Cryptococcus neoformans
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Cryptococcus neoformans | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Cryptococcus neoformans | ||||||||||||
| (San Felice) Vuill. |
Cryptococcus neoformans ist ein hefeähnlicher, bekapselter Pilz mit weltweiter Verbreitung. Die Art ist 1 bis 5 µm groß, rundlich und weist einen haploiden Chromosomensatz auf. Das geschlechtliche bzw. teleomorphe Stadium von Cryptococcus neoformans heißt Filobasidiella neoformans und wurde 1976 durch Kwon-Chung beschrieben.
Cryptococcus neoformans ist der wichtigste Erreger der Kryptokokkose, einer opportunistischen Infektion, die fast ausschließlich bei Patienten mit massiver Immunschwäche auftritt. So gehört die Kryptokokkose zu den wichtigsten AIDS-definierenden Erkrankungen. Zudem ist Cryptococcus neoformans der häufigste Erreger einer Pilz-Meningitis weltweit.[1]
Vorkommen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Cryptococcus neoformans kommt weltweit vor. Er wächst in der Erde und auf verschiedenen Gräsern und Getreidearten. Der Pilz ist häufig im Kot verschiedener Vogelarten nachzuweisen. Daraus resultierende Stäube stellen eine Infektionsquelle für den Menschen dar.[2] Unter gesunden Menschen ist der serologische Nachweis von Kontakt mit Cryptococcus neoformans häufig. Dabei erfolgt die Infektion meist im Kindesalter und geht entweder in eine Eliminierung des Erregers oder ein asymptomatisches Latenzstadium über. Als Krankheitserreger beim Menschen kommt Cryptococcus neoformans fast ausschließlich bei Menschen mit reduzierter Leistung des Immunsystems vor. Dies trifft für AIDS-Kranke und Patienten unter immunsuppressiver Therapie zu. Hochrechnungen kommen zu dem Schluss, dass rund 1 Million Menschen jährlich an einer Kryptokokkose erkranken, und rund 600.000 versterben. Die Mehrheit der Fälle steht in Zusammenhang mit der seit Anfang der 1990er Jahre herrschenden HIV-Epidemie.[3]
Krankheitsentstehung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Pilz dringt über die Atemwege in den menschlichen Körper ein. Bei immunkompetenten Menschen erfolgt bei Cryptococcus neoformans die Elimination des Erregers oder der Erreger wird vom Immunsystem in einem Granulom abgekapselt. Über Folgen einer latenten Infektion ist beim Menschen nichts bekannt. Im Tiermodell konnte jedoch ein Zusammenhang mit allergischen Atemwegserkrankungen dargestellt werden. Bei Menschen mit Immunschwäche kann der Erreger ins Blut eindringen und überwindet die Blut-Hirn-Schranke.[3] Die Mehrheit der Erkrankungen wird als Reaktivierung einer latenten Infektion gesehen. Rund 20 % werden von mehreren Stämmen befallen und werden als Neuinfektionen aus der Umwelt gewertet.[4] Als mögliche Mechanismen hierzu werden eine direkte Überwindung der Barriere durch Pilzzellen sowie das Einschleppen durch mit Cryptococcus neoformans infizierten Makrophagen diskutiert. Sobald der Erreger in das zentrale Nervensystem eingedrungen ist, induziert er durch seine Vermehrung eine Hirnhautentzündung. Dabei schützt den Erreger seine Polysaccharidkapsel gegen Phagocytose. Ebenso werden große Mengen an Kapselpolysacchariden, welche die Immunantwort stören, in das Gewebe abgegeben. Der Pilz produziert auch Enzyme (unter anderem eine Phospholipase), um das Gewebe des Wirts aufzulösen.[3]
Siehe zur gefährlicheren Form den mutierten Pilz Cryptococcus neoformans var. gattii auch Cryptococcus gattii.
Behandlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zur Therapie der Erkrankung stehen die Antimykotika Amphotericin B und Flucytosin sowie die Gruppe der Azole (Fluconazol, Voriconazol, Posaconazol, Itraconazol und andere) zur Verfügung. Diese werden je nach Schwere der Erkrankung in Kombinationen verabreicht. Nach Ausheilung ist meist eine mehrjährige oder lebenslange Erhaltungstherapie notwendig.[5]
Die WHO hat Cryptococcus neoformans auf ihrer im Oktober 2022 erstmals veröffentlichten Liste der gesundheitsgefährdenden Pilzspezies (FPPL – Fungal Priority Pathogens List) in die höchste Kategorie 'kritisch' eingeordnet.[6]
Forschungsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Cryptococcus neoformans wurde erstmals 1890 beschrieben.[3]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Matthew G. Gartland, Samuel C.D. Cartmell, John S. Albin, Daniel Restrepo, Anthony R. Russo: Case 13-2025: A 70-Year-Old Man with Weight Loss, Weakness, and Anorexia New England Journal of Medicine 2025, Band 392, Ausgabe 18 vom 8. Mai 2025, Seiten 1847-1856, DOI: 10.1056/NEJMcpc2412518
- ↑ Herbert Hof, Rüdiger Dörries: Medizinische Mikrobiologie, 3. Auflage, Stuttgart, 2005, S. 479.
- 1 2 3 4 Arturo Casadevall: Cryptococcosis, in Dan L. Longo, Anthony A. Fauci, Dennis Kasper, Stephen L. Hauser, J. Larry Jameson, Joseph Localzo : Harrison's Principles of Internal Medicine, 18. Auflage, New York, 2012, S. 1648–1651.
- ↑ Desnos-Ollivier, M. et al.: Mixed Infections and In Vivo Evolution in the Human Fungal Pathogen Cryptococcus neoformans. In: MBio. 18. Jahrgang, Nr. 1, 2010, S. e00091–10, PMID 20689742 (englisch).
- ↑ IDSA Guideline: John R. Perfect et al. : Clinical Practice Guidelines for the Management of Cryptococcal Disease: 2010 Update by the Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis. (2010) 50 (3): 291-322 doi:10.1086/649858
- ↑ https://www.who.int/news/item/25-10-2022-who-releases-first-ever-list-of-health-threatening-fungi
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Cryptococcus neoformans ( vom 24. April 2013 im Internet Archive) auf schimmel-schimmelpilze.de
- Cryptococcus neoformans - Datensatz im Index Fungorum
- Clare Watson: We Finally Know How Deadly Fungal Meningitis Spreads in The Brain, And It's Brutal. Auf: sciencealert vom 23. April 2022