Cheminova
| Cheminova A/S | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft (Dänemark) |
| Gründung | 1938 |
| Auflösung | 2014 |
| Auflösungsgrund | Übernahme |
| Sitz | Aarhus, |
| Leitung | Jens Due Olsen |
| Mitarbeiterzahl | 2.200[1] |
| Umsatz | 885 Mio. Euro[1] |
| Branche | Chemie |
| Website | fmc.com/de |
| Stand: 2013 | |
Cheminova war ein dänisches, börsennotiertes Unternehmen, welches Pflanzenschutzmittel produzierte. Mutterkonzern war bis 2014 Auriga Industries mit Sitz in Aarhus. Seit 2015 ist Cheminova Teil der US-amerikanischen FMC Corporation.[2] Der heute von FMC betriebene Produktionsstandort befindet sich an der dänischen Nordseeküste, Region Mitteljütland, Harboøre.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Cheminova wurde 1938 von dem Bauingenieur Gunnar Andreasen in Kopenhagen gegründet. Zunächst stellte das Unternehmen in einer Fabrik nördlich von Kopenhagen Rostschutzmittel her. Während der deutschen Besatzung Dänemarks im Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion eingestellt, da die benötigten Rohstoffe nicht verfügbar waren. Stattdessen begann das Unternehmen mit der Herstellung von Ersatzstoffen für verschiedene Waren, die in Dänemark aufgrund des Krieges schwer zu beschaffen waren wie Rohkautschuk, Zucker und Verdünner für Farben und Lacke. Die Fabrik wurde zweimal von dänischen Widerstandsgruppen attackiert, am 2. Januar 1945 von Holger Danske und am 14. Februar 1945 von BOPA.
Von 1944 bis 1946 wurde eine neue Fabrik in Måløv, Måløv Byvej 229–233, nordwestlich von Kopenhagen gebaut. Die Produktion konzentrierte sich auf Insektizide, da der Sieg der Alliierten zur Freigabe mehrerer deutscher Patente für diese Chemikalien geführt hatte. Die Fabrik hatte jedoch ständige Auseinandersetzungen mit den Anwohnern und den örtlichen Behörden wegen der schädlichen Abwässer. Unter anderem aus diesem Grund verlagerte das Unternehmen 1953 seinen Betrieb nach Rønland auf der Landzunge Harboøre Tange.
Ein Argument für den neuen Standort war das Vorhandensein eines Salzstocks unter Rønland: Chlor war ein wichtiger Bestandteil der Produkte des Unternehmens, und man ging davon aus, dass Chlor aus dem Salzstock extrahiert und gewonnenes Salz verkauft werden könnte. Eine errichtete Salzgewinnungsanlage wurde jedoch bald wieder stillgelegt, weil die Gemeinde den Verkauf des überschüssigen Salzes nicht mehr genehmigte und die Anlage damit unrentabel machte.
1943 übertrug Gunnar Andreasen alle Cheminova-Aktien auf den Aarhus Universitets Forskningsfond (Forschungsfonds der Universität Aarhus).
2015 wurde Cheminova für ca. 1,8 Milliarden USD vom amerikanischen Chemieunternehmen FMC Corporation übernommen.[2] Im September 2026 wurde die Aufgabe des Standorts Rønland zum Jahresende bekannt gegeben.[3] Über 400 Arbeitsplätze gehen dadurch in der Region verloren.
Konzern
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2013 erwirtschaftete Cheminova 38 Prozent seines Umsatzes in Europa und 30 Prozent in Lateinamerika.[1] Seit 2013 firmiert die europäische Tochter unter dem Namen Cheminova Deutschland.
Produkte
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Zu den Produkten von Cheminova gehören Insektizide, Unkrautvertilgungsmittel und Fungizide sowie einige Düngemittel. Diese Agrochemikalien werden meist als gebrauchsfertige Mischungen unter eigenen Markennamen und Zulassungen verkauft. Darüber hinaus wird eine Reihe von nichtlandwirtschaftlichen Chemikalien verkauft, darunter Schaumflotationshilfen für den Bergbau und Konservierungsmittel für die Lebensmittelindustrie.
Einige Jahre lang waren Organophosphat-Pestizide (wie z. B. Parathion) das Hauptprodukt von Cheminova. Später erfolgte eine erhebliche Diversifizierung in das oben erwähnte breitere Portfolio, zum Teil durch interne Entwicklung, aber auch durch Zukauf von konkurrierenden Unternehmen, wie beispielsweise 2011 das Stader Unternehmen Stähler Agrochemie;[4] zu den Produkten gehören beispielsweise Azoxystrobin, Bacillus thuringiensis (Dipel ES), Chloridazon, Chlortoluron, Dicamba, Flutriafol, Fosetyl-aluminium, Mesotrion, Metamitron, Metsulfuronmethyl, Pethoxamid und Phenmedipham.[5]
Diese Entwicklung konzentrierte sich auf die Verbesserung der für die Produktion verwendeten chemischen Verfahren und auf die Verringerung der Umweltauswirkungen der Produkte. Parallel dazu wurde eine Reihe sehr giftiger Pestizide (so genannte WHO-Klasse-Produkte) schrittweise aus dem Verkehr gezogen.
Umweltverschmutzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Aktivitäten von Cheminova hinterließen an den ersten Produktionsstandorten (Mørkhøj und Måløv) erhebliche Bodenverunreinigungen[6]. Am späteren und von FMC bis heute betriebenen Standort Harboøre / Rønland wurde eine in den Dünen gelegene Chemiemülldeponie bei Buhne 42, Harboøre Tange, von Cheminova in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren intensiv für die Entsorgung gefährlicher fester und flüssiger Chemieabfälle genutzt[7]. Es wird angenommen, dass in dieser Deponie über 100 t Schadstoffe lagern. Überwiegend bestehend aus dem Insektizid Parathion und ca. 7 t Quecksilber. Im Jahr 2006 wurde die Deponie mit einer Eisenspundwand gesichert, um den Austritt der Gefahrstoffe in die Nordsee zu verhindern.[8] 2023 schätzte die Region Midtjylland, dass allein die genaue Schadensermittlung am Produktionsstandort Harboøre / Rønland rund 500 Millionen DKK kosten wird; Sanierung und zukünftiger Schutz von Boden und Gewässern könnten einen zweistelligen Millionenbetrag jährlich kosten.[9]
Der ehemalige Cheminova-Produktionsstandort Harboøre wird auch unter dem neuen Konzern FMC mit Umweltschäden in Verbindung gebracht: Im Frühjahr 2024 wurde bekannt, dass das Umweltministerium die Einleitung umweltschädlicher Produktionsabfälle (Arsen, Quecksilber) in die umliegenden Gewässer zulässt, obwohl damit gegen europäische Richtlinien verstoßen wird.[10][11]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Geschäftsbericht 2013
- 1 2 Sonny Wichmann: Auriga verkauft Cheminova an amerikanischen Konkurrenten (dän.) Berlingske Business, 8. September 2014.
- ↑ Amerikanske ejere „vil fortsat leve op til miljøforpligtelser“ Danmarks Radio, 2. September 2026, abgerufen am 2. September 2026.
- ↑ agrarheute.com: Stähler heißt bald Cheminova ( vom 9. Juni 2014 im Internet Archive)
- ↑ staehler.ch: Preisliste und Empfehlungen 2014 ( vom 31. Mai 2014 im Internet Archive; PDF; 2,45 MB)
- ↑ Cheminova løb fra giftregning - politiken.dk. 24. August 2020, abgerufen am 27. April 2023.
- ↑ Cheminova. 19. September 2015, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 19. September 2015; abgerufen am 27. April 2023.
- ↑ https://skandbaunews.e-ls.de/2024/01/25/internationales-interesse-fuer-beseitigung-eines-giftmuelldepots
- ↑ Gammel forurening kan sive fra Cheminova-område dr.dk, 16. Mai 2023, abgerufen am 30. April 2024.
- ↑ „Det er virkelig chokerende“ dr.dk, 30. April 2024, abgerufen am 30. April 2024.
- ↑ Fem partier indkalder Magnus Heunicke (S) i samråd dr.dk, 29. April 2024, abgerufen am 30. April 2024.
Koordinaten: 56° 39′ 29,5″ N, 8° 12′ 13,5″ O
