Bromargyrit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entwickelt kubische Kristalle von bis zu einem Zentimeter Größe, die meist in parallelen Gruppen angeordnet sind und einen diamantähnlichen Glanz auf den Oberflächen zeigen. Häufig findet er sich auch in Form derber Massen oder wachs- bis hornartiger, krustiger Überzüge. Das Mineral ist durchsichtig bis durchscheinend und seine Farbe variiert zwischen Hellgelb und Olivgrün, oft mit bräunlicher, oder grauer Tönung.
Benannt wurde das Mineral nach seiner Zusammensetzung, den Elementen Brom und Silber (altgriechischἄργυροςárgyros).
Erstmals entdeckt und beschrieben wurde das heute als Bromargyrit bekannte Mineral 1841 durch Pierre Berthier bei Plateros im mexikanischen Bundesstaat Zacatecas. Die dortigen Bergleute bezeichneten dieses Silbererz, das dort in kleinen, olivengrünen und gelblichen Kristallen auftrat, als Plata verde (deutsch: grünes Silber) und hielten es für Chlorsilber. Berthier erkannte allerdings, dass es aus reinem Bromsilber bestand.[9]
1849 beschrieben August Breithaupt und Carl Friedrich Plattner, der auch die Analysen durchführte, ein Mineral aus der Grube Colorada bei Copiapó in Chile. Breithaupt bezeichnete es als Embolit von altgriechischἐμβόλιονembolion für ‚das Eingeschobene‘, da es ihm zufolge etwa in der Mitte zwischen Silberhornerz (heute: Chlorargyrit) und Bromsilber (heute: Bromargyrit) stand. Als alternative Bezeichnung schlug Breithaupt zudem Bromchlorsilber vor.[10]Embolit gilt heute als Synonym für die VarietätBromchlorargyrit (siehe Modifikationen und Varietäten).
Bromargyrit war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Bromargyrit theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der 1962 erfolgten Publikation der IMA: Commission on new minerals and mineral names wurde die Bezeichnung Bromargyri von der Mehrheit der Kommission als der zu bevorzugende Mineralname gewählt und die bis dahin ebenfalls verbreitete Bezeichnung Bromyrit zu dessen Synonym.[11] Da dies automatisch eine nachträgliche Ankerkennung für den Bromargyrit bedeutete, wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „1962s.p.“ (special procedure) geführt.[1] 1980 wurde die Entscheidung für den Namen Bromargyrit und gegen Bromyrit noch einmal bestätigt.[12] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von MineralName lautet „Bag“.[2]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer III/A.02-060. Dies entspricht der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Einfache Halogenide“, wo Bromargyrit zusammen mit Carobbiit, Chlorargyrit, Griceit, Halit, Sylvin und Villiaumit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer III/A.02 bildet.[7]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Bromargyrit die System- und Mineralnummer 09.01.04.02. Das entspricht der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Wasserfreie und hydratisierte Halogenide“. Hier findet er sich in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 09.01.04, in der auch Chlorargyrit eingeordnet ist.[14]
Unter Lichteinfluss verfärbt sich das Mineral durch die Bildung elementaren Silbers braun oder schwarz. An der Luft kann Bromargyrit einen starken Geruch nach „Arzneimitteln“ verbreiten.[5]
Mit einer durchschnittlichen Mohshärte von 2 gehört Bromargyrit zu den weichen Mineralen, die sich ähnlich wie die Referenzminerale Gips oder Halit mit dem Fingernagel ritzen lassen. Im Gegensatz zu diesen eher spröden Mineralen ist Bromargyrit extrem plastisch verformbar und lässt sich mit dem Messer schneiden.[3]
Vor dem Lötrohr ist Bromargyrit leicht schmelzbar. In Säuren löst er sich kaum, in Ammoniak dagegen schon.[15]
Bromargyrit (AgBr) bildet eine lückenlose Mischreihe mit Chlorargyrit (AgCl), deren Zwischenglieder bzw. Mischkristalle als Bromchlorargyrit oder auch Embolit (Ag(Br,Cl)) bezeichnet werden.[6]Bor- und iodhaltiger Bromargyrit ist ebenfalls sehr verbreitet. Iodhaltiger Embolit wird auch als Jodobromit (Ag(Br,Cl,I)) bezeichnet.[3]
Als eher seltene Mineralbildung kann Bromargyrit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand: 2012) etwas mehr als 200 Fundorte.[16] Neben seiner Typlokalität Plateros trat das Mineral noch in vielen weiteren Gruben in Zacatecas und anderen Bundesstaaten Mexikos auf.
In Deutschland fand sich Bromargyrit unter anderem in den Gruben „Clara“ und „Fortuna“ bei Oberwolfach in Baden-Württemberg, bei Bad Ems und in der Grube „Schöne Aussicht“ bei Dernbach in Rheinland-Pfalz, im Mansfelder Becken in Sachsen-Anhalt und in der Grube „Sauberg“ bei Ehrenfriedersdorf im sächsischen Erzgebirge.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Bolivien, Chile, China, Frankreich, Italien, Marokko, Neuseeland, Russland, Spanien, Tschechien, Ungarn, auf den U.S. Virgin Islands und in den Vereinigten Staaten von Amerika.[17]
J. F. A. Breithaupt, C. F. Plattner:Bestimmung neuer Mineralien: Embolit oder Bromchlorsilber. In: Annalen der Physik und Chemie. Band153, 1849, S.134–135 (rruff.info[PDF; 130kB; abgerufen am 31.Dezember 2024]).
Ralph Walter Graystone Wyckoff:Crystal Structures. 2. Auflage. Band1. Interscience Publishers, New York 1963, S.85–237 (englisch).
Bromargyrite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 31.Dezember 2024(englisch).
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.149 (englisch).
123456789
Bromargyrite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 49kB; abgerufen am 31.Dezember 2024]).
12Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.367.
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Bromargyrite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 31.Dezember 2024(englisch).
↑P. Berthier:Sur l’existence du bromure d’argent natif au Mexique, et au Huelgoeth, en France. In: Annales de Chimie et de Physique. Band3, Nr.2, 1841, S.417–425 (französisch, [abgerufen am 31.Dezember 2024] deutsche Übersetzung: Ueber das Vorkommen des Bromsilbers in Mexico und zu Huelgoeth in Frankreich als Digitalisat des Polytechnischen Journals, S. 300–306).
↑J. F. A. Breithaupt, C. F. Plattner:Bestimmung neuer Mineralien: Embolit oder Bromchlorsilber. In: Annalen der Physik und Chemie. Band153, 1849, S.134–135 (rruff.info[PDF; 130kB; abgerufen am 31.Dezember 2024]).
↑
International Mineralogical Association: Commission on new minerals and mineral names. In: Mineralogical Magazine. Band33, 1962, S.260–263 (englisch, rruff.info[PDF; 168kB; abgerufen am 31.Dezember 2024]).
↑
International Mineralogical Association: Commission on New Minerals and Mineral Names. In: Mineralogical Magazine. Band43, Dezember 1980, S.1053–1055 (englisch, rruff.info[PDF; 176kB; abgerufen am 31.Dezember 2024]).
↑Richard V. Gaines, H. Catherine Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason und Abraham Rosenzweig:Danas New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, 1997, ISBN 0-471-19310-0 (englisch).