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Karden

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(Weitergeleitet von Dipsacus)
Karden

Wilde Karde (Dipsacus fullonum)

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Kardenartige (Dipsacales)
Familie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
Unterfamilie: Kardengewächse (Dipsacoideae)
Gattung: Karden
Wissenschaftlicher Name
Dipsacus
L.

Die Karden (Dipsacus) sind eine Pflanzengattung in der Unterfamilie der Kardengewächse (Dipsacoideae) innerhalb der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Die etwa 20 Arten sind in Eurasien und Afrika weitverbreitet.

Illustration der Behaarten Karde (Dipsacus pilosus) (1a-1e) und der Wilden Karde (Dipsacus fullonum) (2)

Vegetative Merkmale

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Die Karden-Arten sind kräftige, zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Die oberirdischen Pflanzenteile sind kahl oder behaart. Die Stängel sind aufrecht, verzweigt und stachelig.

Die gegenständig angeordneten Laubblätter können in Blattstiel und Blattspreite gegliedert und am Grund häufig verwachsen sein. Die Blattspreiten sind einfach oder geteilt. Häufig sind auch die Mittelrippen an der Blattunterseite stachelig.

Generative Merkmale

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Auf einem langen Blütenstandsschaft steht ein kopfiger, eiförmiger bis zylindrischer, ähriger Blütenstand. Die Hüllblätter sind gleich lang wie oder länger als die Deckblätter der Blüten. Es gibt ein oder zwei Reihen von Hüllblättern. Am Köpfchenboden stehen stechende Spreublätter. Der mit dem Fruchtknoten verwachsene, rippige Außenkelch ist sehr klein und kaum gezähnt. Der kleine, becherförmige Kelch ist vierkantig, ganzrandig oder gezähnt, trägt keine Borsten. Die Krone ist ungleichmäßig vierzipfelig. Randständige Blüten sind keine Strahlenblüten. Es sind vier Staubblättern vorhanden. Der einkammerige Fruchtknoten ist unterständig. Die Narbe sitzt seitlich.

Die nussartigen, rippig-furchigen Schließfrüchte (Achänen) mit beständigen Deckblatt und oft auch dem Kelch, im Außenkelch, besitzen vier Kanten. Sie stehen in einem Fruchtverband zusammen.

Blütenkorb von Dipsacus asper

Systematik und Verbreitung

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Die Gattung Dipsacus wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum aufgestellt.[1][2] Ein Synonym für Dipsacus L. ist Simenia Szabó.[3] Die früher als eigenständige Gattung „Schuppenkarden“ (Virga Hill) geführten Arten werden in die Gattung Dipsacus gestellt.[4]

Die Gattung Dipsacus ist ursprünglich in Europa, im Mittelmeerraum, in Afrika südlich bis Kenia sowie im gemäßigten Asien südlich bis Myanmar verbreitet.

Die Gattung Dipsacus enthält etwa 20[5] Arten (Auswahl):

Gesammeltes Regenwasser in den Blattachseln der Wilden Karde (Dipsacus fullonum)

Die Karden (mittelhochdeutsch auch karten) wurden früher lateinisch cardo genannt.[7] Der Gattungsname Dipsacus hat einen Bezug zu den griechischen Wörtern dipsa = Durst bzw. dipsáein = dürsten, durstig sein. Dipsakos (dipsakós) bezeichnet zudem eine Art Diabetes (Zuckerkrankheit), die so benannt wurde, weil die Patienten unter unstillbarem Durst leiden. Der Gattungsname Dipsacus nimmt wohl Bezug auf die gegenständigen Laubblätter der Wilden Karde (Dipsacus fullonum), die durch Verwachsung ihrer Ränder kleine, trichterartige Becken bilden, in denen sich Regenwasser sammelt. Diese wurden früher auch als Venus-Waschbecken bezeichnet.[8]

  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.
  • Werner Greuter, Hervé-Maurice Burdet, Gilbert Long (Hrsg.): Med-Checklist. A critical inventory of vascular plants of the circum-mediterranean countries. Vol. 3: Dicotyledones (Convolvulaceae – Labiatae). Conservatoire et Jardin Botanique, Genève 1986, ISBN 2-8277-0153-7, S. 179–180 (englisch, online).
  • Yasin J. Nasir: Dipsacaceae. In: S. I. Ali, M. Qaiser: Flora of West Pakistan, Volume 94, Stewart Herbarium, 1975. Dipsacus, S. 9. Dipsacus bei Tropicos.org. In: Flora of Pakistan. Missouri Botanical Garden, St. Louis

Einzelnachweise

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  1. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1. Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 97 (eingescannt).
  2. Dipsacus bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 21. April 2018.
  3. 1 2 3 4 5 Dipsacus im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 15. Mai 2014.
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 G. Domina (2017+): Dipsacaceae. Datenblatt Dipsacus In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 Deyuan Hong, Liming Ma, Fred R. Barrie: Dipsacaceae. Dipsacus Linnaeus. S. 6584 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 19: Cucurbitaceae through Valerianaceae, with Annonaceae and Berberidaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2011, ISBN 978-1-935641-04-9.
  6. Yasin J. Nasir: Dipsacaceae. In: S. I. Ali, M. Qaiser: Flora of West Pakistan, Volume 94, Stewart Herbarium, 1975. Dipsacus, S. 9. Dipsacus bei Tropicos.org. In: Flora of Pakistan. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  7. Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 168 (zu Cardo und Virga pastoris bzw. Labrum veneris) und 235 („Virga pastoris – karten die die weber bruchen zu dem wullenduch […] – wilde carte.“)
  8. Friedhelm Sauerhoff, Etymologisches Wörterbuch der Pflanzennamen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2. Auflage, 2004, ISBN 3-8047-1899-X, S. 230–232.
Commons: Karden (Dipsacus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien