Cumengeit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem, entwickelt aber nur selten isolierte Kristalle von bis zu acht Zentimeter Größe mit pseudo-oktaedrischem oder pseudo-kubooktaedrischem Habitus. Typischerweise findet er sich in Form von orientierten Überwachsungen (Epitaxien) auf den Würfelflächen von Boleit und Pseudoboleit oder in Kristallgruppen, die Zwillingsbildungen imitieren. Das Mineral ist durchscheinend mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen und ähnlich wie Boleit von indigoblauer Farbe.
Erstmals entdeckt wurde das Mineral durch Edouard Cumenge, einem französischen Mineralogen und Bergbau-Ingenieur. Cumenge war zur Zeit der Entdeckung Direktor der französischen Bergbaugesellschaft, die die „Amelia-Mine“ bei Santa Rosalía (Municipio Mulegé) im mexikanischen Bundesstaat Baja California Sur betrieb.[6] Er schickte 1890 einige Proben mit blauen Kristallen eines vor Ort als unbekannt eingestuften Minerals an seinen früheren Professor François Ernest Mallard. Dieser erkannte, dass es sich tatsächlich um eine neue Mineralart handelte und gab dieser zu Ehren seines Entdeckers den Namen Cumengeit, allerdings in der Schreibweise Cumengéit.
Seit 2008 ist diese Schreibweise diskreditiert, da sich der Namensgeber ohne Akut über dem ‚e‘ schreibt und es sich daher um ein überflüssiges diakritisches Zeichen handelt.[7]
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Cumengeit zur Mineralklasse der „Halogenide“ und dort zur Abteilung der „Oxidhalogenide“, wo er zusammen mit Boleit, Chloroxiphit, Diaboleit, Hämatophanit, Pseudoboleit und den inzwischen als Gemenge diskreditierten Percylith die „Boleit-Diaboleit-Haematophanit-Gruppe“ mit der System-Nr. III/C.04 bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. III/D.12-40. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der ebenfalls der Abteilung „Oxidhalogenide“, wo Cumengeit zusammen mit Bideauxit, Boleit, Chloroxiphit, Diaboleit, Hämatophanit, Pseudoboleit, Siidrait und Yedlinit eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet.[10]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Cumengeit in die erweiterte Abteilung der „Oxihalogenide, Hydroxyhalogenide und verwandte Doppel-Halogenide“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Pb, Cu usw.“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 3.DB.20 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Cumengeit in die Klasse der „Halogenide“ und dort in die Abteilung der „Oxihalogenide und Hydroxyhalogenide“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 10.06.07 innerhalb der Unterabteilung „Oxihalogenide und Hydroxyhalogenide mit der Formel AmBn(O,OH)pXq“ zu finden.
Cumengeit bildet sich als typisches Sekundärmineral in der Oxidationszone von Blei-Kupfer-Lagerstätten. Nur selten finden sich einzelne Kristalle mit pseudo-oktaedrischem oder pseudokubo-oktaedrischem Aussehen. Sehr viel häufiger entstehen orientierte Verwachsungen (Epitaxie) von würfeligem Boleit oder Pseudoboleit und pyramidalem Cumengeit. Die „Amelia Mine“ bei Santa Rosalía in Mexiko stellt in dem Zusammenhang die Typlokalität dieser drei Minerale dar, wo bisher auch die größten Kristalle mit einem Durchmesser von etwa 3,5cm gefunden wurden.
F. E. Mallard:Sur la boléite, la cumengéite et la percylite. In: Bulletin de la Société Française de Minéralogie. Band16, 1893, S.184–195 (französisch, rruff.info[PDF; 805kB; abgerufen am 28.Oktober 2022]).
F. C. Hawthorne, L. A. Groat:The crystal structure and chemical composition of cumengéite. In: Mineralogical Magazine. Band50, 1986, S.157–162 (englisch, rruff.info[PDF; 339kB; abgerufen am 28.Oktober 2022]).
Cumengeite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 116kB; abgerufen am 28.Oktober 2022]).
search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 28.Oktober 2022(englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.174 (englisch).
↑David Barthelmy:Cumengite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 28.Oktober 2022(englisch).
123Cumengeite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 28.Oktober 2022(englisch).
↑Ernst A. J. Burke:Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks. In: Mineralogical Record. Band39, Nr.2, 2008, S.134 (englisch, cnmnc.units.it[PDF; 751kB; abgerufen am 26.Oktober 2024]).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.