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Emma Boyce

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Emma Boyce (* 1867; † 1929) war eine englisch-britische Suffragette, Pazifistin und Ratsmitglied in Hackney, London. Sie war eine der "Schlüsselfiguren" der sozialistischen englischen Frauenbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts.[1] Über Boyces persönliches Leben ist wenig bekannt. Sie hatte zwölf Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten.[2]

Politische Karriere

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Boyce war ein frühes Mitglied der Independent Labour Party (ILF). Ab 1907 war sie in der Social Democratic Federation (SDF) als Rednerin und Aktivistin in den Frauengruppen engagiert. Sie wurde zur Organisatorin des Women’s Education Committee ernannt, trat jedoch 1910 zurück, war aber in der Nachfolgeorganisation, der British Socialist Party (BSP), weiter aktiv.[1]

Sie muss auch Kontakt zur Women’s Social and Political Union (WSPU) gehabt haben. Sie wurde von Sylvia Pankhurst für die von ihr Anfang 1914 von der WSPU abgespaltete East London Federation of Suffragettes (ELFS) angesprochen. Pankhurst wollte eine ausdrücklich sozialistische Organisation, die sich mit weitergehenden Fragen als dem Frauenwahlrecht befasste, ausgerichtet an der ILP und in der Arbeiterklasse. Außerdem wollte sie den Schwerpunkt auf kollektive Arbeiteraktionen legen, nicht auf individuelle Angriffe auf Eigentum.[3] Obwohl schon in den 50ern wurde Boyce zusammen mit Jessie Stephen zu einem der aktivsten Mitglieder der später in Workers’ Suffrage Federation umbenannten Organisation.[4]

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs reiste Boyce in ihrer Funktion für die ELFS durch das Land, wobei sie sich auf Glasgow und Newcastle upon Tyne konzentrierte, aber auch mehrmals pro Woche an anderen Orten im ganzen Land sprach.[5] Sie hielt Propagandareden für die Wahlrechtsbewegung und gegen die Wehrpflicht im Krieg und setzte sich für die Wahlfreiheit der Arbeiterklasse ein.[6] Die Veranstaltungen liefen nicht immer friedlich ab. Der BSP-Aktivist Israel Renson (1906–1986) berichtet von einer Veranstaltung in Reading, an der er als Kind teilnahm: „Als wir in Reading waren, sahen mein Bruder und ich, wie im September 1918 eine ‚Stop the War‘-Versammlung auf dem Marktplatz von Soldaten aufgelöst wurde. […] Die Versammlung wurde von der ILP organisiert, und die Hauptrednerin war Mrs. Boyce aus Hackney. Kurz nachdem diese ältere Dame auf die Plattform gestiegen war, wurde sie umgestoßen und fiel rückwärts herunter, aber es schien, als hätten sie ihre Freunde aufgefangen, die hinter ihr standen.“[2]

Nach dem Krieg war Emma Boyce von 1918 bis 1923 als Mitglied der Labour Ratsmitglied in Hackney. Von da an bis zu ihrem Tod gehörte sie zum Vorstand des London Maternity Hospital.[2]

Einzelnachweise

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  1. a b Karen Hunt: Equivocal feminists. Cambridge University Press, Cambridge 1996, ISBN 0-521-55451-9, S. 266 (englisch).
  2. a b c Ken Weller: «Don't be a soldier!» The radical anti-war movement in north London 1914–1918. Journeyman, London 1985, ISBN 0-904526-56-9, 14. The Workers' Socialist Federation, S. 74 f., (74–81) (englisch, Online [PDF]).
  3. Mary Davis: Sylvia Pankhurst: A Life in Radical Politics. Pluto Press, Sterling, VA 1999, ISBN 0-7453-1518-6 (englisch).
  4. Aleš Skřivan, Arnold Suppan, Roman Kodet, Richard Lein und Lukáš Novotný: Prague Papers on History of International Relations. Institute of World History, Charles University, Prag 2009, S. 322 (englisch).
  5. June Hannam: Socialist Women: Britain, 1880s to 1920s. Routledge, New York 2002 (englisch).
  6. Hackney Archives: Emma Boyce. Twitter, 8. März 2016, abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).