Ech Cheliff (nach der Dialektaussprache auch Chlef oder ech-Chlef umschrieben; bis 1981 el-Asnam[1], früher französisch Orléansville; hocharabischالشلفasch-Schalif, DMGaš-Šalif, vormals الأصنامal-Asnām, DMGal-Aṣnām, tamazight ⵛⵛⵍⴻⴼ Cclef) ist eine Großstadt im Norden Algeriens mit 178.616 (Zensus 2008) Einwohnern am Fluss Cheliff.[2] Sie liegt in der Provinz Chlef, deren Hauptstadt sie ist. Die Universitätsstadt bildet das Zentrum einer Region, in der intensive Landwirtschaft betrieben wird.
Die Römer gründeten Ech Cheliff als Siedlung namens Castellum Tingitanum. Der Ort, wo die Römer gesiedelt hatten, trug später den Namen el-Esnam/al-Asnam (dt. Die Statuen).[3]
Im April 1843 nahm die französische Julimonarchie den Ort in Besitz. Der Kommandant Thomas Robert Bugeaud de la Piconnerie machte ihn zu einem militärischen Außenposten an günstiger Verkehrslage an der Kreuzung der Straßen nach Mascara, Miliana, Mostaganem und Medea und ließ aus den Steinen[3] der römischen Ruinen eine Festung bauen, die er Orléansville nannte. Einen gewissen Cavaignac[3] ließ er als Statthalter zurück. Neben den Leuten der Garnison lebten um 1847 noch 805[3] weitere Europäer im Ort.
Ein Erdbeben zerstörte die Stadt am 9. September 1954. Etwa 1500[4] Menschen starben, es gab über 14.000[4] Verletzte und rund 300.000[4] Menschen wurden obdachlos. Der Historiker Jacques Frémeaux schreibt, dass die Katastrophe die begrenzten Möglichkeiten zur Nothilfe offenbarte, über die die französische Administration in Algerien verfügte.
Von 1954 bis 1962 währte der Algerienkrieg. Bis zum Kriegsende und der Unabhängigkeit gehörte die Stadt zum 1956 neu eingeteilten französischen Verwaltungsgebiet Wilaya 4.[5]
Bei einem weiteren Erdbeben mit der Stärke 7,3 auf der Richterskala wurde El Asnam 1980 fast komplett zerstört und an anderer Stelle unweit des alten Stadtzentrums wieder aufgebaut. Ein Jahr danach benannte man die Stadt um in Ech Cheliff, benannt nach dem gleichnamigen Fluss durch die Stadt, dem Cheliff, um die Assoziation mit der Naturkatastrophe zu vermeiden.
1234Colette Zytnicki:Le cas Bugeaud: Les violences de la conquête coloniale en Algérie. Éditions Tallandier, Paris 2026, ISBN 979-1-02105494-3, S.138,238.
123Jacques Frémeaux:Algérie 1914–1962 – De la Grande Guerre à l’indépendance. Éditions du Rocher (Groupe Elidia), Monaco 2021, ISBN 978-2-268-10585-7, S.144.
↑Benjamin Stora:Appelés en guerre d’Algérie (=Pierre Marchand, Elisabeth de Farcy [Hrsg.]: Collection Découvertes Gallimard). Éditions Gallimard, Paris 1997, ISBN 2-07-053404-9, S.37.