Brusio
| Brusio | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Staat: | ||||||||||||
| Kanton: | ||||||||||||
| Region: | Bernina | |||||||||||
| BFS-Nr.: | 3551 | |||||||||||
| Postleitzahl: | 7743 Brusio 7744 Campocologno 7747 Viano 7748 Campascio | |||||||||||
| Koordinaten: | 807075 / 126601 | |||||||||||
| Höhe: | 780 m ü. M. | |||||||||||
| Höhenbereich: | 515–2899 m ü. M.[1] | |||||||||||
| Fläche: | 46,30 km²[2] | |||||||||||
| Einwohner: | 1099 (31. Dezember 2024)[3] | |||||||||||
| Einwohnerdichte: | 24 Einw. pro km² | |||||||||||
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) | 16,7 % (31. Dezember 2024)[4] | |||||||||||
| Website: | www.brusio.ch | |||||||||||
Brusio mit dem bekannten Kreisviadukt | ||||||||||||
| Lage der Gemeinde | ||||||||||||
| Blasonierung: «In Rot durchgehendes silbernes Kreuz» | |
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Das Kreuz wurde als Siegelbild seit Anfang des 17. Jahrhunderts verwendet, zusammen mit der Devise sub hoc signo vinces. Farben der ehemaligen Gerichtsgemeinde Puschlav. |
Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Bevölkerungsentwicklung | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | 1850 | 1880 | 1900 | 1910 | 1941 | 1950 | 1980 | 1990 | 2000[6] | 2010 | 2020 | |
| Einwohner | 1000 | 1158 | 1199 | 1320 | 1470 | 1528 | 1258 | 1220 | 1202 | 1123 | 1120 | |
In den hundert Jahren zwischen 1850 und 1950 wuchs die Bevölkerung stark um 528 (= 52,8 %) Personen an. In den darauf folgenden drei Jahrzehnten sank sie dagegen wieder stark infolge Abwanderung in die Industriezentren und Touristenorte (1950–1980: −17,67 %). Diese Entwicklung hält in abgeschwächter Form bis heute an, so dass es 2005 gleich viele Bewohner gibt wie im Jahr 1900.
Sprachen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Umgangssprache der Bevölkerung ist der alpinlombardische Dialekt Pus'ciavin. Er wurde im Jahr 1900 von 96,16 % der Bevölkerung gesprochen. Seither hat sich daran kaum etwas geändert, wie folgende Tabelle zeigt:
| Sprachen in Brusio | |||||||||
| Sprachen | Volkszählung 1980 | Volkszählung 1990 | Volkszählung 2000 | ||||||
| Anzahl | Anteil | Anzahl | Anteil | Anzahl | Anteil | ||||
| Deutsch | 43 | 3,42 % | 45 | 3,69 % | 64 | 5,32 % | |||
| Rätoromanisch | 15 | 1,19 % | 12 | 0,98 % | 8 | 0,67 % | |||
| Italienisch | 1'191 | 94,67 % | 1'150 | 94,26 % | 1'111 | 92,43 % | |||
| Einwohner | 1'258 | 100 % | 1'220 | 100 % | 1'202 | 100 % | |||
Amtssprache der Gemeinde ist das Italienische.
Herkunft und Nationalität
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von den Ende 2005 1198 Bewohnern waren 1108 (= 92,49 %) Schweizer Staatsangehörige.
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Wirtschaftsstruktur der Gemeinde dominieren mehrere bekannte Kellereien, die den im nahen Veltlin – zum Teil auf eigenen Rebflächen – angebauten Rotwein abfüllen und in der Schweiz vertreiben. Ihre grossen Gebäude sind ebenso wenig zu übersehen wie das Lagerhaus eines Obst- und Gemüseimporteurs. Das ortsansässige Natursteinwerk verarbeitet Granit und Metabasit aus den Steinbrüchen um Campascio.
Weitere wichtige Arbeitgeber sind die Kraftwerke, die Rhätische Bahn und die Zollverwaltung. Daneben gibt es einige kleinere Gewerbe- und Handwerksbetriebe, vor allem in der Baubranche, sowie mehrere Tankstellen. Um 1995 siedelte sich ein kleiner Betrieb der chemisch-pharmazeutischen Industrie an. Der Tourismus spielt in Brusio eine geringere Rolle. An den zeitweise bedeutsamen Schmuggel von Kaffee und Tabak erinnern nur noch einige Ausstellungsstücke im Ortsmuseum.

In der Landwirtschaft waren 166 Personen tätig, im produzierenden Gewerbe 178 und im Dienstleistungsbereich 333 (Stand 2000–2001).
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Durch Brusio, Campascio und Campocologno führt die Hauptstrasse 29 vom Berninapass ins Veltlin. Schmale kurvenreiche Fahrstrassen erschliessen die hochgelegenen Dörfer Viano und Cavaione.
Auf Gemeindegebiet liegen die zwei Stationen Brusio und Campocologno und die Haltestelle Campascio der 1908 eröffneten Berninabahn. Insbesondere im Güterverkehr hat Campocologno grosse Bedeutung als Grenzbahnhof. Seit 1998 betreibt die Rhätische Bahn oberhalb der Station auf der linken Seite des Poschiavino einen gesonderten Güterbahnhof, auf dem vor allem Mineralölprodukte und Stammholz umgeschlagen werden.
Sehenswürdigkeiten
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- Das Ortsbild prägen die barocken Türme der beiden Kirchen: die katholische Pfarrkirche San Carlo Borromeo (1617)[10]
- Reformierte Pfarrkirche (1645), mit einer Rokoko-Orgel aus Bergamo.[10]
- Katholische Kirche Santa Famiglia erbaut 1910–1912 von Ugo Zanchetta.[10][11]
- Kirche San Romerio aus dem 11. / 16. Jahrhundert auf der Alpe San Romerio[10]
- Im Dorfkern stehen mehrere stattliche Bürgerhäuser, darunter die als Museum eingerichtete Casa Besta.[12][10]
- Casa Nussio[13][10]
- Schulhaus und Gemeindehaus von Bruno Giacometti.[10]
- Über die gesamte Gemeinde verstreut liegen die crotti oder scélé, Rundbauten aus Trockenmauerwerk, die als Kühlraum für Milch und Käse dienten.[10]
- Betkapelle San Gottardo im Ortsteil Miralago.[10]
- Hoch über dem Lago di Poschiavo thront die Alp San Romerio mit der 1055 erstmals erwähnten Kapelle.[10] Das Schiff des Kirchleins stammt wohl noch aus dem 11. Jahrhundert, Chor und Turm wurden im 15. bis 16. Jahrhundert angefügt. Von diesem in zweistündiger Wanderung ab Viano erreichbaren Aussichtspunkt geniesst man einen umfassenden Blick auf das Gemeindegebiet.
- Unterhalb des Dorfes liegt das bekannte Kreisviadukt von Brusio der Rhätischen Bahn.[10]
- Beim Kreisviadukt der Berninabahn wurden drei Skulpturen des einheimischen Bildhauers Cristiano Paganini aufgestellt.[10]
Veranstaltungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Il Palio delle contrade[14]
Söhne und Töchter der Gemeinde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Remo Bornatico (* 19. Oktober 1913 in Brusio; † 22. März 1989 in Chur), Journalist, Politiker, Bündner Grossrat.[15]
- Dino Bornatico (* 1945 in Brusio; † 2005 in Porza), Ökonom, Medienunternehmer
- Grytzko Mascioni (1936–2003), Schriftsteller und Journalist (mit Heimatort Brusio)
- Ettore Mazzoleni (* 18. Juni 1905 in Brusio; † 1. Juni 1968 in Oak Ridges), kanadischer Dirigent und Musikpädagoge Schweizer Herkunft
- Gaudenz de Misani (* 25. September 1743 in Brusio; † nach 1795 ebenda), Rechtsanwalt, 1763–1765 Podestà in Plurs, 1771–1773 Statthalter des Podestà in Tirano[16][17]
- Johann Theodor de Misani (* um 5. Juli 1752 in Brusio; † 27. Juni 1813 ebenda), 1774–1775 Landammann des Gerichts Sur Funtauna Merla[18]
- Dario Monigatti (* um 1940 in Brusio), Dozent, Mitglied der Società storica Val Poschiavo, Grossrat, Publizist[19]
- Remigio Nussio (* 29. Juli 1919 in Brusio; † 2000 ebenda), Musiker und Komponist[20]
- Arturo Plozza (* 1954 in Brusio), kantonaler Beamter (Direktor des Amtes für Jagd und Fischerei), Gemeindepräsident von Brusio, Präsident der Regione Bernina, Publizist[21]
- Karin Thomas (* 1961), Skilangläuferin
In Brusio wirkend:
- Begoña Feijoó Fariña (* 1977 in Vilanova de Arousa), Schriftstellerin, Präsidentin der Sektion Valposchiavo von Pro Grigioni Italiano sowie künstlerischer Leiter der Theatersaison I monologanti von Brusio[22]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Fernando Iseppi: Brusio. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 1. September 2004.
- Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 556–559.
- Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band VI: Die italienischbündnerischen Talschaften Puschlav, Misox und Calanca (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 17). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1945, ISBN 978-3-906131-55-9.
- Tomaso Semadeni: Brusio. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 2: Brusino – Caux. Attinger, Neuenburg 1921, S. 381 (Digitalisat).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website der Gemeinde Brusio (italienisch)
- Brusio auf der Plattform ETHorama (interaktive Karte und digitalisierte Dokumente, die einen direkten Bezug zur Schweiz haben und geografisch mit einem bestimmten Ort verbunden sind; deutsch)
- Bundesinventar ISOS: Cavaione
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991–2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
- ↑ Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010-2024. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 28. August 2025
- 1 2 Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Huber, Frauenfeld bzw. Payot, Lausanne 2005, S. 193 f.
- 1 2 3 4 5 Fernando Iseppi: Brusio. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht. - ↑ Übereinkunft zwischen der Schweiz und Italien betreffend Festlegung der Grenze zwischen dem Kanton Graubünden und dem Veltlin. Staatsverträge Band I (Band 11 der Gesamtsammlung). In: Bereinigte Sammlung der Bundesgesetze und Verordnungen 1848–1947. Bundesarchiv, S. 74–80, abgerufen am 13. Juli 2025.
- ↑ Keystone-sda: Letzte Masseneinbürgerung fand vor 150 Jahren in Cavaione statt. In: SWI swissinfo.ch. 12. Juli 2025, abgerufen am 15. Juli 2025.
- ↑ Cavaione im Puschlav war das letzte Bergdorf, das Teil der Schweiz wurde – jetzt versucht es trotz Abwanderung zu überleben. In: Neue Zürcher Zeitung. 12. Juli 2025, abgerufen am 13. Juli 2025.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 556–559.
- ↑ Katholische Kirche Santa Famiglia (Foto) portacultura.gr.ch
- ↑ Casa Besta (Fotos) portacultura.gr.ch.
- ↑ Casa Nussio (Foto) portacultura.gr.ch.
- ↑ Michela Nussio, Oltre i colori della contrada. Uno sguardo antropologico sul Palio delle contrade di Brusio. (italienisch) auf e-periodica.ch/digbib, abgerufen am 11. Januar 2017.
- ↑ Fernando Iseppi: Remo Bornatico. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 17. August 2004, abgerufen am 15. Dezember 2019.
- ↑ Jürg Simonett: Gaudenz de Misani. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 11. November 2008, abgerufen am 5. April 2020.
- ↑ Cesare Santi, Documenti sulla vicenda di Gaudenzio Misani. (italienisch) auf e-periodica.ch/digbib, abgerufen am 13. Januar 2017.
- ↑ Jürg Simonett: Johann Theodor de Misani. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 13. November 2008, abgerufen am 5. April 2020.
- ↑ Dario Monigatti: Brusio, tra passato e presente. In: Valposchiavo, una Svizzera speciale. In: arte&storia. ottobre 2020, S. 148–153.
- ↑ Remigio Russo (mit Foto). In: nossaistorgia.ch. Abgerufen am 27. Oktober 2024.
- ↑ Arturo Plozza: Quel lembo di terra a Sud delle Alpi. In: Valposchiavo, una Svizzera speciale. In: arte&storia, Ticino Management, Lugano ottobre 2020, S. 6.
- ↑ Begoña Feijoó Fariña. Biografie und Bibliografie auf Viceversa Literatur





