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Edith Pye

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Edith Pye, 1936
Signatur von Edith Pye

Edith Mary Pye (* 20. Oktober 1876 in London; † 16. Dezember 1965 in Street, Somerset) war eine englisch-britische Hebamme und internationale Hilfsorganisatorin. Sie arbeitete in Entbindungskliniken für weibliche Flüchtlinge und war Präsidentin des British Midwives Institute. Außerdem war sie Mitglied des Friends Germany Emergency Committee, des Roten Kreuzes und der International Commission for the Assistance of Child Refugees. Nach ihrer langjährigen Tätigkeit in der internationalen Hilfsarbeit und als Hebamme wurde sie 1907 Superintendentin der Bezirkskrankenschwestern in London.[1][2][3]

Pye war die älteste von drei Töchtern und vier Söhnen von William Arthur Pye, einem Weinhändler, und Margaret Thompson Kidston. Zu ihren Geschwistern gehörten der Ingenieur und Professor David Randall Pye (1886–1960), die Bildhauerin Ethel Pye (1882–1960) und die Buchbinderin Sybil Pye (1879–1958).[1] Pye absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester (SRN) und Hebamme (SCM) und wurde 1906 als Hebamme an der Clapham School of Midwifery regstriert.[4] 1907 war sie bereits Leiterin der Bezirkskrankenschwestern in London. 1908 trat sie der Society of Friends bei.[1]

Zusammen mit ihrer lebenslangen Freundin, der Ärztin Hilda Clark, gründete sie im Dezember 1914 in Châlons-sur-Marne die Organisation Friends War Victim Relief. Sie richteten innerhalb des Kriegsgebiets eine Entbindungsklinik ein und halfen Frauen und Kindern, die in Frankreich Kriegsopfer geworden waren. Bis 1919 wurden mehr als 1000 Kinder entbunden. Für diese Bemühungen wurde Pye mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet.[1][5]

Von März 1921 bis Oktober 1922 organisierte Pye mit Clark Nahrung für schwer unterernährte Kinder unter vier Jahren in Wien, indem sie britisches und amerikanisches (wertstabiles) Geld beschafften, um kroatisches Futter für an Österreich gespendete Schweizer Kühe zu kaufen, die wiederum kostenlos Milch lieferten. Pye veröffentlichte später Clarks Briefe aus Frankreich, Österreich und dem Nahen Osten aus den Jahren 1914–24 an sie in einem privat herausgegebenen Buch mit dem Titel War and its Aftermath, das ihre gemeinsamen Hilfsaktionen zu dieser Zeit dokumentiert.[1]

Im Mai 1923 schickten die Quäker Pye in das von Frankreich besetzte Ruhrgebiet, wo sie einen realisitischen Bericht der dortigen schlechten Zustände erstellt. Während der 1920er und 1930er Jahre vermittelte sie zwischen dem revolutionären und dem evolutionären Flügel der Internationalen Frauenliga, in deren internationalem Vorstand sie tätig war.[1] 1928 entsandte die Frauenliga Pye auf eine dreimonatige Mission nach Indien, Indochina und China, um die dortige Situation der Frauen zu untersuchen. Mit Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs koordinierte Pye die Arbeit der Qiäker und der Frauenliga in Spanien und arbeitete mit der International Commission for the Assistance of Child Refugees zusammen, um Müttern und Kindern humanitäre Hilfe zu leisten.[5]

1929 wurde Pye Präsidentin des British Midwives' Institute, später Royal College of Midwives, ein Amt, das sie zwanzig Jahre lang bekleidete. Während ihrer Amtszeit und mit ihrer tatkräftigen Unterstützung wurde die Chloroformkapsel entwickelt, die es Hebammen erstmals ermöglichte, Frauen bei der Geburt in ihren eigenen vier Wänden Schmerzmittel zu verabreichen. Im Juli 1932 veröffentlichte Pye einen Artikel zu diesem Thema mit dem Titel Anaesthetics in labour from the midwife's point of view im Newsletter der Medical Women's Federation.[6] Zwischen 1934 und 1936 war Pye Präsidentin der International Confederation of Midwives.[1]

Während des Zweiten Weltkriegs setzte Pye sich für die Aufhebung der Blockade der Alliierten ein, damit hungernde Menschen in Europa mit Lebensmitteln und medizinischen Hilfsgütern versorgt werden konnten. Sie war ein führendes Mitglied des Famine Relief Committee und lobbyierte beim gegen diese Maßnahme stehenden Ministry of Economic Warfare. Zwischen 1941 und 1955 arbeitete sie sowohl in Frankreich als auch in Griechenland und setzte sich weiterhin für Frieden und Kriegshilfe ein.[1][5]

1952 zogen sich Pye und Clark zusammen nach Street in Somerset zurück. Die beiden ergänzten sich über alle Jahre mit Clark als der weitsichtigen Planerin und Pye als detaillierter Organisatorin. Beide Frauen werden als außergewöhnlich frei von Egoismus geschildert, förderten die Talente ihrer Mitarbeiterinnen und waren immer bereit, Verantwortung zu delegieren. Sie galten als der „weltliche Arm“ der Society of Friends.[1]

Pye starb am 16. Dezember 1965 in ihrem Haus in Street, Somerset. Sie im selben Grab wie Clark, die an Parkinson litt und 1956 verstarb, beigesetzt.[1][2]

Commons: Edith Pye – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b c d e f g h i j Sybil Oldfield: Pye, Edith Mary (1876–1965). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/37871 (englisch).
  2. a b Marilyn Bailey Ogilvie und Joy Dorothy Harvey: Pye, Edith Mary (1876–1965). In: Marilyn Bailey Ogilvie und Joy Dorothy Harvey (Hrsg.): The Biographical Dictionary of Women in Science: L–Z. Routledge, London 2000, S. 1061 (englisch, google.de).
  3. Sandra Stanley Holton: Suffrage days: stories from the women's suffrage movement. Routledge, London 1996, ISBN 0-415-10942-6, S. 203 (englisch).
  4. Papers of Edith Pye. In: GB 1538 RCMS/2. Royal College of Obstetricians and Gynaecologists, 1892, abgerufen am 5. Januar 2026 (englisch).
  5. a b c Edith Mary Pye (1876–1965) Chevalier de la Légion d’Honneur. In: Midwives Chronicle: The Heritage Blog of the Royal College of Midwives. Royal College of Midwives, 8. März 2017, abgerufen am 5. Januar 2026 (englisch).
  6. Nursing Notes & Midwives’ Chronicle, March 1936. In: Midwives Chronicle: The Heritage Blog of the Royal College of Midwives. Royal College of Midwives, 6. März 2015, abgerufen am 5. Januar 2026 (englisch).