C/O Berlin ist ein privates Ausstellungshaus für Fotografie. An seinem Sitz im Amerika-Haus in der Hardenbergstraße am Bahnhof Zoo im Berliner Ortsteil Charlottenburg präsentiert C/OBerlin die Werke nationaler und internationaler Künstler, fördert junge Talente und organisiert Veranstaltungen zur visuellen Bildung und Kunstvermittlung. C/OBerlin wird getragen von einer gemeinnützigen Stiftung unter der Leitung ihres Gründers Stephan Erfurt. Zweiter Vorstandsvorsitzender ist Andreas Behr.
C/O Berlin produziert eigene Ausstellungen und realisiert Projekte in Kooperation mit nationalen und internationalen Kunstinstitutionen, u.a. mit dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Albertina Museum in Wien, dem Fotomuseum Winterthur, der Fundación Mapfre in Madrid, dem Sprengel Museum in Hannover und dem Museum Folkwang in Essen. Mit über 180 Ausstellungen und zahlreichen Publikationen seit seiner Gründung im Jahr 2000 zählt C/OBerlin zu den aktivsten und renommiertesten Fotoinstitutionen weltweit. Das künstlerische Programm wird von Sophia Greiff und Boaz Levin gestaltet.[1] Für die Corporate Identity der Marke C/OBerlin ist Co-Gründer und Art Director Marc Naroska verantwortlich. Ins Kuratorium der C/OBerlin Foundation wurden berufen (Stand: Mai 2021): Katja Eichinger (Vorsitzende), Frank Briegmann, Nico Hofmann, Burkhard Kieker, Simone Menne, Marc Naroska (Co-Gründer), Ingo Pott (Co-Gründer), Charlotte Rampling.
C/O Berlin finanziert sich durch Ticketverkäufe, Shop-Erlöse, Sponsoring, Projektförderungen, Spenden sowie Zuwendungen seines Fördervereins C/OBerlin Friends. Seit 2020 wird C/OBerlin vom Land Berlin gefördert.
Durch das Engagement der drei Gründer Stephan Erfurt (Fotograf), Marc Naroska (Designer) und Ingo Pott (Architekt) hat sich aus einer im Jahr 2000 gestarteten privaten Initiative eine international anerkannte Institution entwickelt.[2] Das ‚C/O‘ im Namen steht für die postalische Abkürzung care of und verweist auf das ehemalige Kaiserliche Postfuhramt in Berlin-Mitte, wo C/OBerlin mit einer Retrospektive der Fotoagentur Magnum seinen ersten großen Publikumserfolg feiern konnte.
Nach Jahren des Leerstands verkaufte die Deutsche Post das Postfuhramt an einen privaten Investor. Die Gründer von C/OBerlin konnten diesen überzeugen, einen Teil des Gebäudes temporär an C/OBerlin zu vermieten. Im Juni 2006 verlagerte C/OBerlin seine Aktivitäten zurück ins Postfuhramt. In den folgenden Jahren präsentierte C/OBerlin auf rund 1800m² zahlreiche Einzelausstellungen mit Sibylle Bergemann, Larry Clark, Gregory Crewdson, Leonard Freed, Nan Goldin, Thomas Hoepker, Annie Leibovitz, Peter Lindbergh, Robert Mapplethorpe, Arnold Newman, Martin Parr oder Bettina Rheims und erweiterte außerdem sein Programm um Themenausstellungen zu den Veränderungen des Mediums Fotografie im digitalen Zeitalter oder zur Rolle der Fotografie in Krieg, Krisen und Terror. Der erneute Verkauf des Gebäudes an ein Berliner Medizintechnikunternehmen beendete die temporäre Nutzung der Räumlichkeiten durch C/OBerlin. Am 9.März 2013 verabschiedete sich C/OBerlin von Berlin-Mitte mit einer stadtweit vielbeachteten großen Party.[3]
Mit Unterstützung der Berliner Kulturverwaltung konnte C/OBerlin am 12.Dezember 2012 mit dem Land Berlin als Eigentümer des Amerika-Hauses einen langfristigen Mietvertrag unterzeichnen. Hier stehen C/OBerlin nun über 2500m² zur Verfügung. Das Amerika-Haus wurde nach einer Skizze von SOM Chicago und Plänen des Architekten Bruno Grimmek 1956/1957 erbaut. Bis 2006 diente es mit seiner Bibliothek, einem Kinosaal und Ausstellungsflächen als Kultur- und Informationszentrum der Vereinigten Staaten von Amerika in Berlin. Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes erfolgte unter der Leitung des Architekturbüros B19 Holger Sack. Für den nutzereigenen Innenausbau haben die Kölner Ausstellungsgestalter mvprojekte gemeinsam mit Wolfgang Zeh ein umfassendes Raumkonzept vorgelegt, das in enger Zusammenarbeit mit Petra und Paul Kahlfeldt Architekten und mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin sowie privaten Spenden umgesetzt wurde.[4] Nach 18-monatiger Planungs- und Bauzeit konnte C/OBerlin am 30.Oktober 2014 das Amerika-Haus als Ausstellungshaus für Fotografie und Ort der Begegnung neu eröffnen.[5][6][7] Im Jahr 2015 erhielt C/OBerlin für die behutsame Sanierung und Revitalisierung des Amerika-Hauses den BDA-Preis Berlin des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA).
C/O Berlin präsentiert jährlich bis zu zwölf Ausstellungen mit Werken renommierter Fotografen, darunter internationale Stars der Fotografie wie Nobuyoshi Araki, Anton Corbijn, Linda McCartney, Robert Frank, Irving Penn, Sebastião Salgado oder Francesca Woodman. In großen Themenausstellungen setzt sich C/OBerlin mit Fragen zu Überwachung, Bildkommunikation oder der Beziehung zwischen Fotografie und Tod auseinander. Inhaltliche Schwerpunkte des Ausstellungshauses legt C/OBerlin auf die Berliner Fotografiegeschichte (u.a. Harald Hauswald, Rudi Meisel, Harf Zimmermann), auf zeitgenössische Debatten der globalen Bildkultur sowie auf konzeptuelle künstlerische Positionen von gesellschaftspolitischer Bedeutung. C/OBerlin beleuchtet Fotografie in ihrer ganzen Vielfalt als journalistisches, künstlerisches, technisches und soziales Medium. Zahlreiche Begleitveranstaltungen wie Künstlergespräche, wissenschaftliche Vorträge und Symposien, Diskussionsrunden mit Experten und Filmreihen vertiefen und erweitern die unterschiedlichen Aspekte dieses sich im ständigen Wandel begriffenen Mediums.
Seit 2006 hat C/O Berlin mehr als 80 Preisträger gefördert, darunter die Künstlerinnen Anna Ehrenstein, Stefanie Moshammer und Tobias Zielony sowie die Theoretiker Florian Ebner, Katja Müller-Helle und Steffen Siegel. Als einzige Institution in Europa richtet sich C/OBerlin mit seinem Förderprogramm zugleich an den künstlerischen und wissenschaftlichen Nachwuchs. Seit 2018 vergibt C/OBerlin einmal jährlich den C/OBerlin Talent Award,[8] der mit einem Preisgeld, einer Einzelausstellung und einer Publikation dotiert ist.
Der Bereich Education[9] ergänzt das Programm von C/OBerlin um den wichtigen Teil der visuellen Bildung und Kunstvermittlung. Mit den vier Formaten Junior (8–13Jahre), Teens (14–17Jahre), Adults und Perspectives bietet C/OBerlin in mehrtägigen Workshops die Möglichkeit, Fotografie, Film und Design altersgemäß und unter professionellen Bedingungen kennenzulernen. Perspectives richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene in sozial benachteiligten Lebenssituationen und wird in Kooperation mit Willkommensklassen und Flüchtlingsunterkünften organisiert. Seit 2020 bietet C/OBerlin auch Online-Fotoworkshops an.
Drei Fotomuseen in Berlin (Museum für Fotografie, Helmut Newton Stiftung, C/O Berlin) (= Museums-Check. Folge 90). Reportage, 30 Min., Moderation: Markus Brock, Produktion: 3sat. Erstausstrahlung: 13. April 2025.[10]
In der Reihe des Talents-Programms sind 40 Publikationen erschienen. Im Rahmen des C/OBerlin Talent Award erscheinen individuell gestaltete Künstlerbücher:
Das Amerika-Haus Berlin im Wandel der Zeit beleuchtet C/OBerlin unter dem Titel Pop, Politik und Propaganda.[11] Außerdem ist die C/OBerlin Foundation Herausgeberin der im Rhythmus der Ausstellungen erscheinenden C/OBerlin Zeitung.