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Daozang

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Daozang (chinesisch 道藏, Pinyin Dào Zàng) bezeichnet das für den Daoismus normative Schriftgut (Kanon).

Der früheste Versuch einer Kategorisierung der daoistischen Schriften fand bereits im 3. Jahrhundert n. u. Z. statt. Zurückdatieren lässt sich der Kanon zuverlässig allerdings nur bis in das 5. Jahrhundert.[1] Während der Tang-Zeit war das Kaiyuan Baozang die größte Sammlung daoistischer Schriften. Der Kanon der Song-Zeit ging verloren, der heute vorliegende stammt aus der Ming-Dynastie.[2]

Der heutige Daozang wurde 1409 auf kaiserliche Anordnung zusammengestellt, die Geschichte dieser Zusammenstellung reicht jedoch bis in das 5. Jahrhundert zurück, als die „Drei Höhlen“ (San dong, siehe auch Grottenhimmel) der Textgruppen Lingbao, Shangqing und San Huangwen entstanden. Diese Struktur prägt den Kanon, auch wenn später andere Texte aufgenommen wurden und Verschiebungen und Erweiterungen stattfanden.

Der bis heute überlieferte Kanon stammt aus dem Jahr 1447 mit einem Zusatz von 1607. Er enthält 1474 Werke.[3] Darunter befinden sich allerdings auch Werke konfuzianischer Gelehrter.[4] Von Anfang an handelte es sich um einen „offenen“ Kanon, das heißt, er wurde und wird kontinuierlich um neue Texte ergänzt.

Die mystischen Texte des Lingbao und des Shangqing sollen der Überlieferung nach durch Offenbarung entstanden sein, während andere Texte, wie z. B. das Baopuzi sich auf praktische Belange wie Alchemie, Lebenspflege und Sublimierung der menschlichen Physis beziehen.

Neben den Offenbarungen haben Fu-Lu, Amulette und Register, eine besondere Bedeutung für die Praxis des Daoismus. Register enthalten die Namen von Gottheiten und sind Daoshi, daoistischen Priestern, vorbehalten. Die Namen von Göttern werden mittels der Register aufgerufen und in Liturgien eingesetzt. Die Amulette stellen oft graphische Zeichnungen dar, die religiöse Kräfte herbeizwingen sollen, oder als diese selbst angesehen werden.

Einzelnachweise

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  1. Florian Reiter: Taoismus zur Einführung. Junius, Hamburg 2000, ISBN 978-3-88506-386-5.
  2. Eva Wong: Die Lehren des Tao. Ullstein, Berlin 1998, ISBN 978-3-548-35778-2.
  3. Hans-Günter Wagner: Chinas indigene Religion und Philosophie. Origo, Bern 2025, ISBN 978-3-282-00214-6, S. 152.
  4. Hans van Ess: Der Daoismus. Von Laozi bis heute. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61218-3, S. 111.