Cheng Li-wun

Cheng Li-wun (chinesisch 鄭麗文, Pinyin Zhèng Lìwén; * 12. November 1969 im Landkreis Yunlin) ist eine taiwanische Politikerin und Vorsitzende der Partei Kuomintang. Von 2012 bis 2014 war sie Sprecherin des Exekutiv-Yuans und damit Regierungssprecherin. Sie gehörte zudem zwischen 2008 und 2012 sowie erneut von 2020 bis 2024 dem Legislativ-Yuan, dem Parlament Taiwans, als Abgeordnete an.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Cheng Li-wun absolvierte nach dem Schulbesuch ein Studium der Rechtswissenschaften an der Nationaluniversität Taiwan (NTU), welches sie mit einem Bachelor of Laws (LL.B.) beendete. Ein postgraduales Studium im Fach Völkerrecht an der Temple University in Philadelphia schloss sie mit einem Master of Laws (LL.M. International Law) ab. Sie absolvierte ein weiteres postgraduales Studium im Fach Internationale Beziehungen an der University of Cambridge, das sie mit einem Master of Science (M.Sc. International Relations) beendete.
Cheng Li-wun, die von 1988 bis 2002 Mitglied der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) war, wurde am 20. Mai 1996 erstmals Mitglied der Nationalversammlung, einer bis 2005 neben dem Legislativ-Yuan (Unterhaus) und dem Kontroll-Yuan (Oberhaus) bestehenden Kammer des trikameralen Parlaments der Republik China, und vertrat in dieser bis zum 19. Mai 2000 den Wahlkreis „Taipeh 1“. In jungen Jahren trat sie für eine Unabhängigkeit Taiwans ein; später bezeichnete sie sich dagegen als zugleich chinesisch und taiwanisch.[1] Nachdem sie zwischen 2002 und 2005 parteilos war, trat sie der Kuomintang (KMT) bei und gehörte zwischen dem 30. Mai und dem 7. Juni 2005 noch einmal der daraufhin aufgelösten Nationalversammlung als Mitglied an. Innerhalb der KMT war sie unter anderem Sprecherin der Partei, stellvertretende Geschäftsführerin des Zentralen Politikausschusses, Generaldirektorin des Kultur- und Kommunikationsausschusses der KMT und fungierte zudem zeitweise als Generalsekretärin des Taiwanischen Menschenrechtsverbandes. Am 1. Februar 2008 wurde sie für die KMT-Wahlliste erstmals Mitglied des Legislativ-Yuans, des Parlaments von Taiwan, dem sie bis zum 31. Januar 2012 angehörte. Zu Beginn ihrer Parlamentszugehörigkeit war sie Mitglied des Außen- und Verteidigungsausschusses und wurde 2009 Mitglied des Ausschusses für soziale Wohlfahrt und Umwelthygiene, ehe sie 2011 Mitglied des Verfahrensausschusses wurde.
Am 23. Oktober 2012 löste Cheng Li-wun, die zeitweilig stellvertretende KMT-Generalsekretärin war, Huang Min-kung als Sprecherin des Exekutiv-Yuans ab, fungierte als solche unter den Premierminister[2] Sean Chen (6. Februar 2012 bis 18. Februar 2013)[3] sowie Jiang Yi-huah (18. Februar 2013 bis 8. Dezember 2014)[4] und war damit bis zu ihrer Ablösung durch Sun Lih-chyun am 17. Februar 2014 Regierungssprecherin. Am 1. Februar 2020 wurde sie auf der Wahlliste der KMT noch einmal zum Mitglied des Legislativ-Yuans gewählt, dem sie bis zum 1. Februar 2024 angehörte. In der zehnten Legislaturperiode (2020 bis 2024) war sie unter anderem Mitglied des Ausschusses für Justiz und Gesetzgebung, des Ausschusses für Verfassungsänderungen, des Innenausschusses sowie zuletzt Mitglied des Ausschusses für Bildung und Kultur.
Im Oktober 2025 wurde sie zur Vorsitzenden der Kuomintang gewählt und trat dieses Amt am 1. November an.[5] Im April 2026 reiste sie als erste amtierende KMT-Vorsitzende seit einem Jahrzehnt nach China und traf am 10. April 2026 in der Großen Halle des Volkes in Peking mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping zusammen.[6][7][1] Bei dem Treffen betonten beide Seiten den Wunsch nach Frieden und Stabilität in den Beziehungen über die Taiwanstraße; Xi verband eine Ausweitung des Dialogs jedoch mit der Bedingung, einer Unabhängigkeit Taiwans entgegenzutreten.[6][7] Cheng warb ihrerseits für „Versöhnung“ auf der Grundlage gemeinsamer Geschichte und Kultur, bekräftigte den sogenannten Konsens von 1992 und erklärte, die Taiwanstraße solle nicht länger ein möglicher Konfliktherd, sondern ein Symbol des Friedens sein.[6][7] Die Reise stieß in Taiwan auf Kritik der regierenden DPP sowie des Rats für Festlandangelegenheiten, die Cheng eine Relativierung der Souveränität Taiwans durch ihre Äußerungen vorwarfen.[6][7][1]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zheng Liwen (10. Legislaturperiode). Legislativ-Yuan, abgerufen am 2. Juni 2025 (chinesisch).
- CHENG, LI-WUN (S. 483), in: Who’s Who in the ROC ( vom 20. Oktober 2016 im Internet Archive)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Chris Buckley: Xi Meets Taiwan Opposition Leader for First Time in a Decade. In: The New York Times. 10. April 2026, abgerufen am 11. April 2026 (englisch).
- ↑ Republic of China: Presidents of the Executive Yuan (Premiers). rulers.org, abgerufen am 2. Juni 2025 (englisch).
- ↑ Chen, Sean (C.). rulers.org, abgerufen am 3. Juni 2025 (englisch).
- ↑ Jiang Yi-huah. rulers.org, abgerufen am 3. Juni 2025 (englisch).
- ↑ Taiwan's new opposition leader takes over, warning against risk of China war. Reuters, abgerufen am 2. November 2025 (englisch).
- 1 2 3 4 Koh Ewe: Taiwan opposition leader meets Xi Jinping in Beijing. In: BBC News. 11. April 2026, abgerufen am 11. April 2026 (englisch).
- 1 2 3 4 Erin Hale: Taiwan opposition leader calls for ‘reconciliation’ after meeting Xi. In: Al Jazeera. 10. April 2026, abgerufen am 11. April 2026 (englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cheng, Li-wun |
| ALTERNATIVNAMEN | 鄭麗文 (chinesisch); Zhèng, Lìwén (Pinyin) |
| KURZBESCHREIBUNG | taiwanische Politikerin |
| GEBURTSDATUM | 12. November 1969 |
| GEBURTSORT | Landkreis Yunlin |