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Diadochit

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Diadochit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung Fe3+2[OH|SO4|PO4]·6H2O[3] und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Eisen-Phosphat mit zusätzlichen Hydroxid- und Sulfationen.

Diadochit kristallisiert im triklinen Kristallsystem, findet sich jedoch überwiegend in knollenförmigen, massigen Mineral-Aggregaten oder krustigen Überzügen. Selten entwickelt er auch mikroskopisch kleine, sechsseitige, flache Kriställchen[7] von hellgelber bis gelbbrauner, rötlichbrauner oder gelbgrüner Farbe.

Etymologie und Geschichte

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Erstmals beschrieben wurde Diadochit 1837 durch August Breithaupt, der das Mineral nach dem altgriechischen Wort διάδοχος für Nachfolger benannte, da es als Sekundärmineral dem Pitticit (Fe3+2(AsO4)(SO4)(OH)·nH2O) durch Austausch von Arsen durch Phosphor nachfolgt.

Als Typlokalität gelten die Schieferbrüche bei Arnsbach, einem Ortsteil von Probstzella in Thüringen.[9]

Das Typmaterial des Minerals wird in der Technischen Universität Bergakademie Freiberg (TU-BA) in Freiberg unter der Inventarnummer 20765 und im Muséum national d’histoire naturelle (MHN) in Paris (Frankreich) unter den Inventarnummern 80.1 und 80.2 aufbewahrt.[10][11]

Da der Diadochit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Diadochit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Diadochit lautet „Ddc“.[1]

Bereits in der letztmals 1977 überarbeiteten und daher veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Diadochit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, Arsenate und Vanadate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Beraunit, Bermanit, Destinezit, Kakoxen, Kryzhanovskit, Pitticit (Status fraglich), Strunzit und Tinticit in der „Strunzit-Beraunit-Gruppe“ mit der Systemnummer VII/D.05 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/D.05-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, mit fremden Anionen“, wo Diadochit zusammen mit Bukovskýit, Destinezit, Hilarionit, Pitticit, Sarmientit und Zýkait eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/D.05 bildet.[4]

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Diadochit in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- beziehungsweise Vanadatkomplex. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; (OH usw.) : RO4 < 1 : 1“ zu finden, wo es zusammen mit Destinezit und Pitticit die „Diadochitgruppe“ mit der Systemnummer 8.DB.05 bildet.[12]

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Diadochit die System- und Mineralnummer 43.05.02.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Zusammengesetzte Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 43.05.02.[5]

Kristallstruktur

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Diadochit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2 mit den Gitterparametern a = 9,57 Å; b = 9,72 Å; c = 7,31 Å; α = 98,7°; β = 107,9° und γ = 63,9° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle[3].

Varietäten und Modifikationen

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Eine wasserfeste, feinkristalline Substanz mit ähnlicher Zusammensetzung (~20 % P2O5, ~27 % SO4) wird teils als Destinezit bezeichnet, teils als kristalline Varietät des Diadochits betrachtet. Mit hellbeigen bis graubraunen Krusten überzieht sie den Fels auch an trockenen, luftigen Stellen. Als Typlokalität gelten die Saalfelder Feengrotten (Thüringen).

Bildung und Fundorte

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Gelbliche, kugelige Aggregate von Diadochit auf Matrix aus Hagendorf Süd, Hagendorf (Waidhaus), Bayern
Diadochit-Stalaktiten von bis zu 40 cm Länge in der Tropfsteingrotte des Besucherbergwerkes Alaunwerk Mühlwand

Diadochit bildet sich als Sekundärmineral bei der zum Teil mikrobakteriell induzierten Oxidation von Eisendisulfid (Markasit, Pyrit) und Phosphorit zu Schwefel- und Phosphorsäure, welche anschließend Eisen und andere Metalle aus den umgebenden Gesteinen lösen (Verdrängung schwacher Säuren durch starke). In ehemaligen Alaunschiefer-Bergwerken tritt er oft massenhaft auf und bildet hier zum Teil farbenprächtige Tropfsteine, Sintergebilde und Überzüge. Begleitminerale sind unter anderem Delvauxit, Pitticit, Vashegyit, Vivianit, Wavellit und anderen Phosphatmineralen.

Diadochit konnte bisher an mehr als 70 Fundorten nachgewiesen werden (Stand: 2009),[13] so unter anderem bei Lubango in Angola; bei Mons, Visé und Anhée in Belgien; Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen in Deutschland; bei Huelgoat und Peychagnard in Frankreich; England in Großbritannien; Italien; im kanadischen Yukon; in den Gurktaler Alpen und bei Leoben in Österreich; Rumänien; Slowakei; im tschechischen Böhmen; Ungarn; sowie in mehreren Regionen der USA.[14]

  • J. F. August Breithaupt: Bestimmung neuer Mineralien. In: Journal für Praktische Chemie. Band 10, 1837, S. 503–505, 2. Diadochit (Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 17. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 770 kB]).
  • Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 649 (Erstausgabe: 1891).
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 181.
  • Bernd Ullrich, Kay-Uwe Hantsch, Klaus Müller, Heiner Siedel: Sekundärmineralbildungen des Alaunschieferbergwerkes „Morassina“ bei Schmiedefeld am Rennweg (Saalfelder Höhe) im Thüringischen Schiefergebirge. In: Beiträge zur Geologie von Thüringen. 2005, S. 41–69 (tu-dresden.de (Memento vom 4. Januar 2016 im Internet Archive) [PDF; 3,3 MB]).
Commons: Diadochite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 21. August 2026]).
  2. 1 2 Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2026. (PDF; 3,2 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2026, abgerufen am 21. August 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 4 5 6 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 495 (englisch).
  4. 1 2 3 Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  5. 1 2 Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S. 966.
  6. ↑ David Barthelmy: Diadochite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 21. August 2026 (englisch).
  7. 1 2 3 4 5 Diadochite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 65 kB; abgerufen am 21. August 2026]).
  8. 1 2 3 4 Diadochite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 21. August 2026 (englisch).
  9. ↑ Typlokalität für Diadochit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 21. August 2026.
  10. ↑ Catalogue of Type Mineral Specimens – D. (PDF 151 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 21. August 2026 (Gesamtkatalog der IMA).
  11. ↑ Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 21. August 2026 (englisch).
  12. ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  13. ↑ Mindat - Localities für Diadochite (englisch).
  14. ↑ Fundortliste für Diadochit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 21. August 2026.
Diadochit
Diadochit – Fundort: Lodenitz, Böhmen
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Ddc[1]

Chemische Formel
  • Fe3+2(PO4)(SO4)(OH)(H2O)5·H2O[2]
  • Fe3+2[OH|SO4|PO4]·6H2O[3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/D.05
VII/D.05-020[4]

8.DB.05[5]
43.05.02.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1[6]
Raumgruppe P1 (Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2[3]
Gitterparameter a = 9,57 Å; b = 9,72 Å; c = 7,31 Å
α = 98,7°; β = 107,9°; γ = 63,9°[3]
Formeleinheiten Z = 2[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3 bis 4[7]
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,0 bis 2,4; berechnet: [2,32][7]
Spaltbarkeit keine
Bruch; Tenazität muschelig, erdig bis uneben; pulvrig bis spröde[7]
Farbe hellgelb bis gelb, bräunlichgelb, rötlichbraun bis braun, grünlichgelb bis hellgrün[7]
Strichfarbe blassgelb bis braungelb[4]
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Glasglanz, erdig matt
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,615[8]
nβ = 1,618 bis 1,638[8]
nγ = 1,665 bis 1,670[8]
Doppelbrechung δ = 0,050 bis 0,055[8]
Optischer Charakter zweiachsig positiv