Armaturen für die Papier- und Zellstoffindustrie, wurden ebenfalls Anteile erworben.[46]
2002 verzeichnete die Unternehmensgruppe zum ersten Mal Verluste in ihrem Umsatz. Grund hierfür war die Insolvenz der Tochtergesellschaft Photo Print Electronic.[47][48] Der Verlust bremste das Unternehmenswachstum jedoch nicht und 2008 erzielte die Unternehmensgruppe erstmalig einen Umsatz von über einer Milliarde Euro.[49]
Anfang 2010 eröffnete Endress+Hauser eine neue Produktionsstätte für Durchflussmesstechnik sowie Füllstand- und Druckmesstechnik in Indien. Von diesem Standort aus wurden neben dem indischen Markt auch Länder wie Singapur, Japan oder Thailand direkt beliefert.[50]
Auch am US-amerikanischen Markt expandierte Endress+Hauser.[51] 2012 wurde Spectra Sensors Inc. mit Sitz in Houston, Texas übernommen. Spectra Sensors ist ein Hersteller von Gassensoren auf optischer Basis.[52] 2013 wurde Kaiser Optical Systems Inc. übernommen, ein Anbieter für von Raman-spektroskopischen Messgeräten.[53][54] Zum Januar 2022 wurden Spectra Sensors und Kaiser Optical Systems zusammengeführt und firmieren seitdem als Endress+Hauser Optical Analysis.[18] Weiterhin wurde ein langjähriger Vertriebspartner aus Indonesien übernommen.[55]
Auch der Hauptsitz in Reinach wurde ausgebaut. Für die Endress+Hauser Flowtec AG wurde beispielsweise 2013 ein neues Produktionsgebäude errichtet.[56]
2013 erlangte Endress+Hauser erstmalig Anteile an der börsennotierten Analytik Jena AG. Diese war tätig in den Bereichen Life Sciences und der analytischen Messtechnik.[57] Bis 2014 baute Endress+Hauser ihre Anteile auf 82,22 % aus[58] und ein Jahr später wurde eine Zweigstelle der Analytik Jena in Reinach eröffnet.[59] Die Übernahme von Analytik Jena wurde im März 2016 abgeschlossen, nachdem auch die restlichen Anteile erworben wurden. Die Übernahme galt zu diesem Zeitpunkt als die größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte, mit einem Kaufpreis um die 100 Millionen Euro. Zuvor wurden meist nur kleinere Unternehmen erworben.[57] 2018 klagten die Aktionäre der Analytik Jena AG gegen den Preis der Aktie als Entschädigung und verlangten eine höhere Barabfindung für die Übertragung der Aktien. Das Landgericht Gera urteilte jedoch, dass der von Endress+Hauser veranschlagte Preis gerechtfertigt gewesen wäre.[60]
Nach 19 Jahren als Geschäftsführer zog Klaus Endress zum Jahreswechsel 2013/14 in den Verwaltungsrat der Unternehmensgruppe ein.[61] Die Geschäftsleitung übergab er an Matthias Altendorf, welcher zuvor Geschäftsführer des Produktionszentrums in Maulburg gewesen war und auch seine Lehre bei Endress+Hauser absolviert hatte.[39][28][62] Altendorf war zugleich der erste Geschäftsführer, der nicht zur Gründerfamilie Endress gehörte.[61][63]
Ebenfalls 2014 wurden Vertriebsgesellschaften in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Algerien gegründet.[64]
2017 übernahm die Gruppe die Blue Ocean Nova AG, ein Hersteller von Inline-Spektrometern zur Überwachung qualitätsrelevanter Prozessparameter. Durch die Übernahme erweiterte Endress+Hauser den Bereich der Prozessanalytik.[65] 2018 wurde in Al-Dschubail, Saudi-Arabien, ein Kalibrier- und Schulungszentrum eröffnet.[66]
Ab 2018/19 investierte Endress+Hauser erneut vermehrt in die Expansion der Unternehmensgruppe. In fünf Jahren wurden insgesamt etwa eine halbe Milliarde Euro investiert.[37] Erweitert wurden dabei unter anderem der Hauptsitz in Reinach,[5][67] der Produktionsstandort in Maulburg[68] sowie internationale Standorte in den Vereinigten Staaten und China.[2]
Während der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 sank der Umsatz von Endress+Hauser um 2,8 % und betrug 2,6 Milliarden Euro. Aufgrund der diversen Branchen, Segmente und Länder, welche die Unternehmensgruppe bedient, waren die Auswirkungen der Pandemie weniger stark als bei anderen Unternehmen. Kurzarbeit konnte zu großen Teilen vermieden werden und Mitarbeiter wurden nicht infolge der Pandemie entlassen.[6]
Zum Jahreswechsel 2023/24 beendete Klaus Endress altersbedingt seine aktive Rolle im Unternehmen und zog sich aus dem Verwaltungsrat zurück, blieb aber Vorsitzender des Familienrats. Matthias Altendorf wechselte in den Verwaltungsrat der Gruppe und übergab die Geschäftsleitung an Peter Selders, welcher zuvor das Kompetenzzentrum der Firma für Füllstands- und Druckmesstechnik geleitet hatte.[69][1] Die Familie Endress wird von Steven Endress[69] und Sandra Genge,[70] zwei Enkeln des Gründers, im Verwaltungsrat vertreten.[10]
Aufgrund des russischen Überfalles auf die Ukraine 2022 beendete Endress+Hauser die Geschäfte in Russland und zog sich vom russischen Markt zurück.[10][70][71]