Common Criteria for Information Technology Security Evaluation
Die Common Criteria for Information Technology Security Evaluation (kurz auch Common Criteria oder CC; zu deutsch: Allgemeine Kriterien für die Bewertung der Sicherheit von Informationstechnologie) sind ein internationaler Standard zur Prüfung und Bewertung der Sicherheitseigenschaften von IT-Produkten.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Juni 1993 begann das Common Criteria Editorial Board (CCEB) mit Mitgliedern aus Kanada, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den Vereinigten Staaten mit der Ausarbeitung der Common Criteria. Dazu glich das CCEB die bisherigen Standards CTCPEC (kanadisch), ITSEC (europäisch) und TCSEC (amerikanisch) einander an. So wurde eine gemeinsam anerkannte Grundlage für Bewertungen der Datensicherheit geschaffen. Das soll vermeiden, dass Komponenten oder Systeme in verschiedenen Ländern mehrfach bewertet und zertifiziert werden müssen. Die erste Version (1.0) wurde im Januar 1996 veröffentlicht. Version 2.0 folgte nach einer langen Revisions-Phase durch das neu gegründete CC Implementation Board (CCIB) im Mai 1998. Zu den sogenannten Projektsponsoren gehörte seit dieser Version neben den bisher genannten Staaten auch die Niederlande.
ISO/IEC-Standard
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 1994 war die International Organization for Standardization (ISO) gemeinsam mit dem CCEB bzw. dem Nachfolger CCIB bemüht, einen internationalen Standard zu entwickeln. Durch die Verabschiedung der Norm ISO/IEC 15408 am 1. Dezember 1999 in mehreren Teildokumenten[1] sind die Common Criteria ein allgemeiner und weltweit anerkannter Standard.[2][3] Die Norm unterliegt den üblichen Änderungsverfahren der ISO. Im Jahr 2005 folgte die Version 2.3, im September 2006 ein Versionssprung auf 3.1. Neue Projektsponsoren sind seitdem Australien, Neuseeland, Japan und Spanien.[4] Im September 2012 wurde die vierte Revision der Common Criteria 3.1 veröffentlicht, im April 2017 folgte Revision 5.
Vorgehensmodell
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| Bereich | IT-Sicherheit | |||
| Titel | Informationstechnik – IT-Sicherheitsverfahren – Evaluationskriterien für IT-Sicherheit | |||
| Teile | 3 | |||
| Letzte Ausgabe | Teil 1&2:2020-12 | |||
| Nationale Normen | EN ISO/IEC 15408 DIN EN ISO/IEC 15408, ÖVE/ÖNORM EN ISO/IEC 15408, SN EN ISO/IEC 15408 | |||
| CC EAL | Bedeutung | ITSEC E | BSI ITS Q | TCSEC |
|---|---|---|---|---|
| EAL1 | funktionell getestet | E0-E1 | Q0-Q1 | D-C1 |
| EAL2 | strukturell getestet | E1 | Q1 | C1 |
| EAL3 | methodisch getestet und überprüft | E2 | Q2 | C2 |
| EAL4 | methodisch entwickelt, getestet und durchgesehen | E3 | Q3 | B1 |
| EAL5 | semiformal entworfen und getestet | E4 | Q4 | B2 |
| EAL6 | semiformal verifizierter Entwurf und getestet | E5 | Q5 | B3 |
| EAL7 | formal verifizierter Entwurf und getestet | E6 | Q6 | A |
Methodik der Bewertung für die Zertifizierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ergänzend zu den Common Criteria wurde von den beteiligten Gremien und Einrichtungen eine Zertifizierungsmethodik entwickelt, die die Ergebnisse von Zertifizierungen nachvollziehbar und vergleichbar machen soll. Derzeit (Stand 2007) sind sie für die Teile 1 und 2 ausgeführt und analog zu den EAL 1–4 aufgebaut.
Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Den Common Criteria liegt ein sehr formaler Ansatz zu Grunde, der für die internationale Anerkennung der Zertifikate als Basis erforderlich ist. Dies führt zu der häufigen Kritik, dass in Prüfungen nach Common Criteria zu viel Papier und zu wenig Produkt geprüft wird.
Die Evaluierung nach CC ist generell recht aufwendig und nimmt einige Zeit in Anspruch. Auch dies führt häufig zu Kritik an der Anwendung dieser Kriterien.
Im Jahr 2017 wurde die ROCA-Schwachstelle in einer Liste von nach Common Criteria zertifizierten Chipkartenprodukten gefunden. Die Schwachstelle machte mehrere Mängel des Common Criteria-Zertifizierungssystems deutlich: [5]
- Die Schwachstelle befand sich in einem selbst entwickelten RSA-Schlüsselgenerierungsalgorithmus, welcher nicht veröffentlicht und von der Kryptoanalyse-Community analysiert werden konnte. Die in Deutschland anerkannte Prüfstelle TÜV Informationstechnik GmbH (TÜViT) genehmigte jedoch seine Verwendung und die deutsche Zertifizierungsstelle BSI stellte Common Criteria-Zertifikate für die anfälligen Produkte aus. In den Sicherheitsvorgaben des evaluierten Produkts wurde behauptet, dass die RSA-Schlüssel nach dem Standardalgorithmus erzeugt werden. Als Reaktion auf diese Schwachstelle plant das BSI nun, die Transparenz zu verbessern, indem es verlangt, dass im Zertifizierungsbericht zumindest angegeben wird, wenn die implementierte proprietäre Kryptographie nicht genau mit einem empfohlenen Standard übereinstimmt. Das BSI plant nicht, die Veröffentlichung des proprietären Algorithmus in irgendeiner Form zu verlangen.
- Obwohl die Zertifizierungsstellen inzwischen wissen, dass die in den Common Criteria-Zertifikaten spezifizierten Sicherheitsansprüche nicht mehr gelten, haben weder ANSSI noch das BSI die entsprechenden Zertifikate widerrufen. Laut BSI kann ein Zertifikat nur dann zurückgezogen werden, wenn es unter falschen Voraussetzungen ausgestellt wurde, z. B. wenn sich herausstellt, dass falsche Nachweise vorgelegt wurden. Nach der Ausstellung eines Zertifikats muss davon ausgegangen werden, dass die Gültigkeit des Zertifikats im Laufe der Zeit durch verbesserte und neu entdeckte Angriffe abnimmt. Zertifizierungsstellen können Wartungsberichte ausstellen und sogar eine erneute Zertifizierung des Produkts durchführen. Diese Aktivitäten müssen jedoch vom Hersteller initiiert und unterstützt werden.
- Während mehrere nach Common Criteria zertifizierte Produkte von der ROCA-Schwachstelle betroffen waren, haben die Hersteller im Rahmen der Zertifizierung unterschiedlich reagiert. Für einige Produkte wurde ein Wartungsbericht herausgegeben, der besagt, dass nur RSA-Schlüssel mit einer Länge von 3072 und 3584 Bits ein Sicherheitsniveau von mindestens 100 Bits haben, während für andere Produkte im Wartungsbericht nicht erwähnt wird, dass die Änderung des Evaluierungsgegenstands (EVG) die zertifizierte kryptografische Sicherheitsfunktionalität beeinträchtigt, sondern die Schlussfolgerung gezogen wird, dass die Änderung auf der Ebene der Anleitungsdokumentation liegt und keine Auswirkungen auf die Sicherheit hat.
- Laut BSI hätten die Anwender der zertifizierten Endprodukte von den Herstellern über die ROCA-Schwachstelle informiert werden müssen. Diese Informationen erreichten jedoch nicht rechtzeitig die estnischen Behörden, die das anfällige Produkt auf mehr als 750.000 estnischen Personalausweisen eingesetzt hatten.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Suchergebnis bei ISO zur ISO/IEC 15408
- ↑ Richard A. Kemmerer: Computer Security. (PDF; 135 kB) 2001, abgerufen am 13. Juni 2013 (englisch).
- ↑ CCIB: Common Criteria for Information Technology Security Evaluation. (PDF; 260 kB) Part 1: Introduction and general model. August 1999, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 19. April 2012; abgerufen am 13. Juni 2013 (englisch). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ CCIB: Common Criteria for Information Technology Security Evaluation. (PDF; 561 kB) Part 1: Introduction and general model. September 2006, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 24. Dezember 2012; abgerufen am 13. Juni 2013 (englisch). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Arnis Parsovs, March 2021, Estonian Electronic Identity Card and its Security Challenges, University of Tartu,https://dspace.ut.ee/handle/10062/71481parsovs_arnis.pdf, pages 141-143
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Überarbeitung im Rahmen der 7. CC-Konferenz
- Common Criteria beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
- Common Criteria Official Website
- Inhaltsverzeichnis der DIN ISO/IEC 15408-1:2007-11 beim Beuth-Verlag
- Inhaltsverzeichnis der DIN ISO/IEC 15408-2:2007-11 beim Beuth-Verlag
- Inhaltsverzeichnis der DIN ISO/IEC 15408-3:2007-11 beim Beuth-Verlag