Die Freien

Die Freien waren ein Debattierclub der 1840er Jahre in Berlin, der vor allem aus Junghegelianern bestand.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gegründet um 1841, entstand der Kreis der Freien im Kaffeehaus- und Gaststättenmilieu des vormärzlichen Berlins, wo bereits in den 1830er Jahren ein Zirkel von Anhängern des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel in einem Café an der Französischen Straße existiert hatte: Neben Bruno Bauer und Karl Marx (ab 1837) als führenden Mitgliedern dieser Gruppe waren Edgar Bauer, Ludwig Buhl, Karl Friedrich Köppen, Eduard Meyen und Adolf Friedrich Rutenberg an den in lockerer Regelmäßigkeit stattfindenden Treffen beteiligt. Marx bezeichnete diese Vereinigung 1837 in einem Brief an seinen Vater als „Doctorklubb“.[1]
Unter der Bezeichnung Die Freien trafen sich ab 1841 junge Intellektuelle, vor allem Junghegelianer aus dem Umfeld der Universität zu Berlin, mal im Bernsteinschen Lesekabinett in der Behrenstraße, mal im roten Zimmer der Konditorei Stehely am Gendarmenmarkt, abends in der Hippelschen Weinstube in der Friedrichstraße oder in der Tabagie Clausing in der Zimmerstraße, ferner im Lesekabinett von Dr. Häring sowie in der Walburgschen Weinstube in der Poststraße. Nach Max Stirner, einem Mitglied der Gruppe, zielte das Programm der Freien darauf, „die Autonomie des Geistes als Fahne zu erheben und die Grundüberzeugung der modernen Philosophie aus der begrenzten Sphäre der Wissenschaft auch in die weitern Kreise des Lebens einzuführen und daselbst geltend zu machen“.[2] Sich als „Erben der Enzyklopädisten“ bezeichnend, inszenierten sie ihre Zusammenkünfte als Wiederbelebung der politischen Klubs der Französischen Revolution und begriffen sich als Organ radikaler, vor allem antikirchlicher Aufklärung. Ihr mediales Engagement für einen laizistischen Staat, die Freiheit von Wissenschaft und Presse sowie eine radikal antiautoritär verfasste Gesellschaft ließ 1841 die Gruppe überregional bekannt werden. 1841 entstand unter den Freien das Zeitschriftenprojekt Athenäum, das allerdings noch im selben Jahr von den preußischen Behörden verboten wurde. Ab etwa Mitte der 1840er Jahre löste sich der Kreis auf, spätestens Ende der 1840er Jahre bestand er nicht mehr.[3]
Mitglieder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Innerer Kreis
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Umfeld (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Louise Aston
- Heinrich Beta
- Max Cohnheim
- Wilhelm Cornelius
- Marie Dähnhardt
- Ernst Dohm
- Ernst Dronke
- Albert Dulk
- Ludwig Eichler
- Julius Faucher
- Rudolf Gottschall
- Wilhelm Jordan
- Gustav Julius
- David Kalisch
- Julius Leopold Klein
- Ernst Kossak
- Julius Löwenberg
- Rudolf Löwenstein
- Hermann Maron
- Otto Michaelis
- Karl August Noback
- John Prince-Smith
- Hermann Raster
- Karl Riedel
- Walter Rogge
- Enno Sander
- Max Schasler
- Max Schmidt
- Wilhelm Scholz
- Adolf Streckfuß
- Wilhelm Le Tanneux von St. Paul
- Henry Ulke
- Titus Ullrich
- Moritz Veit
- Julius Waldeck
- Feodor Wehl
- Guido Weiss
- Otto von Wenckstern
- Friedrich Zabel
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ernst Schulte-Holtey: Die Freien [Berlin]. In: Wulf Wülfing, Karin Bruns, Rolf Parr (Hrsg.): Handbuch literarisch-kultureller Vereine, Gruppen und Bünde 1825–1933 (= Repertorien zur deutschen Literaturgeschichte, Band 18). J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 1998, ISBN 978-3-476-01336-1, S. 102–111 (Google Books).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Brief vom 10./11. November 1837. In: MEGA, 3. Abt., Band 1, S. 9–18, hier S. 17
- ↑ John Henry Mackay: Max Stirner. Sein Leben und sein Werk. 3. Auflage, Berlin 1914, S. 134
- ↑ John Henry Mackay: Max Stirner. Sein Leben und sein Werk. 3. Auflage, Berlin 1914, S. 76, 196 f.