Chalkonatronit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und bildet meist feinkörnige Krusten aus millimetergroßen, pseudohexagonalen oder lamellenförmigen Täfelchen mit einem seiden- bis perlmuttähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Er kommt aber auch in Form von derben oder kugeligen Mineral-Aggregaten vor. Das Mineral ist durchsichtig und von hellblauer bis grünlichblauer Farbe. Auch seine Strichfarbe ist blassgrünlichblau.
Mit einer Mohshärte von 1 bis 2 gehört Chalkonatronit zu den weichen Mineralen, die sich bereits mit dem Fingernagel ritzen lassen.
Entdeckt wurde Chalkonatronit zuerst als Korrosionsprodukt auf drei antiken ägyptischen Bronzestatuen. Zwei der Funde stammen aus den hohlen Sockeln von Bronzefiguren aus der saitischen Zeit (663–630 v.Chr., vergleiche auch Spätzeit des Alten Ägyptens) und der dritte von der Unterseite eines Bronze-Rauchgefäßes aus der späten koptischen Zeit in Ägypten (vor dem 8. Jahrhundert n.Chr.). Über die genaue Herkunft der Bronzen ist nichts bekannt, vermutlich waren sie aber lange Zeit in der Erde vergraben.[8]
Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral von Clifford Frondel und Rutherford J. Gettens, die es in Anlehnung an dessen chemische Zusammensetzung aus Kupfer (altgriechischχαλκόςchalkós) und Natrium (arabisch naṭrūn; vergleiche auch Soda, englischNatron) benannten. Die Erstbeschreibung wurde 1955 in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht. Im gleichen Jahr erfolgte auch die Bestätigung als neu entdeckte Mineralart bei der Publikation New mineral names im Fachmagazin American Mineralogist.
Da der Chalkonatronit bereits vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Chalkonatronit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Chalkonatronit lautet „Chna“.[1] Chalkonatrit ist zudem die erste von bisher insgesamt vier Mineralarten, deren Typlokalität in Ägypten liegt.[9] Die weiteren Minerale Bahariyait (IMA2020-022), Marsaalamit-(Y) (IMA2024-050) und Elramlyit-(Ce) (IMA2025-057) wurden erst über 60 Jahre später entdeckt und anerkannt.[2]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/D.02-070. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Carbonate, ohne fremde Anionen“, wo Chalkonatronit zusammen mit Baylissit, Gaylussit, Pirssonit, Soda, Thermonatrit und Trona eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer V/D.02 bildet.[3]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Chalkonatronit die System- und Mineralnummer 15.02.03.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Carbonate“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 15.02.03.[13]
In der idealen, stoffreinen Zusammensetzung von Chalkonatronit (Na2Cu(CO3)2(H2O)3) besteht das Mineral im Verhältnis aus je zwei Teilen Natrium (Na), einem Teil Kupfer (Cu), zwei Teilen Kohlenstoff (C), neun Teilen Sauerstoff (O) und sechs Teilen Wasserstoff (H) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 16,21Gew.-%Na, 22,41Gew.-%Cu, 8,47Gew.-%C, 50,78Gew.-%O und 2,13Gew.-%H.[6]
Bei natürlichen Mineralproben von Chalkonatronit kann diese Zusammensetzung je nach Bildungsbedingungen und Stofftransport in geringem Umfang abweichen. So ergab die Analyse des Typmaterials eine durchschnittliche Zusammensetzung in der Oxidform 20,0Gew.-%Natriumoxid (Na2O), 26,8Gew.-%Kupfer(II)-oxid (CuO), 29,5Gew.-%Kohlenstoffdioxid (CO2), 20,4Gew.-%Wasser (H2O), 2,8Gew.-%Blei(II)-oxid (PbO), 0,5Gew.-%Siliciumdioxid (SiO2) und 0,6Gew.-%Sesquioxide (R2O3).[8]
Als seltene Mineralbildung konnte Chalkonatronit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher etwas mehr als 20 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2026). Außer auf den genannten Bronzeobjekten sind in Ägypten bisher keine weiteren, natürlichen Fundstätten bekannt.
In Deutschland wurde das Mineral bisher auf den Erzhalden des Bodentäler Reviers bei Iba (Bebra) in Hessen, in Mineralproben aus den Gruben Ludwig-Rudolf bei Braunlage und Glücksrad bei Oberschulenberg (Landkreis Goslar) in Niedersachsen, den Gruben Alexander und Bastenberg bei Ramsbeck (Hochsauerlandkreis) in Nordrhein-Westfalen, den Gruben Friedrichssegen am gleichnamigen Ort und Rosenberg sowie auf den Schlackenhalden der Blei- und Silberhütte bei Braubach im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz, der Kupfer-Silberhütte (Gottesbelohnung) bei Hettstedt und dem Voigt-Steinbruch bei Mansfeld in Sachsen-Anhalt sowie im Bergbaugebiet Annaberg-Buchholz in Sachsen gefunden.
In der Schweiz ist mit dem Salzbergwerk Bex im Kanton Waadt bisher nur ein Fundort bekannt.
Weitere bekannte Fundorte liegen unter anderem in Australien, Chile, Kanada, Namibia, Polen, Tschechien und den Vereinigten Staaten (Colorado, Michigan, Utah).[15]
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band40, 1955, S.941–944 (englisch, minsocam.org[PDF; 312kB; abgerufen am 25.Juni 2026]).
Clifford Frondel, Rutherford J. Gettens:Chalconatronite, a new mineral from Egypt. In: Science. Band122, Nr.3158, 1955, S.75–76, doi:10.1126/science.122.3158.75 (englisch).
A. Mosset, J. J. Bonnet, J. Galy:Structure cristalline de la chalconatronite synthétique: Na2Cu(CO3)2·3H2O. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band148, 1978, S.165–177 (französisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 29. Januar 2023 im Internet Archive) [PDF; 534kB; abgerufen am 25.Juni 2026] mit deutscher Zusammenfassung).
Chalconatronite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 15.Mai 2026(englisch).
12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.306 (englisch).
123456
Chalconatronite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 55kB; abgerufen am 25.Juni 2026]).
123456Chalconatronite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 25.Juni 2026(englisch).
123Clifford Frondel, Rutherford J. Gettens:Chalconatronite, a new mineral from Egypt. In: Science. Band122, Nr.3158, 1955, S.75–76, doi:10.1126/science.122.3158.75 (englisch).
↑Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig:Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S.465–466.
↑Alfred Pichler:Bergbau in Westkärnten. Eine Bestandsaufnahme der noch sichtbaren Merkmale der historischen Bergbaue in Westkärnten (=Carinthia II. Naturwissenschaftliche Beiträge zur Heimatkunde Kärntens. Nr.63). Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 2009, ISBN 978-3-85328-051-5, S.264 (zobodat.at[PDF; 191,0MB; abgerufen am 25.Juni 2026]).
↑
Fundortliste für Chalkonatronit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 25. Juni 2026.