Scheibenblumengewächse
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Panamahut-Pflanze (Carludovica palmata), Habitus, Blütenstände und palmenähnliche Fächerblätter. | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Cyclanthaceae | ||||||||||||
| Poit. ex A.Rich. |
Die Scheibenblumengewächse (Cyclanthaceae) sind eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Schraubenbaumartigen (Pandanales). Ihre Verbreitung ist neotropisch.
Beschreibung und Ökologie
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Die morphologischen Ähnlichkeiten mit den Arecaceae und Araceae spiegeln keine Verwandtschaft wider.
Habitus und Laubblätter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es sind selten verholzende Pflanzen: Sträucher oder Lianen oder meistens ausdauernde krautige Pflanzen. Sie wachsen selbständig aufrecht oder sie klettern; manche Arten sind Epiphyten. Die einfache bis verzweigte Sprossachse ist sehr kurz bis lang, aber schlank. Manche Arten bilden ein Rhizom.
Die Laubblätter sind wechselständig und spiralig bis zweizeilig angeordnet. Die Laubblätter sind in Blattscheide, Blattstiel (selten fehlt ein Blattstiel) und Blattspreite gegliedert. Bei voll ausgebildeten Laubblättern sind die Blattscheiden offen. Die krautigen oder ledrigen Blattspreiten sind einfach oder meist geteilt. Wenn sie geteilt sind, dann sind es palmenähnliche Fächerblätter (palmat) oder bei Cyclanthus bipartitus zweigeteilte (bifid).
Blütenstände und Blüten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sie sind einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Sehr wenige bis sehr viele Blüten stehen in einem end- oder seitenständigen, gestielten, unverzweigten Blütenstand, hier Kolben (Spadix) genannt, zusammen, der im knospigen Zustand von meist zwei bis vier (selten bis elf) Spatha (Hochblatt) umhüllt ist. Die Spatha variieren in Größe, Form und Farbe: grün, weiß, rot oder gelb. Die kleinen Blüten sind funktional eingeschlechtig. Bei der Unterfamilie Carludovicoideae stehen die Blüten in spiralig angeordneten Gruppen dicht zusammen und eine weibliche Blüte ist von vier männlichen Blüten umgeben. Bei der Unterfamilie der Cyclanthoideae stehen die Blüten eines Geschlechtes meist in Wirteln zusammen.
Die eingeschlechtigen Blüten besitzen vier oder keine Blütenhüllblätter, die mehr oder weniger symmetrisch und frei oder verwachsen sind. Pro männlicher Blüte sind 10 bis 20 (selten bis 150) freie Staubblätter vorhanden. Die Staubfäden sind an ihrer Basis mehr oder weniger stark verwachsen und meist angeschwollen. Die basifixen Staubbeutel besitzen zwei Theken und sind tetrasporangiat. Die weiblichen Blüten besitzen vier Staminodien gegenüber der Blütenhüllblätter; sie sind pfriem-, wurm- oder fadenförmig, meist 3 bis 5 (1 bis 10) Zentimeter lang, weiß bis rot oder gelb, mit oder ohne rudimentäre Staubbeutel. In den weiblichen Blüte sind die vier Fruchtblätter zu unter bis halbunterständigen Fruchtknoten verwachsen mit 50 bis 150 (vielen) Samenanlagen. Die ursprünglich vier Teile des Griffels sind vollkommen bis ganz nach oben verwachsen oder teilweise bis vollkommen frei; aber immer sind vier Narben vorhanden. Die Bestäubung erfolgt durch Käfer (Entomophilie).
Früchte und Samen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die fleischigen Beeren bilden oft mit dem Kolben zusammen einen fleischigen Fruchtverband (synkarp). Die Samen können geflügelt (Stelestylis) sein. Je Frucht werden meist viele, kleine bis sehr große Samen gebildet. Die Samen von Cyclanthoideae enthalten Stärke und die von Carludovicioideae enthalten keine Stärke.
Systematik und Verbreitung
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Die Verbreitung der Familie ist rein neotropisch.
Die ältesten Fossilien von Früchten und Samen, die man den Scheibenblumengewächsen zuordnen kann, beschrieb man als Cyclanthus messelensis. Sie wurden in Schichten des Mittleren Eozän der Grube Messel nahe Darmstadt gefunden und auf 47 Millionen Jahre vor heute datiert.[1]
Der Familienname Cyclanthaceae wurde 1824 von Achille Richard in Dictionnaire classique d’histoire naturelle, Band 5, Seite 222 erstveröffentlicht. Richard übernahm den Namen von Pierre Antoine Poiteau.
Die Familie der Scheibenblumengewächse (Cyclanthaceae) wird in zwei Unterfamilien gegliedert und enthält zwölf Gattungen[2][3] mit früher etwa 224, seit 2023 232[4] Arten:
- Cyclanthoideae: Sie enthält nur eine Gattung:
- Cyclanthus Poit. ex A.Rich.: Die nur zwei Arten sind vom südlichen Mexiko bis Bolivien verbreitet:[4]
- Scheibenblume (Cyclanthus bipartitus Poit.): Es ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit palmenähnlichen, bifiden (nur zweiteiligen) Fächerblättern. Die Blüten sind stark reduziert (mit nur wenigen Blütenorganen). Von dieser Art sind Fälle von Kontaktdermatitis bekannt. Ihre Heimat reicht vom südlichen Mexiko bis zum nordwestlichen Bolivien und Brasilien und bis Französisch-Guayana und den Kleinen Antillen.[3]
- Cyclanthus indivisus R.E.Schult.: Sie kommt in Panama und in Kolumbien vor.[3]
- Cyclanthus Poit. ex A.Rich.: Die nur zwei Arten sind vom südlichen Mexiko bis Bolivien verbreitet:[4]
- Carludovicioideae: Es sind krautige Pflanzen oder Kletterpflanzen mit elf Gattungen und etwa 224 Arten:
- Asplundia Harling: Die etwa 100 Arten[4] sind von Mexiko bis ins tropische Südamerika verbreitet.[3]
- Carludovica Ruiz & Pav.: Die etwa vier Arten sind vom südlichen Mexiko bis ins tropische Südamerika verbreitet.[3] Auf den Karibischen Inseln ist Carludovica palmata ein Neophyt.[3]
- Chorigyne R.Erikss.: Die etwa sieben Arten kommen von Costa Rica bis Panama vor.[3]
- Dianthoveus Hammel & Wilder: Es gibt nur eine Art:[4]
- Dianthoveus cremnophilus Hammel & G.J.Wilder: Sie kommt von Kolumbien bis ins nördliche Ecuador vor.[3]
- Dicranopygium Harling: Die etwa 54 Arten[4] sind vom südlichen Mexiko bis ins südliche Peru und Französisch-Guayana verbreitet und kommen bis zu den Kleinen Antillen vor.[3]
- Evodianthus Oerst.: Es gibt nur eine Art[4] mit etwa vier Unterarten:
- Evodianthus funifer (Poit.) Lindm.: Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Mexiko bis ins südliche Peru und zum östlichen Brasilien, außerdem zu den Kleinen Antillen.[3]
- Ludovia Brongn.: Die etwa drei Arten[4] kommen von Nicaragua bis ins zentrale Peru und Französisch-Guayana vor.[3]
- Schultesiophytum Harling: Es gibt nur eine Art:[4]
- Schultesiophytum chorianthum Harling: Sie kommt in den nördlichen Anden[4] vom südlichen Kolumbien bis Ecuador und bis ins zentrale Peru vor.[3]
- Sphaeradenia Harling: Die etwa 53[4] Arten sind von südlichen Nicaragua bis ins westliche Bolivien und nördliche Brasilien verbreitet.[3]
- Stelestylis Drude: Die etwa vier oder fünf[4] Arten kommen von Venezuela bis Französisch-Guayana und dem nördlichen Brasilien vor.[3]
- Thoracocarpus Harling: Es gibt nur eine Art:[4]
- Thoracocarpus bissectus (Vell.) Harling: Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Costa Rica bis Bolivien und ins südöstliche Brasilien, außerdem zu den Kleinen Antillen und Kuba.[3]
Nutzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Ecuador, wo der Panamahut (gefertigt aus Carludovica palmata) eigentlich herkommt, verwendet man den Trivialnamen „Toquilla“.
Bilder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Fruchtstände von Carludovica drudei
- Fächerblatt von Carludovica rotundifolia
- Carludovica rotundifolia, unreifer Fruchtkolben (Spadix), längs aufgeschnitten
Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Familie der Cyclanthaceae bei der APWebsite. (Abschnitte Beschreibung und Systematik)
- Die Familie der Cyclanthaceae bei DELTA. (Abschnitt Beschreibung)
- Roger Eriksson: Die Familie der Cyclanthaceae bei Neotropical Families von Royal Botanic Gardens, Kew. (Abschnitt Beschreibung und Verbreitung)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- E. C. Riordan, O. Vargas Ramirez, P. W. Rundel: Functional trait diversity of Cyclanthaceae and its convergent evolution with Araceae in Neotropical forests. In: PeerJ., 11:e15557, Juli 2023. doi:10.7717/peerj.15557
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Selena Y. Smith, Margaret E. Collinson, Paula J. Rudall: Fossil Cyclanthus (Cyclanthaceae, Pandanales) from the Eocene of Germany and England. In: American Journal of Botany, Volume 95, 2008, S. 688–699: oOnline.
- ↑ Cyclanthaceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 11. Oktober 2026.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Cyclanthaceae. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science, abgerufen am 11. Oktober 2026.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 E. C. Riordan, O. Vargas Ramirez, P. W. Rundel: Functional trait diversity of Cyclanthaceae and its convergent evolution with Araceae in Neotropical forests. In: PeerJ., 11:e15557, Juli 2023. doi:10.7717/peerj.15557