Emil Korytko

Emil Antoni Korytko (* 7. September 1813 in Żeżawa bei Zaleszczyki Ost-Galizien, Kaisertum Österreich; † 31. Januar 1839 in Laibach, Herzogtum Krain) war ein polnischer Philologe, Ethnologe und Aktivist, der während seines Exils im Herzogtum Krain zu einer Schlüsselfigur der slowenischen Nationalbewegung und Kulturgeschichte wurde.[1]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Herkunft und Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Emil Korytko wurde im galizischen Dorf Żeżawa (heute Selenyj Hai, Salischtschyky Ukraine) geboren. Er war der Sohn von Stanislaus K., Besitzer des Gutshofes und des Dorfes Žežava. Er absolvierte die ersten Schulen in Lemberg und studierte ab 1832 Philosophie und Philologie an der dortigen Universität Lemberg (Lwów). Während seiner Studienzeit kam er mit den revolutionären Ideen der polnischen Unabhängigkeitsbewegung in Kontakt.
Verhaftung und Exil
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Frühjahr 1834 wurde Korytko wegen Störung der öffentlichen Ruhe und Verdachts auf Hochverrat von den österreichischen Behörden in Untersuchungshaft genommen. Nach langer Untersuchung wurde er zwar mangels Beweisen von der Anklage des Hochverrats freigesprochen, doch da ihm Verbindungen zu einer geheimen Druckerei und die Verbreitung revolutionärer Broschüren nachgewiesen wurden, und er der Teilnahme an einer „Geheimgesellschaft mit gefährlichen Absichten“ verdächtigt wurde, verurteilte man ihn zur Verbannung. Als Ort des Exils wurde ihm per kaiserlichem Erlass vom 10. Oktober 1836 Laibach zugewiesen. Er kam dort im Januar 1837 an und lebte im Haus des Anwalts Blaž Crobath.[2]
Wirken in Laibach
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Trotz seines Status als politischer Verbannter integrierte sich Korytko schnell in das kulturelle Leben Laibachs. Er wurde ein enger Freund des bedeutendsten slowenischen Dichters France Prešeren. Die beiden beeinflussten sich gegenseitig: Korytko brachte Prešeren das Werk des polnischen Nationaldichters Adam Mickiewicz näher, während Prešeren Korytko für die slowenische Sprache und die einheimische Volkskultur begeisterte.
Korytko widmete sich intensiv der Sammlung und Systematisierung slowenischer Volkslieder und Bräuche. Er erkannte den Wert der bäuerlichen Überlieferungen für die Entwicklung einer modernen slowenischen Nationalidentität. Sein Ansatz war für die damalige Zeit außergewöhnlich modern, da er Volksgut nicht nur sammelte, sondern auch ethnographisch einordnete.[3] Korytko beschäftigte sich außerdem umfänglich mit Volkstrachten. In diesem Zusammenhang fertigte auf seine Anregung hin der damals bekannte österreichische Maler Franz von Kurz zum Thurn und Goldenstein (1807–1878) 70 kolorierte Bilder an, die später in den Besitz des slowenischen Nationalmuseums gelangten.[4]

Tod
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Korytko starb im Alter von nur 25 Jahren am 31. Januar 1839 in Laibach an den Folgen einer Typhus-Erkrankung – kurz bevor ihn die Nachricht erreichte, dass sein Hausarrest aufgehoben worden war. Sein Begräbnis auf dem St. Christoph-Friedhof entwickelte sich zu einer der ersten öffentlichen Demonstrationen des slowenischen Patriotismus. France Prešeren widmete seinem verstorbenen Freund das Sonett V spomin Matiju Čopu (In Erinnerung an Matija Čop), indem er Korytko in die Tradition der geistigen Weggefährten einreihte.
Werk und Bedeutung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Korytkos Hauptwerk, die Sammlung „Slowenische Lieder des krainischen Volkes“ (Slovenske pesni krajnskiga naroda), wurde teilweise erst nach seinem Tod veröffentlicht (zwischen 1839 und 1844). Die Sammlung umfasst fünf Bände und gilt als ein Meilenstein der slowenischen Ethnographie.[5]
Seine Bedeutung liegt vor allem in:
- Kulturtransfer: Er vermittelte zwischen der polnischen Romantik und der aufkeimenden slowenischen Literatur.
- Ethnographie: Er dokumentierte Trachten, Bräuche und Lieder der Krainer Bevölkerung, die ohne sein Wirken womöglich verloren gegangen wären.
- Nationalbewegung: Er bestärkte die slowenischen Intellektuellen darin, ihre eigene Sprache als vollwertige Literatursprache anzuerkennen.
Erinnerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Slowenien wird Korytko bis heute als Nationalheld und wichtiger Mitbegründer der slowenischen Identität geehrt. In Ljubljana ist eine Straße nach ihm benannt (Korytkova ulica). Im Jahr 2023 gab die slowenische Post zum 210. Geburtstag eine Sondermarke heraus.[6]
Werke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Den Freunden des Slaventhums in Krain, Laibach 1838. Worldcat
Literatur (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Boris Meriggi: Emil Korytko: Življenje in delo. Ljubljana 1980.
- Henryk Batowski: Przyjaciel Słowiańszczyzny: Emil Korytko. Warschau 1939.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Henry Leeming: A Neglected Polish Slovist: Emil Korytko (1813-1839). In: Slavisticna revija. Band 30, Nr. 1. Maribor 1982, S. 1–26 (dlib.si [PDF]).
- ↑ Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation: Korytko, Emil. 2003, abgerufen am 11. Mai 2026.
- ↑ Jeremi Deker: Wpływy polskie na słoweńską świadomość narodową (1828-1914): Emil Korytko – badacz krajów południowej słowiańszczyzny. Polnische Einflüsse auf das slowenische Nationalbewusstsein (1828–1914): Emil Korytko – Erforscher des Südslawentums. In: Rocznik Studenckiego Koła Naukowego Historyków UAM (Hrsg.): Nasze Historie. Band 19. Wydział Historii UAM, Poznań 2020, ISBN 978-83-66355-47-7, S. 256 ff. (edu.pl [PDF]).
- ↑ Ivan Grafenauer. Korytko, Emil (1813–1839) - Slovenska biografija, 2013. Abgerufen am 11. Mai 2026.
- ↑ Alexander Rausch, Art. „Korytko, Emil“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 14. März 2004, abgerufen am 11. Mai 2026), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d599
- ↑ Ovitek prvega dne. Abgerufen am 11. Mai 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Korytko, Emil |
| ALTERNATIVNAMEN | Korytko, Emil Antoni |
| KURZBESCHREIBUNG | polnischer Philologe, Ethnologe und Aktivist |
| GEBURTSDATUM | 7. September 1813 |
| GEBURTSORT | Żeżawa bei Zaleszczyki, Galizien |
| STERBEDATUM | 31. Januar 1839 |
| STERBEORT | Laibach |