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Conductus

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Anfang des Conductus Salvatoris hodie aus der Handschrift W2 der Herzog August Bibliothek

Ein Conductus (lateinisch conductus[1], französisch conduit) ist ein Begleitgesang im Discantus-Satz, der neben Organum und Motette zu den wichtigsten Musikgattungen der Musik der Ars Antiqua zählte. Mit einem Conductus wurden Auftritte von handelnden Personen begleitet, zum Beispiel das Herein- oder Hinausschreiten geistlicher Würdenträger einer Kirche.

Der Conductus entstand bereits während der St.-Martial-Schule (wo er als versus bezeichnet wurde). Anders als andere Gattungen jener Zeit existierte der Conductus nach der Notre-Dame-Schule als solcher nicht weiter, sondern ging in anderen Musikgattungen auf.[2] Lediglich als Stilmerkmal wurde die Bezeichnung fortgeführt.

Die Texte mit sowohl geistlichem als auch weltlichem Inhalt[3] beruhten auf lateinischen Vorlagen mit ernstem und feierlichen Charakter. Sie hatten die Form mehrstrophiger Gedichte, deren Aufbau bestimmend für die Komposition war.[2] Der Gesang war ein- oder mehrstimmig, allerdings überwog die Zweistimmigkeit.[2] Meist lag dem Gesang ein Tenor zugrunde, die Stimme ist zumeist syllabisch, konnte am Strophenende aber auch melismatisch sein.[2]

Das Wort leitet sich von den lateinischen Worten Con (von lat. cum, mit) und ductus (von ducere, führen oder leiten, Partizip geführt) ab. Mitgeführt ist die wortbezogene Übersetzung: die Musik begleitet die sie beauftragende (und von ihr zu ehrende) Person.

  1. Ein Substantiv der lateinischen u-Deklination, Plural: conductūs. Mit dieser Pluralform wird es auch in der musikwissenschaftlichen Fachliteratur gebraucht, z. B.: Die Organa und mehrstimmigen Conductus (...).
  2. a b c d Karl H. Wörner: Geschichte der Musik. S. 93.
  3. Karl H. Wörner: Geschichte der Musik. S. 90.