Doban
Doban (japanisch 土版, en.: clay tablets[2]) sind archäologische Artefakte aus dem Japan der Jōmon-Zeit. Sie tragen komplexe Verzierungen und hatten möglicherweise rituelle Bedeutung.[3] Sie sind das keramische Gegenstück zu den steinernen Ganban.[4]
Name
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Erforschung der Doban begann mit Edward Sylvester Morses Entdeckung von fünf „merkwürdigen Tonobjekten“ („curious clay objects“) in den Ōmori-Muschelhügeln in Tokio. Er gab ihnen den Namen „Tafeln“ („Tablets“), „mangels eines besseren Namens“ („for want of a better name“).[5][6] Morses Bezeichnung wurde später ins Japanische als Doban (土版) übersetzt, die steinernen Ganban (岩版) wurde 1896 analog dazu benannt.[5] Doban wurden im Englischen außerdem als „clay tablets“,[2] „clay boards“,[1] „clay plaques“,[7] und „earthen plates“ bezeichnet.[1]
Überblick
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Doban, die in Kontexten der mittleren bis letzten Jōmon-Zeit gefunden wurden,[1] sind gewöhnlich rechteckig oder oval geformte Ton-Plättchen und keramische Entsprechungen zu den steinernen Ganban.[3] Sie wurden hauptsächlich in den Regionen Tōhoku und Kantō gefunden. Man vermutet, dass die Stücke aus Tōhoku die Vorbilder für die Exemplare aus Kantō gewesen sind.[3] Es scheint, dass sich die Ganban zuerst in Tōhoku entwickelt haben.[1] Eine Studie um die Jahrtausendwende konnte auf rund 266 Ton- und Steintafeln von 70 Fundstätten in den Präfekturen Aomori, Iwate und Akita zurückgreifen.[8]
Da die Verzierung von Doban und Ganban nicht nur S- und 山-förmige Muster und ähnliches, sowie Schnurabdrücke umfasst, sondern in vielen Fällen auch Darstellungen von Gesicht und Körper, ist es möglich, dass ihre Entwicklung von der der Dogū beeinflusst wurde, unabhängig davon, ob sie ähnlichen Zwecken dienten oder nicht.[9] Wie andere Ton- und Steinartefakte von weniger offensichtlich zweckmäßiger Natur, darunter Dogū und Sekibō, hatten Doban wahrscheinlich eine rituelle Funktion,[3] während Exemplare mit Löchern, durch die eine Schnur gefädelt werden konnte, möglicherweise als Amulette getragen wurden.[1] Die dreidimensionaleren Keramikdarstellungen von Körperteilen, die manchmal als „Doban“,[1] manchmal als Dogū[10] bezeichnet wurden, könnten sich auf Fruchtbarkeit und Geburt oder Gesundheit beziehen.[10]
Nationales Kulturerbe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwei doban wurden als Wichtiges Kulturgut Japans (重要文化財, Jūyō Bunkazai, ICP und 文化財, bunkazai) ausgewiesen und ein drittes ist Teil eines ICP-Konvoluts:
- Doban aus dem Fukuda Shell Mound, Präfektur Ibaraki (Nationalmuseum Tokio)[1]
- Doban aus Hirosaki, Präfektur Aomori (private Sammlung)[11]
- Doban aus der Umataka-Sanjūinaba Site, Präfektur Niigata (Umataka Jōmon Museum, 馬高縄文館, Umataka Jōmon-kan)[12]
Galerie
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Kamegaoka (亀ヶ岡石器時代遺跡, Kamegaoka sekki-jidai iseki), Kamegaoka-Kultur (亀ヶ岡文化) Doban (ca. 3000–2300 BP) von der Fundstätte Araya, Präfektur Aomori (Nationalmuseum Kyushu)[13]
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Doban (ca. 5000 BP) aus der Umataka Site, Präfektur Niigata (Umataka Jōmon Museum)
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Doban aus den Ōyu Stone Circles, Präfektur Akita
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Repräsentationen der Weiblichen Körperteile aus der Sasayama Site (笹山遺跡), Präfektur Niigata[10]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c d e f g h Earthen plate. (Originaltitel: 土版). National Institutes for Cultural Heritage, abgerufen am 1. März 2025 (japanisch, englisch).
- ↑ a b Doban, Clay tablet. National Institutes for Cultural Heritage, abgerufen am 1. März 2025 (englisch).
- ↑ a b c d Doban. (Originaltitel: 土版). Agency for Cultural Affairs, abgerufen am 1. März 2025 (japanisch).
- ↑ Kazuko Saitō: 岩版•土版の身体表現について (Iwa-ban•-do-ban no karada hyōgen ni tsuite, The study of the representation of the human body in tablets and parallels with clay figurines) In: Anthropological Science. vol. 108, Nr. 2. 2000: S. 61–79. ISSN 1344-3992 doi=10.1537/asj1998.108.61
- ↑ a b Kazuko Saitō: 岩版•土版の身体表現について (Iwa-ban•-do-ban no karada hyōgen ni tsuite, The study of the representation of the human body in tablets and parallels with clay figurines) In: Anthropological Science. vol. 108, Nr. 2. 2000: S. 62. ISSN 1344-3992 doi=10.1537/asj1998.108.61
- ↑ Edward S. Morse: Shell Mounds of Omori. University of Tokio, 1879, S. 11 (englisch).
- ↑ Nagatake. Japanese Archaeological Association, 2014, abgerufen am 26. März 2025 (englisch).
- ↑ Kazuko Saitō: 岩版•土版の身体表現について (Iwa-ban•-do-ban no karada hyōgen ni tsuite, The study of the representation of the human body in tablets and parallels with clay figurines) In: Anthropological Science. vol. 108, Nr. 2. 2000: S. 65. ISSN 1344-3992 doi=10.1537/asj1998.108.61
- ↑ Kazuko Saitō: 岩版•土版の身体表現について (Iwa-ban•-do-ban no karada hyōgen ni tsuite, The study of the representation of the human body in tablets and parallels with clay figurines) In: Anthropological Science. vol. 108, Nr. 2. 2000: S. 62–63. ISSN 1344-3992 doi=10.1537/asj1998.108.61
- ↑ a b c Jōmon people in life and death. (Originaltitel: 縄文人の生と死と). Tōkamachi City Museum, archiviert vom am 22. September 2017; abgerufen am 1. März 2025 (japanisch).
- ↑ Doban. (Originaltitel: 土版). Agency for Cultural Affairs, abgerufen am 1. März 2025 (japanisch).
- ↑ Exavated Artefacts from Umataka Site, Niigata Prefecture. (Originaltitel: 新潟県馬高遺跡出土品(Nīgata ken umatakaiseki shutsudo-hin)). Agency for Cultural Affairs, abgerufen am 1. März 2025 (japanisch).
- ↑ Doban. (Originaltitel: 土版). National Institutes for Cultural Heritage, abgerufen am 27. Februar 2025 (japanisch).