Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion
Die Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion (kurz CLT) war eine luxemburgische private Rundfunkanstalt und Eigentümer verschiedener europäischer privater Fernseh- und Hörfunksender und unter anderem Begründer des deutschsprachigen Radio Luxemburg und des deutschen privaten Fernsehsenders RTL.
Das Unternehmen wurde 1931 unter dem Namen Compagnie Luxembourgeoise de Radiodiffusion (CLR) für den Betrieb eines Hörfunksenders im Großherzogtum Luxemburg gegründet, erwarb gegen eine regelmäßige Gewinnbeteiligung vom luxemburgischen Staat das Sendemonopol in Luxemburg und nutzte bald entgegen internationalen Vereinbarungen über die Zuteilung von Sendefrequenzen und zugelassene Senderstärken (Luzerner Wellenplan 1933, Kopenhagener Wellenplan 1948) eine Langwellenfrequenz und leistungsstarke Sendeanlagen, die es ihr ermöglichten, weit über die luxemburgischen Staatsgrenzen hinaus empfangen zu werden und somit lukrative werbefinanzierte Programme für die Hörfunkmärkte der Nachbarländer zu verbreiten. Während die meisten Staaten Westeuropas nach der Einführung eines in den 1920er und 1930er Jahren maßgeblich auch von privaten Investoren errichteten Hörfunkwesens zu öffentlich-rechtlichen und staatlichen Sendemonopolen übergingen und diese nach dem Zweiten Weltkrieg in der Regel bis in die 1980er Jahre aufrechterhielten, war die CLR, später CLT, eines der wenigen bedeutenden privatrechtlich geführten kommerziellen Hörfunk-, dann auch Fernsehunternehmen Europas, das hauptsächlich für eine Hörer- bzw. Zuschauerschaft in den Nachbarstaaten Luxemburgs (Frankreich, Belgien, Niederlande und schließlich auch Deutschland) sendete und lange Zeit durch den unterhaltenden Charakter seiner Programme eine ernsthafte Konkurrenz zu deren – einem strengen Bildungsauftrag verpflichteten – Rundfunkanstalten darstellte.
Die CLR war 1950 Gründungsmitglied der Europäischen Rundfunkunion und bestand von 1954 bis 2000 unter dem später auf das Fernsehen angepassten Namen CLT. 1997 entstand durch Fusion mit der deutschen UFA Film & TV Produktion GmbH Hamburg die luxemburgische CLT-UFA, die schließlich 2000 durch Aufkauf und Fusion mit Pearson TV, der damaligen TV-Sparte der britischen Mediengruppe Pearson, zur heutigen RTL Group wurde.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Radio
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit Hilfe französischer Investoren wurde das Unternehmen Compagnie Luxembourgeoise de Radiodiffusion am 30. Mai 1931 als eine der ersten privaten Rundfunkanstalten Europas gegründet. Zunächst wurde über Langwelle, ab 1938 auch über Kurzwelle ein mehrsprachiges Radioprogramm überwiegend auf Französisch und Deutsch ausgestrahlt. 1950 wurde zudem der Sendebetrieb auf der Mittelwellenfrequenz 1439 kHz aufgenommen, der die Diversifizierung in zwei Hauptprogramme ermöglichte: ein rein französisches auf der Langwellenfrequenz 252 kHz, ein niederländisch- und englischsprachiges (tagsüber bzw. abends), später auch deutschsprachiges (zunächst nachmittags) auf der Mittelwelle. Ab 1960 sendete die CLT auch auf UKW, insbesondere die luxemburgischsprachigen Sendungen, die ebenfalls zu einem eigenen (zunächst aus zwei, dann drei Sendeblöcken bestehenden) Programm zusammengefasst wurden. Weitere UKW-Frequenzen wurden für das zu einem Ganztagesprogramm wachsenden deutschen Dienst genutzt; der niederländischsprachige Dienst auf der Luxemburger Mittelwellenfrequenz 1439 kHz wurde zugunsten der Erschließung des größeren deutschsprachigen Werbemarktes sukzessive aufgegeben und erst nach der Bereitstellung zusätzlicher UKW-Frenquenzen in den Niederlanden selbst, namentlich im Zuge der Öffnung der nationalen Märkte für private Rundfunkanbieter in den 1980er Jahren, neu aufgebaut. Das über Jahre erfolgreiche deutschsprachige Radioprogramm Radio Luxemburg, später in RTL umbenannt, begann 1957 mit einer zunächst nur einstündigen täglichen Sendung, die im an Luxemburg grenzenden deutschen Gebiet rasch an Popularität gewann, bald auf drei Stunden erweitert wurde und um 1965 bereits von 7.30 Uhr bis Mitternacht dauerte und zu den Sendezeiten des (schrumpfenden) niederländischen und des abendfüllenden englischen Programms auf UKW und Kurzwelle ausgestrahlt wurde.[1]
Die Aktivitäten im Radiobereich wurden nach der Abschaffung der öffentlich-rechtlichen Sendemonopole der meisten europäischen Staaten in den späten 1980er und 1990er Jahren kontinuierlich ausgebaut. So wurden u. a. das deutsche 104.6 RTL, RTL Baden-Württemberg gestartet und Radio Luxemburg in den Oldiesender RTL Radio umgewandelt. In Frankreich entstanden zusätzlich zu RTL (bis 1968 Radio Luxembourg) die Radioprogramme Fun Radio und im September 1991 RTL 2 (später in M40 umbenannt), in Großbritannien Atlantic 252, in Belgien Bel RTL und Radio Contact, in der ehemaligen Tschechoslowakei im Januar 1993 RTL Praha und für die Niederlande RTL 4 Radio[1].
Während die Hörfunkaktivitäten von RTL namentlich in Deutschland nach Jahrzehnten des stetig wachsenden Erfolgs (1960er bis frühe 1980er Jahre) als Sender mit Vorreiterfunktion im radiophonen Unterhaltungsbereich heute nur noch bescheidene Hörerzahlen generieren, ist das französische Hörfunkprogramm von RTL seit seinen Anfängen bis in die Gegenwart ein Hauptplayer auf dem frankophonen Hörfunkmarkt in Europa. RTL ist seit den 1950er Jahren nahezu jährlich der meist- oder zweitmeiste gehörte Sender in Frankreich.
Fernsehen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahre 1954 erwarb man die exklusiven Nutzungsrechte für Fernsehen in Luxemburg. Infolgedessen wurde der Name in Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion abgeändert. Dieses erste Fernsehprogramm der CLT namens Télé Luxembourg, später RTL Télévision, begann seinen Sendebetrieb im Jahr 1955 und sendete aus Luxemburg in französischer Sprache nach Südbelgien und Nordostfrankreich. 1969 wurde die erste (wöchentliche) Fernsehsendung in luxemburgischer Sprache gestartet, Hei elei, kuck elei[1].
Seit den 1980er Jahren engagiert sich die CLT im aufkommenden privaten Rundfunkmarkt in Mittel- und Nordeuropa. So wurde 1984 das erste deutsche CLT-Programm, RTLplus (später RTL) lanciert, das zunächst nur terrestrisch im Saarland zu empfangen war und heute zu den wichtigsten europäischen Medienunternehmen zählt.
Weitere Fernsehsender folgten, so 1987 das französische M6, im Oktober 1989 das niederländische RTL 4, 1993 das deutsche RTL II und das niederländische RTL 5. Des Weiteren wurden für Belgien RTL TVI und für Luxemburg RTL Télé Lëtzebuerg gegründet. Zusammen mit der Walt Disney Company entstand 1995 der deutsche Fernsehsender Super RTL – beide teilten sich die Gesellschafteranteile jeweils zur Hälfte. Es folgten 1995 RTL 7, und Beteiligungen am britischen Channel 5 und beim niederländischen Veronica.

Um, unter Ausnutzung der Weiterentwicklung der Satellitentechnik, mit weiteren privaten europäischen Fernsehanstalten den Nachrichtenaustausch zu organisieren, wurde 1993 die European News Exchange S. A. (kurz ENEX) unter dem Dach der CLT von RTL, RTL 2, RTL 4, RTL 5, M6, RTL TV und RTL TVI gegründet. Geschäftsführer war der ehemalige RTL-Moderator Nic Jakob[1].
Presse
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schon in den 1980er-Jahren begann man Aktivitäten insbesondere im Printmedien-Bereich. Die CLT erwarb finanziell angeschlagene Zeitschriften und Verlage und ließ sie mit ihrer Unterstützung wiedererstarken. Beispiele sind das französische Gesundheitsmagazin Top Santé und das britische Top Sante Health & Beauty. Im Dezember 1990 wurde die CLT Anteilseigner bei der französischen Verlagsgesellschaft Calmann Lévy, das zu den bekanntesten Verlagshäusern in Frankreich zählte – aus diesem Hause stammte das auflagenstarke Magazin Télé Star[1].
Film- und Fernsehproduktionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Besonders in Europa und Nordamerika wurde die CLT bei Film- und Fernsehproduktionen aktiv. So beteiligte man sich beispielsweise bei der deutschen Produktionsgesellschaft Elf 99, dessen gleichnamige Sendung zunächst bei RTL, dann bei VOX ausgestrahlt wurde und Programmzulieferer für den MDR und dem ORB war[1].
In Frankreich hielt man eine Beteiligung bei der VCF, das Sitcoms und Unterhaltungssendungen für verschiedene Sendeanstalten herstellte. Beteiligt war man außerdem bei der US-amerikanischen Saban Entertainment[1].
Eigentümer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit einem 1974 geschlossenen Pakt waren in einer Holding, der Audiofina, mit 31,55 Prozent die belgische Groupe Bruxelles Lambert (GBL) und die französische Werbegruppe HAVAS Hauptaktionäre. Zudem waren die FRATEL-Gruppe, die der Audiofina und der Bertelsmann-Gruppe gehörte, die französische Banque de Paris et des Pays-Bas (Paribas), die luxemburgische Investment-Gesellschaft Audiolux S.A. und das mehrheitlich dem französischen Staat gerhörenden Versicherungsunternehmen Union des assurances des Paris (UAP) Anteilseigner (Stand: Februar 1994)[1].
CLT-UFA
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahre 1997 ging die Sendeanstalt CLT mit der traditionsreichen deutschen Produktionsgesellschaft Universum Film (UFA) ein Joint Venture unter der gebündelten Bezeichnung CLT-UFA ein, das zu gleichen Teilen Pargesa Holding SA und Bertelsmann gehörte. Der Konzern, dessen Hauptsitz weiterhin Luxemburg blieb, besaß zuletzt 22 Fernseh- und 18 Radiosender in Europa und war weiterhin im Produktionsgeschäft und im Rechtehandel tätig[2].
Seit Bestehen erhöhte CLT-UFA die Beteiligungsverhältnisse beim polnischen RTL 7, beim französischen M6 sowie RTL 9, beim britischen Channel 5 und beim deutschen Fernsehsender VOX. Zudem stieg sie 1999 bei Premiere aus, bei dem die CLT durch Bertelsmann indirekt beteiligt war[2].
RTL Group
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Durch die Fusion mit Pearson Television, einer konkurrierenden Produktionsfirma, die man Pearson PLC abkaufte, entstand im Jahre 2000 die internationale in Luxemburg ansässige RTL Group, von der die deutsche UFA GmbH als Tochtergesellschaft und Teil der Produktionssparte FremantleMedia bestehen blieb.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c d e f g h Infosat Nr. 71 (Nr. 2/1994), Artikel CLT schlägt zurück, S. 16 ff.
- ↑ a b Jahresbericht der CLT-UFA 1999 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. bei pargesa.ch (PDF-Datei; 24 kB)